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Stadtchronik 1979


Bemerkenswertes, Kurioses und Alltägliches

Ausblick ins Jahr 1979 - Wohnungsmangel und Finanznot

16. Januar: "Bei einem [...] Ausblick auf die Rathausarbeit unterstreicht OB Kiesl vor der Presse, das Hauptaugenmerk der neuen Rathausführung werde bei der Verwirklichung des von ihm initiierten Wohnraumbeschaffungsprogramm liegen. Pessimistisch sieht Kiesl die Stadtfinanzen. Er prognostiziert bis 1983 eine Finanzlücke von 1 Milliarde Mark aufgrund der zu erwartenden Preissteigerungen bei städtischen Projekten und für den Fall, dass die gemeindlichen Steuerquellen weiterhin eingeengt oder gar durch die Reformpläne von Bund und Ländern ohne Ersatz gestrichen würden [...]."

Denkmalschutz für die Altstadt

29. Januar: "Das Landesamt für Denkmalpflege hat [...] im Einvernehmen mit der Stadt eine Anzahl schutzwürdiger Ensembles in die Landesdenkmalliste eingetragen. Das ganze Tal wird unter Ensembleschutz gestellt, ebenso die Sendlinger Straße, die Häuser Hackenstraße 6, 8 und 10, die Kreuzstraße, die Gebäude an der Brunnstraße 1 bis 5, 7, 9,11, 13, Teile der Damenstiftstraße, der Dreifaltigkeitsplatz [...]." Bald danach wurden auch weite Teile des Graggenauer Viertels rund um den Alten Hof, darunter das Hofbräuhaus, die Münze, die Hofpfisterei, das Zerwirkgewölbe und das Platzl unter Denkmalschutz gestellt.

Ex-OB Kronawitter mischt sich ein

30. Januar: "Mit Mißtrauen verfolgt die Münchner SPD die öffentliche Aktivität, die Ex-Oberbürgermeister Kronawitter derzeit wieder zu entwickeln beginnt. Der 50-jährige fühlt sich zu jung fürs Altenteil und versucht den Start einer neuen politischen Karriere. Eifrig besucht er Bürgerversammlungen und packt dort ‚heiße Eisen' an. So machte er sich vor einigen Tagen zum Wortführer der aufgebrachten Gegner des Allacher Rangierbahnhofes [...]."

Werbung für den Transrapid

14. Februar: "In München wird der Öffentlichkeit die größte Magnetschwebebahn der Welt, der Transrapid 05, vorgestellt, in dem 68 Personen Platz finden. Das 36 Tonnen schwere Fahrzeug ist für den Fernverkehr zwischen den europäischen Ballungszentren gedacht und soll bis zu 400 km/h schnell sein [...]."

Rettet die Münchner Tram!

14. Februar: "Zur Zeit gründen Tram-Fans ein eigenes Bürgerkomitee, dem Stadträte, Politiker aller Parteien, Verkehrsexperten und Prominente angehören, die alle die Münchner Tram retten wollen. Wenn es nämlich nach den Plänen der Verkehrsbetriebe geht, wird die Straßenbahn [...] ab 1980 Zug um Zug beseitigt. Dann sollen in München nur noch U-Bahnen und Busse fahren." (Abb. s. unten)

Landflucht der Münchner Polizisten

22. Februar: "Jeder sechste der knapp 4.000 Münchner Polizeibeamten wünscht sich, möglichst rasch die Stadt verlassen zu können. 350 haben dringenden Antrag auf Versetzung gestellt [...]. Die Gründe für die Polizisten-Flucht aus München: sie müssen auf dem Land weniger arbeiten und bekommen mehr für ihr Geld. Seit es keine Großstadtzulagen mehr gibt, verdienen die Beamten in der Stadt und auf dem Land dasselbe [...]."

Der "Bomber der Nation" verlässt den FC Bayern

22. Februar: "Das Präsidium und der Beirat des FC Bayern München entsprechen dem Wunsch von Mittelstürmer Gerd Müller nach Auflösung des Vertrages mit sofortiger Wirkung. Der Beirat erkennt Gerd Müllers außerordentliche Verdienste um den Verein an, heißt es in einer Presseerklärung, und er lege Wert auf die Feststellung, dass der Verein diesen Verdiensten immer durch eine überaus großzügige finanzielle Vergütung und persönliche Wertschätzung und Anerkennung Rechnung getragen hat." Gerd Müller, der schon in seiner aktiven Zeit den Titel "Bomber der Nation" bekam, war der beste Torjäger aller Zeiten. In 427 Bundesligaspielen hatte er 365 Tore und in 62 Länderspielen 68 Tore erzielt.

Schauspieler Hans Pössenbacher gestorben

24. Februar: "Im Alter von 83 Jahren stirbt der Schauspieler Hans Pössenbacher. Er wirkte von 1946-1976 an den Münchner Kammerspielen. Beim Bayerischen Rundfunk wirkte er in 15 Jahren bei 1.500 Sendungen mit und war u.a. der Vater in der Serie ‚Familie Brandl'."

München - eine kulturelle Provinz?

8. März: "Die Münchner SPD führt einen Kulturparteitag durch. Dabei attackiert [...] Stadtkämmerer von Heckel den ‚finsteren Kulturprovinzialismus' der CSU im Rathaus. Die CSU habe es in kürzester Zeit geschafft, München zum ‚Schilda unserer Republik' zu stempeln. Die SPD werde sich entschieden gegen jegliche Zensur und Einschränkung der Kulturfreiheit wehren [...] Der Parteitag spricht sich [...] u.a. für die Einrichtung eines Volkstheaters im Innenstadtbereich, für Stadtteilkinos und für eine intensivere Stadtteilarbeit aus."

Woche der Brüderlichkeit 1979

12. März: "Zum Abschluß der diesjährigen Woche der Brüderlichkeit ehrt die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit verdiente Mitglieder. Käthe Künstler wird zur Ehrenvorsitzenden und Gerty Spies zum Ehrenmitglied ernannt [...]" Käthe Künstler (1904-1999) war bis zur zwangsweisen Schließung der Schule durch die SA Leiterin der Wirtschaftlichen Frauenschule in Wolfratshausen gewesen. Sie war 1939 emigriert und 1955 nach München zurückgekehrt. 1973-1979 war sie Vorsitzende der "Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit." Gerty Spies (1897-1997), die seit 1929 in München gelebt hatte, überlebte einen dreijährigen Aufenthalt im Konzentrationslager Theresienstadt. In den folgenden Jahren verarbeitete sie ihre Erlebnisse in mehreren Publikationen.

Kongreß der Eisenbahner-Gewerkschaft

12. März: "Auf einem außerordentlichen Kongreß in München wählen die Delegierten der Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands den parlamentarischen Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Ernst Haar, zu ihrem neuen Vorsitzenden. Die Gewerkschafter wenden sich gegen Personalabbau, Streckenstilllegungen und andere Experimente, die nicht geeignet seien, die Bahn zu sanieren. Der bayerische Verkehrsminister Jaumann erklärt, seiner Meinung nach sei es in den vergangenen Jahren versäumt worden, die Bundesbahn [...] dem Strukturwandel im Verkehr anzupassen."

OB Erich Kiesl empfängt König Carl XVI. Gustav und Königin Silvia im Kleinen Sitzungssaal des Rathauses.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung

Königlicher Besuch

klicken für eine vergrößerte Darstellung! 23. März: "Das schwedische Königspaar Carl XVI. Gustav und Silvia, die ihren König während der Olympischen Spiele 1972 in München [...] kennengelernt hatte, trifft im Rahmen seines Staatsbesuches [...] in München ein. Sie werden auf dem Starnberger Bahnhof von Ministerpräsident Strauß und seiner Frau empfangen. Bevor sie zum Prinz-Carl-Palais weiterfahren, schreitet der König zusammen mit [...] Strauß die Front einer Ehrenhundertschaft der Bereitschaftspolizei ab [...]."

Kernkraftgegner verweigern Stromzahlungen

5. April: " Nach einem Reaktorunglück in den USA wollen Münchner Atomkraftwerksgegner Stromzahlungen verweigern. Eine ‚Initiativgruppe Stromzahlungsboykott' kündigt an, ab 2. Mai würden 100 Münchner Haushalte nur noch 90 Prozent der Pauschale an die Stadtwerke überweisen, die restlichen 10 Prozent kämen auf ein Treuhandkonto. In einer Presseerklärung der Gruppe heißt es: 'Wir können es nicht mit unserem Gewissen vereinbaren, dass durch unsere Stromzahlungen der Bau und Betrieb von Atomkraftwerken finanziert wird.' Die Stadtwerke erklären dazu, wer nicht ordnungsgemäß zahle, dem werde der Strom gesperrt. Es sei völlig unerheblich, ob die ganze Schuld oder zur ein 10-Prozent-Betrag einbehalten werde." (Abb. s. unten)



Stoiber verschreckt die Münchner CSU-Stadträte

7. April: "In der Münchner CSU stoßen Äußerungen von CSU-Generalsekretär Stoiber auf heftigen Widerspruch. Stoiber hatte behauptet, an der Parteibasis habe sich die Erkenntnis verbreitet, CSU und CDU hätten nur wenig Aussichten, die nächste Bundestagswahl 1980 zu gewinnen, wenn sich im Parteiengefüge nichts ändere. Die Kräfte, die eine solche Ansicht ablehnten, nannte Stoiber ein ‚absolute Minderheit'. CSU-Funktionäre und Mandatsträger der Stadt erklären, für die Parteibasis treffe die Erklärung Stoibers nicht zu. Ganz im Gegenteil sei hier die Ablehnung einer eventuellen bundesweiten Ausdehnung der CSU stark ausgeprägt. Befürchtet wird in diesem Fall auch, daß dann die CDU nach Bayern kommt und z.B. in München die CSU-Mehrheit im Rathaus verloren gehen könnte." Die Münchner CSU-Stadträte, die sich nur allzu gut an das Jahr 1976 erinnerten, als die CSU während ihrer Klausurtagung in Kreuth die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU im Bundestag aufgekündigt hatte, befürchten eine ähnliche Situation wie 1976. Der Trennungsbeschluss hatte damals allerdings nur drei Wochen Bestand gehabt."

Prozess gegen Vera Brühne im Münchner Justizpalast, Juni 1962.   Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung (Foto: Kurt Huhle)

Gnadengesuch für Vera Brühne

20. April: "Die Bayerische Staatskanzlei gibt bekannt, dass Ministerpräsident Strauß dem Gnadengesuch von Vera Brühne positiv gegenüberstehe, er halte die 17jährige Haftzeit für ausreichend. Strauß gab bereits Anweisung, die Prozedur des Gnadengesuchs rasch voranzutreiben." Vera Brühne war in den 1960er Jahren Protagonistin eines der spektakulärsten Mordprozesse der Nachkriegszeit gewesen. Obwohl der Prozess viele Fragen offen gelassen und sie stets ihre Unschuld beteuert hatte, war sie wegen Doppelmord zu zweimal lebenslänglich verurteilt worden. 1979, nach 18-jähriger Haft, wurde sie schließlich begnadigt. Vera Brühne starb im April 2001 im Alter von 91 Jahren.



München - (k)ein Boden für Rechtsradikalismus

15. Mai: "Das Gebiet der ehemaligen ‚Hauptstadt der Bewegung' hat sich in der Nachkriegszeit als karger Boden für neonazistische Agitatoren erwiesen. Die Zahl der in München ansässigen Rechtsextremisten [...] liegt nach polizeilichen und verfassungsschützerischen Erkenntnissen bei weniger als 1.000 [...]. An der Münchner Universität sind nach Feststellungen des Bayerischen Verfassungsschutzes etwa 50 rechtsextreme Studenten aktiv, denen einen Vielzahl Linksextremer gegenüberstehe."

Das Münchner Forum lädt zur Podiumsdiskussion "Stirbt das Münchner Wirtshaus?"  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Zeitgeschichtliche Sammlung

"Stirbt das Münchner Wirtshaus?"

31. Mai: Das Münchner Forum veranstaltet im Hofbräuhaus eine Podiumsdiskussion über das Thema ‚Stirbt das Münchner Wirtshaus?'. Vertreter des Hotel- und Gaststättenverbandes, von Bau-, Kultur- und Stadtentwicklungsreferat, Politiker, Wirte und Bürger beklagen die Gefährdung der Münchner Wirtshäuser [...]. Als Hauptursache der Misere werden der Druck der Brauereien auf gastronomische Kleinbetriebe, Personalknappheit, die Konkurrenz ausländischer Spezialitätenlokale und von Konzernketten sowie fast unerfüllbare städtische Auflagen bei Wirtshausrestaurierungen genannt." (Abb. s. unten)

Oberbürgermeister Erich Kiesl stellt Sergiu Celibidache als neuen Chef der Münchner Philharmoniker vor.   Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung

"Celi" wird Chef der Münchner Philharmoniker

19. Juni: "Der Kulturausschuß des Stadtrats faßt in nichtöffentlicher Sitzung den einstimmigen Beschluß, den 67jährigen rumänischen Dirigenten Sergiu Celibidache zum Generalmusikdirektor der LH München zu berufen [...]."

Ostpark endgültig fertiggestellt

26. Juni: "Der 2. Bauabschnitt des Ostparks wird von OB Kiesl an Münchens Bürger übergeben. Aus einem 30 ha großen Gelände hat die Stadtgartendirektion mit einem Kostenaufwand von 10, 84 Mio. Mark eine Freizeitoase mit Blumen, Wiesen und Bäumen, Spielflächen und ökologischen Nischen geschaffen. Zentrum ist ein 35.000 qm großer See mit einer 2.300 Meter langen Uferstrecke und einer kleinen Insel. Zusammen mit dem ersten Bauabschnitt haben die Bewohner des Münchner Ostens einen Park von 56 ha zur Verfügung. Kiesl dankt in seiner Ansprache seinem Amtsvorgänger, der für den Park viel geleistet hat."

Grundsteinlegung für Europäische Schule

9. Juli: "In Neuperlach findet die Grundsteinlegung für die Europäische Schule statt. Als Vertreterin der Bundesregierung äußert Staatsministerin Hildegard Hamm-Brücher, die Europa-Schulen sollten auf der Grundlage des gemeinsamen kulturellen Erbes Modelle für das geistige Zusammengehörigkeitsgefühl Europas sein. Die Europäische Schule [...] ist für die Kinder der Angehörigen des Europäischen Patentamtes bestimmt."

Philharmoniker-Chef vergrault Musikerkollegen

9. Juli: "Karl Böhm wird die Münchner Philharmoniker nicht mehr dirigieren. Grund ist das Interview, in dem der neue Generalmusikdirektor Sergiu Celibidache über seine Dirigenten-Kollegen kein Blatt vor den Mund nahm. In einem Brief an den Philharmoniker-Direktor Ohnsorg schreibt Böhm, er betrachte die bestehenden Vereinbarungen für Konzerte [...] als gelöst [...]. Böhm betont, daß er das Orchester aus künstlerischen und menschlichen Gründen sehr hoch einschätze."

Valentin-Geburtshaus in Gefahr

11. Juli: "Dem Geburtshaus von Karl Valentin, Zeppelinstraße 41, droht der Abbruch, da der Grundstückseigentümer das Baurecht voll ausschöpfen möchte. Das Landesamt für Denkmalpflege erklärt, der Abbruch sei undenkbar, da würden die Münchner nicht mitmachen. Man spricht von einem Skandal und von der schleichenden Zerstörung Alt-Münchens. Für die Denkmalschützer [...] ist das schlichte Vorstadthaus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts etwas Besonderes. Von diesem Haustyp - kleinbürgerliche Architektur mit spätklassizistischen Anklängen - gibt es in München kaum noch einige Exemplare." Tatsächlich blieb das Haus erhalten.

München - fünfteuerste Stadt Deutschlands

22. August: "Ein Verbraucherpreisvergleich des Statistischen Bundesamtes ergibt, daß München die fünfteuerste Stadt der Bundesrepublik ist. Dabei wurden allerdings die Wohnungsmieten nicht berücksichtigt [...]."Plakat Initiative 'Rock gegen Strauss'

Flugblatt von Franz-Josef-Strauß-Gegnern  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Zeitgeschichtliche Sammlung

Jugendlicher Protest gegen Franz Joseph Strauß

28. August: "Jugendliche gründeten eine Initiative ‚Rock gegen Strauß', die Jugendliche ‚gegen einen Mann mobilisieren' will, "der zu Symbolfigur für aggressive und reaktionäre Politik in unserem Land wurde'. Im Oktober plant die Initiative ein ‚Jugendtreffen gegen Rechts' gemeinsam mit Rockgruppen und Liedermachern." (Abb. s. unten)



Keine Lehrstelle - Hungerstreik

13. September: "Mit einem zweitägigen Hungerstreik demonstriert eine 18jährige Münchner Abiturientin vor dem Rathaus. 54 mal hat sie sich im Großraum München um einen Lehr- und Ausbildungsplatz beworben, ebenso oft bekam sie Absagen. Sie suchte eine Lehrstelle als Informationselektronikerin oder als Maschinenschlosserin."

"Ochsensepp" gestorben

13. September: "Josef Müller, einer der Gründer der CSU, stirbt im Alter von 81 Jahren. Der ‚Ochsensepp' war nach dem Krieg bis 1949 der erste Landesvorsitzende der CSU und von 1947 bis 1952 bayerischer Justizminister und stellvertretender Ministerpräsident. 1960 unterlag er bei den Münchner Oberbürgermeisterwahlen Hans-Jochen Vogel. Müller galt als politischer Ziehvater von Franz-Joseph Strauß, den er seinen "politischen Erben" nannte." (Abb. s. unten)

Fahnder des Finanzamts auf Wiesn-Besuch

13. September: "Die Finanzbehörden wollen die Wies'n-Kellnerinnen in diesem Jahr verschärft zur Kasse bitten. Trinkgelderfahnder der Münchner Finanzämter sollen die Trinkgelder der Bedienungen in den Bierzelten genauestens unter die Lupe nehmen, um festzustellen, was den Kellnerinnen an zu versteuernden Trinkgeldern zufließt [...]. In diesem Jahr müssen die Kellnerinnen erstmals dem Wirt täglich ihre Trinkgeldeinnahmen mitteilen. Wenn dieser Anlaß für Zweifel an den Angaben hat, ist er verpflichtet, dem Finanzamt dieses mitzuteilen. Die Wies'n-Wirte finden es unvorstellbar, daß die schwerschuftenden Kassiererinnen bei dem hektischen Zeltbetrieb jeden Tag angeben können, wie viel zusätzlich an Trinkgeld in der eigenen Tasche klingelt [...]."

Unions-Kanzlerkandidat Strauß kritisiert Bundesregierung

29. September: "Auf dem CSU-Parteitag ruft der Parteivorsitzende, Ministerpräsident Strauß, zur Ablösung der SPD aus der Bonner Regierungsverantwortung auf. In einer zweieinhalbstündigen Rede wirft der Kanzlerkandidat der Bundesregierung Versagen in der Außen-, Energie-, Verteidigungs- und Finanzpolitik vor und richtet scharfe Angriffe gegen den SPD-Vorsitzenden Brandt und Bundeskanzler Schmidt. In einem Grußwort sichert der CDU-Vorsitzende und Oppositionsführer im Bundestag, Helmut Kohl, dem gemeinsamen Kanzlerkandidaten die volle Unterstützung seiner Partei bei der kommenden Bundestagswahl zu [...]."

Protest gegen Tariferhöhungen des MVV.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung (Foto: Angermeier)

Proteste gegen Tariferhöhung des MVV

5. Oktober: "Stadtkämmerer von Heckel verweigert seine Zustimmung zu der vom Werkreferat vorgeschlagenen Erhöhung der MVV-Tarife [...]." Wenige Tage später erhält er dafür eine offizielle Rüge durch OB Erich Kiesl. Diese ungewöhnlich heftige Reaktion dürfte u.a. dadurch zu erklären sein, dass Heckel Kiesls Gegenkandidat bei der OB-Wahl 1978 gewesen war.klicken für eine vergrößerte Darstellung!

8. Oktober: "Am späten Nachmittag kommen mehrere tausend Bürger zu einer Protestkundgebung gegen die MVV-Tariferhöhungen zum Marienplatz. Unter großem Beifall fordern die Redner eine solide Tarifpolitik und schieben in erster Linie die Schuld an den Erhöhungen der CSU und OB Kiesl zu [...]. Der SPD-Stadtratsfraktionsvorsitzende Salzmann wirft der CSU und Kiesl Prunksucht und Scharlatanerie anstelle von Ehrlichkeit und Sparsamkeit vor. Er verspricht, daß die SPD im Rathaus ganz entschieden gegen die geplante Fahrpreiserhöhung von 33 Prozent kämpfen werde."

"Grüne" gründen Landesverband

7. Oktober: "Die bisher nur in einem losen Wahlbündnis vereinigten ‚Grünen' schließen sich in München zu einem offiziellen bayerischen Landesverband unter dem Namen ‚Die Grünen' zusammen [...]."

Ministerpräsident Strauß ehrt DDR-Wehrdienstverweigerer

22. Oktober: "In der Staatskanzlei übergibt Ministerpräsident Strauß dem vor einigen Tage aus DDR-Haft entlassenen Ostberliner Wehrdienstverweigerer Nico Hübner den Konrad-Adenauer-Friedenspreis 1979. Der Preis war am 30. Juli von der Deutschland-Stiftung verliehen worden [...] Hübner erhält den Preis in respektvoller Würdigung seiner mutigen und aufrechten Haltung, in dankbarer Anerkennung für sein unbeugsames Eintreten für Freiheit, Recht und Einheit [...] sowie für seine beispielhafte Auffassung von politischem Denken und Handeln in jungen Jahren, wodurch er zum hervorragenden Vorbild für die junge Generation in Deutschland geworden ist. Hübner erklärt, er sei kein Wehrdienstverweigerer unter allen Umständen. Wenn er in einem anderen Teil des freien Deutschlands außerhalb Berlins wohnen würde, sei er natürlich bereit, in der Bundeswehr seinen Dienst zu leisten."klicken für eine vergrößerte Darstellung!

Bayerns Ministerpräsident Franz Josef Strauß empfängt den chinesischen Partei- und Regierungschef Hua Guofeng, 26. Oktober 1979.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung (Foto: Penz)

Hoher chinesischer Besuch

26. Oktober: "Auf dem Starnberger Bahnhof trifft der chinesische Partei- und Regierungs-Chef, Hua Guofeng, ein, wo er von Ministerpräsident Strauß mit chinesischen Worten begrüßt wird. Der Aufenthalt in München beginnt mit dem Abschreiten der Ehrenkompagnie, führt zum offiziellen Empfang im Prinz-Carl-Palais, zu einem Besuch im Rathaus, wo Hua sich in das Gedenkbuch der Stadt einträgt, zu einem Besuch im Siemenswerk an der Balanstraße und zu einem Bummel durch das Kaufhaus Hertie am Bahnhof [...]. Am Nachmittag versammeln sich auf dem Marienplatz Demonstranten aus Taiwan. Die rund 30 Taiwan-Chinesen fordern auf Spruchbändern [...] die Einführung der Demokratie in Rotchina, die Freilassung eines Bürgerrechtlers und die Öffnung eines Gefängnisses [...]."

Finanzminister Max Streibl preist die Datenverarbeitung

29. Oktober: "Bei einer Feierstunde, mit der die Neugestaltung und ein Erweiterungsbau der Landesbesoldungsstelle gefeiert werden, erklärt Finanzminister Streibl, die elektronische Datenverarbeitung werde auch in Zukunft für die Finanzverwaltung einen hohen Stellenwert einnehmen. Die Landesbesoldungsstelle ist in der Lage, die Abrechnung der Bezüge für rund 170.000 bayerische Beamte mit nur 190 Dienstkräften zu bewältigen."

Teure Blütenpracht - IGA-Kosten explodieren

7. November: "Nach einer neuen Kostenrechnung soll die Internationale Gartenbauausstellung 1983 nicht wie ursprünglich geschätzt 112 Millionen Mark, sondern sage und schreibe 269 Millionen Mark kosten. Das entspricht einer Steigerung um 140 Prozent. In einem Brief an die Stadtratsfraktionen äußert sich OB Kiesl besorgt über die Entwicklung. [...] Kiesl zeigt sich entschlossen, den Verantwortlichen für die äußerst mangelhaft erstellte Erstschätzung ausfindig zu machen. Der OB räumt aber auch ein, daß es für massive Streichungen in der neuen IGA-Rechnung wohl nur einen geringen Spielraum gebe, da die Arbeiten bereits sehr weit fortgeschritten seien. [...]"

Bürgerinitiativen streiten für Lebensqualität im Münchner Norden

8. November: "Für eine Verbesserung des Lebensraumes und gegen eine Belastung mit Lärm, Schutz, Gift und Abgasen wollen acht Bürgerinitiativen des Münchner Nordens kämpfen, wie sie auf ihrer ersten gemeinsamen Veranstaltung beschließen. Ihre Kritik richtet sich vor allem gegen den Großflughafen München II, gegen die Errichtung des Rangierbahnhofes im Münchner Norden und gegen die künftige Nutzung des Alabama-Geländes als Gewerbegebiet durch die Firma BMW. Im Bereich der Umweltbelastung treten die Initiativen für eine sofortige Beseitigung des Umweltgiftes Cadmium in der Freimann Giftschlamm-Deponie, für eine Einstellung der Abgabe schädlicher Immissionsstoffe durch die Firma Bärlocher sowie eine Aufhebung der von der Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung ausgehenden Gefahren ein. Ebenso lehnen sie einen weiteren Bau von Schnellstraßen in ihrem Stadtteil ab."

"Streichtrio" soll städtischen Haushalt retten

13. Dezember: "Vor der Presse wirft der Fraktionsvorsitzende der FDP-Fraktion im Rathaus, Manfred Brunner, OB Kiesl und der CSU-Mehrheit im Stadtrat mangelnde Seriosität vor allem im finanziellen Bereich vor. Um ein ‚Finanzfiasko' in den kommenden Jahren zu verhindern, fordert die FDP die Einsetzung eines kommunalen ‚Streich-Trios'. Das Gremium soll sich aus je einem Vertreter der drei Fraktionen zusammensetzen und das Mehrjahresinvestitionsprogramm bis zum Jahre 1983, das eine Unterdeckung von 600 Millionen Mark aufweist, gründlich durchforsten."

Umstrittenes Beuys-Werk darf angekauft werden

14. Dezember: "Die Regierung von Oberbayern veröffentlicht eine Entscheidung, daß sie als Aufsichtsbehörde gegen den Beschluß des Kulturausschusses, das Beuys-Werk ‚Zeige deine Wunden' zum Preis von 270.000 Mark für die Städtische Galerie im Lenbachhaus anzukaufen, nicht beanstanden werde. Die Regierung weist damit eine Aufsichtsbeschwerde des Münchner CSU-Landtagsabgeordneten Richard Hundhammer ab, der der Stadt u.a. vorgeworfen hatte, die Pflicht zur sparsamen Haushaltsführung zu verletzen. Die Regierung von Oberbayern meint, daß die Landeshauptstadt ihren freien Ermessensspielraum nicht überschritten habe."

Sanierung der Metzgerzeile am Viktualienmarkt ist abgeschlossen

15. Dezember: "Die zwölf traditionsreichen Metzgerläden der Metzgerzeile am Petersbergl werden nach gut einjähriger Bauzeit wieder eröffnet. Über 4,5 Millionen Mark hat sich die Stadt die Rettung der alten Viktualienmarkt-Ansicht kosten lassen." Die Läden gehen auf die dort seit dem Mittelalter bestehenden "unteren Fleischbänke" zurück.

Abbildungen zur Chronik 1979