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Türkenstraße 94


Georg Elser  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Schweizerisches Bundesarchiv

Johann Georg Elser

geboren 04.01.1903
in Hermaringen,
verhaftet 08.11.1939
in Konstanz,
ermordet 09.04.1945
im KZ Dachau



Johann Georg Elser soll ein ruhiger und eher verschlossener Mensch gewesen sein – dass er einmal ein Attentat auf die Führungsriege eines verbrecherischen Regimes begehen würde, um einen Krieg zu verhindern, war ihm nicht in die Wiege gelegt worden.

Georg Elser entstammte einfachen Verhältnissen. Er wurde am 4. Januar 1903 in Hermaringen bei Heidenheim im damaligen Württemberg geboren. Die Eltern heirateten erst etwa ein Jahr nach seit Geburt. Seine Mutter Maria Elser geb. Müller (1879-1960) war die Tochter eines Wagners und Landwirts. Sein Vater Ludwig Elser (1872-1942) betätigte sich im Holzhandel und als Landwirt. Georg Elser hatte noch fünf jüngere Geschwister, die Schwestern Friederike, Maria und Anna sowie die Brüder Ludwig und Leonhard. Bis 1925 lebte er in seinem Elternhaus in Königsbronn in der Aalener Straße 12.

Von 1910 bis 1917 besuchte er die Volksschule in Königsbronn und tat sich besonders in Rechnen, Zeichnen und Schönschreiben mit sehr guten Leistungen hervor. Nach Beendigung der Schulzeit arbeitete er einige Monate auf dem elterlichen Hof und begann 1917 eine Lehre als Eisendreher im Hüttenwerk in Köngisbronn, die er aber aus gesundheitlichen Gründen 1919 abbrechen musste. Georg Elser erlernte nun den Beruf des Schreiners und schloss die Ausbildung 1922 ab. Ein Jahr später legte er die Gesellenprüfung an der Gewerbeschule in Heidesheim als Jahrgangsbester ab und arbeitete zunächst in seinem Lehrbetrieb Robert Sapper. Bis 1925 war er in verschiedenen Firmen tätig, ehe er sich - wie damals für Gesellen üblich - auf Wanderschaft begab. Bis 1932 lebte und arbeitete Georg Elser in Konstanz, 1929 zwischenzeitlich in Bottinghofen in der Schweiz. Als die Uhrenfabrik Rothmund in Meersburg, wo Elser als Schreiner angestellt war, Bankrott anmelden musste, händigte sein Arbeitgeber ihm mehrere Uhrwerke anstelle des ihm zustehenden Lohns aus, von denen er 1939 zwei für seine Bombe im Bürgerbräukeller verwendete. Seit 1932 lebte Georg Elser wieder in Königsbronn und half in der Landwirtschaft seiner Eltern; nebenbei arbeitete er als selbstständiger Schreiner.

Georg Elser war ein sehr heimatverbundener Mensch und seit 1926 Mitglied im Trachtenverein „Oberrheintaler“ in Konstanz und im dortigen Trachtenverein „Alpenrose“. Außerdem spielte er Zither und trat in den Zitherclub Konstanz bzw. den in Königsbronn ein.

Im Jahr 1930 wird Georg Elsers Sohn Manfred geboren, dessen Mutter Mathilde Niedermann er aber nicht ehelicht.

Der nationalsozialistischen Ideologie und der NSDAP stand er von Anfang an ablehnend gegenüber. Wie er in den Vernehmungen nach seiner Verhaftung 1939 aussagte, wählte er bis 1933 die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD), weil er sich von dieser Partei eine Verbesserung der Lebenssituation der Arbeiter versprach. Er trat 1928 oder 1929 in den Roten Frontkämpferbund ein, war dort aber wohl nur zahlendes Mitglied. Außerdem war er in der Holzarbeitergewerkschaft organisiert.

Unter dem Einfluss der so genannten „Sudetenkrise“ und dem Münchner Abkommen 1938 wurde Georg Elser klar, dass Hitlers Politik auf einen Krieg abzielt. In dieser Zeit reifte in ihm der Entschluss, das nationalsozialistische Regime durch ein Attentat auf Hitler zu Fall zu bringen. In der Armaturenfabrik Waldenmaier, in der er seit 1936 arbeitete, nahm er Pulver und Zünder an sich. Als er am 8./9. November 1938 erstmals nach München reiste, wohnte er den jährlich stattfindenden Aufmärschen anlässlich des Jahrestags des Hitler-Ludendorff-Putsches von 1923 bei, zu welchen stets Hitler, Goebbels und Göring in der Stadt weilten; Hitler hielt jedes Jahr am Abend des 8. November im Bürgerbräukeller eine Rede. Bei einem weiteren Besuch in München Anfang April 1939 konkretisierte er seine Anschlagspläne und nahm nach seiner Rückkehr nach Königsbronn eine Tätigkeit als Hilfsarbeiter in einem Steinbruch an, um sich Kenntnisse in Sprengtechniken anzueignen. Er hatte Zugang zu Sprengmaterial, von dem er einiges entwendete.

Zur Vorbereitung seines Anschlags zog er nach München, wo er seit Anfang August 1939 in der Blumenstraße 19 und ab Ende August in der Türkenstraße 94 zur Untermiete wohnte. In dieser Zeit ließ sich Georg für mehr als 30 Nächte im Bürgerbräukeller einschließen und begann eine der Säulen, vor der das Rednerpult Hitlers stehen würde, auszuhöhlen. Er arbeitete bis etwa 2.00 oder 3.00 Uhr nachts und schlich sich dann durch den Hinterausgang wieder ins Freie. Anfang November 1939 verließ er die Wohnung in der Türkenstraße 94 und lebte von nun an unter freiem Himmel oder übernachtete im Lager des Schreiners Johann Brög in der Türkenstraße 59. Bis zum 5. November 1939 baute er seine selbst gebaute Bombe, seine „Höllenmaschine“, in die Säule im Bürgerbräukeller ein. Am 6. November besuchte er seine Schwester Maria in Stuttgart, um sein Gepäck bei ihr unterzustellen und kehrte zur Überprüfung der Bombe noch einmal nach München zurück. Schließlich reiste er am 8. November nach Konstanz, um in die Schweiz zu fliehen. Allerdings hielt ihn eine Zollstreife gegen 20.45 Uhr kurz vor der Schweizer Grenze fest, da er sich wegen seiner abgelaufenen Grenzkarte, mitgeführter Zünderteile und einer Ansichtskarte vom Bürgerbräukeller verdächtig gemacht hatte. Um 21.20 Uhr explodierte die Bombe im Bürgerbräukeller, so wie von Georg Elser geplant. Hitler und seine Entourage hatten jedoch die Lokalität früher als gewöhnlich verlassen, da sie wegen Nebels nicht fliegen konnten, sondern mit dem Zug reisen mussten. Durch die Bombe wurden acht der anwesenden Gäste getötet, viele verletzt und der Saal zerstört.

Gegen 23.00 Uhr ging ein Fernschreiben an alle Grenzstationen ein, bei Fluchtversuchen sofort zu schießen. Elser wurde daraufhin an die Gestapozentrale Konstanz überstellt und stundenlang vernommen. Am nächsten Tag lieferte ihn die Gestapo in die Staatspolizeileitstelle im Wittelsbacher Palais in der Brienner Straße in München ein, wo bei den Verhören schweren Folterungen ausgesetzt war. Am 14. November gestand Georg Elser schließlich das Attentat und wurde am 16. November 1939 in das Geheime Staatspolizeiamt in der Prinz-Albrecht-Straße nach Berlin gebracht. Elser beteuerte in seinen Aussagen stets, die Tat allein geplant und ausgeführt zu haben. Goebbels war bemüht, den britischen Geheimdienst als Drahtzieher des Attentats zu „entlarven“. Man hielt Georg Elser für nicht kompetent genug, eine solche Bombe zu konstruieren. Erst als er sie auf Weisung der Gestapo nachbaute und sie sich als funktionsfähig erwies, stand die Alleintäterschaft Elsers fest. Dennoch beharrte die Nazipresse in ihrer Berichterstattung über Georg Elser darauf, das Attentat in Zusammenhang mit dem so genannten Venlo-Zwischenfall – der Entführung eines SS-Sonderkommandos durch Offiziere des britischen Geheimdienstes an der niederländisch-deutschen Grenze in Venlo am 9. November 1939 – zu stellen.

Ab 1941 wurde Georg Elser als „Sonderhäftling des Führers“ unter dem Namen „Eller“ in das Konzentrationslager Sachsenhausen überstellt, Anfang 1945 dann in das Konzentrationslager Dachau verlegt. Dort war er in zwei Zellen des Lagergefängnisses untergebracht und hatte relativ gute Haftbedingungen, da man ihn nach dem „Endsieg“ in einem groß angelegten Schauprozess zu verurteilten gedachte. Bis dahin sollte er in akzeptabler physischer und psychischer Verfassung bleiben. So erlaubte man ihm z. B. den Besitz einer Werkbank und einer Zither.

Bei einer Lagebesprechung zwischen SS-Obergruppenführer Ernst Kaltenbrunner und Hitler ordnete letzterer am 5. April 1945 die Hinrichtung von Georg Elser an. SS-Oberscharführer Theodor Bongartz erschoss Georg Elser mit einem Genickschuss am Abend des 9. April 1945, gegen 23.00 Uhr auf dem Gelände des Krematoriums des Konzentrationslagers Dachau und ließ den Leichnam sofort verbrennen.

Barbara Hutzelmann

Quellen:

  • Stadtarchiv München, Einwohnermeldekarte Georg Elser.
  • Stadtarchiv München, Hausbogen.

Internet:

Literatur:

  • Peter Steinbach, Johannes Tuchel: „Ich habe den Krieg verhindern wollen“. Georg Elser und das Attentat vom 8. November 1939. Eine Dokumentation. Katalog zur Ausstellung. Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Berlin 1997.
  • Thomas Grasberger, Individuum und Widerstand: Münchner Beispiele, in: Richard Bauer, Hans Günther Hockerts, Brigitte Schütz, Wolfgang Till, Walter Ziegler, München - „Hauptstadt der Bewegung“, München1993, S. 338-339.

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