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Bürkleinstraße 20 (früher 16)


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Centa Gitl Silber

geboren 28.04.1901
in München,
gestorben 25.11.1937
in München




"Ein edler frommer Mensch, hilfreich und gut", steht auf dem Grabstein Centa Gitl Silbers auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in München. Die im Alter von 37 Jahren Verstorbene lebte in und für die jüdische Gemeinde Münchens, engagierte sich in Vereinen und kümmerte sich auch um ihre Eltern, bei denen sie wohnte.

Centa Gitl Silber kam am 28. April 1901 als eines von sechs Kindern des Ehepaars Ida und Salomon Silber zur Welt. Ihre Mutter stammte aus Württemberg, der Vater aus Unterfranken; in der Münchner Bürkleinstraße fand die Familie 1916 ihr Zuhause. Das Haus und damit die Erdgeschosswohnung, in der sie lebten, hatten die Silbers von Mutter Idas Vater Simon Falk geerbt.

Die kleine Schwester Erna wurde nur eine Woche alt, die große Schwester Karola ging in den 1920er-Jahren nach Palästina. Auch die jüngeren Brüder Siegfried und Bruno zog es 1933 nach Palästina, Bruder Fritz studierte Jura und emigrierte 1941 nach New York. Die ledige, kinderlose Centa Gitl Silber blieb in München.

Die orthodoxe Familie war stark in das religiöse Leben Münchens eingebunden. Vater Salomon Silber engagierte sich Zeit seines Lebens intensiv in der Chewra Kadischa ("Heilige Gesellschaft"), der traditionellen jüdischen Begräbnisbruderschaft, und Centa Gitl Silber war Mitglied des Vereins Ohel Jakob ("Zelt Jakobs").

Centa Gitl wurde Erste Sekretärin der Israelitischen Kultusgemeinde Münchens und arbeitete auch für den Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Damit war sie erste Anlaufstelle für Frage, Sorgen und Nöte. Sie war beliebt und geachtet, für ihre Hilfsbereitschaft schätzten die Menschen sie sehr. Auch hatte sie für die Gemeindemitglieder ein offenes Ohr. Sie arbeitete eng mit dem Gemeindevorstand zusammen.Trotz des Drucks durch die antisemitische Verfolgung in der NS-Zeit ging es auch innerhalb der Gemeinde zwischen orthodoxen und liberalen Gruppen nicht immer spannungsfrei zu. Centa Silber gelang es, für beide zu arbeiten und von beiden geschätzt zu werden.

Nach "langem Leiden", wie es in einer ihrer Todesanzeigen steht, starb sie am 25. November 1937 im Alter von 37 Jahren. Die Ansprache am Grab hielt Rabbiner Ernst Jonach Ehrentreu.

Das Gemeindeblatt berichtete in der Traueranzeige von der Trauerfeier auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in München: "Mit dem Tode dieser treuen Helferin der Gemeinde verliert die Gemeindeverwaltung eine ihrer arbeitsamsten und kundigsten Mitarbeiterinnen. An der Bahre zeigte sich die allgemeine Trauer um die zu früh Entschlafene. Am Freitag, den 26. November, fand bei außergewöhnlich großer Beteiligung die Beerdigung statt. Rabbiner Dr. Ehrentreu betonte in seiner Gedächtnisansprache, daß das Leben eines Menschen vollendet sein könne, auch wenn er kein hohes Alter erreiche."

Auch der Vorstand und das Büro der Israelitischen Kultusgemeinde und des Verbandes der Bayerischen Israelitischen Gemeinden schalteten im Gemeindeblatt Todesanzeigen und würdigten die hohen Verdienste der warmherzigen, klugen und selbstlosen jungen Frau. Sie war „[...] der gute Geist unserer Arbeitsgemeinschaft und hat sich im Herzen von uns allen ein Denkmal gesetzt; ihr Andenken wird nie aus unserem Gedächtnis schwinden."

Centa Gitl Silber erlebte nicht mehr, wie ihr Lebensmittelpunkt, die Synagoge Ohel Jakob in der Nacht vom 9. November 1938 in Flammen aufging, der Landesverband aufgelöst wurde und die geliebten Eltern und Verwandten starben oder deportiert und ermordet wurden.

Dr. Felicia Englmann

Quellen

Literatur

  • Stefan Meining, "Betstuben und Synagogen", in: Douglas Bokovoy, Stefan Meining (Hrsg.), Versagte Heimat. Jüdisches Leben in Münchens Maxvorstadt 1914-1945, München 1994, S. 165-181.
Zwei Stelen erinnern an die ehemaligen Bewohner der Bürkleinstraße 20 Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Zwei Stelen erinnern an die ehemaligen Bewohner der Bürkleinstraße 20

Foto: Stadtarchiv München

Ellen Presser von der Israelitischen Kultusgemeinde München erinnert an die jüdischen Opfer in der NS-Zeit  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Ellen Presser von der IKG München erinnert an die jüdischen Opfer in der NS-Zeit

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Dr. Felicia Englmann übergibt die Erinnerungsstelen an die Öffentlichkeit Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Dr. Felicia Englmann übergibt die Erinnerungsstelen an die Öffentlichkeit

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Grußwort von Lilian Harlander auf der Gedenkveranstaltung am 20. November 2018 im Jüdischen Museum Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Grußwort von Lilian Harlander auf der Gedenkveranstaltung im Jüdischen Museum

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Stadtdirektor Dr. Michael Stephan gedenkt der 999 Jüdinnen und Juden, die am 20. November 1941 nach Kaunas deportiert wurden  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Stadtdirektor Dr. Michael Stephan gedenkt der Opfer der Deportation nach Kaunas

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Dr. Felicia Englmann berichtet über die früheren Bewohner der Bürkleinstraße 20  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Dr. Felicia Englmann berichtet über die früheren Bewohner der Bürkleinstraße 20

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

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