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Maximilianstraße 26-28 (Münchner Kammerspiele)


Julius Peter Seger  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Deutsches Theatermuseum

Julius Peter Seger

geboren 28.09.1876
in Krinetz, Böhmen,
deportiert 17.07.1942
in das Ghetto Theresienstadt,
ermordet Sommer 1944
im KZ Auschwitz



Julius Peter Seger wurde am 28. September 1876 als Sohn des jüdischen Privatiers Adolf Seger und seiner Ehefrau Katharina im böhmischen Krinetz geboren, wuchs aber in Wien auf. Dort machte er auch eine Schauspielausbildung. Er trat später nur unter dem Namen Julius Seger auf.

Nach einer mehr als zehnjährigen Wanderschaft mit wechselnden Engagements an k. und k. Theatern kam er 1906 nach München. Der Intendant des Schauspielhauses in der Maximilianstraße, Georg Stollberg, engagierte ihn 1912 für das Ensemble des Hauses. Nach zwei Jahren Fronteinsatz im Ersten Weltkrieg blieb Julius Seger dort weiter verpflichtet, auch unter der von 1919 bis 1925 amtierenden Intendantin Hermine Körner. Julius Seger wohnte ab 1919 in der Mauerkircherstraße 26.

Als die Münchner Kammerspiele im Herbst 1926 aus der Augustenstraße in die Maximilianstraße umzogen, hatte ihn Otto Falckenberg schon im Jahr davor für sein Ensemble engagiert. Julius Seger war einer dieser geschätzten, immer wieder eingesetzten Schauspieler, die nie eine der Hauptrollen auf der Bühne gespielt haben.

Im Jahr 1933, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, emigrierten die jüdischen Ensemble-Mitglieder der Kammerspiele, der 57jährige Julius Seger aber blieb. Am 27. April 1933 trat er aus dem Judentum aus und konvertierte am 23. Mai 1933 im Pfarramt St. Anna im Lehel zum katholischen Glauben.

Trotz des Beschäftigungsverbots, das die Nazis sofort gegen alle jüdischen Theatermenschen verhängten, besetzte Oberspielleiter Richard Révy für die Kammerspiele-Erstaufführung des Dramas „Spiel um den Staat“ die Rolle des Dieners mit Julius Seger. Der Autor des Stücks war der Südtiroler Josef Wenter, NSDAP-Mitglied seit 1933. Nach der Premiere am 6. Mai 1933 und ein paar halbleeren Vorstellungen wurde das Stück vom Spielplan abgesetzt. Es waren die letzten Auftritte von Julius Seger.

Am 19. Juli 1933 schrieb Hermann Esser, Chef der Staatskanzlei und gleichzeitig Landtagspräsident an den Verwaltungsratsvorsitzenden der Münchner Kammerspiele, Kommerzienrat Heinrich Roeckl:

Unter der Voraussetzung, daß in den Kammerspielen Juden nicht mehr beschäftigt werden, erkläre ich mich bis auf weiteres einverstanden, daß Direktor Falckenberg die künstlerische Leitung des Unternehmens behält.

In den Monaten nach der Machtübernahme feindeten die Nationalsozialisten die Kammerspiele und den Intendanten Otto Falckenberg massiv an; daher verfassten Ensemblemitglieder am 15. Mai 1933 eine Solidaritätserklärung für Falckenberg, die Julius Seger sowie 23 Kolleginnen und Kollegen unterschrieben. Das Theater versuchte noch in der Spielzeit 1933/34, Julius Seger vertraglich zugesichert monatsweise zu unterstützen.

Im Jahr 1934 wechselte er zweimal die Wohnung und lebte zunächst in der Mannhardtstraße 3 und dann am Mariannenplatz 1. Seit September 1938 wohnte er in der Neuturmstraße 2a zur Untermiete. Julius Seger musste später Zwangsarbeit leisten und unter anderem die so genannte Wohnanlage für Juden in Milbertshofen mit bauen. Am 10. Juli 1942 holte die Gestapo ihn aus seiner Wohnung. Im Juli 1942 deportierten Gestapo und SS in zehn Transporten 550 jüdischen Menschen in das Ghetto Theresienstadt. Julius Seger wurde mit 49 Jüdinnen und Juden am 17. Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Eineinhalb Jahre später, am 18. Dezember 1943, verschleppte die SS ihn von dort in das Vernichtungslager Auschwitz. Das letzte Lebenszeichen von ihm war eine Briefnachricht vom 9. Juni 1944 aus Auschwitz, wo er vermutlich im Sommer 1944 ermordet wurde.

Text von Janne und Klaus Weinzierl

Quellen:

  • Stadtarchiv München, Einwohnermeldekarte.
  • Stadtarchiv München, Datenbank zum Biografisches Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945.
  • Stadtarchiv München, KULA – 0226.

Foto:

  • Deutsches Theatermuseum

Internetquellen:

 

Erinnerungszeichen an den Münchner Kammerspielen am 25.06.2020