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Geroltstraße 24


Josef Zott  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Bundesarchiv Berlin, NJ 1245 BD 11

Joseph Zott

geboren 16.03.1901
in München,
inhaftiert 04.08.1939 im
Gestapogefängnis München,
hingerichtet 15.01.1945
im Zuchthaus
Brandenburg-Görden


Joseph (Josef) Zott wurde am 16. März 1901 in einer katholischen Münchner Arbeiterfamilie geboren und wuchs in München auf. Er erlernte das Schreinerhandwerk und war seit 1925 bei der Stadt München tätig, seit 1927 als Bauaufseher. Im gleichen Jahr heiratete er die am 27. März 1892 in Wasserburg geborene Bettina Kohrherr; die Ehe blieb kinderlos. Ihre Wohnung hatten sie im Münchner Westend im 1. Stock der Geroltstraße 24.

Gewerkschaftlich organisierte er sich seit 1925 im „Verband der Gemeinde und Staatsarbeiter“ des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, ab 1927 im Münchner Gemeindearbeiterbund.

1932 wurde Zott Mitglied der Bayerischen Volkspartei und deren Wehrorganisation „Bayernwacht“.

Schon wenige Wochen nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde deutlich, dass diese auch das katholisch-konservative Spektrum als Gegner betrachteten. Die Organisationen schließlich verboten bzw. zur Selbstauflösung gedrängt.

Joseph Zott wurde am 30. September 1933 aufgrund des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933 als politisch unzuverlässig entlassen, aber am 7. November 1933 von der Stadt München wiedereingestellt.

Durch Kontakte zu Gesinnungsfreunden lernte er die überzeugte Monarchistin des 1934 aufgelösten Bayerischen Heimat- und Königsbunds, Freiin von Stengel, und das ehemalige BVP- und Bayernwachtmitglied Heinrich Weiss, kennen. Beide wollten einen Kreis von heimat- und königstreuen Gleichgesinnten zum Gedankenaustausch aufbauen.

Bei Zott spielten von Anfang an sozialpolitische Überlegungen in der Tradition der katholischen Soziallehre und des christlichen Sozialismus eine wichtige Rolle. So verfasste er 1935 einen dreiseitigen Entwurf, der sich an alle antifaschistisch Denkenden wendet - „Tausend Tage Drittes Reich“, in dem er die versprochene Besserstellung der Arbeiter als bloße Propaganda und Hitlers Wirtschaftspolitik als Betrug am Volk entlarvte.

Zott suchte auch den Kontakt zur Arbeiterbewegung und wurde mit dem Leiter der illegalen KPD bekannt gemacht. Um über eine mögliche Zusammenarbeit von Katholiken mit Kommunisten zu reden, fuhr er 1935 unter anderem mit dem Kommunisten „Theo“ – so sein Deckname – nach Zürich zu Besprechungen mit dem dort tätigen ehemaligen KPD-Reichstagsabgeordneten Hans Beimler. Bei einem zweiten Treffen vereinbarten sie, dass Zott den Entwurf seines Flugblatts „Tausend Tage“ über „Theo“ an Beimler schicken sollte, um ihn in der Schweiz drucken und nach München transportieren zu lassen. Der Antwortbrief Beimlers kam nie bei Zott an, denn er wurde von der Gestapo abgefangen. Der Hintergrund: „Theo“ war ein Spitzel, der bis 1936 Hunderte vor allem kommunistische NS-Gegner an die Gestapo verriet. Er machte Zott mit einem monarchistisch orientierten Mann bekannt, der ebenfalls als Gestapo-Spitzel ab 1937 in der Führung der katholisch-monarchistischen Gruppe mitwirkte. Dr. Adolf von Harnier koordinierte die Widerstandsgruppe, die Geschäftsführung und organisatorische Leitung hatte Zott inne. Die Leiter trafen sich u.a. in Zotts Wohnung zu den Besprechungen. Ziel war es, möglichst in ganz Bayern ein Netz von verlässlichen Gesinnungsfreunden aufzubauen und Informationen weiterzuleiten. Nach Zotts Vorstellungen sollte die künftige bayerische Monarchie Teil eines Staatenbundes auf christlicher Grundlage sein; die Arbeiterschaft sollte eine weitgehende Mitbestimmung erhalten.

Es entstanden eine Reihe von intern weitergegebenen Entwürfen und Informationsschriften, mit „Schmied von Kochel“ unterzeichnet. Die Gestapo München hatte über ihre Spitzel genaue Kenntnisse darüber. Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs begannen die Verhaftungen.

Dr. Adolf von Harnier wurde noch am Abend des 3. August 1939, Joseph Zott und weitere leitende Mitglieder wurden am nächsten Tag verhaftet.

Joseph Zott wurde zunächst in die Ettstraße gebracht, am gleichen Tag zur Gestapo in das Wittelsbacher Palais zu Verhören, in denen er gefoltert wurde. Er blieb dort bis zum 11. November. Anschließend war Zott bis zur Ausstellung des Haftbefehls als „Schutzhäftling“ im Gefängnis Stadelheim, dann ab Januar 1940 bis September 1944 zur Untersuchungshaft abwechselnd in den Haftanstalten Neudeck, Stadelheim und Cornelius. Die Gestapo hatte gezielt in Richtung „Vorbereitung zum Hochverrat“ ermittelt, weshalb das Verfahren an den Volksgerichtshof in Berlin abgegeben wurde. Obwohl die Ermittlungen des Oberreichsanwalts beim Volksgerichtshof im Sommer 1940 abgeschlossen waren, erhielten die neun Beschuldigten die Anklageschrift erst im April 1944. Die Anklage lautete u.a. auf Vorbereitung eines „gewaltsamen Umsturzes“ im „Rahmen einer illegalen Organisation“.

Die Verhandlung gegen Joseph Zott fand am 26. Oktober 1944 vor dem Volksgerichtshof in Berlin statt. Er wurde wegen Vorbereitung zum „Hochverrat“ zum Tode und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte „für immer“ verurteilt. Als besonders belastend wurden vor allem seine Kontakte mit Kommunisten bewertet.

Joseph Zott wurde vom Landgerichtsgefängnis Potsdam ins Zuchthaus Brandenburg-Görden überstellt und dort am 15. Januar 1945 um 13.10 Uhr mit dem Fallbeil hingerichtet.

Alle Gnadengesuche von Bettina Zott waren erfolglos geblieben.

Friedbert Mühldorfer

Quellen:

  • Anklage 7J 32/44 gegen Dr. Harnier und andere, in: Widerstand als "Hochverrat" 1933-1945. Die Verfahren gegen deutsche Reichsangehörige vor dem Reichsgericht, dem Volksgerichtshof und dem Reichskriegsgericht. Mikrofiche-Edition, hrsg. v. Institut für Zeitgeschichte, München, Bearb. v. Jürgen Zarusky und Hartmut Mehringer, München 1995.
  • Urteil 6 H 92/44 – 7 J 32/44 gegen Dr. Harnier u.a., in: Ebd.
  • Urteil 6H 205/44 -- 7J 128/44 gegen Zott, in: Ebd.
  • Staatspolizeileitstelle München: „Die illegale monarchistische Bewegung in Bayern“, Oktober 1939, Stadtarchiv München, PolDir, Weintz-Bericht.
  • Landesamt für Finanzen, Landesentschädigungsamt, EG 40235/Bettina Zott.

Literatur

  • Martin Broszat u.a. (Hg.): Bayern in der NS-Zeit, Bd. V, Die Parteien KPD, SPD, BVP in Verfolgung und Widerstand, München-Wien 1983.
  • Christina M. Förster: Der Harnier-Kreis. Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Bayern, Paderborn u.a. 1996.