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Corneliusstraße 2


Porträt Fanny Marx  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Stadtarchiv München, Judaica, Kennkartendoppel 2655

Franziska (Fanny) Marx

geb. Walter
geboren 30.12.1896
in Kleinsteinach,
deportiert 20.11.1941
nach Kaunas,
ermordet 25.11.1941
in Kaunas


Fanny Walter wurde am 30.Dezember 1896 in Kleinsteinach (Kreis Haßberge, Unterfranken) als erstes von zwei Kindern des Viehhändlers Meier Walter und seiner Frau Regina Walter (geb. Kohl) geboren. Am 7. März 1922 heiratete sie in München den Kaufmann Julius Marx, der in der Corneliusstraße 2 einen Groß- und Kleinhandel in Schuhwaren betrieb. Die gemeinsame Tochter Lisl Karola, geboren am 20. Dezember 1923, starb am 27. April 1938; die Todesursache ist unbekannt. Sie ist auf dem Neuen Israelitischen Friedhof begraben.

Wenige Monate später wohnte ein Geschäftsfreund bei Fanny und Julius Marx: Franz Fried kam nach seiner Entlassung aus dem KZ-Dachau, wohin er im Anschluss an die sogenannte Reichskristallnacht verschleppt worden war, für einige Zeit in der Corneliusstraße 2 unter. Seine Enkelin Amelie Fried veröffentlichte diese Episode 70 Jahre später in ihrer Dokumentation „Schuhhaus Pallas“.

Fanny Marx wurde gemeinsam mit ihrem Mann am 20. November 1941 mit etwa 1000 anderen jüdischen Männern, Frauen und Kindern aus München vom Güterbahnhof Milbertshofen nach Kaunas in Litauen deportiert. Es war die erste Massendeportation Münchner Juden; ursprünglich war Riga als Ziel vorgesehen, der Zug wurde umgeleitet, da das Ghetto in Riga überfüllt war. Fünf Tage nach ihrer Ankunft wurden die aus München deportierten Juden im Fort IX durch das Einsatzkommando 3 unter SS-Standartenführer Karl Jäger erschossen.

Fannys Vater Meier Walter hatte eine bedeutende Position in der Jüdischen Gemeinde Kleinsteinach inne; am 28. Februar 1937 erschien anlässlich seines 70. Geburtstags eine Laudatio in der Zeitung. Zwei Jahre später, im September 1939, zog er mit seiner Frau Regina nach München, die beiden wohnten zunächst bei Tochter und Schwiegersohn in der Corneliusstraße 2, ab 8. Januar 1940 in der Maximilianstraße 9, ehe sie am 12. November 1941 ins Altersheim der Israelitischen Kultusgemeinde in der Klenzestraße 4 umziehen mussten. Wenige Monate später starben beide kurz hintereinander, Regina Walter am 15. April 1942, ihr Ehemann Meier Walter zehn Tage später am 25. April 1942. Beide sind auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in München begraben.

Fannys jüngerer Bruder Benno Walter (geb. 2. Januar 1899 in Kleinsteinach) ging mit 13 Jahren nach Berlin, wo er später eine große Textilfabrik aufbaute und Siddy, geb. Distelburger, heiratete; 1940 wurde die Tochter Carol in Berlin geboren. Im Juli 1942 gelang der Familie die Flucht nach New York, wo im selben Jahr die Tochter Ruth zur Welt kam.

Carol heiratete Martin Seidman. Die beiden leben heute in Florida und haben zahlreiche Kinder und Enkelkinder.

Dr. Thomas Nowotny

Quellen:

  • Stadtarchiv München (Hg.), Biographisches Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945, Band 2, St. Ottilien 2007.
  • Yad Vashem, Database.
  • Persönliche Mitteilung von Carol Seidman, Boca Raton, Florida (USA).

Literatur:

  • Amelie Fried, Schuhhaus Pallas - Wie meine Familie sich gegen die Nazis wehrte, München 2008.
Dr. Thomas Nowotny bringt das Erinnerungszeichen für seine Angehörige an Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Dr. Thomas Nowotny bringt das Erinnerungszeichen für seine Angehörige an

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Dr. Jan Mühlstein von der liberalen jüdischen Gemeinde München Beth Shalom spricht das Kaddish Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Dr. Jan Mühlstein (liberale jüdische Gemeinde Beth Shalom) spricht das Kaddish

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Erinnerungszeichen für Fanny und Julius Marx in der Corneliusstraße 2 Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Erinnerungszeichen für Fanny und Julius Marx in der Corneliusstraße 2

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Dr. Thomas Nowotny in stillem Gedenken vor dem Erinnerungszeichen  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Dr. Thomas Nowotny in stillem Gedenken vor dem Erinnerungszeichen

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Grußwort von Rose Jordan auf der Gedenkveranstaltung am 20. November 2018 im Jüdischen Museum Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Grußwort von Rose Jordan auf der Gedenkveranstaltung im Jüdischen Museum

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Dr. Thomas Nowotny berichtet über das Leben seiner Angehörigen Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Dr. Thomas Nowotny berichtet über das Leben seiner Angehörigen

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

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