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Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Stadtchronik 1983


Bemerkenswertes, Kurioses und Alltägliches

Engagement für Friedenspolitik

3. Januar: "Der Friedensforscher Alfred Mechtersheimer gründet in München ein neues ‚Informationsbüro für Friedenspolitik', mit dem die Informations- und Öffentlichkeitsarbeit von Friedensforschung und Friedensbewegung gefördert werden soll. Gleichzeitig will der vor Jahresfrist aus der CSU ausgeschlossene und inzwischen für die Grünen aktive Mechtersheimer damit die Arbeit seines Starnberger Forschungsinstituts für Friedenspolitik entlasten."

Denkanstoß

17. Januar: "Die Münchner katholische Pfarrgemeinde St. Stephan in Neuperlach hat sich durch einen Beschluss ihres Pfarrgemeinderats zur ‚atomwaffenfreien Zone' erklärt. Nach Angaben des Pfarrgemeinderatsvorsitzenden will die Gemeinde mit dieser Aktion einen Denkanstoß für alle Gemeindemitglieder geben, sich mit dem Thema Rüstung auseinanderzusetzen."

Diskussion um Doppelverdiener

21. Januar: "Überlegungen in der CSU-Landtagsfraktion, Doppelverdienste im öffentlichen Dienst abzubauen, sind bei der Gewerkschaft öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) auf scharfe Kritik gestoßen. Der bayerische ÖTV-Chef wertet derartige Pläne als ‚fragwürdige Gedankenspiele', die auch verfassungsrechtlich bedenklich seien." Im Klartext dürften damit vor allem berufstätige Frauen gemeint gewesen sein.

Kanzlerkandidat Hans-Jochen Vogel kritisiert die Union

22. Januar: "Der in Dortmund zum Kanzlerkandidaten der SPD gewählte Hans-Jochen Vogel spricht auf einer Großveranstaltung der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen im Löwenbräukeller. Dabei wirft er den Unionsparteien vor, sie betrieben eine reaktionäre Gesellschaftspolitik."

Kurzarbeit

7. Februar: 372 Münchner Betriebe arbeiten zur Zeit kurz, so viele wie noch nie. Insgesamt gibt es 24.919 Kurzarbeiter. Von Seiten des Arbeitsamts wird die Lage nicht negativ gesehen, da die Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz und die Arbeitgeber ihre eingearbeiteten Kräfte behalten. Die meisten Kurzarbeiter gibt es beim Straßenfahrzeugbau mit 9.860, es folgen Elektrotechniker mit 4.579 und der Maschinenbau mit 3.577 Kurzarbeitern."

Umweltschädliches Auto

25. Februar: "Das Auto als krankmachender Faktor für Mensch und Umwelt ist das Thema einer Podiumsdiskussion, zu der der gesundheitspolitische Arbeitskreis der CSU im Künstlerhaus eingeladen hat. In der Diskussion wird die Erhaltung der städtischen Grünflächen gefordert. Das Auto wird als Umweltfeind Nr. 1 bezeichnet, deshalb sollte die Bahn mehr gefördert werden."

Protest gegen die Volkszählung

14. März: "Die Humanistische Union (HU) hat bei der Regierung von Oberbayern jetzt Aufsichtsbeschwerde gegen die Stadt wegen ‚gesetzwidriger Verordnungen' zur Durchführung der Volkszählung eingereicht. Die HU greift drei Punkte an: Die ‚Prämie' für Zähler, die nicht gemeldete Deutsche und Ausländer ausfindig machen, die Anweisung, die Zähler müssten ‚die Eintragungen auf Richtigkeit und Vollständigkeit' prüfen und den ‚generellen Ausschluß von Ausländern von der Zählertätigkeit'."

Benachteiligter Münchner Norden

12. April: „Bei einem Pressegespräch stellt der Geografieprofessor Robert Geipel von der Technischen Universität eine ‚Wahrnehmungs- und Bewertungsstudie‘ über die Umweltqualität im Münchner Norden vor. Dort wird die Vermutung geäußert, die städtischen und regionalen Planer hätten angesichts der massiven Umweltbelastung im Münchner Norden längst resigniert.“ Am 11. Mai bekunden mehr die in der sog. Nord-Allianz zusammengeschlossenen Gemeinden auf einer gemeinsamen Gemeinderats-Sondersitzung im Garchinger Bürgerhaus ihre Entschlossenheit, weitere Belastungen des Münchner Nordens und der Bewohner dieser Gebiete nicht länger hinzunehmen. Die Gemeinderäte verabschieden einstimmig eine Resolution, in der die Aufstellung eines Positivplans für diesen Raum gefordert wird. Volle Unterstützung erhält Garching, das sich gegen eine in der Nordwestecke des Autobahnkreuzes geplante Mülldeponie wehrt.

Warnung vor einer Privatisierung der Bahn

20. April: „Auf der Jahresdelegierten-Versammlung der Eisenbahner-Gewerkschaft, Ortsverein München, warnt der Bezirkschef der Gewerkschaft vor dem ‚scheinbar bequemen Weg der Privatisierung und dem interessenlosen Ausverkauf der Bahn‘. Die Theorie des ‚Gesundschrumpfens‘ sei falsch.“

Hans-Jochen Vogel (SPD), Oppositionsführer und Alt-Oberbürgermeister, bei der Kundgebung des DGB auf dem Marienplatz, 1. Mai 1983.   Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung (Foto: Angermeier)

Tag der Arbeit

1. Mai: „Rund 15.000 Menschen beteiligen sich an der Mai-Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes auf dem Marienplatz, der unter dem Motto ‚Arbeit für alle‘ steht. Oppositionsführer Hans-Jochen Vogel spricht sich temperamentvoll für den Ausbau sinnvoller Arbeitsplätze, gegen den Rüstungswettlauf, gegen Waffenexporte und für soziale Gerechtigkeit aus. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands, Ernst Haar, fordert Arbeitszeitverkürzung in jeder Form.“

Beten gegen einen unliebsamen Film

12. Mai: „Betend und singend ziehen rund 1.200 Personen vom Sendlinger-Tor-Platz zum Marienplatz. Die katholischen Pfadfinder hatten gemeinsam mit der Marianischen Priesterbewegung und der Gebetsgemeinschaft Mariensäule zu einer Sühneprozession mit Gebetsstunde, zu einem unpolitischen Protest gegen Herbert Achternbuschs Film ‚Das Gespenst‘ aufgerufen. Dieser mit öffentlichen Mitteln geförderte Film sei eine nicht zu überbietende Gotteslästerung.“

Langwierige Planungen

3. Juni: „Die Münchner Architekten Diethard Siegert und Reto Ganser, deren Entwürfe für einen Neubau der Staatskanzlei und für das Haus der Bayerischen Geschichte im Architektenwettbewerb mit dem 1. Preis ausgezeichnet wurden, wurden beauftragt, auf der Grundlage dieser Entwürfe die weitere Planung voranzutreiben. Allein bei der Planung wird mit einer Dauer von rund drei Jahren gerechnet.“

Demo für mehr Bildungsförderung

9. Juni: „Rund 5000 Studenten der Münchner Hochschulen protestieren in einem Demonstrationszug gegen die Kürzung der Stipendien nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz. In Sprechchören rufen die Demonstranten: „In der Rüstung sind sie fix, für die Bildung tun sie nix!“

Druiden-Treffen

18. Juni: In München feiert „die Internationale Großloge der Druiden ihr 75. Gründungsfest und die Großloge Bayern im deutschen Druidenort ihren 100. Geburtstag. Um 10 Uhr ist eine rituelle Festsetzung mit Ornat und Regalien im Bayerischen Hof.“

Protest gegen A99

29. Juni: „Mit einem Sammeleinspruch wollen die Münchner Grünen den Allacher Forst und das Eschenrieder Moos vor der Zerstörung durch die A99 retten. Bis zum Ende der Einspruchsfrist am 14. Juli will man möglichst viele Bürger zur Teilnahme an dem von den Grünen verfaßten Einspruch gewinnen.“

„Rote Radler“

2. Juli: „Rund 200 Münchner SPD-Mitglieder schwingen sich auf das Rad, um die Sorgen und Nöte der Münchner Radfahrer im Verkehrsgewühl zu studieren. An der Spitze der ‚Roten Radler‘ fahren OB-Kandidat Kronawitter, der ehemalige Kreisverwaltungsreferent Hahnzog und Erlangens Oberbürgermeister Hahlweg. Im Falle seiner Wahl will sich Kronawitter verstärkt für die Anlage weiterer Radwege einsetzen.“

Atomwaffenfrei Partnerstädte

11. Juli: „Ein Sprecher der Grünen kündigt an, seine Partei wolle in der nächsten zeit eine Abordnung in die DDR-Stadt Jena und in die sowjetische Hauptstadt Moskau entsenden mit dem Ziel, diese beiden Städte auf der Basis einer ‚atomwaffenfreien Zone‘ als Partnerstädte für München zu gewinnen.“

Herbe Stimmverluste

17. Juli: „Bei den Neuwahlen auf dem CSU-Parteitag in der Bayernhalle muß der ohne Gegenkandidat wieder kandidierende Vorsitzende Franz Josef Strauß schwere Stimmenverluste hinnehmen. Von 859 gültigen Stimmen entfielen 662 auf Strauß., 163 Delegierte geben Nein-Stimmen ab und 34 schrieben andere Namen auf den Stimmzettel ab.“ 90 Stimmen waren ungültig. „Das bisher schlechteste Ergebnis in seiner 22-jährigen Tätigkeit als Vorsitzender der Partei wird vor allem auf die Kritik im rechten Parteilager und auf den von ihm eingefädelten Milliardenkredit an die DDR zurückgeführt.“ Strauß nimmt das Ergebnis mit Verärgerung auf.

Einleuchtende Argumentation

20. Juli: „Der FDP-OB-Kandidat Manfred Brunner gibt eine Pressekonferenz zur Münchner Kommunalwahl. Er erklärt dabei: ‚Wenn der Wähler ein sensationelles Ergebnis haben will, soll er mich wählen. Schlechter als die anderen bin ich bestimmt nicht‘.“

Protest gegen das Baumsterben

22. August: „Im Englischen Garten sieht es zur Zeit an einigen Stellen gespenstisch aus. Rund 100 Laubbäume, von denen viele auf den ersten Blick noch gesund erscheinen, sind offenbar bereits vom Tod durch sauren Regen gezeichnet. Weiße Kreuze und gelbe Blätter mit der Aufschrift ‚Ich muss sterben‘ kündigen im Park das große Baumsterben an. Für die augenfällige Warnung zeichnet die Aktionsgruppe „Phantasie gegen Gewalt‘ der Grünen verantwortlich, die auf den Bund Naturschutz und auf das Forstbotanische Institut als Informanten verweisen. Während die Verwaltung des Englischen Gartens gegen die Kreuzmaler bereits Anzeige wegen Sachbeschädigung erstattet hat, können sich die Spaziergänger noch anhand von Zeichnungen an den totgeweihten Bäumen über die Krankheitssymptome informieren.“

Arbeitszeit-Modelle mit unterschiedlicher Akzeptanz

25. August: „Die Teilzeitbeschäftigung bei der Stadt hat gegenüber dem letzten Jahr zugenommen. Mittlerweile sind 4.428 Teilzeitkräfte beschäftigt. Die Stadt bietet außerdem seit einem Jahr auch Job-Sharing an.“ Eine Resonanz auf dieses Angebot blieb jedoch entgegen den Erwartungen aus.

Freie Lehrstellen

5. September: In München sind kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres noch 1.500 handwerkliche Lehrstellen unbesetzt. „Besonders günstig sei die Situation für Auszubildende in der Bauwirtschaft, im Friseurhandwerk und für Verkäuferinnen in der Nahrungsmittelbranche. Der Präsident des Bayerischen Handwerkstags, Späth, erklärt, Ursache für die vielen offenen Stellen sei, dass im Vorjahr viele Ausbildungsplätze mangels qualifizierter Bewerber frei geblieben seien.“

Mediziner weisen auf Atomgefahr hin

11. September: „Rund 200 Mediziner und Beschäftigte im Sanitätswesen beteiligen sich an einer Kundgebung, die vor den Gefahren der atomaren Bedrohung warnt. Die Redner erteilen der ‚Vorspiegelung von Überlebenschancen‘ bei einem Atomkrieg eine deutliche Absage. Der Protest richtet sich in erster Linie gegen Versuche, die Konsequenzen eines atomaren Schlages zu ‚verniedlichen‘.“

Kirchen lehnen Polit-Werbung ab

13. Oktober: „Das erzbischöfliche Ordinariat von München-Freising lehnt das Ansinnen des CSU-Generalsekretärs Wiesheu ab, die Kirchenmitglieder zur Teilnahme an der CSU-Friedensmanifestation ‚Frieden und Freiheit – Ja zur Sicherheit‘ am 22. Oktober in München aufzufordern. Es sei nicht Aufgabe der Kirche, sondern der politischen Parteien selbst, für ihre Auffassungen und Argumente zu werben. [...] Wiesheu hatte Erzbischof Wetter und Landesbischof Hanselmann in gleichlautenden Schreiben darauf hingewiesen, dass ‚allmählich der fatale Eindruck entsteht, dass die Kirche das Engagement verschiedener Laienorganisationen bei der Friedensbewegung billigt [...]“ Auch Bischof Hanselmann lehnt die Bitte Wiesheus ab.

Städtische Ehrung für Robert Lembke

13. Oktober: „Der bekannte Journalist Robert Lembke erhält im Rathaus die Medaille ‚München leuchtet‘ in Gold überreicht. OB Kiesl würdigt die Verdienste des geborenen Münchners um seine Heimatstadt, vor allem auch bei der Organisation der Fernseh- und Funkübertragungen der Olympischen Spiele von 1972.“ Foto s. unten

Tierheim expandiert

28. November: „Im Tierheim an der Riemer Straße wird ein Erweiterungsbau eingeweiht. Mit einem Aufwand von mehr als 2 ½ Mio. DM hat der Tierschutzverein ein neues Katzenhaus und eine neue Quarantänestation errichten lassen. In 20 Zwingern auf insgesamt 180 qm bietet sich jeweils sechs bis acht Katzen auf mehreren Liegeebenen genug Raum.“

Indianer mahnen Frieden und Umweltschutz an

29. November: „‘In Sorge um den Frieden und die anhaltende Zerstörung von Mutter Erde‘ bereiste eine Delegation von zwölf Stammesvertretern amerikanischer Indianer die Bundesrepublik. Auf einer Pressekonferenz des Deutschen Naturschutzrings in München, ihrer letzten Station, schildern die Abkömmlinge der Ureinwohner Nordamerikas ihre oft bitteren Erfahrungen mit radikalen Eingriffen der sog. Zivilisation in die Natur – eine Entwicklung, von der mittlerweile nicht nur Indianer betroffen sind.“

Solidarität mit Regimekritiker Sacharow

30. November: „Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte hat die Bevölkerung aufgerufen, die Aktion ‚Rettet Sacharow‘ zu unterstützen. Am Richard-Strauss-Brunnen in der Fußgängerzone wird eine Mahnwache errichtet.“ Unterstützer konnten einen Appell an den sowjetischen Staats- und Parteichef Jurij Andropow unterschreiben, in dem eine Ausreisegenehmigung für den Friedensnobelpreisträger gefordert wurde.

Protest in der Mittagspause

1. Dezember: „Rund 800 Beamte protestieren in ihrer Mittagspause auf dem Odeonsplatz gegen die Sparbeschlüsse im öffentlichen Dienst. Die vom DGB organisierte Veranstaltung ist von Angehörigen fast aller Sparten, vom Feuerwehrmann bis zum Postbeamten, besucht. Die verschiedenen Kürzungen und Streichungen im Öffentlichen Dienst seien eine Umverteilung von unten nach oben und bedeuteten gesellschaftspolitische Rückschritte.“

Ein Denkmal für die Opfer der NS-Gewaltherrschaft

15. Dezember: „Nach einem Stadtratsbeschluss soll auf dem Platz der Opfer des Nationalsozialismus ein Denkmal für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft geschaffen werden. Die Stadt schreibt den Wettbewerb öffentlich aus. Teilnahmeberechtigt sind alle Bildhauer, die seit mindestens sechs Monaten im Regierungsbezirk Oberbayern ihren ersten Wohnsitz haben.“

Protest aus der Steckdose

„Die Münchner Grünen rufen für den 18. Dezember zu einer ‚Volksabstimmung per Steckdose‘ auf. Sie wünschen, dass ‚aus Protest gegen die Untätigkeit der Industrie und der Politiker angesichts des Waldsterbens‘ für fünf Minuten von 5 vor 12 bis 12 Uhr mittags sämtliche elektrischen Geräte ausgeschaltet werden. Mit dieser Aktion soll der Forderung nach sofortiger Entschwefelung aller bestehenden Kohlekraftwerke Nachdruck verliehen werden.“

Abbildungen zur Stadtchronik 1983

Hans-Jochen Vogel (SPD), Oppositionsführer und Alt-Oberbürgermeister, bei der Kundgebung des DGB auf dem Marienplatz, 1. Mai 1983.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Hans-Jochen Vogel (SPD), Oppositionsführer und Alt-Oberbürgermeister, bei ...

Oppositionsführer (und Alt-Oberbürgermeister) Hans-Jochen Vogel spricht bei der Maikundgebung ...

„München leuchtet“ in Gold für den Journalisten und Fernsehmoderator Robert Lembke, 13. Oktober 1983 Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

„München leuchtet“ in Gold für den Journalisten und Fernsehmoderator Robert ...

Die Auszeichnung überreichte Oberbürgermeister Erich Kiesl.