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Bürkleinstraße 20 (früher 16)


Albert Kissinger  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Stadtarchiv München, Kennkartendoppel 2015

Albert Kissinger

geboren 19.02.1931
in München,
deportiert 20.11.1941
nach Kaunas,
ermordet 25.11.1941
in Kaunas



Albert Kissinger kam 19. Februar 1931 als erster Sohn des Ehepaars Julius und Jenny Kissinger zur Welt. Die Familie lebte im zweiten Stock der Tattenbachstraße im Lehel. Mit Baby Albert zogen die Kissingers im Juni 1931 in die Bürkleinstraße 16, wo Albert der jüngste Bewohner war. Jedoch nicht all zu lange. Kurz nach dem Umzug wurde Mutter Jenny wieder schwanger, am 27. März 1932 wurde Alberts kleiner Bruder Manfred geboren.

Die Wohnung wurde schon wieder zu klein, daher zogen die Kissingers von der Wohnung rechts in die Wohnung links der Stiege im ersten Stock. Mit ihnen in der neue Wohnung lebte der geschiedene Onkel Ferdinand Kissinger.

Albert und Manfred waren echte Leheler Buben. Sie gingen in die Israelitische Volksschule, wo ihr Vater und Onkel unterrichteten, nur ein paar Gehminuten vom Haus entfernt. Die Buben konnten im Viertel keine unbeschwerte Kindheit erleben. Antisemitismus hatte es bis in die Kinderherzen geschafft - das berichtete eine von zwei jüdischen Schülerinnen des privaten Küspert-Lyzeums, einer Mädchenschule in der Bürkleinstraße.

Wer in die Jüdische Volksschule ging wie die Kissinger-Brüder, wurde von den christlichen Kindern gehänselt. Der Jurist Fritz Silber berichtete, dass sein Sohn in der Bürkleinstraße, wo Albert lebte, von einem anderen Kind mit dem Roller angefahren, geschlagen und beschimpft wurde. Auch Albert Kissinger dürfte, wie seine Mitschüler, Opfer dieses kindlichen Antisemitismus geworden sein.

In den 1930er Jahren zog der Großvater Simon aus Würzburg mit in die Wohnung der Kissinger. Er starb dort am 15.2.1939 an Grippe. Da es kein koscheres Fleisch mehr zu kaufen gab, verzichtete die orthodoxe Familie Kissinger ganz darauf.

Ab 1940 bemühten sich die Kissingers intensiv darum, in die USA ausreisen zu können.

Albert Kissinger war 10 Jahre alt, als seine Familie am 20. November 1941 nach Kaunas (Litauen) deportiert wurde. Zuvor waren sie alle aus der Wohnung geholt und ins das Sammellager Milbertshofen an der Knorrstraße gebracht worden. Albert, sein Bruder, seine Eltern und alle seine Münchner Angehörigen wurden 25. November 1941 von SS-Einsatzgruppen in Kaunas erschossen und in einem anonymen Massengrab verscharrt.

Dr. Felicia Englmann


Quellen

Literatur

  • Douglas Bokovoy, Jüdisches Bildungswesen, in: Douglas Bokovoy, Stefan Meining (Hrsg.), Versagte Heimat. Jüdisches Leben in Münchens Maxvorstadt 1914-1945, München, 1994, S. 181-196.
  • Stefan Grasser, Andreas Wimmer, Heinemann Edelstein (1870-1944), BLLV-Projekt Lehrerbiografien, https://www.bllv.de/projekte/geschichte-bewahren/erinnerungsarbeit/lehrerbiografien/heinemann-edelstein/.
  • Ruth Meros, "Protestiert habe ich erst später, in meinen Träumen." In: Andreas Heusler, Andrea Sinn (Hrsg.), Die Erfahrung des Exils. Vertreibung, Emigration und Neuanfang. Ein Münchner Lesebuch, Berlin/Boston, 2015, S. 60-71.
  • Barbara Picht, "Dr. jur. Fritz Silber", In: Douglas Bokovoy, Stefan Meining (Hrsg.), Versagte Heimat. Jüdisches Leben in Münchens Maxvorstadt 1914-1945, München, 1994, S. 261-276.
Zwei Stelen erinnern an die ehemaligen Bewohner der Bürkleinstraße 20 Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Zwei Stelen erinnern an die ehemaligen Bewohner der Bürkleinstraße 20

Foto: Stadtarchiv München

Ellen Presser von der Israelitischen Kultusgemeinde München erinnert an die jüdischen Opfer in der NS-Zeit  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Ellen Presser von der IKG München erinnert an die jüdischen Opfer in der NS-Zeit

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Erinnerungszeichen für Fanny und Julius Marx in der Corneliusstraße 2 Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Erinnerungszeichen für Fanny und Julius Marx in der Corneliusstraße 2

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Grußwort von Lilian Harlander auf der Gedenkveranstaltung am 20. November 2018 im Jüdischen Museum Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Grußwort von Lilian Harlander auf der Gedenkveranstaltung im Jüdischen Museum

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Stadtdirektor Dr. Michael Stephan gedenkt der 999 Jüdinnen und Juden, die am 20. November 1941 nach Kaunas deportiert wurden  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Stadtdirektor Dr. Michael Stephan gedenkt der Opfer der Deportation nach Kaunas

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Dr. Felicia Englmann berichtet über die früheren Bewohner der Bürkleinstraße 20  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Dr. Felicia Englmann berichtet über die früheren Bewohner der Bürkleinstraße 20

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

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