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Königinstraße 85


Porträt Franz Landauer  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Franz Landauer (Foto: privat, Uri Siegel)

Franz Landauer

geboren 26.07.1882
in München,
inhaftiert 10.12.1942
im Kamp Westerbork,
ermordet 10.07.1943
im Kamp Westerbork



Der Name Landauer ist in München sehr bekannt und wird vielfach mit dem legendären Präsidenten des FC Bayern München, Kurt Landauer, in Verbindung gebracht. Und in der Tat handelt es bei bei Franz Landauer um dessen Bruder, der mit ihm seine Fußballleidenschaft teilte und seit 1914 Mitglied des FC Bayern war.

Franz Landauer wurde am 26. Juli 1882 in München geboren. Seine Eltern Otto Landauer und Hulda Landauer, geb. Bernheim besaßen in der Kaufingerstraße ein großes Modegeschäft. Sie waren geachtete Münchner Geschäftsleute. Franz wuchs mit zwei Schwestern und vier Brüdern auf. Auch Franz Landauer arbeitet zunächst als Kaufmann.

Franz und Tilly heirateten am 23. September 1908 in München und lebten seit Oktober des gleichen Jahres in der Königinstraße 85, wo sie im ersten Stock eine Wohnung bezogen. Die Ehe des Paares blieb kinderlos.

Der Erste Weltkrieg bedeutete für die Brüder Landauer eine große Zäsur – bis auf den jüngsten Bruder Alfons, der das Geschäft der Familie weiter führte, meldeten sich alle als Einjährig-Freiwillige zum Kriegseinsatz. Franz Landauer kämpfte an der Westfront. Er wurde 1917 in den Offiziersrang erhoben und erhielt das Eiserne Kreuz sowie weitere hohe Kriegsauszeichnungen. Im Jahr 1925 nahm Franz Landauer an der Einweihung des Kriegerdenkmals im Gedenken an die jüdischen Weltkriegsteilnehmer auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in München in Anwesenheit von Prinz Leopold und Prinzessin Gisela von Bayern teil.

Nach dem Tode ihres Vaters Otto Landauer 1913 hatten seine Söhne die Leitung des Modehauses übernommen. Aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten wurde die Firma 1928 geschlossen und 1929 vom Registergericht gelöscht. Seit etwa 1930 war Franz Landauer als Vertreter für die Phönix-Lebensversicherung mit Sitz in Wien tätig.

Nach der Errichtung der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland waren auch Franz und Tilly Landauer als Juden den immer engmaschig werdenden Verfolgungsmaßnahmen ausgesetzt, auch ihr familiäres Umfeld begann sich zu verändern. Franz Schwester Henny, ihr Ehemann Dr. Julius Siegel und Sohn Uri emigrierten 1934 nach Palästina, sein Bruder Kurt konnte sich im Mai 1939 in die Schweiz retten. Nach fast 30 Jahren, die sie in der Königinstraße 85 verbracht hatten, musste das Ehepaar Landauer im Juli 1938 ihr Heim verlassen und in eine Wohnung im dritten Stock der Hohenstaufenstraße 7 ziehen. Am 8. September 1938 wurde Franz Landauer gezwungen, sein Gewerbe als Versicherungsvertreter abzumelden. Nach der Pogromnacht am 9. November 1938 verschleppten die Nationalsozialisten den 56-jährigen Franz Landauer am 12. November 1938 in das KZ Dachau, aus dem er erst am 19. Dezember 1938 entlassen wurde. Für die willkürlich erhobene „Judenvermögensabgabe“, die die Nationalsozialisten allen Juden nach der Pogromnacht als so genannte Sühneleistung auferlegt hatten, musste das Ehepaar 25.000 RM an den deutschen Fiskus zahlen. Außerdem raubte ihnen das Deutsche Reich auf Grundlage der „Verordnung über den Einsatz jüdischen Vermögens“ vom 3. Dezember 1938 ihre Edelmetallgegenstände sowie sämtlichen Schmuck und zwang sie, alles am 24. März 1939 bei der Ankaufstelle des städtischen Leihamts abzugeben. Darunter befand sich auch ein silbernes Salzgefäß aus dem Jahr 1832, das das Bayerische Nationalmuseum ankaufte und erst nach langwierigen Verhandlungen dem Erben Kurt Landauer 1955 zurückerstattete.

Am 24. August 1939 gelang dem Ehepaar Landauer die Ausreise in die Niederlande, wohin Tillys Mutter Clothilde Hochstädter bereits im Juni 1939 entkommen war. Tilly und Franz Landauer waren zuvor gezwungen worden, 29.900 RM an „Reichsfluchtsteuer“ und „Auswandererabgabe“ zu entrichten, um ihre Heimat verlassen zu können. Sie lebten im noch sicheren Amsterdam in der Waalstraat 7.

Mit dem deutschen Überfall auf die Niederlande, Belgien und Luxemburg am 10. Mai 1940 gerieten Tilly und Franz Landauer erneut in das Visier ihrer Verfolger. Am 10. Dezember 1942 verschleppten die deutschen Besatzer das Ehepaar Landauer sowie Tillys Mutter Clothilde Höchstädter in das Konzentrationslager Kamp Westerbork. Tillys Mutter und Franz Landauer erlagen den prekären Lebensbedingungen in diesem Lager; Clothilde Höchstädter verstarb am 27. Mai 1943, ihr Schwiegersohn Franz am 10. Juli 1943. Beide sind in Urnengräbern auf dem jüdischen Friedhof in Diemen beigesetzt.

Tilly Landauer wurde am 18. Januar 1944 von Westerbork in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Am 12. Oktober 1944 musste sie die qualvolle dreitägige Fahrt in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau antreten, wo sie am 15.Oktober 1944 in den Gaskammern ermordet wurde. Auch drei der Geschwister von Franz Landauer überlebten den Holocaust nicht: Bruder Leo wurde in Majdanek ermordet, Bruder Paul Gabriel in Kaunas und Schwester Gabriele Rosenthal in Piaski.

Auf dem neuen Israelitischen Friedhof in München erinnert eine Gedenkplatte am Familiengrab der Landauers an die durch die Schoah ermordeten Familienmitglieder.

Text: Barbara Hutzelmann

Quellen:

Literatur:

  • Dirk Kämper, Kämper, Kurt Landauer, Zürich 2014.
  • Janne Weinzierl, Familie Landauer, in: Ilse Macek (Hrsg.), ausgegrenzt-entrechtet-deportiert. Schwabing und Schwabinger Schicksale 1933-1945, München 2008, S. 231-234.

 

Stadtrat Offman, Oberbürgermeister Reiter und Uri Siegel Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Stadtrat Offman, Oberbürgermeister Reiter und Uri Siegel

Stadtarchiv München, E. Weichelt

Oberbürgermeister Reiter bei der Anbringung des Erinnerungszeichens Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Oberbürgermeister Reiter bei der Anbringung des Erinnerungszeichens

Stadtarchiv München, E. Weichelt

Oberbürgermeister Reiter, Uri Siegel und Stadtrat Offman vor der Tafel Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Oberbürgermeister Reiter, Uri Siegel und Stadtrat Offman vor der Tafel

Stadtarchiv München, E. Weichelt

Erinnerungstafel Franz und Tilly Landauer  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Erinnerungstafel

Gestaltung und Photographie: stauss processform, München

Erinnerungstafel am Eingang Königinstraße 85 Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Vor dem Eingang Königinstraße 85

Gestaltung und Photographie: stauss processform, München

Erinnerungstafel am Eingang Königinstraße 85 Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Erinnerungstafel

Gestaltung und Photographie: stauss processform, München