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Tulbeckstraße 17


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Ernst Richard Zöbisch

geboren 03.06.1881
in Rebesgrün,
verhaftet 31.08.1942,
inhaftiert im KZ Dachau,
ermordet 13.03.1944
im KZ Majdanek


Ernst Richard Zöbisch kam am 3. Juni 1881 im sächsischen Rebesgrün im Landkreis Plauen zur Welt. Am 9. Juni 1881 heirateten seine Eltern im Auerbacher Standesamt. Der Vater Emil Zöbisch war gelernter Maurer, die Mutter Anna Auguste, geborene Pinkes, Stepperin. Beide gehörten der evangelisch-lutherischen Religion an.

Am 6. Oktober 1906 ehelichte Ernst Richard Zöbisch die 23 Jahre ältere Witwe Regina Eder, geborene Lipp. Sie wurde am 7. Oktober 1858 in Petershausen im Landkreis Dachau geboren. Das Ehepaar lebte ab Juni 1917 in München in der Tulbeckstraße 17. Regina Zöbisch verstarb am 28. September 1930. Ernst Zöbisch vermählte sich am 14. März 1931 ein zweites Mal und nahm das Dienstmädchen Maria Merkl zur Frau. Sie war am 4. September 1896 im bayerischen Essenbach bei Landshut zur Welt gekommen und lebte zum Zeitpunkt der Eheschließung in der Münchner Kazmairstraße 28. Über sein Leben ist aus dieser Zeit nichts bekannt.

Die Nationalsozialisten nahmen Ernst Zöbisch am 31. August 1942 wegen „fortgesetzter Gaukelei” fest und inhaftierten ihn im Polizeigefängnis Ettstraße. Möglicherweise wurde er dort gefoltert, denn wenige Tage nach seiner Festnahme musste er in die Krankenabteilung des Gefängnisses München-Stadelheim eingeliefert werden. Mitte November folgte die Überstellung an die Stapo-Leitstelle in der Brienner Straße in München.

Am 21. November 1942 wies ihn die Gestapo in das Konzentrationslager Dachau ein. Dort erhielt Ernst Zöbisch die Häftlingsnummer 40 327. Als Schutzhäftling durfte er Geldbeträge geschickt bekommen, wofür er völlig überteuerte und minderwertige Waren im Konzentrationslager kaufen konnte.

Die SS deportierte am 3. Januar 1944 1.000 schwerkranke, arbeitsunfähige Häftlinge - im SS Jargon als „Invaliden“ bezeichnet – von Dachau in das Konzentrations- und Vernichtungslager Lublin-Majdanek, auch den erkrankten Ernst Zöbisch. Das wenige angesammelte Geld, zehn Reichsmark, wurde ihm mitgegeben. Während der dreitägigen Fahrt im eiskalten Winter 1944 starben bereits 29 Männer. Die erste Nacht mussten die Männer auf dem Betonboden des unbeheizten Lager-Duschraums verbringen, was 27 von ihnen nicht überlebten.

In Majdanek konfiszierte die SS Ernst Zöbischs Geld. Die Lebensbedingungen in diesem Lager waren katastrophal und bedeutend schlechter als in den Konzentrationslagern auf Reichsgebiet. Bis April 1944 kamen mindestens 469 Häftlinge des Transports aus Dachau ums Leben. Die SS ermordete Ernst Zöbisch am 13. März 1944 im Konzentrations- und Vernichtungslager Majdanek. Die Todesumstände sind nicht bekannt. Die offizielle, wahrscheinlich aus der Luft gegriffene Todesursache lautete „Kreislaufstörungen infolge von Blutgefäßverletzung“.

Die Verwaltung des Konzentrationslagers schickte seiner Frau Maria Zöbisch ein Schreiben, das sie über den Tod ihres Mannes informierte: “Ihr Ehemann meldete sich am 7.1.1944 krank und wurde daraufhin unter Aufnahme im Krankenbau in ärztliche Behandlung genommen. […] Trotz aller angewendeten ärztlichen Bemühungen gelang es nicht, der Krankheit Herr zu werden.”

Nur wenig ist uns über die tragische Lebensgeschichte von Ernst Richard Zöbisch bekannt. Mit diesen Worten soll er uns in Erinnerung bleiben.

Text von Lena Lang

Quellen:

  • Archiv der KZ-Gedenkstätte Dachau, Datenbank.
  • Stadtarchiv München, EWK 65, Einwohnermeldekarte Ernst Richard Zöbisch.
  • Stadtarchiv München, Standesamt, Geburtsurkunde Ernst Richard Zöbisch.
  • Stadtarchiv München, Standesamt, Heiratsurkunde Ernst Richard Zöbisch und Maria Merkl.
  • Pánstwowe Muzeum na Majdanku, Archiv (APMM), Schreiben vom 13.03.2020.
  • APMM, XIX-89, page 28.
  • APMM, XIX-38, page 28.

Internetquellen:

Literatur:

  • KulturLaden Westend (Hrsg), Widerstand und Verfolgung im Münchner Westend 1933–1945. Ein Stadtteilführer, München 1997.