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Tengstraße 25


Foto Helene Bergmann  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München

Helene Bergmann

geboren 25.05.1897
in Nürnberg,
deportiert 23.07.1942
in das Ghetto Theresienstadt,
ermordet 08.04.1944
im Ghetto Theresienstadt



Helene Bergmann kam am 25. Mai 1897 in Nürnberg zur Welt. Sie war die Tochter von Nathan Bergmann, einem jüdischen Hopfengroßhändler in München und Mina Bergmann, geborene Spear. Ihre Schwester Else war 1895 ebenfalls in Nürnberg geboren worden. Ihr Bruder Wilhelm starb 1908 im Alter von 14 Jahren.

Helene Bergmann besuchte das Lyzeum, eine Schule für Mädchen, die heute einem Gymnasium entspricht. Eine höhere Bildung sollten damals in den gebildeten jüdischen Kreisen auch Mädchen erhalten. Über ihre Kindheit und Jugend ist nur wenig bekannt.

Die erste Ehe schloss sie im April 1919 in Nürnberg mit dem christlichen Kaufmann Dr. Johannes Roselieb, die Scheidung erfolgte am 15. Juni 1934. Aus der Ehe mit Johannes Roselieb stammt ihre Tochter Anneliese Roselieb, die am 24. November 1922 in Nürnberg zur Welt kam. Verbürgt ist, dass Anneliese 16-jährig eine Handelsschule in München besucht hat.

Zwei Jahre nach ihrer Scheidung heiratete sie in München am 6. August 1936 Carl Pincus. Der zehn Jahre ältere Kaufmann stammte aus Berlin und lebte ab 1924 in Nürnberg, wo er Inhaber einer Spezialfabrikation von Sofakissen, Sitzgarnituren für Korbsessel und Liegestuhlmatratzen war. 1937 zog er nach München, das Paar wohnte mit zunächst in der Tengstraße 25. Auch ihre Tochter Anneliese Roselieb war mit ihnen gezogen. Carl Pincus führte im Rückgebäude der Schellingstraße 107 einen Großhandel mit Decken, Kissen und Puppen. Dieses Geschäft, in dem zwei Arbeiterinnen und eine Heimarbeiterin angestellt waren, schloss die Gestapo am 24. Januar 1939. Helene und Carl Pincus hatten damit ihre Existenzgrundlage verloren.

Am 20. Mai 1940 starb Helene Pincus‘ 83-jähriger Vater in der Israelitischen Privatklinik in der Hermann-Schmid-Straße 5 an Krebs. Ihre Mutter hatte zwischen 1935 und 1939 lange Zeit in verschiedenen Kliniken verbringen müssen und lebte nun mit Tochter, Enkelin und Schwiegersohn in der Tengstraße 25.

Die Ehe mit Carl Pincus wurde im November 1941 geschieden, und Helene Pincus nahm wieder ihren Geburtsnamen Bergmann an. Helene Bergmann zog Ende 1941 mit ihrer Tochter in die Nibelungenstraße 12. Dort lebte sie nur wenige Monate. Am 23. Juli 1942 deportierte die Gestapo sie in das Ghetto Theresienstadt. Ihre Mutter, die am 5. Juni 1942 nach Theresienstadt verschleppt worden war, war zu diesem Zeitpunkt schon tot.

Auch Helene Bergmann überlebte das Ghetto Theresienstadt nicht, sie starb am 8. April 1944.

Ihren geschiedenen Ehemann Carl Pincus hat die Gestapo in das Ghetto Piaski verschleppt, seine Todesumstände sind unbekannt. Nur Helene Bergmanns Schwester Else Schuhmacher und deren Ehemann Siegfried Schuhmacher gelang die Emigration nach Großbritannien. Helene Bergmanns Tochter Anneliese Roselieb lebte bis September 1943 bei ihrem Vater und dessen Frau in der Friedrich-List-Straße 92 und ging dann nach Garmisch-Partenkirchen. Wo sie dort lebte, ist nicht bekannt. Möglicherweise begann sie nach Kriegsende ein Musikstudium und wohnte in der Friedrich-Liststraße 92. 1946 wanderte sie in die USA aus.

Text von Elisabeth Rosa M. Noske

Quellen:

  • Stadtarchiv München, EWK 38.
  • Stadtarchiv München, Hausbogen Tengstraße 25.
  • Stadtarchiv München, Datenbank zum Biografischen Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945.
  • Arolsen Archives, 8300840; 03010101 oS; 2.1.1.1 BY 101 JÜD 8 ZM.

Internetquellen:

 

Flyer zur Übergabe der Erinnerungszeichen am 23-09.2021