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Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Stadtchronik 1989


Bemerkenswertes, Kurioses und Alltägliches

Kampf den Parksündern

9. Januar: "Das Kreisverwaltungsreferat will die totale Verwilderung der Park-Sitten energisch bekämpfen. Überlegungen reichen von einer spürbaren Erhöhung der Park-Gebühren auf öffentlichem Straßenraum bis zur Erprobung neuer Überwachungssysteme. Um radikale Lösungen, die von einer totalen Sperrung der City bis zum Bau von neuen Parkhäusern entlang des Altstadt-Rings reichen, zu verhindern, arbeiten städtische Referate an einem neuen Paurkraum-Konzept.

Maßnahmen gegen ständige Mietsteigerungen

16. Januar: "Die Stadtratsfraktion der Grünen präsentiert ihre Vorschläge, wie der 1990 mit der Aufhebung der Wohnungsgemeinnützigkeit drohende Ausverkauf der 45.000 Wohnungen von Wohnbaugesellschaften in München aufgehalten werden kann. Es gelte zu verhindern, daß der Wert der Wohnungen in die Taschen der Gesellschaften fließt. Gefordert wrid, eine Versammlung der vier städtischen Wohnungsbaugesellschaften einzuberufen. Dort sollten die Gesellschaftssatzungen rechtzeitig so geändert werden, aß preiswerte Mieten festegeschrieben werden. Den Mietern seien außerdem Mitbestimmungsrechte zu gewähren. Desweiteren wird angeregt, mit Bonn über eine 'rasche Freigabe aller von den amerikanischen Streitkräften in München belegten Wohungen und Kasernen zu verhandeln'. Der Abbau von Waffen und die Truppenreduzierung solle dazu genutzt werden, den Münchnern mehr Wohnungen zur Verfügung zu stellen."

Desaströse Weißwurst-Prüfung

16. Januar: "Die Wurstprüfungskommission testete in den Münchner Faschingshochburgen die Weißwurst und kam zu einem für Münchner Maßstäbe verheerenden Ergebnis: Seit 20 Jahren hat es keine so schlechten Würste mehr gegeben wie in diesem Jahr. Zwei Proben wurden aus dem Verkehr gezogen; sie werden lebensmitteltechnisch untersucht. Viele der anderen Proben schmeckten nicht nach Weißwurst oder hatten nicht die richtige Zusammensetzung."

S-Bahn testet Doppelstock-Züge

17. Januar: "Die Bundesbahn will versuchsweise auf der S-Bahn Doppelstock-Züge einsetzten. Da für die Münchner S-Bahn allein schon wegen der Tunnelröhre eine Kapazitätsausweitung nicht mehr möglich ist, kann nur mit einer unkonventionellen Methode dieses vom Fahrgast-Andrang längst überforderte Massenverkehrsmittel wieder attraktiv gemacht werden." Der vierwöchige Test sollte auf der Linie S $ Geldendorf - Ebersberg durchgeführt werden.

Quizmaster Lembke verstorben

Im Alter von 75 Jahren starb am 18. Januar der Rundfunk-Journalist und Quizmaster Robert Lembke an den Folgen einer Herzoperation.

Josef Turiaux, Präsident der Stadtsparkasse, überreicht Oberbürgermeister Georg Kronawitter einen Scheck  für die Wiederherstellung eines historischen Glasfensters im Neuen Rathaus, 20. Januar 1989  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München - Fotosammlung Stb-0779 (Foto: Schillinger)

Großzügige Spende für das Rathaus

"Die Stadtsparkasse überreicht OB Kronawitter einen Scheck über 33.000 DM für die ein historisches Fenster im Treppenhaus des Rathauses finanziert werden soll. Für diese Summe wurde die sog. Aschaffenburg-Scheibe im 2. Stock originalgetreu nachgebildet. Inzwischen sind von 26 kriegszerstörten Fenster zehn bereits wieder eingesetzt, weitere 13 sind zugesagt. In Geld ausgedrückt heißt dies, daß von 700.000 DM Gesamtkosten 600.000 schon gedeckt sind."

Geldbeutelwaschen am Aschermittwoch 1989.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München – Fotosammlung NLAng_1989_036a_21 (Foto: Angermaier)

Geld für den Stadtsäckel

8. Februar: "Am heutigen Aschermittwoch findet am Fischbrunnen das traditionelle Geldbeutelwaschen statt. Nicht nur die Politiker, allen voran OB Kronawitter und Stadtkämmerer Grundmann, tauchen die Börse ins Wasser, auf daß der Beutel wie der alte Brauch meint, nicht leer werde."

Der Brauch des Münchner Geldbeutelwaschen entstand erst zu Beginn der 1950er Jahre. Nach der Wiederherstellung des Fischbrunnens führten der damalige OB Thomas Wimmer und die Paulanerbrauerei erstmals diese feucht-fröhliche Veranstaltung durch.

SPD sagt Ja zum Öffentlichen Nahverkehr

21. März: "Die Münchner SPD-Landtagsabgeordneten sagen dem 'Ölsardinen-Dasein' der S-Bahn-Fahrgäste den Kampf an. Sie fordern die Anschaffung von 60 neuen Triebwagen im Gesamtwert von 420 Mio. DM durch die Bundesbahn. Der MVV nehme mit einem Kostendeckungsgrad von 57 Prozent (1987) einen Spitzenplatz im öffentlichen Personenverkehr ein, da jedoch die Nachfragen nach öffentlichen Verkehrsmitteln im Umland weiter steige, sei es notwendig, gerade die S-Bahnen verstärkt auszubauen."

Strahlende Fracht passiert München

Ein Bericht des BR-Mittagsmagazin sorgte am 21. März für Aufregung. Dem Bericht zufolge wurden Brennstäbe aus den beiden Atommeilern bei Ohu/Landshut auf dem Gelände des Münchner Ostbahnhofs abgestellt und rangiert. "Die hochradioaktive Fracht stehe dort stundenlang herum, ehe sie zum Weitertransport in die Wiederaufbereitungsanlage in La Hague/Frankreich an Fernzüge angekoppelt werde." Während die SPD-Fraktion ihre schon seit langem geäußerten Befürchtungen bestätigt sieht, hält ein Sprecher der Bundesbahn die Gefährdung der Bevölkerung "für ausgeschlossen". Auch das Bayerische Umweltministerium sieht keine Gefahr.

Königlicher Besuch

25. April "Die niederländische Königin Beatrix und ihr Mann, Prinz Claus, treffen zu einem offiziellen Arbeitsbesuch in München ein. Oberbürgermeister Georg Kronawitter begrüßt die Gäste der Stadt auf dem Flughafen. In einem Konvoi fahren sie durch die Stadt zum Rathaus. Dort stehen rund 2.000 Münchner Spalier und spenden Beifall, als die Königin vorfährt. Im Kleinen Sitzungssaal nehmen die Gäste an einer Festsitzung des Stadtrates teil."

Erste Münchner Öko-Messe

15. April: "Im Schwabinger Bräu findet die erste Münchner Öko-Messe, die 'Ökologie 1989', statt." Der Chronist war vom Angebot einigermaßen irritiert: "Neben brauchbaren Dingen machen sich auf der Messe vor allem viele Vertreter von Esoterik und Sekten breit. Für viele der 50 Aussteller muss Umweltschutz irgend etwas mit Hexerei zu tun haben. Da gibt es Pendel, Pyramiden, Horoskope und Namensanalysen zwischen Vollwertkost, Ziegenkäse vom Bio-Bauernhof, Wollsocken und Gesundheitssandalen."

Unterbezahlte Krankenpfleger

10. Mai: "Oberbürgermeister Georg Kronawitter stellt sich hinter die Forderungen der Krankenpfleger, die eine höhere Eingruppierung und bessere Vergütung erreichen wollen. Kronawitter verweist auf seinen jüngsten Krankenhausaufenthalt, bei dem er erlebt habe, wie engagiert und verantwortungsbewußt Schwestern und Pfleger ihre oft schwere Arbeit leisteten. Diese Leistung müsse sich wieder lohnen."

Münchner Kabarett-Gruppe auf Auslandstournee

22. Mai: "Das Münchner Crüppel Cabaret bricht zu einer Gastspielreise nach Moskau auf. Seit sieben Jahren bringt die halbprofessionelle Theatertruppe die Problematik der Behinderten mit ätzendem Spott auf die Bühne. Die meisten Ensemble-Mitglieder sitzen selbst im Rollstuhl." Das Münchner Crüppel Cabaret, eine Truppe, in der behinderte und nichtbehinderte Künstler gleichberechtigt zusammenarbeiten, wurde 1982 gegründet und erspielte sich durch zahlreiche Gastspiele im In- und Ausland weit über die Grenzen Münchens hinaus einen Namen. 1986 wurde das Münchner Crüppel Cabaret mit dem Schwabinger Kunstpreis ausgezeichnet, 1991 erhielt es für das hohe künstlerische Niveau seiner Moskau-Gastspiele einen Ehrenpreis des größten sowjetischen Behindertenverbandes.

Frauen "erobern" die Bundeswehr

1. Juni: "In München rücken die ersten weiblichen Bundeswehrrekruten ein. Es handelt sich dabei um künftige Sanitätsoffiziere, die zunächst die militärische und die Sanitäter-Grundausbildung 16 Monate lang durchmachen. Danach kehren sie für maximal sieben Jahre ins Zivilleben zurück, um an einer Universität Medizin zu studieren. Weitere acht Jahre müssen sie anschließend als Mediziner oder Apotheker wieder bei der Truppe arbeiten."

Solidarität mit den Opfern vom "Platz des himmlischen Friedens"

4. Juni: "Tief betroffen von den Ereignissen in Peking, wo das kommunistische Regime sich gegen nach Freiheit rufende Studenten mit brutaler Gewalt durchgesetzt hat, zeigen sich chinesische Studenten und Wissenschaftler bei einer Kundgebung auf dem Marienplatz. Sie bringen ihre Trauer über den Tod Tausender von Menschen zum Ausdruck, die in diesen Tagen im Stadtzentrum der chinesischen Hauptstadt niedergemetzelt wurden."

Um ihrer Forderung nach Demokratie Ausdruck zu verleihen, hatten Studenten den "Platz des himmlischen Friedens" (Pinyin Tiān'ānmén, deutsch: Tor des himmlischen Friedens) in Peking besetzt. Am 3./4. Juni 1989 schlug das chinesische Militär die Proteste mit Gewalt nieder; es gab hunderte Tote. Die gewaltsame Niederschlagung des Aufstandes wird deshalb auch als "Tian’anmen-Massaker" bezeichnet.

Umwelt-Verschmutzer Auto

5. Juni: "Zum Internationalen Umwelttag wartet das Umweltreferat mit der Aktion 'Erstickt das Auto unsere Stadt?' auf. Dabei wird den Münchnern anschaulich vor Augen geführt, welche Abgas-Menge ein einziges Mittelklasse-Auto in zwölf Stunden Stadtverkehr in die Luft bläst: 700 Kubikmeter - ein Ballon mit einem Durchmesser von 11 m. Umweltreferent Schweikl mahnt: 'Wir sind mit dem Katalysator nicht aus dem Schneider', den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid könne er nicht verhindern."

200 Jahre Englischer Garten

1. Juli: "Mit einem Festzug werden die Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag des Englischen Gartens eingeleitet. Der Festakt im Freien, der sich dem Festzug anschließt, muß wegen strömenden Regens abgebrochen werden."

5. Juli: "Über 3.000 Kinder nehmen an einem romantischen Lampion-Umzug durch den Englischen Garten teil. Besonders begeistert sind die Kinder von 'Hessi', einem Seeungeheuer, das aus dem Kleinhesseloher See auftaucht. Der wunderschöne warme Sommertag brachte im Rahmen der Jubiläumsfeiern einen Rekordbesuch: Schätzungsweise 200.000 Leute strömten heute in den Park."

Senioren gründen eigene Partei

11. Juli: "Auf der Jahreshauptversammlung beschließt die Seniorenorganisation 'Graue Panther' die Gründung einer eigenen Partei. Der Name soll 'Die Grauen' sein. Die Vorsitzende des Seniorenschutzbundes, Trude Unruh, gibt bekannt, die Grauen Panther würden aber als eigenständige Organisation weiter bestehen bleiben. Seit sechs Jahren arbeiteten die Panther bislang mit den Grünen zusammen, Frau Unruh selbst ist als parteilose Bundestagsabgeordnete in der Fraktion der Grünen tätig. Die neue Partei will sich vornehmlich für die Belange älterer Menschen einsetzen." Die Kleinpartei "Die Grauen" existierte von 1989 bis 2008.

Die Fußgängerzone am ersten verkaufsoffenen Abend, 5. Oktober 1989  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München – Fotosammlung ZBE_W0299 (Foto: Kiechle-Klemt)

Donnerstags längere Ladenöffnungzeiten

1. August: "Auf einer Versammlung von rund 200 Kaufleuten aus dem Stadtzentrum wird beschlossen, daß die Einzelhandelsgeschäfte am 5. Oktober erstmals und dann an jedem Donnerstag bis 20.30 Uhr geöffnet sind. Vorgeschlagen wird für diesen Service die Bezeichnung 'Stadtabend'."

Streit um Asylbewerber

7. August: "Die Bayernpartei teilt die Bedenken von OB Georg Kronawitter gegen die vom Sozialministerium beschlossene Umwandlung des bisherigen Asylbewerberwohnheims in der Untersbergstraße in Giesing in ein zentrales Durchgangslager; sie erhebt Klage beim Verwaltungsgericht. In einer gemeinsamen Pressekonferenz weisen Innenminister Edmund Stoiber und Sozialminister Glück die Behauptung von OB Kronawitter zurück, das diese Umwandlung die Stadt München unerträglich belaste. Das Heim habe mit 600 Plätzen eine ausreichende Aufnahmekapazität. Abgelehnte Asylbewerber könnten durch die internationalen Verkehrsanbindungen Münchens schnell wieder abgeschoben werden."

Erinnerung an die Opfer des Holocaust

24. August: Bürgermeister Klaus Hahnzog übergibt an der Ecke Eversbusch-/Höcherstraße in Allach und am Bahnhofsplatz in Pasing zwei Mahnmale, die an den Evakuierungszug von 18.000 Häftlingen aus dem Konzentrationslager Dachau nach Bad Tälz im April des Jahres 1945 erinnern sollen, der Öffentlichkeit. Auf Anregung der Gemeinde Gauting sollen gleich gestaltetete Mahnmale an allen Stationen des Zuges aufgestellt werden. Schöpfer des Denkmals ist der Münchner Hubertus von Pilgrim."

Testfahrt der Presse mit der neuen Olympia-Looping-Achterbahn, 14. September 1989  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München – Fotosammlung NLAng_1989_235_37 (Foto: Angermaier)

Oktoberfest-Neuheiten

12. September: Bürgermeister Winfried Zehetmeier und Fremdenverkehrsdirektorin Gabriele Weishäupl präsentieren bei der Pressekonferenz Neuheiten und Neuigkeiten des diesjährigen Oktoberfestes. Eine der Hauptattraktionen dürfte die 'größte transportable Achterbahn der Welt' sein, der 'Olympia-Looping'. Die Piste ist mehr als 1.000 m lang und fünf Mal müssen sich die Passagiere auf dem Weg durch einen Looping schleudern lassen. Anlässlich einer zum Zeitpunkt der Pressekonferenz vor dem Rathaus stattfindenden Demonstration der Umland-Brauer betonen Zehetmeier und Weishäupl: 'Die Stadtgrenze ist Biergrenze'. Die Stadt wolle sich diese Gestaltungsfreiheit mit 'allen erdenklichen Mitteln' erhalten."

Zunehmend mehr DDR-Schüler an Münchner Schulen

15. September: "Aufgrund verstärkter Ausreisen aus der DDR und der Massenflucht von DDR-Bürgern über Ungarn in die Bundesrepublik kommen jetzt auch zunehmend Schüler aus dem anderen Deutschland an Münchner Schulen. Nach Umfragen bei den Lehrern sind diese Schüler in der Regel sehr zielstrebig. Probleme gebe es freilich, weil 'drüben' Russisch statt Englisch erste Fremdsprache war. In Mathematik seien die Zeichen unterschiedlich; die Mengenlehre scheint dort nicht bekannt zu sein."

Ein Stadtplan für die Radler

25. September: Umweltschutz-Referent Schweikl und der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club präsentieren einen Münchner Stadtplan für Radfahrer. Der aus Recyclingpapier hergestellte Plan bietet einen Überblick über die insgesamt 1.150 km langen Strampelpfade in der Stadt und informiert gleichzeitig über Verbindungen auf verkehrsberuhigten Straßenzügen. Der in der Bundesrepublik bisher einzigartige Plan im Maßstab 1:22.500 gibt auch Auskunft darüber, ob es sich um einen asphaltierten oder gesandeten Weg handeln oder um eine Bahn, die nur in eine Richtung befahren werden darf. Weiters sind Radlgeschäfte, Verleihfirmen und größere Abstellplätze markiert. Für Touristen sind dazu die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Münchens beschrieben." 

"Stapellauf" des ICE

26. September: "In Anwesenheit zahlreicher Prominenz rollt die erste serienmäßige Superlokomotive des ICE bei Krauss-Maffei aus der Montagehalle. 41 ICE-Züge hat die Bahn bereits bestellt. Sie bestehen jeweils aus zwei Triebköpfen und zwölf Reisewägen.

Die Fußgängerzone am ersten verkaufsoffenen Abend, 5. Oktober 1989  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München – Fotosammlung ZBE_W0299 (Foto: Kiechle-Klemt)

Erfolgreiche Abendöffnung der Geschäfte

5. Oktober: "Der erste verkaufsoffene Abend erweist sich als voller Erfolg. In der Fußgängerzone geht es zu wie an verkaufsoffenen Samstagen, die Geschäftsleute freuen sich über gute Umsätze, die Kunden darüber, daß sie einmal am Abend in Ruhe einkaufen können. Lediglich zwei große Geschäfte sind nicht geöffnet, da sich dort der Betriebsrat mit der Geschäftsleitung nicht über die Modalitäten einigen konnte. Die Gewerkschaft Handel Banken und Versicherungen will weiterhin gegen die Abendöffnung vorgehen und gegen die 'tarifwidrige Öffnung von Ladengeschäften nach 18.30 Uhr' Klage erheben."

Mieterkundgebung auf dem Marienplatz, 19. Oktober 1989  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München – Fotosammlung ZBE_Q0544 (Foto: Katharina Hess)

Mieter-Protest

19. Oktober: "Unter dem Motto 'Münchner Mieter wehren sich' veranstalten der Mieterverein, der DGB , die SPD und die Grünen eine Mieter-Großkundgebung auf dem Marienplatz. Mehr als 5.000 Menschen applaudieren den sieben Rednern, die die Münchner Mieten-Problematik aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Alle kommen zum selben Ergebnis: Untragbare Miethöhen, Umwandlungsspekulation, Vertreibung aus dem angestammten Umfeld. Die auf dem Platz aufgestellten Informationsstände sind dicht umlagert, überall kommt es zu erregten Debatten, viele direkt Betroffene machen auf ihren konkreten Einzelfall aufmerksam. Selbst eine Schar junger Polizisten und Vertreter der Polizeigewerkschaft beteiligen sich an der Demonstration. Sie schleppen eine zweirädrige, karg möblierte Kiste an, auf der steht: ' Bald wohnen wir im Schäferkarren - wir müssen an der Miete sparen'."

Generationenübergreifendes Wohnen

7. November: "An der Menzinger-/Dall'Armistraße werden die Wohnanlage 'Integriertes Wohnen' und ein Gemeinschaftszentrum eingeweiht. Bereits seit einem Jahr leben in der neuen Anlage junge Familien, ausländische Mädchen, Behinderte sowie ältere Frauen unter einem Dach. In einem zweiten Bauabschnitt sollen 78 Sozialwohnungen zum Mietpreis von 6,45 DM/qm folgen. Das Grundstück, auf dem die Anlage errichtet wurde, gehört einer städtischen Stiftung."

Kongreßsaal wird umgebaut

27. November: "Auf einer Pressekonferenz präsentiert der Generaldirektor des Deutschen Museums, Otto Mayr, das Umbauprojekt für den Kongreßsaal. Dort soll für 35 Mio. DM ein 'Forum der Technik' als erste Einrichtung dieser Art bei einem Museum im deutschen Sprachraum entstehen. Mit modernen Medien will man Themen aus Naturwissenschaft und Technik attraktiv darbieten und damit Vermittlung und Belehrung mit Unterhaltung verbinden. Vorgesehen sind u.a. ein multifunktionaler Projektionsraum, in dem naturwissenschaftlich-technische Filme auf eine überdimensionale 14 x 21-Meter-Leinwand projiziert werden. Ein neues Großplanetarium soll das modernste Deutschlands werden. Nicht zuletzt soll auf fast 2.000 qm Platz für Sonderausstellungen des Museums geschaffen werden."

  

Städtische Güter werden "bio"

28. November: "Einmütig stimmt der Kommunalausschuss des Stadtrats einem Vorschlag des Referenten Welsch zu, die städtischen Güter Beigarten und Obergrashof auf ökologischen Landbau umzustellen und damit den umliegenden Betrieben ein Beispiel zu geben."

Ausgabe von Begrüßungsgeld an DDR-Bürgerinnen und -Bürger am Starnberger Bahnhof, 11. Dezember 1989  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München – Fotosammlung ZBE_C0004 (Foto: Katharina Hess)

DDR-Bürger überfluten München

10. Dezember: "In den letzten drei Tagen wurde in München Begrüßungsgeld an 28.000 Gäste aus der DDR ausgezahlt. Gestern kamen insgesamt fünf voll besetzte, z.T. überfüllte Züge aus der DDR am Hauptbahnhof an, die Zahl der Autos lässt sich nur schätzen. Heute Abend sieht man viele bleiche und erschöpfte Menschen auf dem Bahnhof, doch ihre Stimmung ist euphorisch. Die Auszahlung des Begrüßungsgeldes, bei der es zu riesigen Menschenschlagen am Hauptbahnhof kam, wird auf zwei Stellen verteilt. Zahlreiche städtische Mitarbeiter übernehmen in freiwilligem Einsatz die Ausgabe des Geldes."

12. Dezember: "Nachdem München inzwischen die einzige Stadt in Bayern ist, die den DDR-Besuchern bis Jahresende zu den 40 DM Begrüßungsgeld vom Freistaat auch ein kommunales für den Zweitbesuch von 50 DM zahlt, kommen täglich Tausende von DDR-Bürgern nach München und reihen sich in die Schlangen vor den Zahlstellen ein. Heute kassieren wieder annähernd 10.000 das Geld. Sozialreferent, Kreisverwaltungsreferent, Stadtkämmerer und Personalreferent sowie die drei Bürgermeister fordern, die Zahlung des städtischen Besuchsgeldes wegen 'Überlastung unserer Mitarbeiter' einzustellen. Inzwischen hat OB Kronawitter per dringender Anordnung zusätzlich zu den bereits als Schlafunterkünften genutzten Turnhallen vier weitere Turnhallen als Notquartiere bereitgestellt."

15. Dezember: "Der Ansturm von DDR-Besuchern nach München nimmt derart zu, daß OB Kronawitter die 50 DM Städtisches Zweitbegrüßungsgeld mit einer Dringlichkeitsanordnung stoppt. Der Präsident des Bundesbahndirektion Nürnberg hatte zuvor in einem Fernschreiben an den OB von einem 'äußerst starken, die verfügbaren Kapazitäten übersteigenden Verkehrsstrom auf der Bahn nach München' gesprochen und dringend ersucht, 'die Weiterzahlung des Begrüßungsgeldes zu überdenken'. Die Bahnsteige in großen Städten der DDR seien voll mit Menschen, die in Sprechchören Züge nach München forderten.

20. Dezember: "Die Stadt legt eine Bilanz der DDR-Besucher der vergangenen fünf Wochen vor. In diesem Zeitraum wurden allein an kommunalem Zweitbesuchergeld 8,4 Mio. DM ausgezahlt. Die Zahl der Besucher belief sich allein vom 11. bis 17. Dezember auf 134.811 Personen."

Weihnachtsfeier im Stadion

16. Dezember: "In einem Spiel der Fußball-Bundesliga besiegt Bayern München im Olympiastadion den Karlsruher Sportclub mit 4:1 Toren. Im Rahmen des Spieles, das von 47.000 Fans besucht wird, bietet der FC Bayern eine große 'Weihnachtsfeier'. Alle Stadionbesucher erhalten eine Tüte mit Vitaminriegel, Lebkuchen, Mandarinen, Bananen, Schokolade, Mannschaftsbild und Wunderkerze. Bei 18 Grad Celsius plus singt Udo Jürgens 'Leise rieselt der Schnee' , der Tölzer Knabenchor bietet Volkslieder."

Kein Rauchverbot in Münchens Gaststätten

21. Dezember: Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof weist die Klage eines Nikotin-Gegners gegen die Stadt ab, der erreichen wollte, daß in Gaststätten grundsätzlich das Rauchen verboten wird. Die städtische Lebensmittelverordnung verbietet Rauchen nur in Gasthausküchen. Der Kläger meinte, die Nichtraucher seien in Gaststätten den gesundheitlichen Gefährdungen des Passivrauchens ausgesetzt, was gegen das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit verstoße."

Ein Rauchverbot in Bayerns Gaststätten ohne Ausnahmen wurde erst 2010 eingeführt. Es wurde durch einen Volksentscheid durchgesetzt, an dem sich 3,5 Millionen der Stimmberechtigten (37,7 Prozent) beteiligten. 2,1 Millionen Menschen (61,0 %) stimmten für einen entsprechenden Gesetzesentwurf.

Abbildungen zur Chronik 1989

Josef Turiaux, Präsident der Stadtsparkasse, überreicht Oberbürgermeister Georg Kronawitter einen Scheck  für die Wiederherstellung eines historischen Glasfensters im Neuen Rathaus, 20. Januar 1989 Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Josef Turiaux, Präsident der Stadtsparkasse, überreicht Oberbürgermeister ...

Geldbeutelwaschen am Aschermittwoch 1989. Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Geldbeutelwaschen am Aschermittwoch 1989.

Oberbürgermeister Georg Kronawitter am Fischbrunnen, 8. Februar 1989.  

Testfahrt der Presse mit der neuen Olympia-Looping-Achterbahn, 14. September 1989 Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Testfahrt der Presse mit der neuen Olympia-Looping-Achterbahn, 14. September ...

Die Fußgängerzone am ersten verkaufsoffenen Abend, 5. Oktober 1989 Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Die Fußgängerzone am ersten verkaufsoffenen Abend, 5. Oktober 1989

Mieterkundgebung auf dem Marienplatz, 19. Oktober 1989 Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Mieterkundgebung auf dem Marienplatz, 19. Oktober 1989

Ausgabe von Begrüßungsgeld an DDR-Bürgerinnen und -Bürger am Starnberger Bahnhof, 11. Dezember 1989 Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Ausgabe von Begrüßungsgeld an DDR-Bürgerinnen und -Bürger am Starnberger ...