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Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Stadtchronik 1985


Bemerkenswertes, Kurioses und Alltägliches

Kampf dem Verpackungsmüll

3. Januar: „Auf einer Pressekonferenz präsentiert die SPD-Stadtratsfraktion ein 'Verpackungsbüffet'. Alle aufgefahrenen Speisen und Getränke sind original plastikverpackt und sollen auf das Problem der Abfallbeseitigung aufmerksam machen [...]. Um ihren Forderungen auf diesem Gebiet Nachdruck zu verleihen, stellte die SPD einen Antrag an OB Kronawitter, in dem nicht nur ein neues Abfallkonzept gefordert wird, sondern außerdem, daß München auf diesem Gebiete Vorreiterrolle übernimmt.“ Nur mit einem Bündel von Maßnahmen im privaten und öffentlichen Leben sei der Wegwerf-Wahn unserer Gesellschaft einzudämmen.

Frauengleichstellungsstelle beschlossen

16. Januar: „Nach einer fast vierstündigen Redeschlacht, die fast ausschließlich von Stadträtinnen bestritten wurde, beschließt das Plenum des Stadtrats mit den Stimmen von SPD und der Grünen die Schaffung einer Gleichstellungsstelle für Frauen. Sie soll im Direktorium eingerichtet und mit vier Planstellen ausgestattet werden. München folgt damit dem Beispiel vieler anderer Städte [...]. Von Seiten der CSU und FDP wird die neue Amtsstelle als 'grandiose Geldverschwendung' und 'simpler Modeartikel' qualifiziert. Die CSU-Stadträtin Cäcilie Götschel fordert den 3. Bürgermeister Klaus Hahnzog auf, konsequenterweise seinen Sessel für eine Frau freizumachen. Am 24. Juli wurde Friedel Schreyögg zur ersten Leiterin der Stelle berufen.

Konferenz über Defizite in der Frauenpolitik

28. Januar: „Bei einer Fachtagung der Frauen-Union (FU) der CSU im Künstlerhaus wird deutlich, daß CDU und CSU deutlich an Anziehungskraft für junge Frauen unter 30 Jahren verloren haben. [...] In einem Einführungsreferat weist die FU-Vorsitzende und Bundestagsabgeordnete Ursula Männle darauf hin, daß trotz der juristischen Gleichstellung der Frau die Gleichberechtigung noch in vielen Bereichen fehle. Bei allen bisher gewählten Bundestagen läge der Anteil der weiblichen Abgeordneten bei 8,6 Prozent, bei Regierungsämtern würden die Frauen kaum berücksichtigt.“

Im Ostfriedhof wird der letzte Max-Joseph-Ritter, Hubert Ritter von Heigl, beigesetzt  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung (Foto: Labryga)

Letzter Ordensträger zu Grabe getragen

29. Januar: „Im Ostfriedhof wird der letzte Max-Joseph-Ritter, Hubert Ritter von Heigl, beigesetzt. An seinem Sarg hält die 1. Gebirgsdivision der Bundeswehr aus Garmisch-Partenkirchen die Ehrenwache. Sie hat das Ehrenamt zur Fortsetzung der Traditionspflege des 1806 gegründeten Ordens übernommen, der zuletzt im Jahr 1918 verliehen wurde.“ Der Militär-Max-Joseph-Orden wurde vom bayerischen König verliehen, er war der höchste militärische Verdienstorden des Königreichs Bayern. Die Auszeichnung war mit dem persönlichen Adel verbunden. Heigl war Generalmajor und General der Pioniere beim Oberkommando Nordwest gewesen.

Bleifrei tanken – noch nicht sehr akzeptiert

1. Februar: „Wer bleifrei Auto fährt, hat nicht nur ein umweltreines Gewissen, sondern kann auch Kosten sparen. Darauf weist Münchens Umweltschutzreferent Rüdiger Schweikl in einer Presseerklärung hin. Obwohl es im Großraum München bereits 53 Tankstellen für bleifreies Benzin gibt, tankt nach den Erkenntnissen des Umweltschutzreferats bisher nur ein verschwindend geringer Teil der Münchner Autofahrer den umweltfreudlichen Treibstoff.“

Protest gegen Ayatollah Khomeini

9. Februar: „Gut 1.000 Männer und Frauen demonstrieren mit einem Zug vom Königsplatz zum Marienplatz gegen das Khomeini-Regime in Persien. Die Demonstration wird vom Iranischen Konstitutionsrat in der Bundesrepublik und Westberlin veranstaltet. Die Teilnehmer kamen z.T. in zwei Sonderzügen nach München.“

Streit um marode Großmarkthalle

28. Februar: „'Die erneute Verzögerung der dringend notwendigen Sanierung der Großmarkthalle geht zu Lasten der Verbraucher und ist gegen die mittelständische Wirtschaft gerichtet.' Mit diesen Worten kritisiert Stadtrat Heinrich Traublinger (CSU) die Anordnung von OB Kronawitter, den Generalsanierungsplan und die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse im Kommunalausschuss von der Tagesordnung abzusetzen. Der OB begründete die Absetzung damit, daß der jetzige Standort der Großmarkthalle nach einem SPD-Antrag generell überprüft werden müsse.“

Hat München zu viele städtische Beamte?

26. März: „Wie aus einer Untersuchung des Deutschen Städtetags hervorgeht, beschäftigt München in der kommunalen Verwaltung und in städtischen Einrichtungen die weitaus meisten Beamten aller deutschen Großstädte. Von den rund 27.500 Mitarbeitern, die die Stadt Mitte 1983 hatte, standen 8.231 in einem Beamtenverhältnis (vgl. Köln 4.000; Frankfurt knapp 3.000, Stuttgart 2.600 Beamte). [...] Nach Ansicht von Personalreferent Frieling vermitteln die Zahlen einen falschen Eindruck So seien beispielsweise in München 3.200 Lehrer in städtischen Diensten, in Köln dagegen finanziere allein das Land die Lehrer. Wenn man frage, was der Bürger pro Jahr für die städtischen Angestellten und Beamten bezahlen müsse, ergebe sich ein völlig anderes Bild: München liegt demnach unter den zehn Großstädten in der BRD an 9. Stelle. Hier gibt der Bürger pro Jahr 315 DM für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung aus, in Köln dagegen sind es 336 DM, in Hannover gar 428 DM.“

Vorsorge gegen Atombomben-Gefahr

28. März: „Jeder einzelne Bürger soll für den Tag oder besser die Minute nach dem 'großen Knall' jetzt schon geeignete Vorsorgemaßnahmen treffen.“ So informiert die Ausstellung 'Zivilschutz für den Bürger – mit dem Bürger' im Deutschen Patentamt u.a. über Finanzierungsmöglichkeiten eines Atombunkers im eigenen Haus und erteilt Hinweise zur 'lebensverlängernden' Gestaltung eines solchen Schutzraums. Regierungspräsident Raimund Eberle spricht bei der Ausstellungseröffnung die Hoffnung aus, dass die Zivilschutzmaßnahmen hoffentlich niemals gebraucht werden.

Lasst die Gärten erblühen!

4. April: „An die Vorgartenbegrünung erinnert OB Kronawitter zum Frühlingsbeginn. Er appelliert an Hausbesitzer und Hausverwaltungen, die seit 1979 für München bestehende Verordnung tatkräftig zu unterstützen und mit mehr Grün vor der eigenen Haustüre zu beginne. Jeder bepflanzte Vorgarten sei ein Gewinn für das einzelne Gebäude und für das Stadtbild.“

Ostermarsch 1985

8. April: „Der Wunsch nach Frieden treibt viele Münchner am Ostermorgen auf die Straße. Unter dem Motto '40 Jahre danach – nie wieder Krieg' beginnt der diesjährige Ostermarsch an verschiedenen Punkten in München und geht gegen 15 Uhr mit einer großen Kundgebung auf dem Marienplatz zu Ende. [...] Die Polizei spricht von 5.000, die Veranstalter hingegen von über 12.000 Teilnehmern.“

Überreichung des Friedensgrußes aus der Schwesterstadt Sapporo, 3. Mai 1985.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung (Foto: Angermeier)

Gruß aus Japan

3. Mai: „Ein Schwalbe macht noch keinen Sommer, aber tausende von Kranichen lassen wenigstens etwas von der Wärme der Städtefreundschaft zwischen Sapporo und München spüren. Im Rathaus nimmt OB Kronawitter einen Riesenschwarm von Papiervögeln in Empfang. Der japanische Generalkonsul Kozo Tamura überreicht den Friedensgruß aus der fernöstlichen Schwesterstadt.“ Die Städtepartnerschaft zwischen der bayerischen Landeshauptstadt und Sapporo bestand seit August 1972. Beide Städte waren in diesem Jahr Austragungsort der Olympischen Spiele gewesen.

Kampf gegen Tierversuche

18. Mai: „Rund 3.000 Tierschützer demonstrieren in der Innenstadt gegen weitere Tierversuche zu Forschungszwecken. Viele der Demonstranten verbergen ihre Gesichter hinter den Masken von Katzen, Hunden, Ratten, Kaninchen oder Schweinen. Die Demo-Teilnehmer folgten einem Aufruf der Münchner Aktionsgruppe für die totale Abschaffung der Tierversuche.“

Drastische Gebührenerhöhung

13. Juni: „Eine geplante 35-prozentige Erhöhung der Kindergarten-Gebühren führt im Rathaus zu schweren Auseinandersetzungen. Stadtkämmerer Grundmann begründet die Erhöhung mit dem sprunghaften Anstieg von Zuschüssen für Kindergärten und den Investitionen in diesem Bereich. So seien allein die Investitionskosten von 0,6 Mio. im Jahr 1983 auf 6,1 Mio. DM gestiegen. Grundmanns Entwurf sieht acht Abstufungen vor, bei denen Eltern, die ihre Kinder ganztags in einen städtischen Kindergarten schicken und im Jahr 45.000 DM brutto und mehr verdienen, die 35-prozentige Erhöhung trifft. Sie sollen künftig 135 statt bisher 100 DM bezahlen. Mit einer Erhöhung von 15 Prozent müssen alle Ehepaare rechnen, die zwischen 42.000 und 45.000 DM pro Jahr erhalten. Zwischen 95 und 25 DM soll bezahlen, wer zwischen 42.000 und 21.000 DM verdient.“

Verkehrsplanungen

26. Juni: „Das Ringen im Stadtrat um den weiteren kreuzungsfreien Ausbau des Mittleren Rings geht weiter.“ Die SPD forderte ein Gutachten über die Grundlagen der innerstädtischen Verkehrsplanung. U.a. sollte darin ermittelt werden, „welche Auswirkungen die drei vom Baureferat geplanten Ausbaumaßnahmen (Luise-Kiesselbach-Platz, Richard-Strauss-Straße und Petuelring) auf die Be- und Entlastung des übrigen Straßennetzes haben werden.“

Doktorwürde für Franz Josef Strauß

13. Juli: „In der Universität erhält Ministerpräsident Franz Josef Strauß die Ehrendoktorwürde. [...] Der Dekan der Staatswissenschaftlichen Fakultät würdigt 'die scharfsinnigen Analysen' des Ministerpräsidenten. Universitätspräsident Steinmann erklärt, Strauß habe sich 'als Politiker auch für die Politikwissenschaft große Verdienste erworben'. [...] Strauß bedankt sich zunächst in Latein für die ihm zuteil gewordene Ehre. [...] Anschließend hält er ein Referat zum Thema 'Der Weg der Bundesrepublik Deutschland – Finanzpolitik im Bundesstaat, dargestellt an der Finanzreform 1969 und ihre Auswirkungen'.“

Angst vor vergiftetem Wein

8. August: „Der Skandal um den mit Frostschutzmittel versetzten Giftwein aus dem Burgenland hat in München einen Großeinsatz bei Behörden ausgelöst. Im Landesuntersuchungsamt machen die Chemiker Überstunden. In der vergangenen Woche wurden 1.800 Flaschen Wein getestet und analysiert. Rund 40 Prozent davon enthielten die gesundheitsschädliche Substanz Diäthylenglykol.“

Haushaltsplanungen vorgestellt

12. August: „Stadtkämmerer Grundmann stellt seinen Etat-Entwurf für den Haushalt 1986 vor. Der Gesamthaushalt übersteigt erstmals mit 6,38 Milliarden DM die 6-Milliarden-Grenze. Die Kosten für das städtische Personal steigen erstmals wieder kräftig an, 943 neue Stellen sind aufgrund von Stadtratsbeschlüssen bereits eingeplant. [...] Grundmann kündigt Rekordausgaben für Investitionen von 1,3 Milliarden DM an. Dies wird möglich durch kräftige Einnahmen-Steigerungen bei den Steuern um 8,2 Prozent. Der größte Ausgabenblock ist der Sozialetat mit 832 Mio. DM. Die größte Zuwachsrate mit 11,9 Prozent hat der Kulturhaushalt, der auf 207 Mio. DM ansteigt; 40 Mio. davon gehen allein in das Kulturzentrum am Gasteig. Trotz steigender Einnahmen ist eine Erhöhung der Verschuldung um 221 Mio. DM vorgesehen. Damit würde die Pro-Kopf-Verschuldung von jetzt 1.423 DM auf 1.639 DM steigen.“

Verkehrsberuhigung im Westend.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung (Foto: Angermeier)

Verkehrsberuhigung im Westend

Trappentreu Am 7. September gehörte die nunmehr verkehrsberuhigte Trappentreustraße den Bürgern vom Westend. „Mit Freibier, Bratwürsten und 250 l Gulaschsuppe, mit Karussell und Schiffschaukel wurde eine neue Ära auf der Schwanthaler Höhe gefeiert. Noch vor fünf Jahren, sagt OB Kronawitter in seiner Ansprache, sei die Trappentreustraße einer der unfallträchtigsten Verkehrswege der Stadt gewesen. Heute findet man ein Idyll in einem Stadtviertel, in dem solche Ruhezonen noch Mangelware sind. Nur noch 7 m breit ist die Fahrbahn der neuen Trappentreustraße, eine Allee mit 120 jungen Bäumen wurde neu gepflanzt.“

Münchens beliebteste Vornamen

10. September: „In der Hitliste der Münchner Kindl des Jahrgangs 1984 stehen Michael und Stephanie unangefochten an der Spitze. 214 Eltern gaben ihren Buben den Namen des Erzengels. Ebenso deutlich liegt bei den Mädchen Stephanie mit 194 Nennungen in Front.

Ehrenbürger Franz Josef Strauß.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung (Foto: Angermeier)

Empfang für den neuen Ehrenbürger

18. September: „Im Alten Rathaussaal gibt die Stadt einen festlichen Empfang für ihren Ehrenbürger Ministerpräsident Franz Josef Strauß aus Anlaß seines 70. Geburtstags. Als Geschenk überreicht OB Kronawitter die erste Medaille '175 Jahre Oktoberfest'. In einer Ansprache stellt der OB die unbestreitbaren Verdienste des Politikers für seine Geburtsstadt heraus. [...] Seine Dankesworte, antwortet Strauß, kämen aus dem gegenseitigen Respekt. Auf Lateinisch bekennt der Ministerpräsident: 'Ich bin stolz, ein geborener Münchner zu sein.'“

Kundgebung „Rettet den Hofgarten“ am Odeonsplatz, 11. Oktober 1985.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung (ZBE_Q0007)

Protest gegen Neubau der Staatskanzlei am Hofgarten

11. Oktober: „Tausende sind zur Protestkundgebung auf den Odeonsplatz gekommen, um sich im Widerstand gegen die geplante Behörden-Hofburg [gemeint ist die geplante Staatskanzlei] zu vereinen. Vor einer riesigen Modellkulisse des bekämpften Staatskanzlei-Entwurfs wird mit leidenschaftlichen Worten, mit aufmunternder bayerischer Blasmusik und auch mit der Waffe ätzender Parodie gegen die 'bürgerfeindliche' Bauabsicht der Staatsregierung demonstriert.“ Redner sind der Journalist Hans Heigert, der Architekt Christoph Hackelsberger und die Schauspieler Philip Arp und Jörg Hube.

Massenprotest gegen Wackersdorf

12. Oktober: „An einer Großdemonstration gegen die geplante Wiederaufbereitungsanlage für abgebrannte Kernbrennstäbe in Wackersdorf in der Oberpfalz beteiligen sich Zehntausende. Sie ziehen in Sternmärschen aus drei Richtungen zum Odeonsplatz. Bei einem der Züge kommt es zu Gewalttätigkeiten. [...] Die Polizei spricht von rund 26.500 Demonstranten, die Veranstalter von 'mindestens 50.000'. Mit zehn Sonderzügen und über 100 Bussen waren die Demonstranten aus allen Teilen des Bundesgebiets nach München gereist. [...] Bei der Kundgebung erklärt der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz in Deutschland, Hubert Weinzierl, der Protest gegen die Wiederaufbereitungsanlage, richte sich auch 'gegen die Brutalität, mit der die Bundes- und Landesregierung diese verhängnisvolle Energie- und Atompolitik durchpeitschen'. Daher sei der Widerstand auch kein regionales, sondern ein zentrales nationales Anliegen. Der Widerstand komme nicht wie von Ministerpräsident Strauß behauptet von Berufsdemonstranten, Chaoten, Terroristen, Verantwortungsdemagogen und Systemgegnern, sondern von mit ihrer Heimat verbundenen Frauen und Männern.“

Ein Denkmal für die Opfer der NS-Gewaltherrschaft.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung (Stb-Denkmal-02)

Gedenken an die Opfer des NS-Regimes

8. November: „Die Landeshauptstadt besitzt endlich ein würdiges Denkmal für die Opfer der NS-Gewaltherrschaft. Bei der Übergabe des Mahnmals im Rahmen einer Gedenkfeier erklärt OB Kronawitter u.a., aus der geistigen Auseinandersetzung mit dem, was gewesen sei, erwachse die Verpflichtung, Feindbilder abzubauen, Gerechtigkeit zu üben und sozialen Ausgleich zu schaffen.“ Das 6 m hohe Monument wurde an der Ecke Brienner Straße / Maximiliansplatz aufgestellt.

Das Computer-Zeitalter erreicht die Stadt

12. November: „Der 'Kollege Mikroprozessor' soll künftig den städtischen Mitarbeitern bei der Bewältigung der zahlreichen Verwaltungsvorgänge helfen. Wie aber die heutige Sitzung des Verwaltungsausschusses zeigt, geht die notwendige Modernisierung der elektronischen Datenverarbeitung (EDV) bei der Stadt nur mühsam voran. Die Stadtspitze wartete mit einem umfangreichen Konzept auf, in dessen Mittelpunkt der 'intelligente Arbeitsplatzcomputer' steht, bei dem die Funktionen der Daten- und Textverarbeitung sowie der Telekommunikation vereinigt sind. Der Vorschlag der Stadtspitze findet jedoch nicht die Zustimmung der Mehrheit der Ausschußmitglieder.“

"Siemensianer" lehnen Mitarbeit an Weltraumwaffen ab

13. November: "1.000 Informatiker, Ingenieure und Techniker, die bei der Fa. Siemens in München beschäftigt sind, lehnen die Mitarbeit am US-Raketenabwehr-Projekt SDI ab. Sie haben sich, wie die 'Friedensinitiative Beschäftigter der Siemens-Betriebe' vor der Presse bekannt gab, dem offenen Brief von 350 Naturwissenschaftlern an Bundeskanzler Kohl angeschlossen. Die Bundesregierung wird darin aufgefordert, sich nicht an Erforschung, Entwicklung, Erprobung und Stationierung von Weltraumwaffen zu beteiligen.“

Diskussion über die Bedrohung durch Aids

25. November: „Die Stadtratsfraktion der Grünen veranstaltet eine Pressekonferenz, auf der der Sexualforscher Prof. Erwin Häberle aus San Francisco die Einrichtung einer Aids-Aufklärungsstation empfiehlt. Die Stelle müsse finanziell gut ausgestattet sein und das Vertrauen der Betroffenen wie die Unterstützung der Behörden haben. Am Beispiel von San Francisco zeigt Häberle, wie man sinnvoll mit dem Thema umgehen kann. Die Vorbeugung gegen Aids sei kein Randgruppen-Problem mehr, mittlerweile sei man in den USA der Ansicht, daß die gesamte Bevölkerung geschützt werden müsse.“

Tagung zur Situation in Afghanistan

17. Dezember: „Die Hanns-Seidel-Stiftung veranstaltet ein Internationales Afghanistan-Forum. Dabei berichtet Van Rooyen, der Vertreter des Hohen UNO-Flüchtlingskommissars in der Bundesrepublik, mehr als 3 Mio. Menschen aus Afghanistan seien ins benachbarte Pakistan geflohen, etwa 1,5 Mio. in den Iran. 10.000 afghanische Flüchtlinge seien in die Bundesrepublik gekommen. Van Rooyen beklagt, dass auch sie den 'sehr restriktiven Beschränkungen' im deutschen Asylverfahren ausgesetzt seien. An der Tagung nahmen auch vier Führer islamischer afghanischer Widerstandsorganisationen teil. Sie erklären, sie wollten keine Lösung für Afghanistan akzeptieren, an der sie nicht beteiligt seinen. Die vier Widerstandskämpfer werden auch von Ministerpräsident Strauß empfangen. Der Sowjetunion wirft Strauß 'Völkermord' in Afghanistan vor.“ Afghanistan war seit Dezember 1979 von der Sowjetunion besetzt. Internationale Proteste sowie die Verurteilung der Invasion durch die Vereinten Nationen zeigten keine Wirkung. In den Jahren bis zum Abzug der Sowjets kam über eine Million Afghanen ums Leben. 5 Mio. Menschen flohen, weitere 2 Mio. wurden vertrieben. In den 1980er Jahren war angeblich jeder zweite Flüchtling auf der Welt ein Afghane.

Rekruten müssen geschützt werden

18. Dezember: „Die Bundeswehr baut einen Schutzwall gegen die Sex-Mädchen an der Ingolstädter Straße. Über 1,5 m ist dieser Hügel hoch. Er wird mit Büschen dicht bepflanzt.“ Münchens Standort-Kommandant wird mit den Worten zitiert: „Schließlich werden da draußen unsere jungen Soldaten ausgebildet, für die wir eine gewisse Verantwortung haben. Wir können sie doch nicht in die Unmoral führen.“

Weihnachtsmärkte boomen

Markt18. Dezember: „Die Christkindlmärkte erleben in diesem Jahr eine regelrechte Renaissance. Neben dem traditionellen Christkindlmarkt auf dem Marienplatz, dem Schwabinger an der Münchner Freiheit, dem Neuhauser am Rotkreuzplatz und dem Haidhauser auf dem Weißenburger Platz gibt es in diesem Jahr erstmals auch Märkte in Giesing, im Garten des Salvatorkellers am Nockherberg und in Ramersdorf. Foto s. unten

Abbildungen zur Chronik 1985