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Maximilianstraße 26-28 (Münchner Kammerspiele)


Benno Bing  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Département de la Sarthe

Benno Bing

geboren 22. 12.1874
in Würzburg,
verhaftet 09.10.1942
in La Ferté-Bernard, Frankreich,
ermordet 21.12.1942
im KZ Auschwitz



Benno Bing erblickte am 22. Dezember 1874 in Würzburg das Licht der Welt; er war der jüngere der beiden Söhne des jüdischen Kaufmanns Adolf Bing und seiner Ehefrau Therese. Als Neunjähriger kam er nach München, wahrscheinlich mit seinem älteren Bruder Max, und wurde Schüler am Max-Gymnasium in Schwabing. Er hatte vor, wie sein Bruder Jura zu studieren. Drei Jahre nach dem Abitur heiratete Benno Bing 1897 in London die Münchnerin Karoline Tausend. Sie war erst zwanzig Jahre alt, und sie war katholisch. Im Jahr darauf wurde hier ihre Tochter Rosa geboren, in London 1902 die Tochter Beatrice und 1906 Antigone. Die beiden wurden später Schauspielerinnen. Nach zehn Jahren in London zog Benno Bing mit Frau und Kindern für kurze Zeit nach Berlin, im November 1909 dann zurück nach München. Sie lebten in der Schwabinger Keuslinstraße 4, wo im Jahr darauf Sohn Rudolf geboren wurde.

In der Augustenstraße 89 gründete im Januar 1911 ein junger Jurist und Theatermensch aus einer jüdischen Familie in Budapest, Eugen Robert, zusammen mit drei anderen jungen Juristen und Theatermenschen, ein freies Theater, das er im Jahr darauf „Münchner Kammerspiele nannte. Sie wurden zur Bühne für zeitgenössische deutsche und ausländische Autoren, für literarische Avantgarde und Experimente. Ab 1913 leiteten die „Münchner Kammerspiele in der Augustenstraße 89“ zwei Direktoren - Erich Ziegel als künstlerischer und Benno Bing als kaufmännischer Direktor. In der Spielzeit 1916/17 übernahm Hermann Sinsheimer die künstlerische Leitung, ab der Spielzeit 1917/18 Otto Falckenberg. Er führte dieses Theater als Direktor bis zum Umzug in die Maximilianstraße im September 1926 und wirkte dort als Intendant, als Staatsschauspieldirektor und Professor bis zum Sommer 1944.

Theaterdirektor Benno Bing ging für die Kammerspiele ab der Spielzeit 1924/25 als Generalbevollmächtigter der Direktion nach Berlin und verhandelte dort bis 1933 über Künstler-Engagements, Gastspiele und Aufführungsrechte mit Verlegern. Er war auch weiter für die Kammerspiele einer der Gesellschafter der Münchner Theater GmbH.

Im Dezember 1928 gründete der nationalsozialistische Ideologe Alfred Rosenberg in München den „Kampfbund für deutsche Kultur“ und forderte mit Unterstützung der NSDAP und bürgerlich-reaktionärer Kreise in München „die Entfernung von undeutschen und marxistischen Persönlichkeiten aus den Theatern der Systemzeit“. Im Klartext lautete diese Forderung in München 1933: „Die Münchner Kammerspiele müssen von jüdischen und ausländischen Elementen gesäubert werden“.

Benno Bing floh im Oktober 1933 nach Prag, von dort im April 1935 nach Paris, im Dezember 1938 weiter in die Bretagne nach Ploer a Port-Saint-Hubert. Er ist 64 Jahre alt. Wir wissen nicht, ob er versuchte, nach London zu entkommen, wo er schon einmal zehn Jahre lang gelebt hatte.

Benno Bing war 1910 aus der jüdischen Gemeinde ausgetreten, doch die NS-Rassengesetze von 1935 erklärten ihn zum Juden, und im besetzten Frankreich galt er „juif étranger“. Wir wissen nicht, ob Menschen ihm halfen unterzutauchen. Wir kennen nur die bürokratisch genau dokumentierten Angaben der Täter, die sein Leben auslöschten: Am 9. Oktober 1942 verhaftete man ihn in La Ferté-Bernard im Departement Sarthe, westlich von Paris, und internierte ihn am 18. Oktober 1942 im nordöstlich von Paris gelegenen Lager Drancy, von wo er am 6. November 1942, morgens 8.55 Uhr, mit dem Transport Nr. 42, in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert wurde. Am 21. Dezember 1942 ermordete die SS Benno Bing in Auschwitz.

Die Gestapo hatte 1938 seine Frau Karoline in München zur Scheidung von ihrem Ehemann genötigt, sonst wäre ihr ihre Existenzgrundlage, das „Hohlsaum- und Plissee Geschäft“ in der Augustenstraße 16, entzogen worden. Karoline Bing und ihre Kinder Rosa, Beatrice, Antigone und Rudolf überlebten den Holocaust.

Text von Janne und Klaus Weinzierl

Quellen:

  • Stadtarchiv München, Einwohnermeldekarte.
  • Stadtarchiv München, KULA – 0225.
  • Stadtarchiv München, Datenbank zum Biografischen Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945
  • Archives Départementales de la Sarthe, Les deportes juif de la Sarthe. Benno Bing.

Foto:

  • Archives Départementales de la Sarthe.

Übergabe der Erinnerungszeichen an den Münchner Kammerspielen am 25.06.2020