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Maximilianstraße 26-28 (Münchner Kammerspiele)


Dr. Edgar Weil  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Münchner Stadtbibliothek/Monacensia

Dr. Edgar Weil

geboren 07.07.1908
in Frankfurt am Main,
verhaftet 11.06.1941
in Amsterdam,
ermordet 17.09.1941
im KZ Mauthausen



Edgar Weil wurde am 7. Juli 1908 in Frankfurt am Main geboren, als der jüngere der beiden Söhne einer jüdischen Apothekerfamilie. Sein Vater Dr. Richard Weil besaß ein chemisch-pharmazeutisches Unternehmen, sein Mutter Pauline geb. Hochstädter stammte aus einer jüdischen Münchner Familie. Nach einem Literatur-studium und der Promotion heiratete Edgar Weil 1932 die Münchnerin Grete Dispeker, Tochter des jüdischen Justizrats Dr. Siegfried Dispeker und seiner Frau Isabella, geb. Goldschmidt.

Dr. Edgar Weil war in der Spielzeit 1932/33 an den Münchner Kammerspielen als einer der Dramaturgen Otto Falckenbergs beschäftigt. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten war er vom ersten Tag an gefährdet. Die Münchner Kammerspiele befanden sich seit der Niederschlagung der Räterepublik im Visier der reaktionären, antisemitischen Kräfte in der Stadt, die seit langem die Entfernung der jüdischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von den Bühnen der Stadt forderten.

Im März 1933 wurde zuerst Otto Falckenberg und kurz darauf Dr. Edgar Weil von derPolitischen Polizei verhaftet und in der Ettstraße inhaftiert. Wegen eines Briefes aus Moskau zum Jahreswechsel an die Direktion der Kammerspiele waren sie denunziert und der „hochverräterischen Korrespondenz“ verdächtigt worden. Geschrieben hatte diesen Brief der junge Regisseur Ernst Held, der 1930 an die Kammerspiele gekommen war. Der gebürtige Heinrich Ernst Ludwig Rosenbaum, Sohn einer jüdischen Hamburger Bankiersfamilie, war mit einer Kommunistin jüdischer Herkunft verheiratet. Im Herbst 1932 war eine konspirative Zelle aufgeflogen, sie war des Hochverrats angeklagt. Als sie gegen eine hohe Kaution frei kam, floh das Ehepaar nach Moskau. Der Neujahrsbrief sollte tatsächlich nur ein Lebenszeichen sein. Falckenberg wurde nach drei Tagen wieder entlassen. Edgar Weils Haftentlassung - nach Verhören und Misshandlungen - konnte mit Hilfe seiner Schwiegermutter erwirkt werden.

Kurz darauf verließ Edgar Weil fluchtartig München und ging zunächst allein zu seinen Eltern nach Frankfurt. Noch im selben Jahr emigrierte er nach Holland und baute die pharmazeutische Fabrik seines Vaters in Amsterdam auf. Grete Weil schloss in München noch eine Ausbildung zur Photographin ab, bevor sie ihm 1935 ins holländische Exil nachfolgte. Nach dem Tod von Grete Weils Vater 1937 konnte 1938 ihre Mutter Isabella Dispeker nach Amsterdam gelangen, begleitet von einer jungen Schauspielerin der Münchner Kammerspiele, Signe Maria Götzen (Signe von Scanzoni). Im Jahr 1939 flüchteten auch Edgar Weils Eltern zu ihnen nach Holland.

Das Paar plante, nach Kuba weiter zu fliehen, und Grete Weil hatte ihr Visum auch bereits erhalten. Am 11. Juni 1941 holte Dr. Edgar Weil sein Touristenvisum ab und geriet am Abend in die zweite große Razzia in Amsterdam, bei der die Polizei als Vergeltungsaktion 300 jüdische Männer willkürlich auf der Straße verhaftete. Alle Bemühungen seiner Frau und seiner Geschäftspartner, ihn frei zu bekommen, schlugen fehl. Die Deutschen verschleppten ihn in das Internierungslager in den Dünen im nordholländischen Schoorl. Am 25. Juni 1941 deportierte ihn die SS in das KZ Mauthausen. Grete Weil erhielt am 31. August 1941 einen letzten Brief ihres Mannes. Die SS ermordete Dr. Edgar Weil am 17. September 1941. Er war 33 Jahre alt.

Edgar Weils Vater, Dr. Richard Weil, war im Sommer 1941 in ein Amsterdamer Krankenhaus eingeliefert worden und starb nach kurzer schwerer Krankheit. Er hatte nicht mehr erfahren, was geschehen war. Nach Edgars Weils Ermordung tauchten Grete Weil und ihre Mutter unter, sie überlebten in Holland die Zeit bis Kriegsende. Auch Edgar Weils Mutter war untergetaucht, überlebte und emigrierte nach Kriegsende in die USA zu Edgars älterem Bruder, dem Arzt Hans Joseph Weil. Er starb 1969 in Los Angeles, die Mutter ein Jahr später. Grete Weil kehrte nach Deutschland zurück und schuf ein literarisches Werk, mit dem sie gegen das Vergessen anschrieb. Sie verstarb 1999 in Grünwald bei München.

Die Schwester und der Schwager von Edgar Weils Mutter, Tilly und Franz Landauer, waren 1939 ebenfalls nach Holland geflüchtet. Beide wurden von den Nationalsozialisten ermordet; an sie wird mit einem Erinnerungszeichen in der Münchner Königinstraße 85 gedacht.

Text von Janne und Klaus Weinzierl

Quellen:

  • Stadtarchiv München, Einwohnermeldekarte.
  • Stadtarchiv München, Datenbank zum Biografischen Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945.
  • Archiv der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, A 130, Veränderungsmeldung für den 25. Juni 1941.

Foto:

  • Münchner Stadtbibliothek/Monacensia.

Internetquellen:

Literatur:

  • Anatol Rosenbaum, Die DDR feiert Geburtstag, und ich werde Kartoffelschäler. Als Arzt und „Agent“ im „Kommando X“ des MfS, Berlin 2006, S. 35 – 38.
  • Grete Weil, Leb ich denn, wenn andere leben, Zürich 1998.