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Tengstraße 25


Foto Mina Bergmann  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München

Mina Bergmann

geb. Spear,
geboren 21.08.1869
in Sonneberg,
deportiert 04.06.1942
in das Ghetto Theresienstadt,
ermordet 30.06.1942
im Ghetto Theresienstadt



Mina Bergmann, geborene Spear, wurde am 21. August 1869 in Sonneberg geboren. Ihre Eltern waren der Kaufmann Jakob Wolf Spear und Sophie Rika Spear, geborene Rindskopf. Mina Spear hatte noch neun Geschwister. Ihr Vater Jakob Wolf Spier hatte seinen Namen nach einem längeren Aufenthalt in den USA in Spear anglisiert. Zunächst als Kurzwarenhändler tätig, gründete er als innovativer Unternehmer mit seinen Söhnen die weltbekannte Spielwarenfirma J. W. Spear & Söhne 1879 in Fürth. Aus dem Hause Spears stammen Spielklassiker wie „Denk fix“ und „Das magnetische Angelspiel“. Ob die Familie die jüdische Religion praktizierte, ist nicht bekannt.

Über Mina Spears Kindheit und ihr persönliches Leben wissen wir nur wenig. Sicher haben der Suizid ihres Vaters 1883 nach drei Fabrikbränden und auch aufgrund einer antisemitisch aufgeladenen Kampagne gegen ihn sie sehr geprägt.

Im Alter von 20 Jahren ehelichte sie am 6. März 1889 in Nürnberg den zwölf Jahre älteren Hopfenhändler Nathan Bergmann. Er stammte aus Gochsheim, einem Ort in Unterfranken bei Schweinfurt. Dem Paar wurden drei Kinder geboren: Sohn Wilhelm kam 1894 in Nürnberg zur Welt zur Welt und Tochter Else 1895, ebenfalls in Nürnberg. Das Familienglück vollendete zwei Jahre darauf die Geburt von Tochter Helene 1897. Mit dem Tod des erst 14-jährigen Wilhelm traf die Familie 1908 ein schwerer Schicksalsschlag.

Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten erfuhr auch das Leben der Familie Bergmann massive Einschränkungen, sie wurden als Juden entrechtet, ausgeraubt und vertrieben. Unter Gauleiter Julius Streicher begann in Nürnberg eine besonders beispiellose antisemitische Hetze. Mina, Nathan, Helene Bergmann und deren Tochter Anneliese Roselieb verließen 1934 Nürnberg und gingen nach München. Sie lebten zusammen in der Tengstraße 25.

Auch in München führte Nathan Bergmann mit seinen Brüdern Michael und Philipp die Hopfengroßhandlung „N. Bergmann & Co“ in der Wilhelmstraße 15. Zum 29. Juni 1938 mussten ihre Firma zwangsweise schließen. Philipp Bergmann war kurz zuvor am 20. Juni 1938 verstorben.

Mina Bergmann hatte in diesen Jahren wohl größere gesundheitliche Probleme. Schon 1928 hatte sie sich mehrere Monate in der Kuranstalt Dr. Ranke in der Wolfratshausener Straße 88 aufgehalten. 1935 musste sie sich in die Kuranstalt in der Romanstraße 11 in ärztliche Behandlung und anschließend noch einmal in die Klinik Dr. Ranke begeben, ehe sie schließlich in ihre Wohnung in der Tengstraße 25 zurückkehren konnte.

Ihr Ehemann, mit dem sie 51 Jahre verheiratet gewesen war, verstarb am 20. Mai 1940 im Alter von 83 Jahren in der Israelitischen Privatklinik in der Hermann-Schmid-Straße 5 an Krebs.

Diese Klinik war auch für Mina Bergmann ab Juni 1941 ihr letzter Aufenthaltsort in München. Ein Jahr später, am 5. Juni 1942, deportierte die Gestapo die 73-jährige Dame in das Ghetto Theresienstadt; ihre Tochter Helene Bergmann wurde am 23. Juli 1942 ebenfalls in das Ghetto Theresienstadt verschleppt. Mina Bergmann war zu diesem Zeitpunkt schon tot. Sie ist in Folge der katastrophalen Lebensbedingungen und gezielter Mangelversorgung am 30. Juni 1942 in Theresienstadt gestorben. Möglicherweise hatte sie noch ihren Schwager Michael Bergmann wiedergesehen, den die Gestapo am 17. Juni 1942 nach Theresienstadt brachte. Er starb dort wahrscheinlich am 1. September 1942. Auch Helene Bergmann überlebte das Ghetto Theresienstadt nicht, sie starb am 8. April 1944.

Mina und Nathan Bergmanns Tochter Else Schuhmacher und deren Ehemann Siegfried Schuhmacher gelang die Emigration nach Großbritannien. Ihre Enkelin Anneliese Roselieb überlebte ebenfalls und wanderte nach Kriegsende in die USA aus.

Text von Elisabeth Rosa M. Noske

Quellen:

  • Stadtarchiv München, EWK 38.
  • Stadtarchiv München, Hausbogen.
  • Stadtarchiv München, GEW-ARI 014.

Internetquellen:

Literatur:

  • Hermann Sand: Martha-Maria 1946–2006. In: Sollner Hefte, Band 48, 2006.

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