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Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Stadtchronik 1980


Bemerkenswertes, Kurioses und Alltägliches

Stadtrats-SPD plädiert für Durchführung des "Baugebotes"

2. Januar: "Die SPD-Stadtratsfraktion unternimmt einen Vorstoß, private Grundstücksbesitzer zum Bauen zu zwingen, um so der Wohnungsnot zu begegnen. In einem Antrag konstatiert die SPD, daß derzeit 1.400 Grundstückseigentümer über 1,9 Millionen qm baureifen Grund verfügten. Die meisten der Grundeigentümer würden aber mit dem Bauen warten, da sie sich wegen der laufend steigenden Grundstückspreise ein lohnendes Geschäft erwarten. Die SPD ist der Meinung, daß die Stadt die gesetzliche Möglichkeit, die das Bundesbaugesetz mittels des Baugebotes eröffnet, verstärkt ausschöpfen müsse."

OB bittet um Geduld mit dem MVV-Personal

7. Januar: "Ausgehend von den Schwierigkeiten, die die Umstellung der Tarife des Verkehrsverbundes zum Beginn des Jahres mit sich gebracht hatte, ruft OB Kiesl zu ‚größtmöglichem Entgegenkommen und Verständnis für die Probleme des Fahrpersonals und der MVV-Bediensteten' auf. Gleichzeitig bietet Kiesl an, daß gravierend erscheinende Mängel unmittelbar dem Oberbürgermeister mit geteilt werden können [...]. Zu den in letzter Zeit laut gewordenen Klagen über schlechte Bus- und Straßenbahnverbindungen, fehlende S-Bahn-Züge, [....] bemerkt Kiesl, daß von den insgesamt 17 beanstandeten Buslinien inzwischen schon 13 durch zusätzliche Kurswagen oder Fahrten verbessert worden seien."

Prawda verdächtigt München der Konspiration

9. Januar: "Zu den Beschuldigungen der Moskauer Parteizeitung Prawda, Ende November 1979 habe in München ein Treffen der Führer bewaffneter Verbände und der afghanischen Emigranten-Bourgeoisie unter der Leitung des amerikanischen Geheimdienstes CIA stattgefunden [...], erklärt die Staatskanzlei, der sowjetische Propagandaapparat werde immer nervöser. Das Parteiorgan versuche mit den abenteuerlichsten Behauptungen, die bayerische Landeshauptstadt als angebliches Zentrum einer angeblichen Intervention gegen Afghanistan darzustellen. ‚Dies ist schwarzer Humor aus dem roten Moskau.'"

Franz Josef Strauß erörtert weltpolitische Lage

8. Februar: "Der frühere amerikanische Verteidigungs- und Energieminister James Schlesinger gibt bei einem Gespräch mit Ministerpräsident Strauß zu erkennen, daß er wegen der aktuellen weltpolitischen Lage eine deutliche Erhöhung der Verteidigungsausgaben in der Bundesrepublik für erforderlich hält. Strauß und Schlesinger erörtern die Problematik nach der sowjetischen Invasion in Afghanistan, die NATO-Politik, das Verhältnis USA-Europa und die Auswirkungen der Krise im Mittleren Osten auf die Erdölversorgung [...]."

Polizei beendet Hausbesetzung

23. Februar: "In der Nacht räumen über 400 Polizisten das von wohnungssuchenden jungen Leuten besetzte leerstehende und baufällige Haus an der Blumenstraße 33. Die Zahl der Hausbesetzer war bis zum Beginn der Polizeiaktion von etwa 40 bis 50, in der Hauptsache Schüler, Studenten und Lehrlinge, die sich unlängst auch in der Matthäuskirche einquartiert hatten, auf 101 Personen angewachsen. Die Räumung des Hauses war bereits gestern Abend von Bürgermeister Zehetmeier angekündigt worden, nachdem sein Angebot, den Demonstranten andere Notunterkünfte für die Nacht zu verschaffen, keine Resonanz gefunden hatte. [...] Jeder einzelne wird, obwohl niemand Widerstand leistete, von je zwei Polizisten abgeführt und zum Erkennungsdienstwagen gebracht, wo Fingerabdrücke genommen werden." (Abb. s. unten)



Unterschiedliche Parteireaktionen auf die Hausräumung

25. Februar: Die CSU-Stadtratsfraktion heißt einmütig die Maßnahmen der Stadtverwaltung und der Polizei in Zusammenhang mit der Besetzung des städtischen Anwesens Blumenstraße 33 gut. Ob die Wohnungsnot der Demonstranten tatsächlich oder vorgeschützt war, könne dahingestellt bleiben. Interessant sei [...], daß die Polizei bei den 101 Besetzern lediglich drei ohne festen eigenen Wohnsitz ausfindig machen konnte. Die FDP bezweifelt, ob eine Polizeiaktion dieser Größenordnung und die anschließende erkennungsdienstliche Behandlung verhältnismäßig waren. Die Grünen zeigen sich mit den jungen Leuten solidarisch und überbringen ihnen einen Geldbetrag aus einer Spendensammlung."



Bundeskanzler Schmidt in München auf Wahlkampf-Tour

13. März: "Im überfüllten Löwenbräukeller spricht Bundeskanzler Schmidt bei der Wahlveranstaltung der Arbeitnehmerinitiative der bayerischen SPD. Schmidt erklärt dabei: ‚Es wäre schön, wenn Ihr in München endlich mal wieder einen sozialdemokratischen Oberbürgermeister im Rathaus bekommen würdet.' Schmidt spricht auch von seiner und seines Gegenkandidaten Franz Josef Strauß' Amerikareise und vermerkt dazu, daß dieser nun alle jene Klinken putze, die er bereits wenige Tage zuvor in der Hand gehabt habe. Strauß fehle es an Reife zur Staatsführung."



Diskussion über Anzahl der bayerischen Feiertage

17./18. März: "Ein zweitägiges Hearing der CSU-Landtagsfraktion über die künftige Anzahl der Feiertage in Bayern führt zu keiner Annäherung der Standpunkte. Die Vertreter der Kirche und der Wirtschaft stehen sich weiterhin starr in ihren Meinungen gegenüber. Die Wirtschaft operiert mit kaum nachprüfbaren Milliardenbeträgen, die durch zusätzliche Feiertage entstünden, die Kirchen tendieren dazu, das bereits von 70.000 Bürgern unterschriebene Volksbegehren zu unterstützen." Das von der Katholischen Arbeitnehmerbewegung Süddeutschland initiierte Volksbegehren forderte insgesamt 15 Feiertage im Freistaat.

Ärger um Neonazi-Veranstaltung

19. März:"Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN)/Bund der Antifaschisten, Landesverband Bayern, bittet die Geschäftsleitung der Torggelstuben in einem Brief, [...] eine [dort geplante] Veranstaltung von mehreren neonazistischen Organisationen zu verhindern. Als Redner soll unter dem Motto ‚Die Ehre des deutschen Soldaten - Antwort auf die Lügenhetze' Eichenlaubträger Oberst a.D. Walter Dahl auftreten. In dem Brief schreibt die VVN, bei den Veranstaltern handle es sich um Organisationen, die in ihren Publikationen versuchten, das Nazi-Regime zu rehabilitieren oder gar zu verherrlichen." Am 22. März berichtet die Chronik: "Zum erstenmal versammeln sich mehrere rechtsradikale Organisationen in einem Haus, das dem Freistaat Bayern gehört. In den Torggelstuben nehmen rund 200 Personen an einer mehrstündigen Versammlung teil." Zwar wies das Finanzministerium den Gaststättenpächter an, den Mietvertrag mit der Deutschen Volksunion (DVU) aufzuheben, doch sagte dieser die Veranstaltung aus Angst vor drohenden Schadensersatzforderungen nicht ab. Das Finanzministerium sah deshalb die Schuld am Stattfinden des Treffens beim Wirt. Beide Seiten einigten sich schließlich darauf, die eingenommene Saalmiete einem wohltätigen Zweck zukommen zu lassen.

Münchner Wohnungsnot führt zu Arbeitskräftemangel

19. April: "München, Deutschlands Touristenziel Nummer 1, wird für Arbeitnehmer immer uninteressanter. Rund 17.000 offene Stellen können zur Zeit nicht besetzt werden. Bei der Stadt und der Universität fehlen z.B. [...] 440 Krankenschwestern und Pfleger, die städtischen Verkehrsbetriebe suchen über 100 Bus- und Trambahnfahrer, die Stadtwerke 100 Ingenieure, Elektriker und Techniker. Die Firma Siemens errechnet einen Fehlbedarf von 1.377 Mitarbeitern, Kraus-Maffei sucht 150 Leute, BMW 800 [...]. Hauptursache für diesen allgemeinen Personalmangel ist die katastrophale Wohnsituation in München." Trotzdem gab es im Monat April 9.117 arbeitslose Männer und 12.330 Frauen ohne Job. Auf dem Lehrstellenmarkt kamen auf einen Bewerber rechnerisch 2,5 Ausbildungsstellen.

Benachteiligte CSU-Frauen

25. April: "Die Landesvorsitzende der Frauenunion, Ursula Krone-Appuhn, bezeichnet es als einen Skandal, daß die CSU keiner Frau einen Direktwahlkreis für die Bundestagswahl im Herbst gegeben hat. Praktisch dürften die Frauen in der CSU ‚nur gnadenhalber ihren Mund aufmachen', meint die CSU-Bundestagsabgeordnete vor der Presse."

Scharfe Kritik an der bayerischen Bildungspolitik

7. Mai: "In ungewöhnlicher Form greift der Industrielle Peter von Siemens die Politik des Kultusministeriums an. Auf einem Staatsempfang zur Jahresversammlung des Deutschen Museums stellt er fest, daß Schul- und Hochschulwesen hierzulande viel zu wünschen übrig ließen, Talentförderung und Forschung würden vernachlässigt. Sogar die sozialistischen Staaten liefen Bayern in dieser Hinsicht davon. Kultusminister Maier äußert sein Bedauern, daß ein so verdienter Mann wie Herr von Siemens sich aus persönlicher Verstimmung zu Behauptungen habe hinreißen lassen, die er bei ernsthaftem Nachdenken wohl selbst nicht aufrechterhalten wolle."

Münchner werden immer älter

8. Mai: "Über 200.000 Münchner haben das Pensionsalter überschritten. Damit sind rund 16 % der Münchner älter als 65 Jahre. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg waren es nur 9 %. Die veränderte Altersstruktur ist eine Folge des enormen Geburtenrückgangs und der Tatsache, daß die Senioren in der Großstadt bleiben und nicht, wie früher häufig, nach der Pensionierung auf das Land gehen."

Senat plädiert für U-Bahn nach Garching

13. Mai: Der Bayerische Senat spricht sich einstimmig für einen U-Bahn-Anschluß des Geländes der Technischen Universität (TU) in Garching aus. [...] Ohne ein Massenverkehrsmittel stocke die Verlegung der TU. Der Beschluß des Senats ist für den Bayerischen Landtag nur eine Empfehlung." Tatsächlich ist das TU-Gelände in Garching bis heute nicht an das Netz der MVG angeschlossen.

Hilfe für Obdachlose

27. Mai: "Eine von den Wohlfahrtsverbänden, örtlichen und überörtlichen Behörden und dem Sozialministerium gebildete ‚Arbeitsgemeinschaft für die Nichtseßhaften' will mit gezielten Maßnahmen der drohenden Diskriminierung der Nichtseßhaften durch Vertreibung aus der Fußgängerzone und den Grünanlagen (Stadtratsbeschluß vom 23. April) vorbeugen und dem betroffenen Personenkreis verstärkt Möglichkeiten zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft sichern. Nicht Strafe, sondern Hilfe sei notwendig [...]."

Studentenprotest gegen Semestergebühren. Flugblatt, 1980.   Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Zeitgeschichtliche Sammlung

Studentenprotest gegen Einführung von Semestergebühren

4. Juni: "Der Allgemeine Studentenausschuß der Fachhochschule München veranstaltet einen Aktionstag über die Einführung von Semestergebühren. Am Stachusrondell [...} informieren die Studenten Passanten über diese Gebühren, die nach einem Landtagsbeschluß ab Herbst an den bayerischen Hochschulen eingeführt werden. Jeder Student, der länger als vorgesehen studiert oder das Studiendach wechselt oder ein Zweitstudium beginnt, muß künftig Semestergebühren zwischen 600 und 800 Mark bezahlen. Die Studenten befürchten, dies sei ein Schritt, um Semestergebühren wieder für alle Studenten einzuführen.

Eine weitere Protestveranstaltung fand am 16. Juni statt: "Mit Ketten an den Händen protestieren an der Universität Studenten gegen die Studiengebühren, die künftig alle Studenten bezahlen müssen, die ihr Studium unangemessen hinauszögern. In Flugblättern heißt es, man wolle sich ‚gegen die diffamierende Hetze' gegen ‚Bummelstudenten' wehren. Immerhin müßten 40 Prozent der Studenten während des Semesters und in der vorlesungsfreien Zeit arbeiten, um ihre Studium finanzieren zu können."

Oetker-Entführer Zlof verurteilt

9. Juni: "Wegen jeweils in Mittäterschaft begangenen erpresserischen Menschenraubs und schwerer Körperverletzung verurteilt die 5. Strafkammer beim Landgericht München II den Betriebswirt Dieter Zlof zu 15 Jahren Freiheitsstrafe. Das Gericht hält ihn für überführt, bei der Entführung Richard Oetkers als Bewacher, Anrufer bei Frau Oetker und Schreiber der Erpresserbriefe beteiligt gewesen zu sein. [...] Zlof wird außerdem zur Zurückzahlung der erpreßten 21 Millionen und zu einem Schmerzensgeld von 60.000 Mark für das schwerverletzte Opfer verurteilt. Die Verteidiger Zlofs kündigen Revision an."

CSU-Generalsekretär Stoiber gibt sich siegesgewiss

20. Juni: "In der Bayernhalle auf dem Messegelände wird der Ordentliche Parteitag 1980 der CSU eröffnet. Bei seiner Eröffnungsrede ruft Generalsekretär Stoiber auf, ‚in noch größerem Maße der Bevölkerung unseren Siegeswillen spürbar zu machen.' Unter dieser Voraussetzung habe die CDU/CSU eine gute Chance, die Bundestagswahlen am 5. Oktober [1980] zu gewinnen."

Schwarzarbeit und Lohndumping

4. Juli: "Nach einer Hochrechnung des Landesarbeitsamtes sind in München zur Zeit rund 45.000 illegale Gastarbeiter beschäftigt. Sie stammen zumeist aus Jugoslawien, der Türkei und Österreich. Angeworben werden diese Männer schon bei der Ankunft am Hauptbahnhof. Sie kommen als Touristen und bleiben als Arbeiter ohne Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis. Für Stundenlöhne zwischen 5 und 10 Mark arbeiten sie zumeist auf Baustellen. Ihr Chef, der als sog. Subunternehmer die Illegalen an deutsche Großfirmen ausleiht, kassiert für jeden von ihnen bis zu 30 Mark in der Stunde. Bei der Münchner Staatsanwaltschaft laufen derzeit zahlreiche Verfahren gegen die Chefs dieser illegalen Verleihfirmen. [...] Jährlich werden schätzungsweise in München rund 800 Mio. Mark an Steuern und Sozialversicherungsabgaben auf diese Weise hinterzogen."

Ausbau der Münchner U-Bahn dringend erforderlich

8. Juli: "Mit einem dringenden Appell, den zügigen U-Bahn-Ausbau in München auch in den kommenden Jahren sicherzustellen, wenden sich die Münchner Bundestagsabgeordneten aller Fraktionen an Bundesverkehrsminister Gscheidle."

Geplante Umtauschaktion "Führerschein gegen MVV-Karte" erbost Senioren

21. Juli: "Mit Entschiedenheit protestiert der Seniorenbeirat [...]gegen die geplante Umtauschaktion "Führerschein gegen Jahresnetzkarte des MVV", über die am 29. Juli der Kreisverwaltungsausschuß erneut beraten soll. Der Seniorenbeirat sieht in dieser Aktion eine Diskriminierung älterer Menschen und eine den Steuerzahler beträchtlich belastende Mehrausgabe, die überdies nicht zu einer Erhöhung der Verkehrssicherheit beitrage."

Neuer Stadtplan wird erstellt

29. Juli: "Die Stadt wird nach über 100 Jahren wieder neu vermessen. Die neue Stadtkarte soll insgesamt 1.500 Teilstücke enthalten. Bis diese Blätter mit einer Gesamtfläche von fast 400 qm fertig sind, werden rund 10 Jahre vergehen. Der Kostenaufwand wird auf 15 Mio. Mark geschätzt. Mit modernsten technischen Mitteln werden 150.000 Grundstücke, 2 Mio. Grenzpunkte und 15.000 topographische Linien erfaßt. Zur Übergabe der ersten vier amtlichen Katasterblätter finden sich OB Kiesl, Finanzminister Streibl, Stadtpfarrer Zistl, Staatsminister Schmidhuber und der Verwaltungsbeirat des Städtischen Vermessungsamtes Krönert auf dem Alten Peter ein."

Polizei und Gegendemonstranten bei einer NPD-Kundgebung auf dem Marienplatz, 30. August 1980.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung

NPD-Kundgebung

22. August: "Die für den 30. August geplante NPD-Kundgebung auf dem Marienplatz wird von der Stadt nicht verboten. Die Stadt sieht für ein Verbot keine Möglichkeit, da die NPD eine erlaubte Partei sei, die sich mit einer Landesliste an der Bundestagswahl beteilige."

Am 30. August finden sich auf dem Marienplatz "zu einer Wahlkundgebung der NPD ca. 300 Parteianhänger ein, denen rund 3.000 NPD-Gegner gegenüberstehen. Die Kundgebung, deren Verbot am Spruch des Verwaltungsgerichts scheiterte, verläuft, von schrillen Pfeifkonzerten und einem wahren Eierhagel, der auf den Hauptredner niedergeht, abgesehen, ohne die befürchteten Ausschreitungen. Rund 500 mit Schutzhelmen und -schildern ausgerüstete Polizisten machen von vornherein deutlich, dass Randalierern keine Chance gegeben wird." Eine Gegenveranstaltung fand vor der Feldherrnhalle statt.

Parklizenz statt Parkuhr

22. August: "Ein 39jähriger Mann protestiert auf spektakuläre Weise gegen die Parkplatznot in der Innenstadt: Mit einem Hungerstreik in der Fußgängerzone will er erreichen, daß die Stadt alle Parkuhren abschafft und für Anwohner Parklizenzen ausgibt. Bei der Durchsetzung seiner Forderungen soll ihm auch eine Unterschriftensammlung helfen, an der sich bis heute schon 1.000 Passanten beteiligten. Der 39jährige ist Vorsitzender einer am 1. Juli gegründeten "Bürgerinitiative zur Lösung der Verkehrsprobleme in der Bundesrepublik Deutschland e.V.". Zu seinem Schritt sieht er sich durch eigene Erfahrungen mit der Parkplatz-Misere getrieben. Rund um seine Wohnung am Sendlinger-Tor-Platz fand er keinen ganztägigen Stellplatz. Notgedrungen stellte er seinen Wagen an Parkuhren ab, und weil er nicht jede Stunde ein Zehnerl einwerfen konnte, hagelte es Strafzettel. [...] In 5 Jahren kassierte er für Falschparken in der Nähe seiner Wohnung 300 Strafzettel und 150 Bußgeldbescheide, 70 Tage Erzwingungshaft, 8.000 DM Geldstrafe, 60 Punkte bei der Verkehrssünderkartei in Flensburg."

"Kollege Computer", bitte übernehmen Sie!

25. August: "Das Thomas-Mann- und das Louise-Schröder-Gymnasium gehören zu den ersten Schulen Europas, an denen der Stundenplan auf einem schuleigenen Kleincomputer gemacht wird. Das Programm ermöglicht es den Stundenplangestaltern an großen Schulen, die Stundeneinteilung in höchstens zwei Tagen perfekt zu machen."

Wasser wird immer teurer

3. September: "Die Stadtwerke haben die Absicht, den Wasserpreis zu erhöhen. Zum letzten Mal stieg der Preis im Januar 1978 von 78 auf 84 Pfennig für den cbm. Seit 1970 sind die Wasserpreise in München um fast 75 Prozent gestiegen. Damals kostete der cbm noch 50 Pfennig. Die Erhöhungen der letzten Jahre hatte die Stadt mit dem Wasserprojekt Oberau gerechtfertigt."

Protest gegen Weltenergiekonferenz

6. September: "Rund 200 Personen beteiligen sich bei der Demonstration des "Kritischen Energieforums", das gegen den Kurs der derzeit in München stattfindenden Weltenergiekonferenz zu Felde zieht. Nach einem Fahrradcorso durch die Innenstadt kritisiert der Schriftsteller Carl Amery bei einer Schlußkundgebung am Sendlinger Tor-Platz die ‚übertriebene und schädliche Energiefreisetzung' aufgrund zu hoch angesetzter Zukunftsprognosen."

Personalnot bei der Kommune

10. September: "Die Berufsfachgruppe der Gemeindebeamten und -angestellten der Stadt in der ÖTV tritt mit massiven Tarif- und Personalforderungen an den Stadtrat heran. Nach Ansicht der ÖTV im Rathaus spitzt sich die Personalsituation bei der Stadt immer mehr zu. [...] Lange Schlangen an den Schaltern des MVV, der Kfz-Zulassungsstelle, der Paßstelle und monatelange Wartezeiten auf Bescheide vieler Dienststellen seien nur die auffälligsten Erscheinungen. Die Berufsfachgruppe fordert die Stadtspitze und den Stadtrat auf, im Hinblick auf die Aufstellung des Stellenplanes für 1981 die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Rund 600 Arbeitsplätze seien derzeit nicht besetzt. Die Belastungen für die Beschäftigten der Stadt hätten in vielen Fällen die Grenze des Zumutbaren erreicht."

Ferienzeit ist Einbruchszeit

17. September: "Die zu Ende gehende Ferienzeit war in München ‚Hauptgeschäftszeit' von Einbrecherbanden, die besonders im Westen und Osten der Stadt Villen und Einfamilienhäuser in Abwesenheit der Bewohner ausräumten. [...] Die Einbrecher, von denen bisher keiner festgenommen werden konnte, spezialisierten sich in diesem Jahr besonders auf Pelze und Teppiche. Seit Ende Juli sind rund 300 einschlägige Einbrüche verübt worden, wobei der Gesamtschaden über 10 Mio. Mark beträgt."

Europäisches Patentamt eröffnet

18. September: "Das Europäische Patentamt, eines der am heftigsten umstrittenen Bauprojekte in München, wird heute von Bundesjustizminister Vogel seiner Bestimmung übergeben. Der Bau [...] hat rund 180 Mio. Mark gekostet. Bis jetzt sind dort 1.400 Beamte tätig. Im Namen der Bundesregierung [...] spricht Vogel auch seinen Dank an die Stadt München und den Freistaat Bayern aus. München habe mit dem Europäischen Patentamt ein Zentrum geistigen Wissens, das seinesgleichen suche."

Mehr Anerkennung für den Beruf "Mutter"

18. September: Auf einer Pressekonferenz zählt die Vorsitzende des Vereins "Mutter als Beruf" eine Fülle von Forderungen auf: Mutterschaftsgeld auch für ‚Nur-Mütter' [...], die Anerkennung der Mutterfunktion als Beruf und damit Rente für Mütter und die Erhöhung des Kindergeldes. Der Verein kündigt eine Verfassungsbeschwerde für die Gleichstellung der ‚Nur'-Mutter mit der lohnabhängigen Mutter an [...]"

Trauerfeier für die Opfer des Oktoberfest-Attentates im Saal des Alten Rathauses, 30. September 1980.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung (Foto: Angermeier)

Attentat auf dem Oktoberfest

26. September: "In den späten Abendstunden wird auf das Oktoberfest ein Bombenanschlag verübt, bei dem 12 Menschen getötet und 213 zum Teil lebensgefährlich verletzt werden." Tags darauf gibt es im Stadtrat heftige Debatten darüber, ob das Oktoberfest nach dem Terroranschlag fortgesetzt wird. OB Kiesl entscheidet, nur am 30. September, dem Tag der Trauerfeier für die Opfer, das Fest für 24 Stunden zu unterbrechen. Bei einem Attentat, an das eine Gedenktafel an der Explosionsstelle erinnert, kamen insgesamt 13 Menschen ums Leben, darunter der Attentäter selbst. 218 Menschen wurden verletzt.

Bundestagswahl 1980 - Münchner Wahlergebnisse

5. Oktober: "Bei der heutigen Bundestagswahl verliert die CSU in der Stadt 3,8 Prozent der Stimmen, sie bleibt jedoch mit 43,4 Prozent nach wie vor die stärkste Partei. Die SPD kann sich um 0,4 Prozent auf 40,9 Prozent verbessern, die FPD gewinnt 2,3 Prozent und erzielt mit 13,4 Prozent das beste Nachkriegsergebnis. [...] Direktkandidaten im Bundestag sind: Manfred Schmidt (SPD) für München-Mitte, Hans-Jochen Vogel (SPD) für München-Nord, Kurt Faltlhauser (CSU) für München-West und Erich Riedl (CSU) für München-Süd."

Träger des Bayer. Militär-Max-Josef-Ordens sterben allmählich aus

14. Oktober: "Die letzten drei Träger des Bayerischen Militär-Max-Josephs-Ordens begehen ihr 174. Ordensfest. Nach dem Gedächtnisgottesdienst in der Theatinerkirche ziehen die Ordensträger zum Hofgarten und legen einen Kranz am Grabmal des Unbekannten Soldaten nieder."

Eröffnung der neuen U-Bahn-Linie U1

18. Oktober: "Unter dem U-Bahnhof Kolumbusplatz wird die neue U-Bahn-Linie 8/1 offiziell eröffnet. [...] Die 1,2 Milliarden Mark teuere U-Bahn-Röhre ist der bislang größte U-Bahn-Abschnitt in der Bundesrepublik, der in einem Stück freigegeben wird. Das Münchner Untergrundbahnnetz verdoppelt sich damit. Erstaunlicherweise kam es zu keinen Baukostenüberschreitungen."



Umstrittene Rekrutenvereidigung

28. Oktober: "Wegen der geplanten öffentlichen Vereidigung von Rekruten der Bundeswehr am 6. November [1980] auf dem Königsplatz kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen den Stadtratsfraktionen. In einer gemeinsamen Erklärung begrüßen die drei Bürgermeister und die Vorsitzenden der CSU- sowie der FDP-Stadtratsfraktion das Gelöbnis [...]. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Salzmann heißt in einer eigenen Stellungnahme die nach München kommenden Soldaten willkommen, spricht sich aber gleichzeitig gegen das öffentliche Ritual aus. Gegen das ‚militärische Schauspiel' wendet sich auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft."

Baubeginn für Münchner Flughafen

2. November: "Gegen die umstrittene Genehmigung für den Baubeginn des Flughafens München II demonstrieren rund 150 Demonstranten auf den Straßen der Innenstadt. Ein Sprecher der 'Grünen' bezeichnet den Flughafen als ‚Jahrhundert-Projekt bayerischen Größenwahns'." Einen Tag später war offizieller Baubeginn für den Flughafen im Erdinger Moos.

Rekrutenvereidigung auf dem Königsplatz provoziert Proteste

6. November: "Aus Anlass des 25-jährigen Bestehens der Bundeswehr legen 2.000 Rekruten das Feierliche Gelöbnis ab. In Ansprachen heben der Befehlshaber im Wehrbereich VI, Generalmajor Wolfgang Kessler, und Ministerpräsident Strauß die Bedeutung der Bundeswehr für die Erhaltung des Friedens hervor. Abschluß der Feier ist im Rahmen eines militärischen Zeremoniells der Große Zapfenstreich." Die Rekrutenvereidigung auf dem Königsplatz, die Erinnerungen an Militäraufmärsche während der NS-Zeit auf dem Platz lebendig werden ließ, provozierte etliche Gegendemonstrationen. U.a. organisierte die "Münchner Bürgerinitiative für Frieden und Abrüstung" eine Protestveranstaltung.

Ankunft von Papst Johannes Paul II. auf der Theresienwiese, 19. November 1980.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung

Papst Johannes Paul II. besucht München

19. November: "Seit den frühen Morgenstunden strömen pausenlos Gläubige auf die Theresienwiese, um dort am Gottesdienst mit Papst Johannes Paul II. teilzunehmen. Man schätzt, daß rund 600.000 Gläubige aus ganz Bayern und dem benachbarten Ausland dem Gottesdienst beiwohnen [...]. Rund 30.000 Gläubige warteten stundenlang auf dem Marienplatz auf die kurze Visite des Heiligen Vaters an der Mariensäule. Unter dem Geläute der Glocken trifft der Papst dort ein, kniet vor der blumengeschmückten Patrona Bavariae nieder und spricht mit den Gläubigen das Ave Maria und spendet den Segen [...]"

Ehemalige Frontkämper engagieren sich für den Frieden

28. November: "Ehemalige Frontkämpfer aus 48 Staaten erneuern in München ihr Gelöbnis, sich mit allen Kräften gegen Krieg und Gewalt sowie gegen die Entwürdigung des Menschen zu wenden. Bei einer Feier zum 30jährigen Bestehen des Weltfrontkämpferverbandes (WFK) im Herkulessaal der Residenz wird die Entschlossenheit betont, für eine Welt in Frieden und Freiheit einzutreten, für das Selbstbestimmungsrecht der Völker, für die Einhaltung der Menschenrechte und für eine weltweite Abrüstung."

Münchner Kardinal Ratzinger predigt zur Weihnacht

5. Dezember: "In seiner Weihnachtspredigt im vollbesetzten Dom bezeichnet Kardinal Ratzinger den Verlust der Demut als eigentliche Ursache für den Verlust der Glaubensfähigkeit und die damit verbundene innere Not unserer Zeit."

"Herberge" statt Luxus-Wohnung

19. Dezember: "Auf eine ‚weihnachtliche Herbergssuche' geht mit einem Fackelzug die Mietergemeinschaft Agnesstraße 56a. Die Mieter ziehen durch West-Schwabing zum Nordbad. Auf mitgeführten Transparenten geben sie ihre Ziele bekannt: für bessere Mieterschutzgesetze, für den Erlaß einer Erhaltungssatzung, gegen Spekulation und Luxus-Sanierung. Anlaß zu der Aktion liefert die fortschreitende Wohnraumspekulation in Schwabing." Das Haus Agnesstraße 56a war 1978 für 2 Mio. DM und 1980 für 3,5 Mio. DM veräußert worden. Nach der Renovierung wurde den Mietern ein Kaufangebot zum ‚Vorzugspreis' von 3.700 DM pro qm gemacht.

Ehrung für den Architekten Sep Ruf

22. Dezember: "In Anerkennung der ‚baugestalterischen Leistungen' erhält Prof. Sep Ruf aus der Hand von OB Kiesl den Architekturpreis der Stadt überreicht. Kiesl erklärt: ‚Wir würdigen damit das Lebenswerk und die Bedeutung dieses Mannes.'" Ruf entwarf u.a. den deutschen Pavillon bei der Brüsseler Weltausstellung, den Bonner Kanzler-Bungalow und den Theodor-Heuss-Bau des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg. In München baute er neben Wohnhäusern (z.B. Wohnhaus Theresienstr. 46-48) u.a. den Royal-Filmpalast, die Herzog-Maxburg, die Kirche St. Johann von Capistran sowie den Erweiterungsbau des Deutschen Museums.

Abbildungen zur Chronik 1980