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Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Stadtchronik 1982


Bemerkenswertes, Kurioses und Alltägliches

Solidarität mit polnischer Arbeiterbewegung

29. Januar: "Auf dem Marienplatz findet eine Solidaritäts-Kundgebung mit der polnischen Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc statt. Zu der Demonstration, an der rund 300 Personen teilnehmen, hatten der Gewerkschaftsbund, die Grünen, Solidarnosc und eine Initiative "Ausbruch aus dem Irrenhaus" aufgerufen."

  

Brauereiarbeiter sorgen sich um ihre Arbeitsplätze

29. Januar: "Aus Sorge um die Erhaltung ihrer Arbeitsplätze treten fast 300 Mitarbeiter der Hacker-Pschorr-Brauerei in den Warnstreik. Bei einer Betriebsversammlung wird die Belegschaft durch den Betriebsrat über Gespräche mit Brauerei- und Bauunternehmer Schörghuber informiert. Nach Schörghubers Angaben sei eine ‚Betriebsverlagerung der Hacker-Pschorr-Brauerei zu Paulaner nicht aufhaltbar.' Auf Fragen nach etwaigen Entlassungen habe Schörghuber keine konkrete Antwort gegeben."

"Frauenfeindliche" Kindergartengebühren

29. Januar: "Betroffene Eltern bezeichnen die seit September 1981 gültige Gebührenregelung für städtische Säuglings- und Kinderkrippen bei einer Podiumsdiskussion als ‚gezielte Gebührenpolitik, mit der die Frau aus dem Beruf und zurück an den Kochtopf gedrängt werden soll'. Die Gebührenerhöhung hat bereits zu 98 Abmeldungen in Münchner Kinderkrippen geführt. In einer Resolution wird der Stadtrat aufgefordert, die Gebührenerhöhung wieder zurückzunehmen [...]. Außerdem müsse für das 2. Kind die Gebühr entfallen. Eltern mit einem Jahresbruttoeinkommen von 60.000 Mark zahlen nach der neuen Regelung jetzt für zwei Krippenplätze monatlich 900 DM plus 40 DM Essensgeld."

Arbeitslosigkeit in München

31. Januar: "Im abgelaufenen Monat wurde die höchste Arbeitslosenquote seit 27 Jahren registriert. Die Quote stieg auf 46.190, das entspricht 5,1 Prozent. Mit großer Sorge betrachtet das Arbeitsamt den enormen Anstieg der Ausländerarbeitslosigkeit. Sie stieg gegenüber Januar 1981 um nahezu 100 Prozent.

Macht Kollegstufe die Schüler dumm?

2. Februar: "Nach übereinstimmender Aussage von Münchner Wissenschaftsprofessoren mindert die Kollegstufe des Gymnasiums die Studierfähigkeit erheblich. Nach Darstellung der Professoren ist die Allgemeinbildung mit der Reform der Oberstufe so heruntergekommen, dass Medizinstufenten nicht mehr wissen , was H2O bedeutet, dass Mathematikstudenten keine Ahnung haben, was eine Ellipse ist, und Studenten in geisteswissenschaftlichen Fächern nicht mehr ‚das' und ‚daß' unterscheiden können. Ein Englischprofessor erklärt, die Einstufungstests in den Fremdsprachen zeitigten ‚deprimierende Ergebnisse'. [...] Von Professoren beider Münchner Universitäten wird die Abschaffung oder eine gravierende Änderung der Kollegstufe gefordert."

Kabarettist Polt strapaziert die "dünne Haut" der CSU

3. Februar: "Für große Aufregung bei Politikern, der Löwenbrauerei und vor allem in der Presse sorgt die kommende Triumphatorprobe im Löwenbräukeller. Der für den Anstich engagierte Kabarettist Gerhard Polt hatte kurz zuvor in einer Fernseh-Kabarettsendung bayerische CSU-Politiker verunglimpft. Die Brauerei befürchtete daraufhin das Fernbleiben des CSU-Kabinetts. Nun entspannt Ministerpräsident Strauß die Lage mit der Erklärung, an seiner Bewertung der Sendung, diese sei eine grobe Entgleisung [...] würde er nichts ändern, er wisse aber wohl die Frage, ob er am Starkbieranstich teilnehmen solle, davon zu trennen."

Demo für Ausländer

6. Februar: "Vom Königsplatz zum Marienplatz bewegt sich heute ein Demonstrationszug unter dem Motto ‚Sind Ausländer Menschen 2. Klasse?' Rund 1.000 Menschen nehmen an der Veranstaltung der ‚Initiative gegen Ausländererlasse' teil."

Abschiedsfeier für Kardinal Joseph Ratzinger, Erzbischof von München-Freising; hier auf dem Marienplatz am 28. Februar 1982  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung (Foto: Angermeier)

Kardinal Ratzinger verabschiedet sich

12. Februar: "Mit einem Abschiedsempfang im Antiquarium der Residenz ehrt Ministerpräsident Strauß den scheidenden Erzbischof der Erzdiözese, Kardinal Ratzinger, der Ende des Monats München verläßt, um im Vatikan das Amt des Präfekten der römischen Glaubenskongregation anzutreten. Strauß dankt dem scheidenden Erzbischof ‚für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit in der Sorge um den Menschen, die Gestaltung einer menschenwürdigen Ordnung in unserem Lande und für sein unermüdliches Bestreben, das Evangelium nicht zum politischen Sozialprogramm verkürzen zu lassen'."

Stellensuche per Computer

1. März: "Ab 1. April werden in den 14 Arbeitsämtern, die dem Landesarbeitsamt Südbayern unterstehen, Arbeitsplätze über Computer angeboten. Die Arbeitsuchenden können sich dann beispielsweise im Arbeitsamt an der Thalkirchner Straße selbst über das Angebot an offenen Stellen informieren. [...] Der Arbeitsplatzsuchende erfährt über das Datensichtgerät sowohl die Stellen, die in seinem Wohnort ausgeschrieben sind, als auch die im Umkreis von 50 km, im sog. Tagespendelbereich. Das Arbeitsamt München bekommt 168 Geräte für seine Arbeitsberater und -vermittler und 43 für die Arbeitssuchenden. In einem Gerät können bis zu 16.000 Stellenangebote gespeichert werden."

Kabelfernsehen ist kein Fortschritt

4. März: "Gegen 'die bürgerfeindlichen Pläne und Entwicklungen' im Zusammenhang mit dem in München geplanten Fernseh-Kabelpilotprojekt will eine neugegründete 'Bürgerinitiative gegen Kabelkommerz' vorgehen. Die Initiative befürchtet, dass es bei dem geplanten Projekt nicht um eine Verbesserung von Programminhalten und Programmformen, sondern um die 'Einführung des privaten Kommerzfernsehens' gehe. Statt mehr Vielfalt werde es mehr "Einfalt" geben."

Friedensdemonstration

17. April: "Tausende von Anhängern der Friedensbewegung aus allen Teilen der Bundesrepublik demonstrieren in München gegen die Sicherheitspolitik der SPD. Bei Kundgebungen, Demonstrationszügen und Diskussionen wird vor allem an die Delegierten des [in München tagenden] SPD-Parteitags appelliert, den Nato-Doppelbeschluß, der für 1983 im Fall erfolgloser Verhandlungen mit den beiden Supermächten in der Bundesrepublik die Stationierung neuer US-Mittelstreckenraketen vorsieht, aufzukündigen."

Hoch verschuldete Stadt München

28. April: "Dem Stadtrat wird heute das Mehrjahresinvestitionsprogramm für die Jahre 1982-1986 vorgelegt. Herausragendste Punkte des Finanzplanes sind die Rekord-Verschuldung von rund 1,4 Milliarden Mark und die geschrumpfte Rücklage der Stadt."

Gemeinden im Münchner Norden wehren sich

29. April: "Die Gemeinden Ismaning, Unterföhring, Garching, Ober- und Unterschleißheim sowie Eching und Neufahrn wollen, daß der Norden des Ballungszentrums München nicht weiter zum 'Abfalleimer der Region' wird. Sie schlossen sich zu einer 'Nord-Allianz' zusammen. Ziel sei es, die Öffentlichkeit 'möglichst korrekt und umfassend über die Häufung umweltbelastender Einrichtungen im Münchner Norden zu informieren.' Man suche dabei keineswegs die Konfrontation mit der Landeshauptstadt. Ausgelöst wurde die Aktion durch die Absicht der Stadt, beim Großlappener Müllberg zwei weitere Müllhalden aufzuschütten, sowie zusätzlich eine Schüttgutdeponie anzulegen."

Statistisches zur Straßenbeleuchtung

6. Mai: "Jeden Abend werden in der Stadt rund 100.000 Lichtquellen angeschaltet, 85.000 Straßenleuchten und etwa 15.000 Beleuchtungskörper in Unterführungen. Dafür zahlte das städtische Baureferat im vergangenen Jahr rund 7,2 Mio. DM für Strom an die Stadtwerke. In den nächsten fünf Jahren sollen weitere 4.500 neue Brennstellen hinzukommen."

Pläne zur Wiederbelebung des Prinzregententheaters

16. Mai: "Der Intendant der Staatsoper und künftige Generalintendant der Staatstheater, August Everding, will [...] einen Plan vorlegen, der vorsieht, den Zuschauerraum des Prinzregententheaters wieder [...] zu öffnen. [...] Everding läßt durchblicken, dass er vor allem an eine Verwendung des Saales für Veranstaltungen und zur Aufzeichnung kultureller Produktionen denkt." Das 1901 eröffnete Prinzregententheater (Architekt: Max Littmann) hatte den Zweiten Weltkrieg relativ glimpflich überstanden und wurde von 1958 bis 1963 als Ersatz für das Nationaltheater bespielt. Nach der Inbetriebnahme der Oper wurde der Spielbetrieb jedoch eingestellt. Dank August Everdings unermüdlichem Engagement wurde das Theater 1987 wiedereröffnet.

Leihamt wird über Gebühr beansprucht

27. Mai: "Das städtische Leihamt in der Augustenstraße geriet in Finanznöte. Geldsorgen treiben die Münchner immer häufiger in das Pfandhaus. Die vielen Pfänder können kaum mehr bezahlt werden. Damit das Leihamt seinen großen Kundenstamm auch weiterhin bedienen kann, mußte der Stadtrat einen Zuschuß von 1 Million Mark genehmigen. [...] Der 10 m lange und 4 m hohe Tresor ist randvoll mit wertvollem Schmuck gefüllt, in der Pelzabteilung hängen zur Zeit rund 2.000 Mäntel und Jacken, im Teppichlager stapeln sich 1.000 Perser."

Das Städtische Leihamt wurde Anfang der 1990er Jahre geschlossen.

Tag der Umwelt, 7. Juni 1982.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung (Foto: Angermeier)

Ein eigenes Referat für den Umweltschutz

2. Juni: "OB Kiesl bezeichnet die Aufwertung des Aufgabenbereiches Umweltschutz durch die Einrichtung eines eigenen Referats als ein ‚bundesweit beachtetes Signal für aktive Umweltpolitik. Der neue Umweltreferent Rüdiger Schweikl will den Schutz der Umwelt in erster Linie auf dem Weg der Kooperation mit den Bürgern und der Wirtschaft stärken. Stark machen will sich Schweikl auch für ein ‚ökologisches Bauen', womit er u.a. den Bau von unterirdischen Garagen meint. [...] Als sein Anliegen bezeichnet der Referent ferner die Produktion von umweltfreundlichen Autos."

Hohe Arbeitslosigkeit

7. Juni: "Arbeitsamtdirektor Grauel erklärt, die Lage auf dem Arbeitsmarkt in München sei heute ungünstiger als während der letzten Rezession in den Jahren 1975/76. Schlechter war die Arbeitsmarktlage lediglich 1951. [...] Für die Arbeitslosigkeit machte Grauel den Einzug der modernen Bürotechnik und die Straffung der Organisation verantwortlich." Im Juni 1982 waren in München 39.757 Personen arbeitslos gemeldet. Dieser Zahl standen 6.886 offene Stellen gegenüber.

Die "Stones" kommen nach München

8. Juni: "Die Vorbereitungen auf ein großes Rock-Fest laufen auf Hochtouren. Am 10. und 11. Juni gastieren die ‚Rolling Stones'. Die 73.000 Karten für das erste Konzert im Olympiastadion waren zum Preis von je 40 DM innerhalb kürzester Zeit verkauft. [...] Rettungsdienst und Polizei sehen sich vor Problemen, die Mammutveranstaltung ohne Zwischenfälle über die Bühne zu bringen. Der Öffentlichkeitsreferent der Erzdiözese München-Freising gibt noch einmal seiner Empörung darüber Ausdruck, dass die Rolling Stones am Fronleichnamstag in München auftreten."

Computerpanne im KVR

2. Juli: "Der zentrale Computer des Kreisverwaltungsreferats bricht für 2 ½ Stunden völlig zusammen. Ursache: Die Korrektur der Fehlerüberwachung hat einen Fehler. Tausende stehen schimpfend Schlange bei der Kfz-Zulassungsstelle, beim Paßamt, der Meldebehörde und im Ausländeramt."

Stadtteile feiern

24. Juli: "Im Rahmen der 1200-Jahr-Feier Schwabings ziehen rund 250 Bürger 2 ½ Stunden lang mit Fackeln und Laternen durch ihren Stadtteil. An zehn Stationen wird Persönlichkeiten wie Olaf Gulbransson, der Geschwister Scholl, Ludwig Thoma, Karl Amadeus Hartmann, Rilke, Stefan George, Kandinsky, Roda Roda, Wolfskehl, Max Reger und Lenins gedacht." Im Sommer 1982 feierte auch Sendling sein 1200-jähriges Bestehen. Hier gehörte ein Trachtenzug zum Festprogramm. Foto s. unten

Bayern fördert junge Familien

31. Juli: Im Antiquarium der Residenz gibt die Bayerische Staatsregierung einen Empfang aus Anlaß der Vergabe des 250.000sten Darlehens ‚Junge Familie'. Zwischen Eis- und Krapfenbuden, Limo- und Apfelsaftausschank, einer Sonderaufführung des Theaters der Münchner Verkehrspolizei, einem Babywickelraum und einer Spielecke flanieren etwa 400 Kinder als fröhliche Gäste des Ministerpräsidenten Strauß hin und her. [...] Strauß fordert die Mitbürger auf, überall dort, wo ‚Kinder Kinder sein wollen' und Lärm produzieren, Toleranz zu üben und in dem Kindergeschrei ‚ein fröhliches Zeichen zu sehen und nicht eine Belästigung ihrer heiligen Ruhe'." Das Programm ‚Junge Familie' stellte bei der Eheschließung und bei der Geburt von Kindern in Bayern zinsniedrige Darlehen (je 5.000 Mark) bereit.

Erinnerung an Clemens von Brentano

9. August: "Nahe der einstigen Wohnung des Dichters Clemens von Brentano, der seine letzte Lebensphase in München verbracht hat, wird in den Grünanlagen der Herzog-Wilhelm-Straße der ‚Gockel Hinckel-Gackeleia-Brunnen eingeweiht." Der Brunnen, dessen Bronzeplastik die beiden Hauptfiguren aus einem Märchen von Brentano darstellt, wurde nach Entwürfen der Bildhauerin Angelika Fazekas errichtet.

Teile des demontierten Friedensengels im Städtischen Bauhof, November 1981.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung

Förderkreis Friedensengel

13. August: "Der ‚Förderkreis Friedensengel' veranstaltet unter dem Motto ‚Der Friedensengel im Originalzustand muß wieder auf seine Säule im Isarrondell' ein kleines Sommerfest." Das Denkmal "Friedensengel" (Entwurf: Düll, Pezold und Heilmaier) befindet sich auf der "Prinzregententerrasse" am östlichen Isarufer; es bildet den optischen Abschluss der Prinzregentenstraße. Das 1899 eingeweihte Denkmal, das aus einem hohen quadratischen Sockel (begehbare Halle mit Relief- und Mosaikschmuck), einer 23 m hohen Säule und einer Engelsfigur besteht, erinnert an den Sieg des Deutschen Reichs über Frankreich 1871. Wegen drohender Absturzgefahr wurde der Engel 1981 - leider unsachgemäß - demontiert, was eine erhebliche Restaurierung der Bronzefigur notwendig machte. Erst 1983 konnte die Plastik wieder aufgestellt werden.

Münchner Stadtrat mit vorbildlicher Frauenquote

30. August: "Nach dem Statistischen Jahrbuch deutscher Gemeinden sind in keiner Stadt der Bundesrepublik mit mehr als 200.000 Einwohnern die Frauen im Stadtparlament so stark vertreten wie in München. Das Münchner Rathaus liegt mit 20 Stadträtinnen unter den insgesamt 80 ehrenamtlichen Stadträten prozentual an der Spitze."

Erfolgreicher Senioren-Protest

8. September: "Bewohner des Alfons-Altenheims in Giesing veranstalten gegen eine städtische Baumaßnahme einen Sitzstreik vor ihrem Haus, als die Bauarbeiter anrücken und durchkreuzen damit die Pläne der Stadt, den Fußweg um 2 m zu schmälern und auf der verbreiterten Fahrbahn Parkbuchten einzurichten. Das Baureferat ändert darauf seine Pläne."

Demo gegen Arbeitsplatz-Abbau

13. September: "Auf dem Königsplatz demonstrieren rund 580 Näherinnen gegen den Abbau ihrer Arbeitsplätze bei dem Mieder- und Wäschewarenhersteller Triumph-International in mehreren Werken des Unternehmens in München.[...] Die Teilnehmer [...] fordern ein Gesamtkonzept für die Zukunft des Konzerns, der in der Vergangenheit die Anzahl seiner inländischen Mitarbeiter von 12.000 auf 4.000 reduziert hat."

Nichtalkoholisches Getränk muss billiger als Bier sein

28. September: "Der Kommunalausschuß des Stadtrats ist einhellig der Meinung, dass in den Münchner Gaststätten künftig mindestens ein alkoholfreies Getränk billiger verkauft werden soll als Bier. Die Verwaltung wird beauftragt, bei den 145 gastronomischen Betrieben und Kiosken, die sich in städtischen Anwesen befinden, auf dieses Ziel hinzuwirken."

Pferdemetzgerei eröffnet

5. Oktober: "Pferdefleisch wird in München immer beliebter. Nun eröffnet die erste Pferdemetzgerei auf dem Viktualienmarkt. Nach dem Krieg gab es etwa 80 Roßmetzger in München, heute sind es noch zwei." Mittlerweile gibt es nur noch eine einzige Pferdemetzgerei in München.

Wiedereröffnung des Deutschen Theaters

8. Oktober: "Das Deutsche Theater, mit 1.700 Sitzplätzen jetzt das zweitgrößte Theater der Stadt, wird nach fast 5-jähriger Umbauzeit wieder eröffnet." Die Presse formulierte deutliche Kritik an dem neuen Spielort. Die Abendzeitung etwa sprach in Bezug auf die Innenausstattung von "angestrengtem Kitsch", "grotesk übersteigertem Dekorations-Wirrwarr" und "häßlichem Farbmischmasch". Die Süddeutsche Zeitung bemängelte das erste Monatsprogramm, in dem "chinesische Akrobatik, Dialekt-Songs, Auftritt der Chansonsängerin Margot Werner und des Dance Theatre of Harlem" geboten wurden. "Der Spielplan wird angesichts der Restaurierung des Theaters für 48 Mio. Mark als Skandal bezeichnet. Die Sorge sei groß, dass das Deutsche Theater nur zu einem riesigen Gastspielschuppen wird."

Wettbewerb um Staatskanzlei entschieden

18. Oktober: "Das Preisgericht gibt den Sieger im Architektenwettbewerb für den Neubau der Staatskanzlei bekannt. Die Münchner Architekten Diethard Siegert und Reto Gansser erhalten den 1. Preis in Höhe von 75.000 Mark. Der Neubau sowie das gleichzeitig vorgesehene Haus der Bayerischen Geschichte sollen zu beiden Seiten der Armeemuseumsruine am Hofgarten entstehen und den Mitteltrakt mit der Kuppel miteinbeziehen."

Protest gegen Hundedreck

28. Oktober: "50 Väter und Mütter ziehen mit ihren Kindern durch die Stadt und demonstrieren mit der Parole ‚Hundedreck vom Spielplatz weg' gegen rücksichtslose Hundehalter. Im Rathaus überreichen sie OB Kiesl 11.000 Unterschriften. Kiesl erklärt, er unterstütze die Aktion voll." Das Problem ist bis heute ein Ärgernis. Derzeit (Stand: 2007) versucht die Aktion "Für Hunde - Gegen Kot" eine Lösung zu finden.

Der Wasserpreis steigt

10. November: "Einstimmig beschließt der Stadtrat die Anhebung des Wasserpreises um 7,1 Prozent auf 1,05 DM pro Kubikmeter sowie die Erhöhung der Grundpreise und Vergütungssätze für Wasserbereitstellung, Löschwasserversorgung und vorübergehenden Wasserbezug. Aus der Erhöhung wird [...] ein Mehrerlös von 13 Mio. Mark erwartet." Wenige Tage zuvor war u.a. eine 34-prozentige Gebührenerhöhung für die Beseitigung von Schmutzwasser beschlossen worden.

Beschäftigte des Münchner AGFA-Werkes demonstrieren gegen die geplante Stillegung des Werks, 15. November 1982.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung

Demo gegen Stilllegung des Agfa-Werks

15. November: "5.000 Demonstranten versammeln sich im Stadion an der Grünwalder Straße, um gegen die drohende Stilllegung des Münchner Agfa-Gevaert-Kamerawerks und die Personalreduzierung in verschiedenen bayerischen Zweigwerken zu protestieren. [...] Der Betriebsratsvorsitzende [...] erklärt, dass schon 1981 gewinnträchtige Produktionsstätten nach Belgien verkauft worden seien, die Verlustgesellschaften dagegen habe man ‚der deutschen Agfa angehängt'." Nahezu 4.000 Arbeitplätze waren in Gefahr. Im Dezember 1982 verurteilte der Landesausschuß der bayerischen SPD die geplante Werksstilllegung. "Die Behauptung, der Betrieb habe ständig hohe Verluste gemacht, sei lediglich ein ‚Vorwand für unternehmerische Willkür'. [...] Der eigentliche Grund für die Stilllegung des Münchner Betriebes sei die beabsichtigte Verlegung der Kameraproduktion in asiatische Niedrigstlohnländer."

Erstmals Stollen-Prüfung

16. November: "Die Münchner Bäckerinnung dehnt erstmals die traditionelle Prüfung von Brot auch auf Weihnachtsstollen aus. Der Test führt zu einem überwiegend positiven Ergebnis. Von 76 Proben erhalten fünf das Prädikat ‚Gold' und 63 das Prädikat ‚Silber'. Nur acht Stollen bleiben ohne Auszeichnung."

Umstrittenes neues Mietrecht

20. Dezember: "Die SPD-Bundestagsabgeordneten Manfred Marschall, Manfred Schmidt und Rudolf Schöfberger üben auf einer Pressekonferenz heftige Kritik an dem neuen Mietrecht, das am 17. Dezember im Bundesrat verabschiedet wurde. Sie prophezeien verheerende Folgen für den Münchner Wohnungsmarkt. Wenn das Gesetz nach der Unterzeichnung durch den Bundespräsidenten wirksam werde, könnten die Kaltmieten in den nächsten drei Jahren bis zu 30 Prozent und die Bruttomieten bis zu 50 Prozent steigen. 350.000 Münchner Miethaushalte mit rund 800.000 Bürger wären davon betroffen."

Weihnachtliche Demo gegen das Waldsterben

24. Dezember: "Mit einer Mahnwache vor einer Nadelbaum-Ruine machen Mitglieder der Ökologisch-demokratischen Partei auf das Waldsterben aufmerksam." Während ihres achtstündigen Protestes können die Demonstranten laut Stadtchronik "nur eine geringe Anteilnahme der Passanten für das Anliegen verbuchen".

Abbildungen zur Stadtchronik 1982