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Tengstraße 25


Foto Emanuel Gutmann  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München

Emanuel Gutmann

Geboren 29.12.1873
in Gemmingen,
deportiert 24.06.1942
in das Ghetto Theresienstadt,
ermordet 24.10.1943
im Ghetto Theresienstadt



Emanuel Gutmann kam am 29. Dezember 1873 in Gemmingen nahe Heilbronn als Sohn des Handelsmanns Adolf Ascher Morris Gutmann und Babette Gutmann, geborene Sontheimer zu Welt. Er hatte noch neun Geschwister - Moritz Moses, Flora, Joseph, Meyer, Rachel, Abraham, Louis, Emil und Aaron Gutmann. Auf dem jüdischen Friedhof von Eppingen sind seine Eltern bestattet. Im Wohnort der Gutmanns, Gemmingen, lebten viele der jüdischen Familien vom Viehhandel. Emanuel Gutmann hat den Ort jedoch als Zwanzigjähriger verlassen und ab dem 1. Januar 1893 die Stadt München als seine neue Heimat gewählt.
Emanuel Gutmann heiratete am 19. November 1901 in Heilbronn die fünf Jahre jüngere Kauffrau Sophie Marx. Das Ehepaar lebte nun gemeinsam in München; ihnen wurde am 21. Juni 1902 ein Kind geboren, dass bereits am nächsten Tag verstarb. Wir wissen nicht, ob Emanuel und Sophie Gutmann gemäß den jüdischen religiösen Traditionen erzogen worden waren oder ob diese in ihrem Leben eine Rolle spielten. Auch sonst ist aus ihrem Privatleben kaum etwas bekannt.

Emanuel Gutmann erwarb 1910 in München das Haus Lindwurmstraße 205. Mit der Gründung eines Lederwaren-Kaufhauses, dass sie beide bis 1934 betrieben, erfüllte er sich vielleicht einen wirtschaftlichen Traum. Später gründeten Sophie und Emanuel Gutmann in der Schwabinger Feilitzschstraße 15 eine Filiale ihres Unternehmens.

In der Lindwurmstraße 205 lebte das Ehepaar auch bis 1927, ehe es in die Südliche Auffahrtsallee 11 nahe des Nymphenburger Schlosses zog. Seit 1931 wohnten sie in einer Wohnung im zweiten Stock der Tengstraße 25. Seit 1936 wohnten Sophie und Emanuel Gutmann in der Elisabethstraße 30, nur wenige Meter von der Tengstraße 25 entfernt.

Nach der „Machtübernahme“ der Nationalsozialisten 1933 änderte sich das Leben des Ehepaares - wie das der gesamten jüdischen Bevölkerung in Deutschland – grundlegend. Im Zuge der „Kristallnacht“ am 9./10. November 1938 verschleppte die Gestapo den 65-jährigen Emanuel Gutmann in das Konzentrationslager Dachau. Er musste zuvor zwangsweise eine Verzichtserklärung auf sein Haus in der Lindwurmstraße 205 und das Kaufhaus unterschreiben. Das Eckhaus übernahm die Carl Sattler Hausbesitz-Verwertung-Verwaltung, die es weiterverkaufte. Im Erdgeschoss befand sich nun das Unternehmen „Textilwaren Albert Helfferich“. Schwerkrank entließ ihn die SS erst am 1. Dezember 1938 aus der Haft. Das Ehepaar hatte wie alle Jüdinnen und Juden seine Wertsachen aus Edelmetallen, Edelsteine oder Perlen beim Städtischen Leihamt abzugeben. Davon kaufte die Stadt München eine Silberschale an, für die sie 1953 an einen Erben 14 DM Entschädigung zahlte. Außerdem wurden Emanuel und Sophie gezwungen, am 13. November 1941 eine "freiwillige" Spende in Höhe von 500 RM zur Finanzierung des euphemistisch „Judensiedlung Milbertshofen“ genannten Barackenlagers zu leisten.

Sophie Gutmann und ihr Ehemann mussten schließlich im September 1941 in das Altersheim der Israelitischen Kultusgemeinde in der Kaulbachstraße 65 ziehen. Ein halbes Jahr später, am 16. März 1942, transportierte die Gestapo sie in die „Judensiedlung Milbertshofen“ in der Knorrstraße 148, wo sie in überfüllten Baracken ohne jede Privatsphäre untergebracht wurden.

Gemeinsam mit seiner Ehefrau pferchte man Emanuel am 24. Juni 1942 in den Transport II/8 in das Ghetto Theresienstadt. Von den insgesamt 50 Personen dieses Transportes überlebten nur zwei. Die Lebensbedingungen insbesondere für ältere Menschen waren katastrophal, viele mussten auf Dachböden unter grauenvollen hygienischen Verhältnissen vegetieren. Emanuel Gutmann starb dort am 24. Oktober 1943. Seine Ehefrau Sophie überlebte noch fast ein Jahr, ehe auch sie am 11. Oktober 1944 in Theresienstadt starb.

Emanuel Gutmanns Bruder Moses Moritz wurde im Mai 1944 mit einem Transport von Trier-Köln in das Ghetto Theresienstadt und am 16. Mai 1944 in das „Familienlager“ im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau eingeliefert, wo ihn die SS ermordete. Sein Bruder Aaron verschleppt die Gestapo am 22. November 1941 von Frankfurt am Main nach Kaunas; alle jüdischen Menschen erschoss die SS dort drei Tage später. Die Geschwister Flora Karlsruher, Meyer, Emil, Louis und Abraham Gutmann lebten nach Kriegsende in Israel und den USA.

Für das Ehepaar Gutmann wurden im April 2013 Stolpersteine in der Lindwurmstraße 205 auf privatem Grund verlegt.
 

Text von Elisabeth Rosa M. Noske

Quellen:

  • Stadtarchiv München, Leihamt/Rückerstattungsakte Ia 2073.
  • Stadtarchiv München, EWK 38.
  • Stadtarchiv München, Hausbögen Tengstraße 25, Elisabethstraße 30.
  • Stadtarchiv München, Bürgermeister und Rat 3568, lfd. Nr. 39.
  • Stadtarchiv München, Datenbank zum Biografischen Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945.
  • Staatsarchiv München, NSDAP 37.
  • Staatsarchiv München, OFD 4258.

Internetquellen:

Literatur:

  • Wolfram Angerbauer, Hans Georg Frank, Jüdische Gemeinden in Kreis und Stadt Heilbronn. Geschichte, Schicksale, Dokumente. Landkreis Heilbronn, Heilbronn 1986 (Schriftenreihe des Landkreises Heilbronn. Band 1), S. 73–80.

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