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Tengstraße 26


Foto Fanny Bär  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München

Fanny Bär

geb. Haas,
geboren 14.04.1902
in München,
deportiert 04.04.1942
nach Piaski,
Schicksal unbekannt



Fanny Haas war eine waschechte Münchnerin. Ihre Eltern, der Kaufmann Ludwig und Louise Haas geborene Bauer, kamen 1899 von Thalmässing in die bayerische Landeshauptstadt. Am 14. April 1902 erblickte hier ihre Tochter Fanny das Licht der Welt, zwei Jahre später, am 11. Dezember 1904, wurde Sohn Michael geboren. Ludwig Haas betrieb die Firma „Michael Haas, Handel mit chemisch-technischen Produkten“, in der Schubertstraße 2.

Über das Leben der jungen Fanny Haas ist nur wenig bekannt. Sie besuchte die Töchterschule in München. Ihr Vater gehörte dem Vorstand der Religionsgesellschaft "Adass Jeschurun" an, so dass seine beiden Kinder Fanny und Michael wohl eine orthodoxe jüdische Erziehung erhielten. Sie und ihr Bruder verbrachten ab 1916 ihre Kindheit und Jugend in der Schubertstraße 2. Vielleicht lernte sie ihren späteren Ehemann, den am 21. April 1896 in Windsbach geborenen Rechtsanwalt Dr. Julius Bär, der seit August 1922 dort zur Untermiete wohnte, hier kennen. Fanny Haas und Julius Bär heirateten am 6. Dezember 1923 in München und blieben kinderlos. Sie lebten ab 1924 im Lehel, in der Liebigstraße 39.

Das Leben des gut situierten Ehepaars erfuhr mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten 1933 massive Veränderungen. Julius Bär, der seit 1933 zunächst noch mit seinem Kollegen Wilhelm Levinger eine Anwaltssozietät am Frauenplatz 2 inne hatte, führte nach dessen Emigration 1937 diese in der Neuhauserstraße 29, später in der Tengstraße 26 allein weiter. Dort wohnte das Ehepaar auch seit 1936. Als die Nationalsozialisten Dr. Bär am 1. Dezember 1938 die Anwaltszulassung entzogen, durfte er nur noch als „Konsulent“ tätig sein. Am 10. November 1938 verschleppten ihn die Nationalsozialisten im Zuge der Pogromnacht in das Konzentrationslager Dachau, aus dem erst einen Monat später entlassen wurde.

Fanny Bär beantragte am 1. April 1940 beim Arbeitsamt München ein Arbeitsbuch; wo sie arbeiten musste, ist nicht bekannt. Seit 1940 lebten auch ihre Eltern bei ihr und ihrem Mann in der Tengstraße 26.

Die Gestapo deportierte Fanny Bär und Dr. Julius Bär am 4. April 1942 in das Ghetto Piaski, in dem katastrophale Zustände herrschten – das Leben war von Gewaltexzessen der SS, extremer Hungersnot und unbeschreiblichen hygienischen Verhältnissen bestimmt. Ob sie dort umkamen, in einem der zahlreichen Arbeitslager in der Umgebung oder in einem der Vernichtungslager der „Aktion Reinhardt“ermordet wurden, wissen wir nicht. Es sind keine Überlebenden aus dem Transport vom 4. April 1942 nach Piaski bekannt.

Im März 1989 ließ ihr Cousin Arie Holziger, im März 1992 ihr Neffe Moshe Baer eine "Page of Testimony" in Yad Vashem für Fanny Bär erstellen. Ihr Bruder Michael Haas emigrierte nach New York wo er am 17. Februar 1989 verstarb.

Ihre Eltern Ludwig und Louise Haas deportierten die Nationalsozialisten am 24. Juni 1942 von München in das Ghetto Theresienstadt. Ludwig Haas starb am 4. Oktober 1942 aufgrund der furchtbaren Lebensbedingungen, denen die SS insbesondere die älteren Menschen aussetzte. Die SS verschleppte Louise Haas am 18. Mai 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz, das Todesdatum von Louise Haas ist nicht bekannt. Ihren Onkel Bernhard Haas ermordete die SS am 28. November 1938 im Konzentrationslager Dachau; an ihn erinnert ihn der Varnhagenstraße 7a in München ein Erinnerungszeichen.

Text von Barbara Hutzelmann

Quellen:

  • Stadtarchiv München, Polizeimeldebogen.
  • Stadtarchiv München, Kennkartendoppel.
  • Stadtarchiv München, Einwohnermeldekarte.
  • Stadtarchiv München, Datenbank zum Biografischen Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945.
  • IfZ-Archiv Fa 209, Deportationsliste Piaski vom 03.04.1942.

Internetquellen:

Literatur:

  • Gertrud Luckner, Else Rosendeld, Lebenszeichen aus Piaski. Briefe Deportierter aus dem Distrikt Lublin 1943, München 1968.
  • Danuta Czech, Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939-1945, Reinbek bei Hamburg 1989, S. 778, 820.