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Tengstraße 26


Foto Fanny Holzinger  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München

Fanny Holzinger

geboren 09.11.1913
in Windsbach,
deportiert 16.07.1942
in das Ghetto Theresienstadt,
Schicksal unbekannt




Fanny Holzinger wurde am 9. November 1913 in Windsbach geboren. Ihr Vater Isidor Holzinger war Kaufmann und heiratete 1905 in Ansbach die 25-jährige Jakobine Weinschenk. Am 22. Februar 1908 kam Sohn Lothar Arie zur Welt, Fanny Holzingers älterer Bruder. Die Familie lebte in Windsbach, über diese ist weniger bekannt. Fanny Holzinger besuchte das Humanistische Gymnasium. Isidor Holzinger nahm von 1915 bis 1918 am Ersten Weltkrieg teil und war erster Vorstand der Kultusgemeinde in Windsbach bei Ansbach.

Fanny Holzinger kam 1934 nach München und absolvierte im Antonienheim, dem Kinderheim der Israelitischen Kultusgemeinde, eine Haushaltsausbildung. Anschließend ging sie nach Berlin, um dort ein Examen als Säuglingsschwester abzulegen. Anfang Januar 1936 besuchte sie ihren Bruder Lothar Arie in Palästina, wohin er schon frühzeitig ausgewandert war, kehrte aber nach über einem Jahr wieder nach Deutschland zurück. Sie verbrachte dann ein Jahr in Berlin und ging ab 1938 nach München. Sie fand bei ihren Verwandten Julius und Fanny Bär in der Tengstraße 26 Unterschlupf. Von München aus bemühte sie sich im Sommer 1938 vergeblich um eine Emigration in die USA.

Fanny Holzinger litt nicht nur unter der zunehmenden antisemitischen Verfolgung und Entrechtung durch die Nationalsozialisten; ihr Schicksal nahm eine dramatische Wendung: Im Herbst 1938 erkrankte sie an spinaler Kinderlähmung und wurde am 7.Oktober 1938 in das Schwabinger Krankenhaus eingeliefert. Ihre Eltern in Windsbach mussten wenig später in der Pogromnacht vom 9. zum 10. November erleben, wie ein Mob ihre Wohnung – und die Wohnungen aller Windsbacher Juden – verwüstete. Die Nationalsozialisten inhaftierten dann alle Juden des Ortes in der Turnhalle. Isidor und Jakobine Holzinger zogen nach München, wo sie gezwungen wurden, mehrfach den Wohnsitz zu wechseln und in einer „Judenwohnung“ in der Herzogstraße 65 leben mussten. Sicher wollten sie ihr schwer erkrankten Tochter nahe und für sie da sein.

Erst Ende Mai 1940 konnte Fanny Holzinger aus dem Krankenhaus entlassen werden, gehunfähig und mit teilweisen Lähmungen an beiden Armen. Sie wohnte nun bei ihren Eltern in der Herzogstraße 65. Ihren betagten Vater hatte die so genannte „Arisierungsstelle“ in München zur Zwangsarbeit in der Flachsröste Lohhof herangezogen. Wahrscheinlich kümmerte Jakobine Holzinger sich um ihre pflegebedürftige Tochter Fanny. Im April 1942 internierte die Gestapo die Familie in dem schönfärberisch „Heimanlage für Juden“ genannten Lager in der Clemens-August-Straße 9.

Am 16. Juli 1942 deportierte die Gestapo Isidor und Jakobine Holzinger in das Ghetto Theresienstadt. Auf der Transportliste ist unter der Nummer 752 auch der Name Fanny Holzinger zu lesen. Allerdings ist sie nicht im Ghetto Theresienstadt angekommen. Es ist davon auszugehen, dass die schwerkranke, gelähmte junge Frau während des Transports verstorben ist. Ihr Todesdatum und Todesort sind nicht bekannt.

Isidor und Jakobine Holzinger verschleppte die SS am 19.09.1942 von Theresienstadt in das Vernichtungslager Treblinka, wo sie direkt nach der Ankunft des Zuges ermordet wurden.

Text von Franz Noweck

Quellen:

  • Stadtarchiv München, EWK 65, Einwohnermeldekarte Fanny Holzinger.
  • Stadtarchiv München, EWK 38, Einwohnermeldekarte Isidor Holzinger.
  • Stadtarchiv München, KKD-1775.
  • Stadtarchiv München, Hausbogen Antonienstr. 7.
  • Stadtarchiv München, Datenbank zum Biografischen Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945.
  • Staatsarchiv München, Pol. Dir. 14132.
  • Staatsarchiv München, OFD 4258.

Internetquellen:

Literatur:

  • Maximilian Strnad, Flachs für das Reich. Das jüdische Zwangsarbeiterlager „Flachsröste Lohhof“ bei München, München 2013.