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Franz-Josef-Strauß-Ring 4 (früher Galeriestraße 21)


Foto Berta Konn  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Generallandesarchiv Karlsruhe

Berta Konn

geb. Franc,
geboren 30.10.1863
in Tauberbischofsheim,
deportiert 27.08.1942
in das Ghetto Theresienstadt,
ermordet 24.04.1943
im Ghetto Theresienstadt


Am 30. Oktober 1863 kam Berta Franc in Tauberbischofsheim als Kind des Kaufmanns Leopold Franc und seiner Frau Sara Franc, einer geborenen Rosenthal, zur Welt. Sie hatte eine Schwester, die bereits kurz nach ihrer Geburt verstarb und zwei Brüder, Jacob sowie Moritz.

Im November 1899 zog die Familie von Tauberbischofsheim nach Würzburg, wo Berta Franc am 10. Dezember 1900 mit Dr. med. Adolf Abraham Kohn, einem österreichischen Stabsarzt a.D., in Würzburg die Ehe geschlossen hat. Nur wenige Monate nach der Eheschließung zog das Paar am 1. April 1901 von Wien nach München. In diesem Zeitraum schienen sie den Familiennamen angepasst zu haben. War im Trauregister noch eindeutig Kohn vermerkt, erfolgt die Anmeldung in München unter Konn. Was hierfür die Beweggründe waren, lässt sich leider nicht feststellen. Am 5. Juni 1903 kam der gemeinsame Sohn Ludwig Ignaz in München zur Welt. Über die nächsten zwei Jahrzehnte konnten wir über das Leben der Familie nichts in Erfahrung bringen, wenn man von den jeweiligen Meldeadressen und dem Tod des Ehegatten Adolf Konn am 28. April 1921 im Alter von 78 Jahren absieht.

Ab 1937 lebte Berta Konn einige Monate in der Galeriestraße 21. Die letzte in München bekannte Wohnanschrift von Berta Konn war die Maximilianstraße 20 b, wo sie am 15. Januar 1938 einzog.

Nur fünf Monate später meldete sich Berta Konn in München ab und verzog nach Wien, wo ihr Sohn seit 1933 lebte. Letzter Wohnort von Berta Konn und dem Sohn war die Schiffamtsgasse 10 in Wien. Im Haus Schiffamtsgasse 10 befanden sich sogenannte „Sammelwohnungen“. Es handelte sich hier um Häuser und Wohnungen, die sich im Besitz von Juden befanden oder in denen bereits Jüdinnen und Juden wohnten. In diese Wohnungen wurde die jüdische Bevölkerung ghettoisiert, bevor die Gestapo sie von dort deportierte.

Die Gestapo verschleppte Berta Konn und ihren Sohn Ludwig mit Transport 38 am 27. August 1942 von Wien nach Theresienstadt. Von den 1000 Deportierten dieses Transportes waren 881 Menschen älter als 61 und das Durchschnittsalter lag bei 72 Jahren. Die zu diesem Zeitpunkt 78-jährige Berta Konn erhielt in Theresienstadt die Häftlingsnummer 15785.

Die jetzt erfolgten Recherchen zu ihrer Biografien ergaben zwei unterschiedliche Sterbedaten – den 30. Dezember 1942 bzw. den 24. April 1943. Berta Konn verstarb im Ghetto Theresienstadt infolge der katastrophalen Lebensbedingungen. Der Lagerarzt gab „Altersschwäche“ als Todesursache an. Es waren jedoch die extrem schlechten Lebensumstände und die gezielte Unterversorgung, denen die Insassen ausgesetzt waren und die ihren Tod zur Folge hatten.

Ihr 80-jähriger Bruder Jacob Franc wurde 1942 ebenfalls in Theresienstadt ermordet. Berta Konns Sohn Ludwig ermordete die SS im Alter von 41 Jahren am 16. Mai 1944 im Konzentrationslager Sachsenhausen.

Text von Stefan Dickas

Quellen:

  • Arolsen Archives, 1.2.11/82273049, Deportationen aus dem Gestapo-Bereich Wien, Transport 38 nach Theresienstadt, 27.08.1942.
  • Landesarchiv Baden-Württemberg Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Personenstandsregister jüdischer Gemeinden in Württenberg, Baden und Hohenzollern, Gemeinde Tauberbischofsheim.
  • Stadtarchiv München, Einwohnermeldekarten.
  • Stadtarchiv München, Hausbogen.
  • Stadtarchiv München, Datenbank des Biografischen Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945.
  • Stadtarchiv Würzburg, Standesamt Heiratsregister.
  • Staatsarchiv Würzburg, Trauungsregister Rabbinat Würzburg 1900, Jüdisches Standesregister 165.

Internetquellen (aufgerufen 14.09.2020):