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Porträt von Alexander Dünkelsbühler  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Alexander Dünkelsbühler

Alexander Dünkelsbühler

geboren 06.05.1875
in Nürnberg,
Suizid 24.09.1935
in Dresden

 

 

 

Alexander Dünkelsbühler kam am 6. Mai 1875 in Nürnberg zur Welt. Sein Vater Sigmund war Bankier und amerikanischer Vize-Konsul und so wuchs er mit seinen 8 und 4 Jahre älteren Brüdern Theodor und Hugo in einer wohlhabenden Familie auf. Im Alter von 12 Jahren erlitt er einen schweren Schicksalsschlag, als seine Mutter Luise starb. Vier Jahre danach kam die zweite Frau seines Vaters bei der Geburt der Tochter Thekla ums Leben. Trotz des Altersunterschieds von sechzehn Jahren entstand zwischen Alexander und seiner Halbschwester eine lebenslange enge Verbindung.

1893 verließ Alexander Dünkelsbühler Nürnberg, um in München Jura zu studieren. 1900 trat er aus der jüdischen Gemeinde aus und blieb konfessionslos. Während der Studentenzeit lernte er die Katholikin Eleonore Sporner kennen. Obwohl 1898 der gemeinsame Sohn Otto geboren wurde, heirateten sie erst 10 Jahre später. Noch vor dem Ersten Weltkrieg eröffnete Alexander Dünkelsbühler in München eine eigene Kanzlei. Von 1914 bis Mitte 1917 kämpfte er im 1. Weltkrieg als Soldat in Frankreich. Dann beorderte man ihn, ausgezeichnet mit dem Eisernem Kreuz und weiteren Militärverdienstorden, ins Kriegsamt nach München. Die Ehe Dünkelsbühlers verlief schon seit langem unglücklich, Ende 1918 trennte sich das Ehepaar.

Im darauffolgenden Jahr eröffnete er mit Dr. Heinrich Rheinstrom eine Gemeinschaftskanzlei am Maximiliansplatz 7. Alexander Dünkelsbühler war ein geschätzter Wirtschaftanwalt. Er gewann nicht nur viele Prozesse, sondern verstand es auch, durch gute Kompromisse den Weg zum Gericht zu vermeiden. Zwei prominente Namen sind aus seiner Klientel erhalten geblieben: 1920 arbeitete er den Gründungsvertrag der Firma Wacker-Chemie aus, der im Wesentlichen bis heute gültig ist. Als 1923 der Physiker Wilhelm Conrad Röntgen starb, war Alexander Dünkelsbühler neben seinem langjährigen engen Freund, dem Physiker Dr. Rudolf Cohen, einer der Testamentsvollstrecker.  

Vermutlich 1923 lernte er die 20 Jahre jüngere Professorentochter Elisabeth Heims kennen. Auch sie gehörte der jüdischen Gemeinde nicht mehr an, war im Gegensatz zu Dünkelsbühler aber in die evangelische Glaubensgemeinschaft eingetreten. Die beiden kamen aus einem ähnlichen sozialen Umfeld und verstanden sich auf Anhieb gut. Schon 1924 verbrachten sie viele Wochen des Jahres gemeinsam. In dem Wunsch, Elisabeth zu heiraten, reichte Alexander Dünkelsbühler die Scheidung ein. Doch seine Ehefrau lehnte eine Scheidung ab. Dennoch entschieden sich Alexander Dünkelsbühler und Elisabeth Heims für ein gemeinsames Leben. Sie setzten sich über alle bürgerlichen Konventionen hinweg und suchten nach einer Wohnung, die auch Platz für die Kanzlei bot. Im Dezember 1925 fanden sie in der damaligen Arcisstraße 14 geeignete Räume. Elisabeth Heims wurde seine engste Mitarbeiterin. Sieben Jahre lebte das Paar glücklich im zweiten Stock des Hauses, das dem gleich nebenan wohnenden Mathematikprofessor Alfred Pringsheim gehörte.

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten veränderte das Leben des Paares grundlegend. Die NSDAP zwang Alfred Pringsheim zum Verkauf des Anwesens, um Platz zu schaffen für einen monumentalen Verwaltungsbau. Alexander Dünkelsbühler und Elisabeth Heims verlegten Wohnung und Kanzlei in die Akademiestraße 5. Als ehemaliger Frontkämpfer behielt er zwar seine Zulassung, doch Boykott und Diskriminierung zeigten Wirkung. Die Einnahmen der Kanzlei verringerten sich zusehends. Nichtjüdische Klienten zogen sich immer mehr zurück. Auch belastete ihn die Behinderung seiner Arbeit vor Gericht schwer. Einen Klienten nicht bestmöglich vertreten zu können, konnte er mit seinem Berufsethos nicht vereinbaren. Schließlich lehnte er den Auftrag nichtjüdischer Klienten mit den bitteren Worten ab: „Der dümmste Arier kann Sie jetzt besser vertreten als ich.“ 1935 entzogen die Nazis mit den Nürnberger Rassegesetzen den Juden endgültig alle Rechte. Alexander Dünkelsbühler, inzwischen 60 Jahre alt, sah für sich keinen Ausweg mehr. Am 24. September 1935 nahm er sich in Dresden das Leben.

In seinem Testament setzte er Elisabeth Heims als Alleinerbin ein. Sie löste die Kanzlei auf und übergab die juristischen Bücher der Fachbibliothek Schweitzer. Eines seiner Bücher, „Civilrechtsfälle ohne Entscheidungen“, fand sich 2018 bei der Suche nach NS-Raubgut in der Bayerischen Staatsbibliothek. Elisabeth Heims hatte vor ihrer Deportation im November 1941 ihre engste Freundin Annemarie Cohen als Alleinerbin benannt. Im März 2018 gab die Staatsbibliothek das Buch an deren Sohn, Professor Rudolf Cohen, zurück.

Text von Ingrid Reuther


Quellen:

  • Bayerisches Hauptstaatsarchiv, MJu 20560; OP 1010.
  • Staatsarchiv München, AG/NR 1935-2948.
  • Stadtarchiv München, EWK 65, RAK 746; Biographisches Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945.
  • Stadtarchiv Nürnberg, Einwohnermelderegister.


Literatur:

  • Reinhard Weber, Das Schicksal der jüdischen Rechtsanwälte in Bayern nach 1933, München 2006.

Re-Live zur Übergabe des Erinnerungszeichens