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Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Stadtchronik 1987


Bemerkenswertes, Kurioses und Alltägliches

Einführung der Grünen Tonne

5. Januar: „In den Stadtgebieten Hasenbergl, Harthof, der Siedlung am Lerchenauer See und in der Olympia-Pressestadt wird die sog. Grüne Tonne eingeführt. Damit macht München einen ersten Anlauf zur getrennten Müllentsorgung. Dabei sollen Papier und Pappe, Glas, Metalle, Kunststoffe und Textilien gleich in der Wohnung vom übrigen Hausmüll getrennt gesammelt und in die Grüne Altstofftonne eingegeben werden. Das Gemisch wird dann von der Müllbeseitigung in eine Recycling-Sortieranlage gebracht, dort werden die wiederverwertbaren Stoffe sortiert und an die rohstoffverarbeitende Industrie verkauft. Zunächst wird der Versuch mit 100 bis 150 Tonnen Altstoff gemacht. Der Restmüll wird wie bisher gesammelt und in den Müllkraftwerken verbrannt.


U-Bahn-Bau wird forciert

8. Januar: „In diesem Jahr sollen rund 270 Mio. DM für den Ausbau des U-Bahn-Netzes ausgegeben werden. Wichtigstes Ereignis für die U-Bahn-Bauer ist der Start für die Verlängerung der U 8-Nord zum Hasenbergl. Beim zweite U-Bahn-Projekt, der Ausbau der Tunnelstrecke von Holzapfelkreuth zum Klinikum Großhadern, ist man von der Einigung im Stadtrat abhängig. Der Ausbau der U 8 gilt als 'Fortsetzungsmaßnahme' und ist als solcher auch ohne Haushalt fortzuführen. “


Nazi-Urteil gegen P. Rupert Mayer bleibt bestehen

12. Januar: „Das Bayerische Justizministerium spricht sich gegen einen Antrag des Münchner Rechtsanwalts Girtschneders aus, das Nazi-Urteil gegen Pater Rupert Mayer aufzuheben. Mayer war am 23. Juli 1937 von einem Sondergericht wegen Kanzel-Mißbrauchs und Heimtücke zu sechs Monaten Haft verurteilt worden. Wie das Ordinariat äußert auch das Justizministerium die Ansicht, das Urteil dokumentiere den Widerstand des Priesters gegen die Nazi-Herrschaft und werde im Bewußtsein der Bevölkerung richtig eingeschätzt.“


Verkehrsplanung Pasing – gut Ding will Weile haben

14. Januar: „Der Planungsausschuss befaßt sich mit einer Verkehrsberuhigung des Pasinger Zentrums. Statt eines von der Bürgerversammlung geforderten Großtunnels soll eine Umgehungsroute an der Oberfläche den Pasinger Marienplatz entlasten. Sie zweigt an der Offenbachstraße von der Landsbergerstraße ab, führt südlich der Bahnlinie entland und mündet über die Lortzingstraße wieder in die Hauptstraße. Das Oberflächen-Konzept würde einen Aufwand von 29 Mio. DM erfordern. Einen Zeitrahmen kann das Planungsreferat noch nicht nennen.“


Erschreckende Verkehrsstatistik

16. Januar: 53.655 Verkehrsunfällte haben sich nach einer vorläufigen Bilanz im vergangenen Jahr im Münchner Stadtgebiet ereignet. Ein Plus von 3 Prozent im Vergleich mit 1985. Die Zahl der toten – 80 im Vergleich zu 85 im Jahr 1985 – war dagegen leicht rückläufig.“

 

Beisetzung der Prinzessin Maria des Pilar von Bayern.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung ZBE_B1501 (Foto: Anton Labryga)

Berühmte Tote

19. Januar: „Im Alter von 88 Jahren stirbt Josef Henselmann, einer der bekanntesten Bildhauer Münchens in der Nachkriegszeit. Henselmann war von 1948-1957 und von 1963-1966 Präsident der Akademie der Bildenden Künste und hat sich nach dem Krieg um deren Wiederaufbau in besonderem Maße verdient gemacht. Werke: das monumentale Kruzifix über dem Dom-Altar und der Brunnen am Rindermarkt u.a.

29. Januar: „In ihrer Wohnung am Nyphenburger Schloßrondell stirbt im Alter von 96 Jahren Prinzessin Pilar von Bayern, de als Malerin wie als Mensch verehrte und beliebte Tochter des populären Arztes Prinz Ludwig Ferdinand und der spanischen Infantin Maria de la Paz.“

Kampf gegen Aids

2. Februar: „Die SPD-Stadtratsfraktion richtet einen 'Arbeitskreis AIDS' ein. Angesichts der bedrohlichen Ausbreitung der Seuche ist nach Ansicht der SPD ein 'weit stärkeres kommunales Engagement notwendig'. Die Zahl der Erkrankten hat sich in den letzten Monaten auf 200 Fälle verdoppelt. Im Mittelpunkt der Aktionen des Arbeitskreises sollen Prävention und Aufklärung, Unterbringung und Behandlung der Erkrankten sowie ordnungspolitische Maßnahmen stehen, die eine weitere Ausbreitung von Aids verhindern sollen.“

Rekordbesuch

15. Februar: „Mit einem Rekordbesuch endet die 18. Ausstellung 'Caravan-Boot-Internationaler Reisemarkt' nach 9-tägiger Dauer. Nach einer vorläufigen Bilanz der Messegesellschaft wurden 192.000 Besucher registriert.“

München-Werbung wird intensiviert

16. Februar: „Das Goethe-Institut und das Fremdenverkehrsamt der Stadt verabreden eine intensive Zusammenarbeit, die den internationalen Ruf Münchens bestätigen und womöglich noch festigen soll. Von den 150 Vertretungen des Goethe-Instituts im Ausland erhofft sich die Stadt eine bedeutsame Hilfe in dem Bestreben, München international noch besser zu 'verkaufen'.“
Bitte Abb: Plakat Fasching 1987 mit Goldmedaille im Wettbewerb um die 'Goldene Reisekutsche' prämiert.

Weibliche Überzahl

16. Februar: „In diesem Wintersemester sind erstmals die Frauen an der Universität in der Überzahl. Die Quote erhöhte sich von 49,7 Prozent im letzten Wintersemester auf jetzt 50,4 Prozent. Vor allem in Sprach- und Geisteswissenschaften ist der Anteil der Frauen relativ hoch, gering ist er dagegen z.B. in Physik, Forstwissenschaften und Mathematik. Sehr gering sind Frauen unter den Professoren vertreten: von 340 Lehrstühlen an der Universität sind nur sechs von Professorinnen besetzt.“

Ehrentitel für Kronawitter

17. Februar: „Eine Abordnung von Obdachlosen ernennt OB Kronawitter zum 'Oberpenner ehrenhalber'. Mit diesem Titel bedanken sich die Männer dafür, dass die Stadt während der strengen Wintertage den Bunker an der Steinerstraße den 'Pennern' als Nachtquartier zur Verfügung gestellt hatte.“

Streit um geplanten Bau des Rangierbahnhofs Allach

26. Februar: „Nach der Entscheidung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes, mit der der Bundesbahn der Bau des Rangierbahnhofes in Allach erlaubt wird, erklärt OB Kronawitter, 'der Bau wäre eine der letzten großen stadtentwicklungspolitischen Todsünden'. Er hoffe immer noch 'auf die bessere Einsicht der Bahn und des verantwortlichen Verkehrsministers'.“

Die Stadt setzt auf Solarenergie

4. März: „Die Stadt will 37 Mio. DM für Maßnahmen zur Energieeinsparung ausgeben. Ein besonderes Schwergewicht legt sie dabei auf die weitere Entwicklung der Solartechnik. An der Universität München wurde ein Verfahren zur besseren Wärmespeicherung in den Sonnenenergie-Anlagen entwickelt. An Stelle des 'Mediums' Wasser tritt dabei eine Art Sandgemisch, das die Wärme über lange Zeit festhalten kann. Damit zeigt sich eine Lösung für das schwierige Speicherproblem. Nun sollen Erfahrungen aus dem Labor in die Praxis übertragen werden. In einem Haus in Haidhausen soll eine solch neue Solarheizung installiert werden.“

Immer Ärger mit der S-Bahn

5. März: „In einer Aufsichtsratssitzung des MVV kritisiert OB Kronawitter scharf die S-Bahn-Pannen dieses Winters. Er erklärt mit Nachdruck, dass er nicht gewillt sei, weiterhin Image-Verluste für den öffentlichen Verkehr durch eine kälteanfälllige S-Bahn hinzunehmen. Die Verantwortlichen der Bahn versprechen Abhilfe.“

Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung ausgeweitet

11. März: „Bisher gab es im Stadtgebiet zwölf Bereiche, in denen als Höchstgeschwindigkeit 30 km/h vorgeschrieben waren. Angesichts der guten Erfahrungen, die in diesen Schutzzonen seit Anfang 1986 gesammelt wurden, will die Stadt nun mit der Verkehrsberuhigung ernst machen. In nächster Zeit sollen 30 weitere 'schutzwürdige abgegrenzte Wohnbereiche als 'verkehrsberuhigt' ausgewiesen werden.

Radioaktiver Hausmüll

14. März: „Mit einer Protestaktion auf dem Marienplatz prangern Studenten der Technischen Universität das Verhalten der zuständigen Behörden bei der Entsorgung des radioaktiv verseuchten Inhalts von Staubsauerbeuteln an.“ Konkret ging es um 80 kg kontaminierten Hausstaub, der seit August 1986 bei der Fachschaft Elektrotechnik der TU lagerte. „Die Studenten hatten nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl Hausfrauen gebeten, Staubsaugerbeutel zur Untersuchung in der TU abzuliefern. Obwohl Messungen Cäsium-Werte von 8.050 bq/kg und Ruthenium-Werte von 1.2000 bq/kg ergeben haben, wollte das Landesamt für Umweltschutz von Entsorgung nichts wissen und gab den Rat, den Staub unbesorgt in die Mülltonne zu werden.“

Erfolgreiche Mode-Woche

1. April: „Mit 51.000 Besuchern aus 50 Ländern geht die 55. Münchner Mode-Woche auf der Theresienhöhe erfolgreich zu Ende.“ Für den Herbst 1987 galten „sanfte Kurven, nicht mehr so stark betonte Schultern und Glockenröcke“ als der letzte Schrei.

Grufti-Friseur.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung ZBE_W0048 (Foto: Kiechle-Klemt)

Seltsame Frisuren

3. April: Der Chronist beschreibt ungläubig staunend einen neuen Friseurladen: „In der Albrechtpassage gibt es seit einiger Zeit einen sog. Grufti-Friseur. Der ganz in schwarz gehaltene Raum ist mit Skeletten aus Kunststoff, Grabsteinen, Särgen als Spielumrandung 'geschmückt'. In dem Salon werden Grufti-Frisuren angeboten – verrückte Haargebilde, teils wird in einer Richtung emporstehend, teils streng geschnitten mit kahlem Nacken.“

Bürgerbegehren gegen WAA

3. April: „Im Bayerischen Innenministerium in München wird ein Antrag auf Zulassung eines Volksbegehrens gegen die Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) in Wackersdorf/oberpfalz eingereicht, begleitet von 38.592 amtlich beglaubigten Unterschriften. Das Ministerium hat nun sechs Wochen Zeit, den Antrag zu prüfen.“ Die Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf sollte die zentrale Wiederaufarbeitungsanlage für abgebrannte Brennstäbe aus sämtlichen Atomkraftwerken in Deutschland werden. Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vom 26. April 1986 verstärkte sich der Protest gegen die WAA. Zwar lehnte der Bayerische Verfassungsgerichtshof in München im darauffolgenden August den Antrag auf ein Volksbegehren gegen die WAA ab, dennoch blieben die Gegner der Anlage letztendlich erfolgreich. Die WAA wurde nie fertiggestellt.

Senioren-Tag

7. April: „Im Herkulessaal wird der 'Tag der älteren Generation' 1987 begangen. Die Veranstaltung steht unter dem Motto 'Die Generation des Aufbaus und der Lebenserwartung bleibt aktiv'. In der Festansprache würdigt Bürgermeister Hahnzog die Senioren als Generation des Wiederaufbaus. Der Wiederaufbau der zerstörten Stadt sei eine der größten Leistungen gewesen, die Münchner Bürger vollbracht hätten. Die Stadt werde alles tun, um dem steigenden Anteil älterer Menschen gerecht zu werden. Da der größte Anteil der älteren pflegebedürftigen Menschen von ihren Angehörigen betreut werde, sei eine Entlastung der Angehörigen geplant.“

Wohnungstausch

Am 8. April wurde die 2.000ste Familie, die das seit 1979 bestehende Programm 'Tausch und Umsetzung' des Sozialreferats in Anspruch nahm, geehrt. Das Wohntausch-Programm wurde eingeführt, um den Auszug kleiner gewordener Familien aus Großwohnungen zugunsten kinderreicher Familien zu fördern. Das Sozialreferat hatte für das Projekt innerhalb von knapp 10 Jahren 14,9 Mio. DM ausgegeben; der Neubau entsprechender Wohnungen hätte dagegen 234 Mio. DM gekostet. Die 2.000 Wohnungen waren zuvor von 4.865 Personen bewohnt, nach dem Tausch fanden dort 6.978 Menschen, darunter 3.282 Kinder eine neue Heimat.

Gebet am Grab von Pater Rupert Mayer.   Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung ZBE_F0186 (Foto: Kiechle-Klemt)

Papst-Besuch

3. Mai: „Im Rahmen seiner Reise, die ihn in elf Städte der Bundesrepublik führt, trifft Papst Johannes Paul Il. Auf dem Flughafen Riem ein, wo er von Ministerpräsident Strauß und Erzbischof Wetter begrüßt wird. Mit einem Hubschrauber wird der Papst dann ins Olympiastadion geflogen. Im anschließenden festlichen Gottesdienst wird zwischen dem Kyrie-Ruf und dem Gloria die Seligsprechung des Münchner Männer-Apostels Pater Rupert Mayer vorgenommen. Anschließend fährt der Papst mit dem 'Papamobil' durch die Straßen der Stadt zur Bürgersaalkirche, wo in der Unterkirche der Rupert Mayer bestattet ist.

Umstrittene Volkszählung

11. Mai: OB Kronawitter setzt sich mit Nachdruck für die Volkszählung ein,. Auf eine Anfrage der Grünen erklärt er, der gehöre zu denjenigen, die aus stadtpolitischen Gründen schon lange auf die neuen Daten warteten. Die Volkszählung beseitige Hemmnisse, die die Stadtpolitik erschwerten. Gegner der Volkszählung machen mobil.“ Gegner der Volkszählung hatten sich am 5. Mai im Schwabingerbräu getroffen zu einer von der „Initiative bayerischer Strafverteidiger“ organisierten Informationsveranstaltung getroffen. Dort war betont worden, „alle Volkszählungen in der Vergangenheit seien nicht zum Wohle des Volkes, sondern allein zur Unterdrückung und Ausbeutung erfolgt. Es sei 'logisch zwingend', nur leere unausgefüllte Fragebogen abzugeben.“

Rettet den Allacher Wald“

Unter dem obigen Motto riefen der Bund Naturschutz sowie verschiedene Bürgerinitiativen und Umweltorganisationen zu einer Großkundgebung für den 22. Mai auf. In dem Aufruf hieß es, „die Bundesbahn begehe mit dem Bau des Rangierbahnhofes 'den größten Naturfrevel, den es je gegeben hat'. Den Belangen der Pflanzen- und Tierwelt sei zu wenig Rechnung getragen worden. Besonders erbost zeigte man sich, daß die Bahn schon begonnen hat zu roden, ohne den Ausgang noch anhängiger Gerichtsverfahren abzuwarten.“

Ein Kaufhaus für Computer

Am 15. Mai eröffnete in der Westenriederstraße 32 Deutschlands erstes Computer-Kaufhaus, die COM Computertechnologie und Vertriebs GmbH.

Graffity - Schmiererei oder Zeitgeist?

In der Nacht zum 17. Mai „verunzieren unbekannte Täter mit Graffiti 18 U-Bahn-Wagen, die in der Nähe der Haltestelle Innsbrucker Ring und an der Wendeschleife Neuperlach-Süd abgestellt sind. Die Täter werden überrascht und verschwinden vor Vollendung ihres 'Kunstwerkes'. Der Sachschaden ist erheblich.“ In den 1980er Jahren waren auch in München zahlreiche illegale Graffity-Maler unterwegs. Da ihre Werke eine sehr zeittypische Erscheinung waren, dokumentierte das Stadtarchiv sie.

Kindergarten-Plätze als Mangelware

18. Mai: Stadtschulrat Loichinger teilte mit, dass von 5.121 Neuanmeldungen für die städtischen Kindergärten 1.676 nicht berücksichtigt werden konnten. Besonders große Engpässe herrschten in Neuperlach, Milbertshofen und Bogenhausen/Oberföhring: „In den letzten neun Jahren hat die Stadt 1.000 Kiindergarten-Plätze neu geschaffen, insgesamt gibt es in München jetzt über 10.000. Doch die Abweisungsquote hat sich in diesem Zeitraum kaum geändert, nach wie vor bleibt jedes dritte Kind 'draußen vor der Tür'. Dies sei u.a. auf die immer längere Verweildauer der Kinder und die wachsende Bereitschaft der Eltern, die Kinder in einen Kindergarten zu schicken, zurückzuführen.“

Mobile Sondermüll-Sammlung

OB Kronawitter stellt zwei jeweils 140.000 DM teure 'Giftmobile' vor. Ab dem 10. Juni werden die Sondermüll-Fahrzeuge 160 verschiedene Standorte im Stadtgebiet einmal monatlich anfahren, wo sie jeweils 45 Minuten stehen. Abgegeben werden können dort dann u.a. Batterien, Chemikalien, Medikamente, Altöle, Farben und Lacke.“

Umgesttaltung des Königsplatzes.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung Str-0413 (Foto: Kiechle-Klemt)

Königsplatz wird neu gestaltet

1. Juni: „Bürgermeister Zehetmeier, Staatssekretär Heinz Rosenbauer und Baureferent Robert Langguth geben mit dem Anlupfen einer Granitplatte auf dem Königsplatz den Anstoß für den Umbau des Platzes. Der Granit, mit dem die Nationalsozialisten 1934 den Platz zum Aufmarschgelände umgeformt haben, wurde an ein niederbayerisches Unternehmen verkauft. Die Steine sollen bei der Einrichtung neuer Fußgängerzonen Verwendung finden.“

Richtfest

4. Juni: „Für den Rohbau des 110 m langen Bauabschnitts der U 5/9 zwischen der Richard-Strauss-Straße und dem Prinzregentenplatz wird unter dem Böhmerwaldplatz das Richtfest gefeiert. Der Bauabschnitt galt während der Bauarbeiten als besonderer Anziehungspunkt für die Fachwelt. Die U-Bahn-Bauer mußten einen im Baugruben-Bereich liegenden Kanal umgehen und 17 Bohrpfähle einer darüber liegenden Tiefgarage abfangen und entfernen.

Weltkongress der Rotarier

7. Juni: Über 25.000 Rotarier treffen sich in München – zum ersten Mal in der Geschichte des Traditionsvereins (1905 wurde der erste Club in Chicago gegründet) findet der Welt-Jahreskongress in Deutschland statt. Die Besucherzahl ist ein Rekord, nur einmal kamen bisher mehr Rotarier zu einem Welttreffen, in Japan waren es 40.000 gewesen.“

Bürgermeister Klaus Hahnzog bei der Einweihung des Mahnmals für die deportierten Juden vor dem Kloster St. Michael / Berg am Laim, 7. Juli 1987.   Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung NLAng_1987_057_15 (Foto: Angermaier)

Mahnmal für NS-Opfer

7. Juli: „Vor dem Kloster St. Michael der Barmherzigen Schwestern in Berg am Laim wird ein Mahnmal für die im sog. „Dritten Reich“ deportierten Münchner Juden eingeweiht. Bürgermeister Hahnzog erklärt, mit dem Mahnmal wolle man an das tragische Schicksal der Juden, aber auch 'an Zeichen mitmenschlicher Solidarität' erinnern, die sie von Freunden und Ordensschwestern erfahren hätten.“

17. Juli: Das Sommerwetter der letzten Tage hat in städtischen Naherholungsgebieten und an Badessen einen ungeahnten Besucherrekord gebracht. Am Feldmochinger, Fasanerie- und Lerchenauer See werden an Wochenenden täglich bis zu 50.000 Badegäste gezählt. Für die tägliche Reinigung des Geländes und der Toiletten muß die Stadtgärtnerei pro Badesaison über 560.000 DM ausgeben.“

Badewetter mit unangenehmen Folgen

20. Juli: „Umweltschutzreferent Schweikl beklagt die oft unglaublichen Mißstände beim Grillen unter freiem Himmel. Manche reißen zum Feuermachen Bäume aus, montieren Parkbänke und ganze Brückengeländer ab und lassen nach dem Grillfest alles stehen und liegen … Für die nächst Grillsaison kündigt Schweikl verstärkte Kontrollen von Stadt und Polizei an.“ Oft würden ganze Stadtgebiete durch den Rauch von Grillfeuern belästigt; in einer Klinik musste gar eine Operation abgebrochen werden, weil Grillrauch über die Klimaanlage in den Operationssaal gedrungen sei. Schuld an solchen Zuständen seien vor allem Bürger, die sich verbotene Grillplätze und ungeeignetes Grillmaterial benutzten.
 

Ein Fühler für die Wetterfrösche

5. August: in 43 m Höhe wird auf dem ehemaligen Flugsicherungsturm am Flughafen Riem eine Parabolantenne mit einem Durchmesser von 3,7 m installiert. Mit der 1,5 Mio. DM teuren Anlage können die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes bis zu 200 km entfernte Regenwolken registrieren und so vor bedrohlichen Wetteränderungen warnen.

Bessere AIDS-Aufklärung gefordert

7. August: „Für mehr Angstfreiheit im Umgang mit AIDS-Patienten plädiert auf einer Informations- und Diskussionsveranstaltung des Bayerischen Roten Kreuzes Hannelore Krahnke, AIDS-Spezialistin im Münchner Gesundheitsamt und engagierte Kämpferin gegen Hysterie in Sachen AIDS: „Wir brauchen verstärkt Menschen, die mit Infizierten umgehen können.“

Suche nach dem Brandstifter

10. August. 100 Polizisten in Uniform und Zivil starteten eine Großoffensive, um einen Brandstifter dingfest zu machen, der in Haidhausen sein Unwesen trieb. Mit 80.000 Flugblättern wurde auch die Bevölkerung zur Mithilfe aufgerufen. Bis Mitte August war bei mehreren Bränden ein Gesamtschaden von 3,5 Mio. DM entstanden.

Bau des Brudermühl-Tunnels.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung NLAng_1987_091b_07) (Foto: Angermaier)

Tunnel-Durchstich

14. August: „'Glückauf zum Durchstich' heißt die Devise im Tunnel unter der Brudermühlstraße. Bürgermeister Winfried Zehetmeier verspricht den Anwohnern, daß sie nach jahrelangem Baustellen- und Verkehrschaos im nächsten Jahr aufatmen dürfen. Vom Herbst 1988 an sollen die Autos sechsspurig in zwei Röhren durch den Untergrund fahren können. (…) Seit 1984 arbeiten 200 Mann an der Fertigstellung des 850 m langen Tunnels.

Treffen der „Außerirdischen“

15. September: „Mit einem Festakt in der Aula der Universität wird eine viertägige wissenschaftliche Tagung der Astronomischen Gesellschaft in München eröffnet. Im Mittelpunkt des Kongresses, an dem 300 Wissenschaftler aus dem In- und Ausland teilnehmen, stehen Vorträge über die Entwicklung von Galaxien und über die Methoden der Weltraum-Forschung.“

Oktoberfest 1987.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung NLAng_1987_125_15 (Foto: Angermaier)

„O'zapft is“

19. September: „OB Kronawitter eröffnet das 154. Oktoberfest. Er zapft im Schottenhamelzelt fachmännisch ein 200-Liter-Faß an und kredenzt Ministerpräsident Strauß den ersten Keferloher.“ bei strahlendem Wetter besuchten bereits am ersten Wochenende mehr als eine Million Gäste das Festgelände und „schütteten 925.000 Maß Bier hinunter“.

Krankenschwestern kämpfen um bessere Arbeitsbedingungen und Lohnerhöhung

1. Oktober: „Eine Delegation Münchner Krankenschwestern überreicht OB Kronawitter eine Liste mit 3.657 Unterschriften, die innerhalb von vier Wochen in Krankenhäusern, Altersheimen und fachbezogenen Schulen gesammelt wurden, und mit denen auf die gravierenden Zustände im Krankenschwesternberuf hingewiesen werden soll. In einem Pressegespräch weisen die Sprecherinnen der Schwestern auf die schlechte Bezahlung und die Überlastung in ihrem Beruf hin. Man sei nicht mehr in der Lage, Kranke individuell zu pflegen.“

Gedenktafel für den Schriftsteller Oskar Maria Graf am Haus Barer Straße 37, enthüllt im August 1988.   Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung Stb-Denkmal-037

Ehrendes Gedenken

2. Oktober: „Mit gedenktafeln will die Stadt den Schriftsteller Oskar Maria Graf und den Wissenschaftler Werner Heisenberg ehren. Die Tafel für Graf soll am Haus Baaderstraße 37 angebracht, Heisenberg soll mit einer Tafel am Haus Hohenzollernstraße 110 geehrt werden, in dem er seine Jugend verbracht hat.“

Straftaten auf dem Oktoberfest

4. Oktober: „Erstmals registrierte die Polizei auf dem Oktoberfest Drogenhandel in größerem Umfang. Neun Männer und eine Frau wurden festgenommen; sie hatten Haschisch oder Heroin bei sich, das sie verkaufen wollten. 456 Mal mußte die Polizei Schlägereien schlichten oder Maßkrug-Diebe festnehmen. Die Zahl der Verkehrsunfälle während der Wiesn belief sich auf 3.452, bei denen vier Menschen getötet und 420 verletzt wurden. Alkoholbedingt wurden 219 Führerscheine sichergestellt.“

Einweihung der U-Bahn-Hauptwerkstätte

8. Oktober: „An der Burmesterstraße in Freimann wird nach 2½ -jähriger Bauzeit die neue, für 70 Mio. DM erbautet U-Bahn-Hauptwerkstätte ihrer Bestimmung übergeben. Mit der der Eröffnung der 12.000 m² großen Werkstatt ist die technische Basis der Münchner U-Bahn jetzt groß genug, um den immer größer werdenden Untergrundfuhrpark funktionstüchtig zu halten. Derzeit sind kanpp 400 U-Bahn-Wagen im Einsatz, für die 1990er Jahre werden voraussichtlich 550 Wagen gebraucht.“

Parkplatz-Überwachung startet

2. November: „Die ersten 58 städtischen Parküberwacher werden in ihr Amt eingeführt. Ab Anfang des Jahres 1988 werden sie in der Altstadt und im Westend Parkverstöße ahnden und grob hinderlich abgestellte Wägen abschleppen lassen. Zuvor werden die städtischen Parkwächter noch eine mehrwöchige psychologische und rechtliche Unterweisung durchlaufen. Die Stadt erwartet sich von der Anstellung des Wachpersonal 'zwar keine Wunder', doch immerhin eine deutliche Besserung der Sitten.“
 

Empfang für Prinz Charles und Prinzessin Diana im Kleinen Sitzungssaal des Neuen Rathauses, 4. November 1987.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung NLAng_1987_175_10 (Foto: Angermaier)

Englisches Thronfolger-Paar besucht München

4. November: „Der britische Thronfolger Charles und seine Frau Diana kommen im Rahmen eines Staatsbesuches in der Bundesrepublik nach München. Ministerpräsident Strauß begrüßt die Gäste auf dem Flughafen und begleitet sie anschließend in das Prinz-Carl-Palais. Dort lobt Strauß in seiner Begrüßungsansprache die historische Bedeutung Großbritanniens und das Königshaus, dann lobt er Bayern, das sich dadurch auszeichne, daß es wie Großbritannien über Jahrzehnte seine Traditionen und seine Identität geprägt habe. Prinz Charles erwidert in einer humorigen, in Deutsch gehaltenen Gegenrede.“ Im weiteren Tagesverlauf tragen sich die Gäste im Rathaus in das Goldene Buch der Stadt ein.

SPD plädiert für Ausstieg aus der Atomkraft

9. November: „Angesichts drohender Riesendefizite bei den Stadtwerken versucht die SPD-Stadtratsfraktion in einem erneuten Anlauf den Ausstieg der Stadt aus dem Kernkraftwerk Ohu II zu erreichen. Angesichts des zu erwartenden Defizits von 500 Mio. DM erweise sich die Ohu-Beteiligung 'als die größte Fehlinvestition der Stadtgeschichte'. Nach Aussagen der SPD beläuft sich die Belastung für die Kraftwerk-Beteiligung im Jahr 1988 auf 290 Mio. DM. Dem stünden allein die Vorteile aus dem Bezug von Atomstrom in Höhe von 60 bis 70 Mio. DM gegenüber. 1,3 Milliarden DM müßten die Stadtwerke insgesamt in Ohu II investieren; zwei Drittel dieser Summe müßte über Kredite finanziert werden.“ Die Bayernwerk AG hält dagegen, „allein die Kernenergie garantiere niedrige Strompreise. Die SPD müsse sich fragen lassen, ob die schwierige Finanzlage der Stadtwerke nicht eine Folge ihrer 'verfehlten, ideologisch geprägten Energiepraktik' sei.

Bürgermeister auf Israel-Reise

19. November: „In Tel Aviv, der Hauptstadt Israels, gibt Bürgermeister Zehetmeier einen Empfang für emigrierte ehemalige Münchner Juden. Vor rund 200 Gästen traf Zehetmeier in der internationalen Begegnungsstätte „Haus München“ auf eine 'Atmosphäre von Herzlichkeit, Interesse und Dankbarkeit'.“

Ausländische Spezialitäten-Lokale

19. Dezember: „Nach Erhebungen des Kreisverwaltungsreferats werden knapp 650 der rund 5.000 Münchner Lokale von Fremden geführt oder bieten ausländische Küche. Es gibt in München 231 italienische, 132 griechische, 101 jugoslawische, 41 türkische, 36 chinesische und 15 französische Lokale.“

Der OB als Weihnachtsmann

24. Dezember: Einem alten Brauch folgend besucht OB Kronawitter stellvertretend für alle Ordnungshüter und Löschmänner eine Polizeiinspektion und eine Feuerwache und verteilt 'kleine Geschenke' in Form von Wein, Stollen und Geldspenden.“

Abbildungen zur Chronik 1987