Aktuelle Corona-Infos der Stadt unter www.muenchen.de/corona
zum Seitenanfang
Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Franz-Josef-Strauß-Ring 4 (Pilotystraße 7)


Foto Amalie Spitzauer  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München

Amalie Spitzauer

geb. Löwenstein,
geboren 15.09.1879
in Hannover,
deportiert 20.11.1941
nach Kaunas,
ermordet 25.11.1941
in Kaunas


Amalie Mathilde Löwenstein wurde am 15. September 1879 in Hannover geboren. Ihre Eltern waren der Produktenhändler Louis Löwenstein und seine Ehefrau Klara, geborene Neumann. Zwei Jahre später erblickte ihr Bruder Bernhard das Licht der Welt.

Am 3. April 1896 zog die Familie nach München. Der Vater arbeitete hier als Kaufmann. Amalie Löwenstein heiratete am 29. Dezember 1902 Dr. Otto Spitzauer, der am 5. Februar 1869 geboren wurde. Er hatte eine Zahnarztpraxis in der Sendlinger Straße 89. Auch Amalie Spitzauer war Dentistin.

Amalie und Otto Spitzauer bekamen am 7. November 1903 einen Sohn, Otto Benjamin. Zehn Jahre später verstarb der Ehemann. Die Familie lebte zu jener Zeit in der Leopoldstraße 21, in einer luxuriösen Zehn-Zimmer-Etagen-Wohnung mit Praxis.

Nach dem Tod ihres Mannes lebte Amalie Spitzauer aufgrund eines Vermächtnisses von einer Rente, die zehn Prozent der Bruttoeinnahmen der Immobilie Frauenstraße 24 betrug. Von ihrem Bruder Bernhard erhielt sie ebenfalls eine Rente. Amalie Spitzauer besaß außerdem Wertpapiere und Barguthaben.

Frau Spitzauer bezog später in der Pilotystraße 7 eine Dreizimmerwohnung und suchte aufgrund ihrer immer schlechter werdenden finanziellen Verhältnisse infolge der nationalsozialistischen Entrechtung im März 1935 einen Untermieter. Im September 1939 wurde Frau Spitzauer zwangsenteignet: die Wohnungseinrichtung im Wert von ca. 25.000 RM, Gold- und Silberwaren und der Grundbesitz in Oberhaching. Bargeld war anscheinend nicht mehr vorhanden, weil sie ihren Sohn mit Frau und drei Enkeln finanzierte, und auch ihre Rente wurde nicht mehr ausbezahlt.

Am 15. November 1941 wird Amalie Spitzauer mit der Nummer 433 auf der Deportationsliste nach Riga aufgeführt. Der Zug mit etwa 1.000 jüdischen Frauen, Männern und Kindern verließ die Stadt am 20. November 1941. Er wurde nach Kaunas umgeleitet und erreichte sein Ziel am 22. November 1941. SS-Männer des Einsatzkommandos 3 der Einsatzgruppe A der Sicherheitspolizei und des SD erschossen dort Amalie Spitzauer und alle anderen Frauen, Männer und Kinder des Transports am 25. November 1941.

Amalie Spitzauers Sohn Otto war katholischen Glaubens, wurde aber als Sohn jüdischer Eltern verfolgt. Er war wegen der Bestimmungen der Nürnberger Gesetze in freier Ehe mit der katholischen Katharina, geschiedene Sucro, geb. Becker verheiratet. Sie hatten drei Kinder. Die Ehe wurde mit Wirkung zum 1. Juni 1936 am 13. Mai 1949 anerkannt. Otto Spitzauer wurde wegen „rasseschänderischen Verhaltens“ am 11. November 1938 verhaftet, zu einer Zuchthausstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt und nach Strafende in das Konzentrationslager Sachsenhausen überstellt, wo er am 4. August 1940 ermordet wurde. Im Jahre 1939 hatte er sich noch um eine Auswanderung bemüht. Auf dem Neuen Israelitischen Friedhof befindet sich ein Gedenkstein für ihn. Die Ehefrau verstarb am 3. September 1977 in München.

Amalie Spitzauers Bruder Bernhard Löwenstein konnte zunächst nach London und dann in die USA auswandern.

Text von Ruth und Klaus-Peter Münch

Quellen:

  • Institut für Zeitgeschichte München-Berlin, Fa 208, Deportationsliste Riga vom 15.11.1941.
  • Staatsarchiv München, WB I JR 8195; WB I JR 2394; WB I a 5603; WB I a 4133; OFD 7140.
  • Stadtarchiv München, Einwohnermeldekarte, Polizeimeldebogen.
  • Stadtarchiv München, Hausbogen.
  • Stadtarchiv München, Datenbank zum Biografischen Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945.
  • Stadtarchiv Hannover, Geburtsurkunde.

Internetquellen:

Literatur:

  • Peter Zahn (Hrsg.), Hilfe für Juden in München. Annemarie und Rudolf Cohen und die Quäker 1938-1941, München 2013, S. 263 f.