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Ohmstraße 20


Foto von Alexander Lubranczyk  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Privatbesitz

Alexander Lubranczyk

geboren 25.02.1854
in Pudewitz,
deportiert 18.06.1942
in das Konzentrationslager
Theresienstadt,
ermordet 03.08.1942
im Konzentrationslager Theresienstadt


Aus dem Leben von Alexander Lubranczyk ist nur wenig bekannt. Alexander (Alex) Lubranczyk wurde am 25. Februar 1854 in Pudewitz (heute Pobiedziska, Polen) als Sohn des Schneiders Aron Lubranczyk und dessen Ehefrau Therese geb. Skotzka geboren. Er hatte zwei Brüder: Louis erblickte am 16. Juni 1858 das Licht der Welt und verstarb am 18. September 1925. Seine Schwester Klara wurde am 12. Dezember 1861 geboren, sie starb schon am 7.Oktober 1910. Von einem weiteren Bruder ist nur der Name bekannt – David. Alex heiratete am 18. Januar 1881 in Berlin Emma Salomon, die aus Schöneberg im Kreis Teltow stammte und am 4. Februar 1856 dort zur Welt gekommen war. Alex und Emma lebten in Berlin, wo Alex eine Schneiderwerkstatt mit seinem Bruder Louis führte. Das Ehepaar hatte vier Kinder - Alfred, Bruno, Gertrud und Sophie. Der am 20. Februar 1883 geborene Alfred heiratete Erna Wolff und starb 1921. Er hinterließ einen Sohn, Wolfgang, der den Holocaust in Schweden überlebte. Alfreds Geschwister Bruno, geboren am 20. Juli 1889, und Sophie, geboren am 9. Juni 1887, starben bereits 1913 und 1915 an Tuberkulose und hatten keine Kinder.

Alexanders einzige überlebende Tochter, Gertrud Lubranzcyk, geboren am 15. Mai 1884 in Berlin, heiratete am 4. April 1914 Siegmund Hirsch, geboren am 26. Februar 1882 in Mühlheim an der Ruhr. Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor: Gerda Sophie, geboren am 2. April 1918 in Barmen, und Rudolf Bruno, geboren am 28.August 1920, ebenfalls in Barmen.

Im Jahr 1927 verwitwete Alex Lubranczyk, und er entschloss sich 1928 nach München zu übersiedeln, um nahe bei der Familie seiner Tochter zu leben. Zunächst wohnte er in der Steinsdorfstraße 16 und in der Rambergstraße 2, ehe er im Juli 1932 zu seiner Tochter in die Ohmstraße 20 zog. Sein Enkel Rudolf beschrieb ihn später als schweigsam und distanziert. Da er den größten Teil seines Lebens in Berlin verbracht hatte, fiel es ihm schwer, den Münchner Dialekt zu verstehen.

Während der so genannten Kristallnacht am 9. November 1938 wurden Alexander Lubranczyks Schwiegersohn Siegmund Hirsch und sein Enkel Rudolf im Konzentrationslager Dachau inhaftiert und erst am 13. Dezember 1938 entlassen. Seitdem intensivierte die Familie ihre Bemühungen auszuwandern. Zuerst konnte Rudolf Hirsch im März 1939 Deutschland in Richtung London verlassen. In England wurde er nach Ausbruch des Krieges als feindlicher Ausländer verhaftet und in das Lager Huyton in der Nähe von London gebracht und im Oktober 1939 nach Kanada transportiert, wo er bis 1943 in verschiedenen Lagern interniert war. Im September 1945 reiste er nach Chile und traf endlich seine Eltern und seine Schwester wieder, die Ende 1939 nach Chile ausgewandert waren.

Alex Lubranzcyk blieb wegen seines hohen Alters in München. Als ab Ende 1938 die jüdische Bevölkerung aus ihren Wohnungen vertrieben und in so genannten „Judenwohnungen“ oder „Judenhäusern“ ghettoisiert wurde, musste er in das jüdische Altersheim in der Mathildenstrasse 9 einziehen. Er hoffte noch bis 1941 auf ein Visum nach Chile. Am 16. April 1942 transportierte ihn die Gestapo in das Barackenlager Milbertshofen in der Knorrstrasse 3, wo er mit vielen anderen jüdischen Frauen, Männern und Kindern in drangvoller Enge leben musste. Von dort deportierte die Gestapo den 88-Jährigen am 18.Juni 1942 in dem Transport II/7-305 in das Ghetto Theresienstadt. Er starb nur sechs Wochen später am 3. August 1942 in Gebäude E VII, einem der so genannten Siechenheime, in Raum 19, aufgrund der katastrophalen Lebensbedingungen, unter denen insbesondere die vielen hochbetagten Menschen zu leiden hatten. Als Todesursache sind Nieren- und Nierenbeckenentzündung sowie Lungenentzündung in der Todesfallanzeige eingetragen.

Text von Andrea Seelenfreund

Quellen:


 

Übergabe des Erinnerungszeichens für Alexander Lubranczyk am 1. August 2019