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Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Bürkleinstraße 20 (früher 16)


Porträt Ida Silber  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Stadtarchiv München, Kennkartendoppel 3621

Ida Silber

geb. Falk,
geboren 29.06.1872
in Aufhausen,
deportiert 15.07.1942
in das KZ Theresienstadt,
ermordet 27.02.1943
im KZ Theresienstadt


Die aus dem Württembergischen stammende Familie Falk war sehr religiös. Mutter Sophie Falk, geb. Wechsler, war die Tochter des Schwabacher Rabbiners Abraham Wechsler. Vater Salomon Löw Falk (1839-1890) arbeitete als Lehrer an jüdischen Schulen in Olnhausen und Hohebach. Ida Falk hatte neben ihrer jüngeren Schwester Rosa noch vier Brüder: David, Benno, Alfred und Leo. Ida Falk besuchte eine Klosterschule (Lyzeum) und eine Frauenarbeitsschule.

Ida Falk und Salomon Silber heirateten am 24.9.1894 in Würzburg. 1899 kam Sohn Friedrich, genannt Fritz, zur Welt. Es folgten 1901 Tochter Centa Gitl, 1902 Tochter Karola und 1904 Sohn Siegfried. Im Jahr 1905 wird Tochter Erna geboren, die nach nur einer Woche stirbt. Schließlich kam 1910 als sechstes Kind Sohn Bruno zur Welt.

Auch die Familie Silber entschied sich für München als neue Heimat und kam dort 1899 an. Am 24. Juni 1916 zog sie in das Erdgeschoss des Wohnhauses Bürkleinstraße 16, das die Kinder zu jeweils gleichen Teilen vom Vater geerbt hatten.

Tochter Karola Silber-Lorch ging schon in den 1920-er-Jahren nach Palästina, gründete dort eine Familie und arbeitete in der Nationalbibliothek in Jerusalem. Ihre Brüder Siegfried und Bruno Silber folgten ihr im Jahr 1933, wo Bruno 1948 in der Schlacht um Jerusalem fiel. Tochter Centa Gitl Silber blieb bei ihren Eltern in der Bürkleinstraße wohnen. Sie arbeitete in der Israelitischen Kulturgemeinde und verstarb am 25.11.1937. Sohn Dr. Fritz Silber konnte mit seiner Familie 1941 in die USA entkommen.

Ida Silbers Ehemann Salomon starb am 21. April 1938. Sein Grab befindet sich auf dem Neuen Jüdischen Friedhof in München.

Nach der „Kristallnacht“ am 9. November 1938 war auch die Ida Silber immer stärkeren Repressionen ausgesetzt. Wie alle deutschen Juden, musste auch sie entsprechend der Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens vom 3. Dezember 1938 ihre Wertgegenstände bis zum 31. März 1939 im städtischen Leihamt abliefern. Aus dem Wiedergutmachungsantrag von Fred Silver (Fritz Silber) geht hervor, dass Frau Silber Tafelsilber und Schmuckstücke abgegeben hat.

Das Haus in der Bürkeinstraße 16 wurde seit 1939 ein sogenanntes "Judenhaus", in dem 72 aus ihren Wohnungen vertriebene jüdische Menschen zwangsweise einquartiert wurden.

Ab 1941 übernahm Ida Silber gelegentlich Heimarbeiten für die Porzellanmanufaktur Wieninger.

In der Karwoche des Jahres 1942 wurde Ida Silber gewaltsam aus ihrer Wohnung, ihrem eigenen Haus geholt. Ida Silber wurde am 1. April 1942 zunächst in das Altenheim der Israelitischen Kulturgemeinde in der Mathildenstraße 9 gebracht, von dort zwei Wochen später in das Barackenlager in der Knorrstraße 148. Ida Silber wurde mit dem Transport II/15 am 15. Juli 1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Ihre Schwester Rosa und deren Mann Emanuel waren zu diesem Zeitpunkt bereits in Theresienstadt, auch Bruder Max wurde dorthin deportiert. Ida Silber starb am 27. Februar 1943 aufgrund der katastrophalen Bedingungen in diesem Lager.

Dr. Felicia Englmann

Quellen:

  • Stadtarchiv München: Biographisches Gedenkbuch der Münchner Juden, Online-Ausgabe www.muenchen.de/rathaus/gedenkbuch/gedenkbuch.html
  • Stadtarchiv München, Leihamt/Wiedergutmachung 096, Feder Alice.
  • Stadtarchiv München, Leihamt/Wiedergutmachung 183, Silver Fred.

Literatur:

  • Horst Feiler, Das Lehel. Die älteste Münchner Vorstadt in Geschichte und Gegenwart, München, 2006.
  • Barbara Picht, Jüdische Ärzte, Juristen und Künstler, in: Douglas Bokovoy, Stefan Meining (Hrsg.), Versagte Heimat. Jüdisches Leben in Münchens Maxvorstadt 1914-1945, München 1994, S. 261-276
  • Diess., Dr. jur. Fritz Silber, in: Douglas Bokovoy, Stefan Meining (Hrsg.), Versagte Heimat. Jüdisches Leben in Münchens Maxvorstadt 1914-1945, München 1994, S. 294-302.
  • Betty Scholem, Gerschom Scholem, Mutter und Sohn im Briefwechsel 1917-1946, München, 1989. S. 103.
  • Karl Wieninger, In München erlebte Geschichte, München 1985.
Zwei Stelen erinnern an die ehemaligen Bewohner der Bürkleinstraße 20 Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Zwei Stelen erinnern an die ehemaligen Bewohner der Bürkleinstraße 20

Foto: Stadtarchiv München

Ellen Presser von der Israelitischen Kultusgemeinde München erinnert an die jüdischen Opfer in der NS-Zeit  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Ellen Presser von der IKG München erinnert an die jüdischen Opfer in der NS-Zeit

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Dr. Felicia Englmann übergibt die Erinnerungsstelen an die Öffentlichkeit Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Dr. Felicia Englmann übergibt die Erinnerungsstelen an die Öffentlichkeit

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Grußwort von Lilian Harlander auf der Gedenkveranstaltung am 20. November 2018 im Jüdischen Museum Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Grußwort von Lilian Harlander auf der Gedenkveranstaltung im Jüdischen Museum

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Stadtdirektor Dr. Michael Stephan gedenkt der 999 Jüdinnen und Juden, die am 20. November 1941 nach Kaunas deportiert wurden  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Stadtdirektor Dr. Michael Stephan gedenkt der Opfer der Deportation nach Kaunas

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Dr. Felicia Englmann berichtet über die früheren Bewohner der Bürkleinstraße 20  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Dr. Felicia Englmann berichtet über die früheren Bewohner der Bürkleinstraße 20

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

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