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Tengstraße 26


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Franziska Schlopsnies

geb. Spangenthal,
geboren am 01.12.1884
in Frankfurt am Main,
deportiert Anfang 1944
in das KZ Auschwitz
ermordet
vermutlich 30.12.1944
im KZ Auschwitz

Franziska Spangenthal kam am 1. Dezember 1884 in Frankfurt am Main zur Welt. Sie war die Tochter des jüdischen Kaufmanns Robert Spangenthal und seiner Ehefrau Henriette geborene Klein. Sie hatte noch zwei jüngere Schwestern, Mathilde Tilli und Bella. Über das Leben der Familie ist nichts bekannt.

Franziska Spangenthal heiratete am 15. September 1910 den ein Jahr älteren, evangelischen Gutsbesitzerssohn Albert Schlopsnies aus Ostpreußen, der seit 1903 bei Gabriel von Hackl an der Kunstakademie München studiert hatte. Seit 1910 war er freier Berater der Firma Steiff und war für den Standort in Giengen für die künstlerische Gestaltung der Kataloge, die Werbung und den Entwurf der Puppen zuständig.  Das junge Paar zog 1913 nach München und wohnte in München-Schwabing, in der Jakob-Klar-Straße 12 im dritten Stock, die ihr Eigentum war. Zwei Jahre später, am 3. Mai 1915 erblickte ihre Tochter Erica Irmgard das Licht der Welt und wurde evangelisch getauft. Die Ehe von Franziska und Albert Schlopsnies wurde am 18. Dezember 1922 geschieden. Tochter Erica lebte überwiegend bei der Mutter.

Franziska Schlopsnies war hauptsächlich als Malerin und Graphikerin tätig. Es ist nicht bekannt, wo sie ein Kunststudium oder eine andere künstlerische Ausbildung abschloss. Ihre Illustrationen erschienen in den Zeitschriften „Jugend“, im berühmten „Simplicissimus“ und den „Meggendorfer Blättern“, aber auch in der „Zeitschrift für Humor und Kunst“, manche sogar auf der Titelseite. Sie arbeitete darüber hinaus als Werbegraphikerin, so fertigte sie z. B. in den 1920er Jahren für die Firma Andreas Kaut, die heute als Firma Kaut-Bullinger bekannt ist, Reklameplakate.

Über ihr Schicksal nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wissen wir nur sehr wenig. Sie zog 1933 in die Tengstraße 26, von wo sie aber zum 1. April 1939 abgemeldet wurde. Franziska Schlopsnies muss aber noch in München gelebt haben, denn sie arbeitete wahrscheinlich bis Anfang 1944 im Verlag Bruckmann in der Lothstraße in München. Ihr Vermögen wurde wohl 1942 eingezogen.

Gemäß den Angaben ihrer Tochter Erica nach Kriegsende ist Franziska Schlopsnies Anfang 1944 wahrscheinlich mit einem Gestapo-Transport in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert worden, wo die SS sie vermutlich am 30. Dezember 1944 ermordete. Theodor Koronczyk, der als „Vertrauensmann der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland“ in München fungierte, hatte am 1. März 1945 der Oberfinanzdirektion München mitzuteilen, dass er von Stapoleitstelle München über den Tod von Franziska Schlopsnies informiert worden sei. Am 16. März 1945 forderte die Oberfinanzdirektion entsprechend Paragraf 2 der 13. Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 1. Juli 1943 die Freigabe ihres eingezogenen Vermögens für das Reich.

Ihre Tochter Erica Seidel hat nach Kriegsende, das sie wahrscheinlich in München erlebte, Nachforschungen zum Schicksal ihrer Mutter angestellt und die Rückerstattung des geraubten Eigentums gefordert. Sie heiratete 1947 Robert Seidel (Seidl) in New York und verstarb am 23. August 2001.

Der verwitweten Mutter von Fransziska Schlopsnies, Henriette Spangenthal, und ihrer Schwester Mathilde Pfefferkorn gelang die Emigration in die Schweiz. Ihre Schwester Bella Spangenthal konnte sich nach New York retten, wo sie 1984 verstarb.

Text von Barbara Hutzelmann

Quellen:

  • Stadtarchiv München, EWK 65, Franziska Schlopsnies.
  • Stadtarchiv München, EWK 65, Erica Schlopsnies.
  • Stadtarchiv München, Hausbogen Tengstraße 26.
  • Staatsarchiv München, OFD 6867.
  • Arolsen Archives, 1.2.1.1 / 11196301; 1.2.1.1 / 11194688; 2.1.1.1 / 70118713; 6.3.3.2 / 87715882- 6.3.3.2 / 8771593.

Internetquellen: