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St.-Anna-Straße 20


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Lotte Schwarzschild

geboren 21.05.1925
in München,
deportiert 04.04.1942
nach Piaski,
Schicksal unbekannt

Über das kurze Leben von Lotte Schwarzschild ist nur sehr wenig bekannt. Sie erblickte am 21. Mai 1925 in München das Licht der Welt. Ihr Vater Moritz Fritz Schwarzschild, geboren am 29. Juli 1880 in Bamberg, zog 1892 mit seinen Eltern nach München, wo er ein Humanistisches Gymnasium besuchte. Am Ersten Weltkrieg nahm er als Gefreiter teil. Von 1920 bis 1938 betrieb er einen Einzelhandel für elektronischen Fachbedarf. Ihre Mutter Mina Schwarzschild, geborene Koschland, wurde am 25. April1891 in Hermsbach geboren. Sie besuchte drei Jahre die Riemerschmid’sche Handelsschule in München, wo sie eine Ausbildung zur Kauffrau abschloss.

Ihre Eltern, die 1922 geheirateten hatten, bezogen kurz vor Lottes Geburt eine Wohnung in der Holbeinstraße 10. Dort wuchs sie bis zu ihrem sechsten Geburtstag auf, ehe die Familie in die Äußere Prinzregentenstraße 12 wechselte. Sie verbrachte ihre Kindheit ganz in der Umgebung ihrer Schule, des Städtischen Lyzeums am St.-Anna-Platz, damals eine Mädchenschule. Nachdem ihr Vater bis 1919 die „Ostbahnhofdrogerie Moritz Schwarzschild“ führte, war er ab 1920 Teilhaber der Firma „Ernst Sicher & Co.“, einem Großhandel mit elektrotechnischen Bedarfsartikeln und der Herstellung von Leuchtkörpern.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 änderte sich das Leben der Familie Schwarzschild radikal. Wahrscheinlich musste Lotte Schwarzschild das Lyzeum am St.-Anna-Platz spätestens 1938 verlassen. Ihr Vater beantragte im April 1938 eine Gewerbezulassung, die ihm als Juden verwehrt wurde. Das Gewerbeamt München beschuldigte ihn der Schwarzarbeit, da er seine Arbeit „eingestellt“ habe. Ein Strafverfahren gegen ihn musste im Mai 1938 eingestellt werden. In der Zwischenzeit lebte die Familie von Unterstützungen. Nach dem Pogrom am 9./10. November 1938 begann die Vertreibung der jüdischen Familien aus ihren Wohnungen. Auch die Familie Schwarzschild musste ab 1939 ihr Zuhause zwangsweise verlassen und mehrfach ihren Wohnsitz wechseln. Die erst 16-jährige Lotte wurde von der Münchner „Arisierungsstelle“ spätestens ab Dezember 1941 zur Arbeit in der Flachsröste Lohhof gezwungen, wo sie in dem dort errichteten Barackenlager leben musste und wahrscheinlich erstmals in ihrem Leben von ihren Eltern getrennt war. Die Zwangsarbeiterinnen in Lohhof litten unter Hunger und der sehr harten Arbeit, dem rigiden System der Unterdrückung und Strafen, die bei kleinsten „Vergehen“ verhängt wurden. Die Eltern mussten Ende Oktober oder Anfang November in die schönfärberisch bezeichnete „Heimanlage für Juden“ in der Clemens-August-Straße 9 ziehen.

Die Gestapo deportierte Lotte Schwarzschild am 4. April 1942 nach Piaski im Distrikt Lublin. Viele der dorthin Verschleppten verhungerten, kamen bei unmenschlicher Zwangsarbeit in den umliegenden Lagern um oder wurden von der SS ermordet. Ihr genaues Todesdatum und ihr Todesort sind nicht bekannt.

Ihre Eltern Moritz Fritz und Minna Schwarzschild wurden am 10. Juni 1942 in das Ghetto Theresienstadt und am 19. Oktober 1944 in das Vernichtungslager Ausschwitz deportiert. Wahrscheinlich ermordete die SS das Ehepaar sofort nach der Ankunft des Zuges ermordet.

Text: Schüler*innen des P-Seminars „Erinnerungszeichen“ am Städtischen St.-Anna-Gymnasium 2019/2021

Quellen:

  • Stadtarchiv München, EWK 38, Einwohnermeldekarte Lotte Schwarzschild.
  • Stadtarchiv München, EWK 38, Einwohnermeldekarte Moritz Fritz Schwarzschild.
  • Stadtarchiv München, GEW-ARI 160.

Internetquellen:

Literatur:

  • Maximilian Strnad, Flachs für das Reich. Das jüdische Zwangsarbeiterlager „Flachsröste Lohhof“ bei München, München 2013.