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Gedonstraße 10 (füher 12)


Foto Dr. Karl-Josef Weigang  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Privatbesitz

Dr. Karl-Josef Weigang

geboren 09.04.1895
in Fischeln bei Krefeld,
inhaftiert 06.10.1937
im KZ Dachau,
ermordet 29.12.1938
im KZ Dachau



Karl-Josef Weigang wurde am 9. April 1895 in Fischeln, heute ein Stadtteil von Krefeld, als Sohn des Handlungsreisenden Josef Weigang und seiner Ehefrau Maria, als erstes von neun Kinder geboren. Er wurde katholisch getauft und erzogen. Seine Kindheit verlief glücklich, wie er in einem erhaltenen Tagebuch schreibt. Er litt jedoch schon als Sechsjähriger an einem Magenleiden, das immer wieder längere Krankheitsphasen und Schulunterbrechungen verursachte. Aufgrund seiner gesundheitlichen Verfassung wurde Weigang später als kriegsuntauglich eingestuft und blieb somit vom 1. Weltkrieg verschont. Stattdessen leistete er "vaterländischen Hilfsdienst" in der Provinzial-Heil- und Nervenanstalt Bedburg.

Nach dem Ersten Weltkrieg erwarb er am 20. März 1922 als Gastschüler des Krefelder Gymnasiums das Abitur. Zum Sommersemester des gleichen Jahres nahm er das Studium der Katholischen Theologie auf. Er studierte in Innsbruck und Bonn, bevor 1925 dann der Wechsel nach München erfolgte. Dort studierte er ab dem 1. Mai 1925 an der Ludwig-Maximilians-Universität bis zum Wintersemester 1927/28, nun im Hauptfach Pädagogik, Philosophie und Theologie als Nebenfächer. Die Kosten des Studiums finanzierte er mit vielfältigen Aufgaben und Tätigkeiten. Am 19. Dezember 1929 stellte sich Karl-Josef Weigang dann dem „Examen rigorosum“, der mündlichen Schlussprüfung zur Erlangung des Doktorgrades und bestand mit „cum laude“. Damit hatte er nun den Doktortitel der Philosophischen Fakultät erworben.

Karl-Josef Weigang blieb in München und wohnte an verschiedenen Adressen. Ab dem 31. Oktober 1935 lebte er dann in der Gedonstraße 12 (heute 10). Die Adresse dort war sein letzter freiwillig gewählter Aufenthaltsort.

Am 6. Januar 1937 wurde er verhaftet. Das Landgericht München I verhandelte am 21. April 1937 über die Anklage. Das Gericht warf  Karl-Josef Weigang ein Vergehen nach dem § 175 RStGB, Homosexualität und Unzucht mit Männern, sowie Urkundenfälschung, vor. Ob er homosexuell war oder nicht, wissen wir nicht. Er wurde vom Gericht für schuldig befunden und zu einer Gefängnisstrafe von zwei Monaten sowie zu einer Geldstrafe von 50 RM verurteilt. Die vom Gericht verhängten Strafen waren bereits mit der Untersuchungshaft verbüßt. Karl-Josef Weigang befand sich seit dem 24. September 1937 in Schutzhaft.

Am 6. Oktober 1937 verschleppte ihn die Gestapo in das Konzentrationslager Dachau. Er war dort mit der Häftlingsnummer 12805 im Block 5, Stube 2 bzw. Block 15, Stube 1 als „Homosexueller“ untergebracht. Auf der Schreibstubenkarte sind mehrere Lagerstrafen wie Gefängnisbunker oder "Kommandantur-Arrest“ vermerkt. Während der Haft wurde an der Universität ein Verfahren zur Aberkennung seines Doktortitels betrieben. Dazu kam es aber nicht mehr, da Karl-Josef Weigang am 29. Dezember 1938 im KZ Dachau ermordet wurde. Das zuständige Standesamt gab auf dem Totenschein als Todesursache Herz-/Kreislaufversagen an. Dr. Karl-Josef Weigang durfte nur 43 Jahre alt werden.

Text von Stefan Dickas

Quellen:

  • Archiv der KZ-Gedenkstätte Dachau, Datenbankauszug zu Dr. Karl-Josef Weigang.
  • Arolsen Archives, 1.1.6.1, 9931157, 9892267, 9931151; 1.1.6.2, 10360148, 10360149, 10360150, 10360151; 1.1.6.7, 107779;
  • Archiv der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 1925-04-21-Exmatrikulation Karl Weigang.
  • Familienbesitz, Dokumente und Bilder.
  • Historischen Archiv des Erzbistums Köln, Signatur CR I 8B8.5#.
  • Provinzialarchiv Deutschland der Steyler Missionare, Aufnahmebuch des Internates (Email vom 30.7.2019).
  • Stadtarchiv München, EWK 65, Einwohnermeldekarte.
  • Stadtarchiv München, Hausbogen.
  • Universitätsarchiv Innsbruck, Nationale (Inskriptionsblatt) Theologische Fakultät.
  • Stadtarchiv Krefeld, Geburtsurkunde, Personenstandskarte, Akte Anerkennungsverfahren.
  • Universitätsarchiv der LMU München, Sen.-II-285, Studentenkartei I, O-Nprom. 1929/1930.

Literatur:

  • Stefanie Harrecker, Degradierte Doktoren. Die Aberkennung der Doktorwürde an der Ludwig-Maximilians-Universität München während der Zeit des Nationalsozialismus, Ort, 2007.
  • Karl Josef Weigang, Die Formen und psychologischen Grundlagen der Werbung, Inaugural- Dissertation, o. O, o. J..