Corona-Bürgertelefon 089-233-44740 | www.muenchen.de/corona
zum Seitenanfang
Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Daiserstraße 45


Porträt von Ludwig Holleis  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Ludwig Holleis (Foto: privat, Anneliese E.)

Ludwig Holleis

geboren 30.09.1897
in Rosenheim,
verhaftet 07.01.1944
in München,
gestorben durch Folter
29.03.1944 in München



Als Ludwig Holleis am 7. Januar 1944 in der Wohnung in der Daiserstraße 45, wo er mit seiner verwitweten Mutter, seinem verheirateten Bruder Andreas sowie dessen Frau und Tochter lebte, von der Gestapo verhaftet wurde, hatte er sich keines Verbrechens schuldig gemacht. Sein einziger Haftgrund bestand darin, der Bruder von Emma Hutzelmann zu sein, die mit ihrem Ehemann Hans Hutzelmann und gleichgesinnten Kameraden die Widerstandsgruppe „Antinazistische Deutsche Volksfront“ gegründet hatte. Die Gruppe unterstützte heimlich die Organisation sowjetischer Kriegsgefangener „Brüderliche Zusammenarbeit russischer Kriegsgefangener“. Die Gestapo schleuste Spitzel in diese Organisation ein. Sie nahm im Frühjahr 1944 insgesamt 383 der sowjetischen Kriegsgefangenen fest und erschoss 92 von ihnen im September 1944 im Konzentrationslager Dachau. Hans und Emma Hutzelmann wurden am 4. Januar 1944 verhaftet; Hans Hutzelmann wurde zum Tode verurteilt und am 15. Januar 1945 ermordet, seiner Frau Emma gelang die Flucht aus dem Gefängnis München-Stadelheim, sie kam bei einem Bombenangriff am 25. November 1944 ums Leben.

Ludwig Holleis wurde am 30. September 1897 als siebtes Kind des Bäckermeisters Kaspar Holleis und seiner Ehefrau Maria in Rosenheim geboren. 1912 zog die Familie nach München und lebte seitdem in der Daiserstraße 45. 1915 wohnte Ludwig Holleis für wenige Wochen in Stuttgart und kehrte dann nach München zurück. Er erlernte den Beruf des Ankerwicklers und legte die Prüfung zum Elektromaschinenbauer ab. Aus seinem Leben ist nicht viel mehr bekannt; seine Nichte, damals noch ein Kind, erzählt, er sei ein freundlicher und lebenslustiger Mann gewesen, der ihr herzlich zugetan war.

Inwieweit er über die Widerstandstätigkeit seiner Schwester und seines Schwagers informiert war, lässt sich nicht rekonstruieren. In den wenigen überlieferten Quellen zu seiner Verhaftung ist Hochverrat als Haftgrund angegeben. Er wurde am 7. Januar 1944 in das Gestapo-Gefängnis in der Brienner Straße 50 eingeliefert und am 4. Februar in das Strafgefängnis München-Stadelheim überstellt, wo er von den Mithäftlingen getrennt wurde und nur zur Innenarbeit eingeteilt werden durfte. Neben seiner Schwester Emma und deren Mann Hans Hutzelmann verhaftete die Gestapo auch seinen Bruder Andreas, seine Schwestern Rosa und Dora und seinen Schwager Stefan Eckstein. Andreas Holleis verstarb 1947 aufgrund der Lungenverletzungen, die ihm unter der Folter zugefügt worden waren.

Die Gestapobeamten folterten auch Ludwig Holleis schwer, um ihm Informationen abzupressen, über die er ihrer Meinung nach verfügen müsse. Wie aus den Akten des Oberreichsanwalts beim Volksgerichtshof gegen seinen Bruder Andreas Holleis und weitere Mitangeklagte vom 22. Juli 1944 hervorgeht, war Ludwig Holleis eine Blechkassette seiner Schwester Emma zum Verhängnis geworden, die sie in seiner Küche versteckte hatte. Emma Hutzelmann hatte ihren Bruder gebeten, den Inhalt der Kassette zu vernichten, sollte dies notwendig werden. Nach Emmas Verhaftung hatte er das gemeinsam mit seiner Schwester Rosa getan. Offensichtlich sprach einer der Verhafteten während der grausam geführten Vernehmungen über diese Kassette. In der Kassette sollen sich unter anderem Flugblätter befunden haben. Seine Geschwister und sein Schwager wurden schließlich aus der Haft entlassen. Den durch die Misshandlungen schwer verletzten Ludwig Holleis ließ die Gestapo in Fortsetzung der Haft am 3. März 1944 in die Chirurgische Klinik in die Münchner Nußbaumstraße überstellen. Seine Schwester Dora berichtete nach dem Krieg immer noch sichtlich erschüttert: „Ich hatte meinen Bruder nicht wiedererkannt.“ Sie durfte ihn nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis mit ihrer Mutter in der Klinik kurz besuchen. Ludwig Holleis verstarb am 29. März 1944 im Krankenhaus an den Folgen der Folter. Seine Mutter Maria erhielt am 1. April 1944 die Mitteilung, dass ihr Sohn angeblich „infolge von Kreislaufstörungen verstorben“ sei.

Text: Barbara Hutzelmann

Quellen:

  • Stadtarchiv München, EWK 65, Ludwig Holleis, Kaspar Holleis.
  • Staatsarchiv München, Staatsanwaltschaften, 12888.
  • Staatsarchiv München, Justizvollzugsanstalten, 20199.
  • Gespräch mit Anneliese E., 22.6.2018.

Literatur:

  • Heike Bretschneider, Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus in München 1833 bis 1945, München1968, S. 200–207.
  • Marion Detjen, „Zum Staatsfeind ernannt...“ Widerstand, Resistenz und Verweigerung gegen das NS-Regime in München, München 1998, S. 114–117.
  • Resi Huber, Die wiedergefundene Liste. Porträts von Münchner Kommunisten, die im antifaschistischen Widerstandskampf ihr Leben ließen, München 1998, S. 68–73.

 

Stadtrat Rupp spricht bei der Übergabe der Stele Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Stadtrat Rupp spricht bei der Übergabe der Stele

Stadtarchiv München, E. Weichelt

Friedbert Mühldorfer spricht im Namen der Angehörigen Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Friedbert Mühldorfer spricht im Namen der Angehörigen

Stadtarchiv München, E. Weichelt

 Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Kulturreferent Dr. Küppers und Anneliese E. bringen das Erinnerungszeichen an

Stadtarchiv München, E. Weichelt

Erinnerungsstele Ludwig Holleis (Gestaltung und Photographie: stauss processform, München) Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Erinnerungsstele

Gestaltung und Photographie: stauss processform, München

Erinnerungsstele für Ludwig Holleis vor dem Eingang Daiserstraße 45  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Vor dem Eingang Daiserstraße 45

Gestaltung und Photographie: stauss processform, München

Erinnerungsstele Ludwig Holleis  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Vor der Daiserstraße 45

Gestaltung und Photographie: stauss processform, München