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Corneliusstraße 2


Porträt Julius Marx  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Stadtarchiv München, Judaica, Kennkartendoppel 2669

Julius Marx

geboren 10.11.1885
in München,
deportiert 20.11.1941
nach Kaunas,
ermordet 25.11.1941
in Kaunas



Julius Marx erblickte am 10. November 1885 in München als fünftes von sechs Kindern des Metzgermeisters Salomon Marx und seiner Frau Franziska Marx, geborene Veith, das Licht der Welt. Er besuchte das Gymnasium und nahm am Ersten Weltkrieg als Sanitätsunteroffizier im 1. Reserveregiment teil. In der Corneliusstraße 2 betrieb er die Firma Julius Marx, Groß- und Kleinhandel in Schuhwaren.

Am 7. März 1922 heiratete er in München Fanny Marx, geborene Walter. Die Tochter Lisl Karola, geboren am 20. Dezember 1923, starb am 27. April 1938; die Todesursache ist unbekannt. Sie ist auf dem Neuen Israelitischen Friedhof begraben. Wenige Monate nach dem Tod ihrer Tochter wohnte ein Geschäftsfreund bei Fanny und Julius Marx. Franz Fried kam nach seiner Entlassung aus dem KZ-Dachau, wohin er im Anschluss an die sogenannte Reichskristallnacht verschleppt worden war, für einige Zeit in der Corneliusstraße 2 unter. Seine Enkelin Amelie Fried veröffentlichte diese Episode 70 Jahre später in ihrer Dokumentation „Schuhhaus Pallas“.

Auch Julius Marx gehörte zu den ca. 1.000 jüdischen Männern aus München, die am 10. November 1938 in das KZ Dachau verschleppt wurden. Seine Häftlingsnummer lautete 19.573. Erst am 19. Dezember 1938 ließen ihn die Nationalsozialisten wieder frei. Sein Geschäft wurde „arisiert“.Am 20. November 1941 wurde Julius Marx zusammen mit seiner Frau und mit etwa 1000 anderen jüdischen Männern, Frauen und Kindern aus München vom Güterbahnhof Milbertshofen nach Kaunas in Litauen deportiert. Es war die erste Massendeportation Münchner Juden; ursprünglich war Riga als Ziel vorgesehen, der Zug wurde umgeleitet, da das Ghetto in Riga überfüllt war. Fünf Tage nach ihrer Ankunft wurden die aus München deportierten Juden im Fort IX durch das Einsatzkommando 3 unter SS-Standartenführer Karl Jäger erschossen.

Nach dem Tod von Julius‘ Vater Salomon (geb. 7.1.1846) am 11. April 1910 in München lebte die Mutter Franziska (Fanny, geb. Veith, am 21.1.1852 in Steppach) bis zu ihrem Tod am 20. Januar 1938 ebenfalls in der Corneliusstraße 2. Der erstgeborene Sohn Adolf Aron überlebte in einer sogenannten Mischehe die Shoah. Er starb am 29. März 1953 in München. Die beiden Geschwister Ida (22.9.-2.10.1878) und Joseph Hermann (30.4.-27.8.1881) verstarben im Säuglingsalter. Maier Marx (geb. 30.3.1880) gelang die Emigration in die USA. Über das Schicksal von Mina Marx (geb. 19.9.1882) ist nichts bekannt.

Thomas Nowotny

Quellen:

  • Stadtarchiv München (Hg.): Biographisches Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945, Band 2, St. Ottilien 2007.
  • Yad Vashem, Database.
  • Persönliche Mitteilung von Carol Seidman, Boca Raton, Florida (USA).

Literatur:

  • Amelie Fried: Schuhhaus Pallas - Wie meine Familie sich gegen die Nazis wehrte, München 2008.
  • Stadtarchiv München (Hg.): „...verzogen, unbekannt wohin“. Die erste Deportation von Münchner Juden im November 1941, Zürich/München 2001.

 

Dr. Thomas Nowotny bringt das Erinnerungszeichen für seine Angehörige an Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Dr. Thomas Nowotny bringt das Erinnerungszeichen für seine Angehörige an

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Dr. Jan Mühlstein von der liberalen jüdischen Gemeinde München Beth Shalom spricht das Kaddish Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Dr. Jan Mühlstein (liberale jüdische Gemeinde Beth Shalom) spricht das Kaddish

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Erinnerungszeichen für Fanny und Julius Marx in der Corneliusstraße 2 Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Erinnerungszeichen für Fanny und Julius Marx in der Corneliusstraße 2

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Dr. Thomas Nowotny in stillem Gedenken vor dem Erinnerungszeichen  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Dr. Thomas Nowotny in stillem Gedenken vor dem Erinnerungszeichen

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Grußwort von Rose Jordan auf der Gedenkveranstaltung am 20. November 2018 im Jüdischen Museum Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Grußwort von Rose Jordan auf der Gedenkveranstaltung im Jüdischen Museum

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Dr. Thomas Nowotny berichtet über das Leben seiner Angehörigen Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Dr. Thomas Nowotny berichtet über das Leben seiner Angehörigen

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

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