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Tengstraße 26


Foto Julius Bär  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München

Dr. Julius Bär

geboren 21.04.1896
in Windsbach,
deportiert 04.04.1942
nach Piaski,
Schicksal unbekannt




Julius Bär wurde am 21. April 1896 in Windsbach bei Ansbach geboren. Sein Eltern Joseph Bär und Julia Bär geborene Weinschenk waren dort als Kaufleute tätig. Julius Bär kämpfte von 1915 bis 1918 im Ersten Weltkrieg und erhielt das Eiserne Kreuz II. Klasse.

Er studierte Jura an der Universität Erlangen, legte im Jahr 1923 die Staatsprüfung ab und promovierte. Im selben Jahr wurde er als Rechtsanwalt beim Oberlandesgericht München und den Landgerichten München I und II zugelassen. Seit Ende 1919 lebte er in München. Möglicherweise hatte er seine spätere Ehefrau, Fanny Haas, die am 14. April 1902 in München als Tochter des Kaufmanns Ludwig Haas uns seiner Ehefrau Luise geborene Bauer das Licht der Welt erblickt hatte, in der Schubertstraße 2 kennengelernt, dem Wohnsitz der Familie Haas. Er lebte dort im August 1922 zur Untermiete. Am 6. Dezember 1923 heiratete er in München Fanny Haas, die Ehe blieb kinderlos. Das junge Paar lebte ab 1924 im Lehel, in der Liebigstraße 39.

Dr. Julius Bär war neben seiner Anwaltstätigkeit gemeinsam mit Simon Bauer Geschäftsführer der Firma „Partnach Chemische Gesellschaft Bauer & Co.“, die Kosmetika und Zahnpasten herstellte.

Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten 1933 änderte sich auch das Leben des Ehepaars Bär grundlegend. Seit 1933 unterhielt Julius Bär mit Wilhelm Levinger eine Anwaltssozietät am Frauenplatz 2. Nach der Emigration seines Kollegen 1937 führte er seine Kanzlei ab1938 in der Neuhauserstraße 29. Am 2. Dezember 1938 entzogen ihm die Nationalsozialisten die Zulassung als Rechtsanwalt, er durfte er nur als "Konsulent" arbeiten. Zunächst verlegte er seine Kanzlei in die Weinstraße 11, später in der Tengstraße 26, wo er seit 1936 auch lebte. Dr. Bär war führendes Mitglied des Vereins Adas Jeshurun e.V. und ab März 1938 Vorsitzender der „Staatszionistischen Organisation München“. Als solcher hielt er am 24. April 1938 im Sitzungssaal des Gemeindehauses einen Vortrag über "Erez Israel, die Zukunft des jüdischen Volkes".

Im April 1938 nahm das Ehepaar Julius Bärs Cousine Fanny Holzinger in der Wohnung auf, 1940 dann auch die Eltern von Fanny Bär. Während der Pogromnacht vom 9./10. November 1938 verschleppten die Nationalsozialisten Dr. Julius Bär in das Konzentrationslager Dachau; erst am 10. Dezember 1938 wurde er entlassen.

Die Gestapo deportierte Dr. Julius Bär und seine Ehefrau Fanny am 4. April 1942 in das Ghetto Piaski, in dem katastrophale Zustände herrschten – das Leben im Ghetto war von Gewalt, extremer Hungersnot und unbeschreiblichen hygienischen Verhältnissen bestimmt. Ob er dort umkam, in einem der zahlreichen Arbeitslager in der Umgebung oder in einem der Vernichtungslager der „Aktion Reinhardt“ermordet wurde, wissen wir nicht. Es sind keine Überlebenden aus dem Transport vom 4. April 1942 nach Piaski bekannt.

Seine Schwägerin Ida Bär und sein Bruder Moshe Bär aus Tel Aviv in Israel erstellten 1956 und 1992 jeweils eine "Page of Testimony" in Yad Vashem für Dr. Julius Bär.

Text von Barbara Hutzelmann

Quellen:

  • Stadtarchiv München, Einwohnermeldekarte.
  • Stadtarchiv München, Polizeimeldebogen.
  • Stadtarchiv München, KKD-246.
  • Stadtarchiv München, KOM-JV-0069.
  • Stadtarchiv München, LEIH WG-017.
  • Stadtarchiv München, Datenbank zum Biografischen Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945.
  • IfZ-Archiv Fa 209, Deportationsliste Piaski vom 03.04.1942.

Internetquellen:

Literatur:

  • Gertrud Luckner, Else Rosendeld, Lebenszeichen aus Piaski. Briefe Deportierter aus dem Distrikt Lublin 1943, München 1968.