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Stadtchronik 1990


Bemerkeswertes, Kurioses und Alltägliches

Staatsbesuch aus der Tschechoslowakei

1. Januar: „Der neu gewählte tschechosloswakische Staatspräsident Vaclav Havel, der erste nichtkommunistische Präsident seit über 40 Jahren, kommt zu einem kurzen Besuch nach München. Er führt hier Gespräche mit Bundespräsident Richard von Weizsäcker, Bundeskanzler Kohl, Außenminister Genscher und dem bayerischen Ministerpräsidenten Streibl. Mehrere hundert Personen, darunter zahlreiche Tschechoslowaken, bereiten dem Gast am Prinz-Carl-Palais einen freundlichen Empfang.“

Kronawitter ruft das „Jahr des Mieters“ aus

6. Januar: Im Mittelpunkt einer Pressekonferenz von OB Georg Kronawitter, auf der dieser das "Jahr des Mieters" ausrief, stand dessen Forderung nach dem Kauf der 30.000 Neue-Heimat-Wohnungen durch die Öffentliche Hand. Kronawitter erläuterte seinen Vorschlag zur Bildung einer Auffanggesellschaft: "Konkret schlägt er vor, der Freistaat und die in Frage kommenden Städte und Gemeinden sollten die Neue Heimat Bayern als Ganzes erwerben. Damit könne die Mietenpolitik durch die Gemeinden bestimmt werden, außerdem bleibe das Belegungsrecht der Wohnungen in der Hand der Gemeinden. Der Freistaat und die Gemeinden sollten sich an der Kaufsumme mit je 300 Mio. DM beteiligen. Kronawitter fordert Ministerpräsident Streibl auf, sich persönlich um die 100.000 Neue-Heimat-Mieter zu kümmern: 'Machen Sie den Kauf der Neue-Heimat-Bayern endlich zur Chefsache!'“ Die Bayerische Staatskanzlei konterte den Angriff mit der Gegenfrage „Warum macht Kronawitter den Bau von Wohnungen in München nicht zur eigenen Chefsache? Die Gewerkschaften hätten keinen Grund, ihre finanziell gesunde Neue Heimat Bayern zu verkaufen.“

Die Neue Heimat (NH) war ein deutsches Wohnungsunternehmen, das dem Deutschen Gewerkschaftsbund gehörte. 1982 berichtete der SPIEGEL darüber, dass sich mehrere Vorstandsmitglieder zum Teil auch direkt an den Mietern, bereichert hatten; die Beschuldigten wurden eine Woche später entlassen. Nachdem sich die finanzielle Situation der Neuen Heimat als äußerst negativ herausgestellt hatte, verkaufte der DGB das gewerkschaftseigene Wohnungsbauunternehmen 1986 zum symbolischen Preis von 1 DM an einen privaten Investor ; die ursprüngliche Absichtserklärung hatte einen Kaufpreis von 360 Mio. DM vorgesehen. Der Verkauf stieß in der Öffentlichkeit auf Unverständnis. Da die Banken den Sanierungsplan des Käufers nicht akzeptierten, wurden der Kaufvertrag im November 1986 rückabgewickelt, eine Auffanggesellschaft gegründet und in der Folge alle Wohnungsbestände verkauft. Die meisten Regionalgesellschaften der Neuen Heimat wurden in dieser Zeit entweder an die Bundesländer oder an private Investoren verkauft (Baden-Württemberg und Bayern).

Probeweise Einführung der „Bio-Tonne“

11. Januar: „Der Kommunalausschuss des Stadtrates genehmigt in einem Vorbeschluß die Einführung eines 'integrieten Konzepts für die Entsorgung organischer Abfälle'. Damit kommt auf die Münchner die sog. Bio-Tonne zu, zunächst allerdings nur in einem mindestens einjährigen Versuch für rund 40.000 Bewohner von Laim, Westschwabing, Solln, Berg am Laim, im Lehel und in Harlaching. Schätzungsweise könnte fast ein Drittel des gesamten Abfalls vermieden werden, wenn man biologische Abfälle separat sammeln und kompostieren würde.“

Städtische Sportler-Ehrung

16. Januar: „Im Alten Rathaussaal empfängt Oberbürgermeister Georg Kronawitter 232 Sportler zur traditionellen Sportlerehrung der Stadt. Allein neun Welt- und neun Europa-Meister sowie 101 deutsche Titel-Träger des vergangenen Jahres erhalten Urkunden und Medaillen.“

Umweltschutz-Initiative will in den Stadtrat

23. Januar: „Auf einer Pressekonferenz kündigt die Umweltschutz-Initiative 'David gegen Goliath' an, mit einer eigenen Liste an den Wahlen zum Münchner Stadtrat teilzunehmen. Als Programm-Schwerpunkte werden die Befreiung Münchens von dem Ozon-Zerstörer FCKW, eine autofreie Innenstadt und ein Abschied vom Atomstrom genannt.“

Graffity-Künstler wieder aktiv

1. Februar: „Nach einer relativ ruhigen Zeit hat die Tätigkeit der Graffity-Sprayer bei der S-Bahn um 60 Prozent zugenommen. Täglich werden etwa drei neue Sprüh-Anschläge registriert. Die Sonderkommission 'Graffity' der Bahnpolizei ist völlig überlastet. Auch das Reinigungspersonal kommt mit seiner Arbeit nicht mehr nach, so daß etwa 25 S-Bahn-Züge beschmiert durch München fahren müssen.“

Münchens Bäume kränkeln

1. Februar: „Prof. Ulrich Ammer, Ordinarius für Landschaftstechnik an der LMU, stellt dem Bauausschuß des Stadtrats die Ergebnisse seiner von der Stadt in Auftrag gegebenen Untersuchung zu Baumschäden in München vor. Rund 30.000 der 600.000 Bäume im Stadtgebiet wurden untersucht. Eine derart umfassende Bestandsaufnahme ist bisher unter den bundesdeutschen Städten einzigartig. 23 Prozent der Bäume sind stark beschädigt bzw. vom Absterben bedroht, nur 36,4 Prozent sind gesund. Am schlechtesten geht es den Bäumen in der Innenstadt und an stark befahrenen Straßen. Besonders bedroht sind Eichen und Buchen.“ Die Umweltschutz-Initiative David gegen Goliath nahm das Ergebnis zum Anlass, am 7. Februar einen Trauermarsch für den „sterbenden Baum“ zu organisieren.

„Mauerhunde“ abzugeben

4. Februar: „Der Tierschutzverein präsentiert im Tierheim in Riem die ersten 15 von insgesamt 80 'arbeitslosen Mauerhunden', Tiere, die von der DDR zur Bewachung der Grenze eingesetzt waren und nach der Öffnung der Grenze dort nicht mehr gebraucht werden. Westdeutsche Tierfreunde sollen nun zur Aufnahme dieser Hunde bewegt werden, die in der DDR eingeschläfert werden sollten. Angeblich sind die Tiere harmlos, manche Fachleute bezweifeln dies aber, da die Hunde im Zwinger und ohne Bindung an eine Familie aufgewachsen sind.“

Am Hauptbahnhof zum Flughafen einchecken

19. Februar: „In Anwesenheit zahlreicher Prominenz eröffnet die Lufthansa im Hauptbahnhof ihr weltweit erstes 'Bahnhofs-Check-in'. Fluggäste können dort ab sofort an einem Schalter ihr Fluggepäck aufgeben und gleich auch die Bordkarte in Empfang nehmen. Während die Koffer zum jeweiligen Flugzeug gebracht werden, haben die Passagiere die Hände frei für einen Stadtbummel oder den unbeschwerten Weg zum Flughafen.“

Rekord-Ispo

26. Februar: „Unter Rekordbeteiligung des Auslands mit insgesamt 38.000 Fachbesuchern aus 70 Ländern, darunter erstmals 300 Einkäufer aus der DDR, geht die 32. Internationale Fachmesse für Sportartikel und Sportmode (Ispo) zu Ende. Obwohl 81 Prozent der über 1.300 Aussteller mit ihrer Messebeteiligung zufrieden sind, herrscht in der Wintersportbranche wegen der milden Winter der letzten Jahre gedrückt Stimmung. Der Trend geht eindeutig zu Ganzjahres-Sportarten.“

Sturm "Wiebke" wütet schwer

1. März: „In der Nacht tobt erneut ein Orkan mit Spitzengeschwindigkeiten bis zu 150 km/h über München und richtet Schäden in Millionenhöhe an. „Wiebke“ entwurzelt etwa 100.000 Bäume im Großraum München. Der Englische Garten muss verheerende Schäden auch an über 100 Jahr alten Bäumen hinnehmen. Auf den Friedhöfen sind ca. 700 Grabsteine durch umfallende Bäume zerstört worden. Der S-Bahn-Verkehr aus dem Umland wurde durch Sturmschäden lahmgelegt Wegen der Gefahr herunterfallender Dachziegel in den Schulhöfen fällt die Schule aus. Seit Rosenmontag (26. Februar) hat sich die Zahl der Feuerwehreinsätze durch die Sturmschäden auf über 2.000 erhöht.“ Der Orkan richtete an städtischen Gebäuden einen Schaden von 3,5 Mio. DM an, in den Grünanlagen und Friedhöfen von 4 Mio. DM.

Demo der Neue Heimat-Mieter

2. März: „Mit einem Demonstrationszug vom Stachus zum Marienplatz und einer Abschlußkundgebung vor dem Rathaus demonstrieren rund 5.000 Mieter der Neuen Heimat Bayern gegen den befürchteten Verkauf von 33.232 Wohnungen, darunter 14.701 in München, an private Spekulanten und fordern die Gründung einer Auffanggesellschaft zum Erwerb der Wohnungen, an der die Kommunen und das Land beteiligt sein sollen.“

Endlich eine "München-Zulage"!

6. März: „Der Personalausschuß des Stadtrats beschließt einstimmig, vom März an den städtischen Bediensteten der unteren und mittleren Einkommensgruppen monatlich einen 'Zuschuß zum Ausgleich der hohen Lebenshaltungskosten' in Höhe von 140 DM plus 50 DM pro Kind zu zahlen. Damit hat München die seit langem geforderte Ballungsraum-Zulage nun doch endlich im Alleingang verwirklicht. Der Stadt droht nun ein Ausschluß aus dem Kommunalen Arbeitgeberverband Bayern und eine Ordnungsstrafe von 1,2 Mio. DM.“

Kommunalwahlen 1990 - phänomenaler Sieg von Georg Kronawitter

18. März: „Mit fast sensationellen 348.423 Stimmen und einem Anteil von 61,6 Prozent ist Oberbürgermeister Georg Kronawitter (SPD) der überlegene Wahlsieger. In keinem Stadtviertel liegt sein Stimmenanteil unter der 50-Prozent-Marke. Sein wichtigster Herausforderer, Bundesminister Hans Klein (CSU), kann nur 26,3 Prozent erringen.“

Münchner Modepreis vergeben

25. März: „Bei der Eröffnung der Modewoche München überreicht unter den Beifallsstürmen der Gäste OB Georg Kronawitter den Münchner Modepreis an den Pariser Modeschöpfer Emanuel Ungaro. Er präsentiert eine hinreißende Schau seiner Modelle mit zwanzig Mannequins und fünf Kammermusikern. Wirtschaftsminister Lang äußerst sich zuversichtlich über die gegenwärtige Situation auf dem Modemarkt, der auch von den Aus- und Übersiedlern profitierte, die rasch ihren Nachholbedarf befriedigen wollten.“

Spezielle Führungen nur für Frauen

28. März: „Da Frauen technische Zusammenhänge besser verstehen, wenn keine Männer dabei sind, startet das Deutsche Museum ein Führungsprogramm von Frauen nur für Frauen.“

Demo gegen neues Ausländerrecht

31. März: „Schätzungsweise 10.000 Demonstranten beteiligen sich an einem Protestzug gegen den Gesetzentwurf der Bundesregierung zum neuen Ausländerrecht. Die Veranstalter, darunter SPD, Grüne, Gewerkschaften, Kirchen und zahlreiche Initiativgruppen befürchten, daß mit dem Gesetzentwurf 'ein überholtes altes durch ein neues schlechtes Gesetz ersetzt wird. In seiner Ansprache befürwortet Bürgermeister Hahnzog (SPD) das kommunale Wahlrechte für Ausländer. Er betont, dass die Ausländer nicht Schuld seien an sozialen Mißständen, sondern daß gerade sie in besonderer Weise darunter zu leiden hätten. Gefordert wird ein Ausländerrecht, das vom Geist der Weltoffenheit und Liberalität geprägt sei und ausländische Mitbürger als gleichberechtigt anerkenne.“

Stoiber schlägt Mietpreis-Bremse vor

11. April: „Innenminister Stoiber hält eine Verbesserung des Mieterschutzes durch Reduzierung der jetzt gültigen 30-prozentigen Mieterhöhung in drei Jahren auf 15 Prozent für erforderlich. Einen entsprechenden Vorschlag will er in Bonn vorbringen. Als Basis für die Berechnung von Vergleichsmieten für Mietabschlüsse sollen künftig außerdem die letzten zehn Jahre und nicht wie bisher die letzten drei Jahre dienen. Die Reduzierung der zulässigen Mieterhöhungen habe aber nur einen Sinn, wenn gleichzeitig die Zuzugsfragen im Bereich des Ausländerrechts enger geregelt würden. Die Haus- und Grundbesitzer halten die Senkung der Mieterhöhungsgrenzen nicht für den richtigen Weg: Mieterhöhungen könnten nur durch eine Vermehrung des Wohnungsangebotes gestoppt werden.

Erfolgreiche Anwerbung ausländischer Krankenschwestern

21. April: „Personalreferent Frieling berichtet von einer erfolgreichen Auslandsreise. Er war mit Mitarbeitern seines Referates in Jugoslawien, um dort Krankenschwestern anzuwerben und so den Pflegenotstand an den Münchner Krankenhäusern zu lindern. Bereits Mitte Mai sollen 80 Pflegerinnen ihren Dienst in München antreten. Die Aktion war erst möglich geworden, nachdem eine Lockerung des Anwerbestopps für Arbeitskräfte in Ostblockländern erreicht worden war.“

Fachmesse „büro + computer“

25. April: Bürgermeister Zehetmeier eröffnet auf der Theresienhöhe die Fachmesse „büro + computer“. Bei seiner Ansprache hebt er hervor, daß seit 1985 in München jährlich 200.000 qm neue Bürofläche geschaffen wurde. Die Zahl der Arbeitsplätze im Dienstleistungsbereich hätte sich in dieser Zeit mehr als verdoppelt. Auch die Stadt setze in den Amtsstuben immer mehr moderne Computer ein.“

Uneinsichtige Tierfreunde

25. April: „Der Tierschutzverein veranstaltet eine Podiumsdiskussion zum emotionsbeladenen Thema des Taubenfütterns. Wissenschaftler erklären, gerade das Füttern führe vermehr zu Erkrankungen der Tauben, außerdem würden sie zur Bequemlichkeit bei der Futtersuche erzogen, was wiederum zu stärkerer Vermehrung führe. Die Schuld an der Taubenvermehrung wird dem Tierschutzverein gegeben, der im Jahr 150 Tonnen Weizen an 49 'Taubenmutterl' vergibt, die diesen an festen Plätzen in der Stadt verfüttern. Die Zuhörer zeigen sich von der Argumentation der Wissenschaftler unberührt und meinen, die Tauben hätten doch Hunger und müssten deshalb gefüttert werden."

Pfanni-Werk verlässt die Stadt

16. Mai: "Die Pfanni-Werke Otto Eckart KG, München, wollen in den nächsten fünf bis sieben Jahren ihre Produktion vor die Tore der Stadt verlagern. Damit will Otto Eckart die Zukunft dieses mittelständischen Familienunternehmens auch im größeren europäischen Rahmen sichern. Weiter Schritte in die Zukunft zielen auf eine Verjüngung und Neupositionierung der Marke "Pfanni", auf die Entwicklung neuer Produkte und eine Straffung des bisherigen Sortiments sowie eine Produktionssteigerung. Der Umsatz nahm 1989 um fünf Prozent auf 350 Mio. DM zu." Die neu gegründete Fa. Pfanni hatte auf dem Landwirtschaftsfest 1949 das erste industrielle Fertigprodukt vorgestellt; Fertigknödel hatten in den Folgejahren einen Siegeszug in deutsche Küchen angetreten.

Verkauf der "Neuen Heimat" Bayern

17. Mai: "Der Verkauf der Neuen Heimat Bayern ist perfekt. Der Aufsichtsrat der NH stimmt mit vier gegen drei Stimmen dem Verkauf zu. Die gewerkschaftseigene Holding BGAG hatte die Zustimmung des Aufsichtsrats zur Bedingung gemacht, um dem Eindruck zu begegnen, unpopuläre Entscheidungen würden über die Köpfe der Betroffenen hinweg gemacht ... Nun muß Käufer Alfons Doblinger nur noch bezahlen ...! In München und Umgebung sollen inzwischen rund 500 Mitglieder der Gewerkschaften ausgetreten sein aus Protest gegen den Verkauf der Neuen Heimat."

"Tag der Umwelt" propagiert das abgasfreie Auto

31. Mai: "Auf dem Marienplatz und im Prunkhof des Neuen Rathauses informieren sich Tausende von Bürgern anläßlich des Umwelttages in einem Gewirr von Ständen und Zelten über die aktuellen Umweltprobleme. Im Mittelpunkt der diesjährigen Ökoschau stehten die abgasfreien Stadtautos der Zukunft. Zu sehen sind 16 Autos mit Strom- oder Wasserstoffantrieb, die nach den recht optimistischen Plänen der rot-grünen STadtratsmehrheit schon in fünf Jahren im Stadtzentrum dominieren sollen. Ein kleiner Elektorbus kann bei Testfahrten um den Viktualienmarkt ausprobiert werden. Kinder werden besonders von dem ersten Solarkarussel der Welt angezogen. ... Auf einer Meckertafel können sich Bürger zu Umweltproblemen äußern."

Kampf dem Müll

7. Juni: "Unter dem Motto 'Unsere Stadt erstickt im Müll' will das Amt für Abfallwirtschaft in den kommenden Wochen in einer großangelegten Öffentlichkeitsaktion auf die Probleme der Abfallbeseitigung aufmerksam machen. Im vordergrund soll dabei die Müllvermeidung vor der Verwertung oder der Deponierung bzw. Verbrennung stehen. Die derzeitigen 280 Standorte von Altglas- und Papiercontainern sollen um 160 Standorte erweitert werden. Rund 20.000 Haushalte in Laim, Berg am Laim, Lehel, Solln und Schwabing sollen versuchsweise mit Bio-Mülltonen ausgestattet werden, deren Inhalt kompostiert werden soll."

Ideen für den dringend notwendigen Ausbau der S-Bahn

12. Juni: "Die Fahrgastinitiative 'Pro Bahn' stellt ihre Broschüre 'S-Bahn München, Konzepte für den Streckenausbau im Stadtgebiet' vor, die Lösungsmöglichkeiten für die immer bedrohlicher werdende Situation im Bereich der öffentlichen Nahverkehrsmittel sucht, deren wichtigstes Verkehrsmittel die S-Bahn ist. ... Da auf manchen S-Bahn-Strecken bei den derzeitigen Fahrgastzahlen nicht einmal mehr der 10-Minuten-Takt ausreichend sei und die Stammstrecke keine Steigerung der Takt-Zahl mehr ermögliche, schägt Pro Bahn eine Entlastungsstrecke auf der Süd-Trasse der Bundesbahn von Laim über den Heimeranplatz, Poccistraße und Kolöumbusplatz bis zum Ostbahnhof vor, die mit Kosten von etwa einer halten Milliarde DM finanzierbar wäre. Auf lange Sicht sei ein zweiter Tunnel unter der derzeitigen Stammstrecke zu erwägen. Die Kosten dafür werden auf rund 2 Milliarden DM geschätzt."

Tunnel unter dem Luise-Kiesselbach-Platz gefordert

16. Juni: "In einem Brief an OB Georg Kronawitter fordert Staatssekretär Peter Gauweiler umgehend die Planfeststellung für eine Untertunnelung des Mittleren Rings im Bereich des Luise-Kiesselbach-Platzes. Gauweiler verweist auf 251 Unfälle mit über 100 zum Teil schwer Verletzten allein seit Anfang 1989. Täglich wälzen sich an diser Stelle 115.000 Autos vorbei, Zehntausende stehen täglich im Stau, die Anwohner litten an Lärm und Abgasen unmenschlich. Es gehe nicht in erster Linie um den Verkehr, sondern um den Lebens-und Gesundheitsschutz. Die Regierung von Oberbayern sei bereit, ein Planfeststellungsverfahren für den Tunnel zügig durchzuführen."

Der Bau des 1.530 m langen Tunnel wurde erst 1996 von den Münchner Bürgern erzwungen; eine knappe Mehrheit sprach sich in Münchens erstem Bürgerbegehren ("Drei Tunnel braucht der Mittlere Ring") für dessen Bau aus. Die Bauarbeiten begann 2009. Im Sommer 2015 wird der Tunnel endlich eröffnet.


100 Tage Grüne Stadtratsfraktion

9. August: "Die Grünen ziehen auf einer Pressekonferenz eine Bilanz der ersten 100 Tage der neuen Stadtratsperiode, die natürlich positiv ausfällt. Entgegen allen Befürchtungen 'grasen noch keine Schafe vor dem Rathaus auf dem Marienplatz und kein einziger Betrieb ist aus München wegen der Gewerbesteuer-Erhöhung abgewandert'. Neben dem verstärkten Kindertagesstätten-Bau wird von Stadtrat Joachim Lorenz vor allem eine 'stadtverträgliche Verkehrspolitik', die durch den Stop des Ring-Ausbaus und die Verhinderung des Tiefgaragenbaus im City-Bereich dem Auto als dem größten Umweltschädling nicht noch mehr Raum gebe, als Erfolg gewertet. Nach der Sommerpause wollen sich die Grünen verstärkt dem Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs und der Frauenproblematik widmen."

Bahn-Polizei fordert Verstärkung

9. August: "Der Bezirksleiter der Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands, Rudi Zellerer, fordert eine Verstärkung der Bahnpolizei im Bereich der S-Bahn, um die zunehmende Belästigung von Reisenden und den stark angewachsenen Vandalismus in den Zügen zu bremsen. Im Bereich der Sonderkommission 'Graffity' sind von fünf Planstellen zwei unbesetzt, im Bereich der Sonderkommission 'S-BAhn' sindnur noch fünf Beamte im Einsatz; 1985 waren es noch fünfzehn. An New Yorker Verhältnissen könne man in München kein Interesse haben."

Senioren protestieren

14. September: "Zum ersten Mal demonstrieren Senioren in München. Bei einer Demonstraion auf dem Marienplatz klagen sie die Politiker an, zeigen MIßstände auf und fordern REchte ein. Die Redner betonen, die Alten von heute hätten den Grundstein gelegt für den heutigen Wohlstand. Jetzt würden sie lästig. Seit vielen Jahren fordere man vergeblich eine solide Absicherung des Pflegefallrisikos, Reeformvorschläge seien nicht beachtet worden. Eiongeklagt wird der 'Generationenvertrag', die von der Staatsregierung vorgeschlagene private Altersversicherung wird abgelehnt."

Deutsch-französisches Gipfeltreffen

17. September: Der französische Staatspräsident Mitterand und Bundeskanzler Kohl treffen sich in München zu den 56. deutsch-französischen Konsultationen. ... Im Kaiserhof der Residenzwird der französische Staatspräsident offiziell mit militärischem Zeremoniell begrüßt. Mitterrand und Kohl schreiten die Front eines Ehrenbataillons ab. Anschließend tragen sie sich in der Residenz ins Gästebuch der Staatsregierung ein. Dann ziehen sich der Präsident und der Bundeskanzler zu einem Gespräch unter vier Augen zurück. Parallel zu dem Spitzengespräch finden Konferenzen der zahlreichen mitgereisten Minsiter der verschiedenen Ressorts statt."

Probleme bei der Unterbringung von Asylanten

29. September: "Nachdem der Stadt untersagt worden ist, Asylanten in einer Turnhalle unterzubringen, will sie nun die Asylbewerber entweder in Kasernen der Bundeswehr oder im Schutzbunker an der Heßstraße einquartieren. Das Bundesverteidigungsministerium will allerdings keine Kasernen bereitstellen. Sozialreferent Stützle berichtet, die Stadt habe bereits 1.200 Asylbewerber in überfüllten Massenunterkünften und 250 in Pensionen: 'Das Boot ist voll - es soll mir jemand das Gegenteil beweisen'." Bei den Asylsuchenden handelte es sich überwiegend um Flüchtlinge aus Balkanländern.

1. Oktober: "Die CSU im Rathaus vertritt die Ansicht, dass SPD und FDP die Verantwortung für die untragbaren Zustände bei der Unterbringung von Asylanten tragen, die nun in einem Bunker unterkommen müssen. ... OB Kronawitter besichtigt den für die Unterbringung vorgesehenen Bunker an der Hessstraße und bezeichnet dabei die Unterkunft als 'unmenschlich' und 'katastrophal'. Die Asylanten, die in Bussen dorthin gebracht werden, sind ebenfalls dieser Ansicht, sie kehren in die Busse zurück und weigern sich, diese zu verlassen." Zuvor hatte der OB eine spektakuläre Kraftprobe mit der Bundeswehr verloren: Er hatte Anweisung gegeben, mit den Asylanten zur Funkkaserne in Freimann zu fahren, dort, so der OB, stünden mindestens 80 Betten frei. Die Asylanten wurden allerdings entsprechend einer Weisung des Verteidigungsministeriums abgewiesen, da sie ein 'Sicherheitsrisiko' seien und außerdem kein Deutsch sprächen.

Freude über wiedervereintes Deutschland

3. Oktober: "Rund 20.000 Münchner kommen anlässlich der um Mitternacht in Kraft tretenden Wiedervereinigung Deutschlands zu Freudenkundgebungen auf der Strecke zwischen Marienplatz und Münchener Freiheit zusammen. In den drei Wiesn-Zelten, die über Mitternacht hinaus offen haben, ist das Publikum ungehalten, weil die Kapellen nicht daran denken, die deutsche Nationalhymne zu spielen." Am 4. Oktober findet eine Veranstaltung auf dem Marienplatz statt, bei der Oberbürgermeister Georg Kronawitter "eine Festrede zum 'Tag der Freude und des Glücks' hält" und auch an jene erinnert, "die sich in einer unblutigen Revolution erhoben hätten über ein Regime, das sie 40 Jahre lang in Unfreiheit gehalten, sie bespitzelt und unterdrückt und ihre Land heruntergewirtschaftet habe."

Neuer Mietspiegel belegt drastisch gestiegene Mieten

5. Oktober: "Bürgermeister Ude stellt nach fünf Jahren wieder einen neuen Mietspiegel vor. Das Papier dokumentiert den enormen Anstieg der Mieten in der Stadt. Im Durchschnitt erhöhte sich die Kaltmiete von 1985 bis 1990 um 30 Prozent. Der durchschnittliche Neuvermietungspreis liegt derzeit bei 16,50 DM pro Quadratmeter, bei Erstvermietung sogar bei 21 DM."

Fünf Jahre Gleichstellungsstelle

12. November: "Friedl Schreyögg, Leiterin der städtischen Gleichstellungsstelle, zieht eine Bilanz über die ersten fünf Jahre dieser Dienststelle. Dabei meint sie, den ganz großen Erfolg gebe es bisher nicht, 'unsere Arbeit ist Kleinarbeit'. In einer Feierstunde im Rathaus bescheinigt ihr OB Georg Kronawitter, sie habe gute Arbeit gemacht und viel auf den Weg gebracht.

Eklatanter Erzieherinnen-Mangel

13. November: "Bürgermeisterin Sabine Csampai und Stadtschulrat Albert Loichinger beklagen bei einer Pressekonferenz den eklatanten Mangel an Erzieherinnen. Die Eröffnung neugebauter Kindergärten sei ungewiß, weil es an Personal fehle. Einkommen und Wohnen sind nach Ansicht Loichingers die entscheidenden Kriterien für die Gewinnung von Kindergärtnerinnen. Frau Csampai erklärt, die Stadt wolle bei den anstehenden Tarifverhandlungen versuchen, eine 'sehr viel höhere Bezahlung' für Erzieherinnen zu erreichen.

Verleihung des Geschwister-Scholl-Preises, 25. November 1990.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München – Fotoslg. FS-PIA-1990-105-14 (Foto:Schillinger)

Verleihung des Geschwister-Scholl-Preises

25. November: "Im Rahmen einer Feier in der Aula der Universität erhalten die Fernsehjournalistin Lea Rosh und der Professor für Neuere Geschichte in Stuttgart, Eberhard Jäckel, den diesjährigen Geschwister-Scholl-Preiss überreicht. Sie werden damit für ihre Dokumentation 'Der Tod ist ein Meister aus Deutschland. Deportation und Ermordung der Juden, Kollaboration in Europa' ausgezeichnet.

Regierungschefs verabschieden die „Münchner Erklärung“

21. Dezember: "Bei der Konferenz der sechzehn Regierungschefs der deutschen Länder wird eine 'Münchner Erkklärung' verabschiedet, die die Bedeutung des Föderalismus für die weitere Entwicklung in Deutschland und Europa betont. Außerdem fordern die Ministerpräsidenten von der Bundesregierung die Vorlage einer 'dringend notwendigen finanziellen Bestandsaufnahme' und flexible Übergangsregelungen für die Integration der neuen Länder in die Europäische Gemeinschaft."

OB Kronawitter erhält das „Faß ohne Boden“ und gibt retour

21. Dezember: Oberbürgermeister Georg Kronawitter (SPD) erhält vom Bund der Steuerzahler den Negativpreis 'Faß ohne Boden' überreicht und revanchiert sich mit einer riesigen Urkunde 'Preis für die willfährigste Aussage eines freien Verbandes zugunsten der CSU', weil der Bund der Steuerzahler Bundesfinanzminister Waigel mit seinem 'Sparlöwen' ausgezeichnet hatte. Kronawitter wurde für die Erhöhung der Gewerbesteuer 'belohnt'."

Weihnachtsendspurt

24. Dezember: "Am Heiligen Abend herrscht in der Innenstadt noch einmal Hochbetrieb. In allen Geschäften wurde eine wahre Kaufwut registriert. Schmankerl sind im Lauf des Vormittags bald ausverkauft. In einer ersten Bilanz stellen die Händler auf dem Christkindlmarkt einen Umsatzzuwachs von mindestens 10 Prozent fest."