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Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Bürkleinstraße 20 (früher 16)


Porträt Manfred Kissinger  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Stadtarchiv München, Judaica, Reisepass

Manfred Kissinger

geboren 27.03.1932
in München,
deportiert 20.11.1941
nach Kaunas,
ermordet 25.11.1941
in Kaunas



Manfred Kissinger wurde als zweiter Sohn des Ehepaars Jenny und Julius Kissinger am 27. März 1932 in München geboren. Die Familie lebte im zweiten Stock des Hauses Bürkleinstraße 16. Manfred hat einen ein Jahr älteren Bruder - Albert.

Die Wohnung wurde bald schon wieder zu klein, daher zogen die Kissingers von der Wohnung rechts in die Wohnung links der Stiege im ersten Stock. Mit ihnen in die neue Wohnung lebte der geschiedene Onkel Ferdinand Kissinger.

Manfred und Albert waren echte Leheler Buben. Sie gingen in die Israelitische Volksschule, wo ihr Vater und Onkel unterrichteten, nur ein paar Gehminuten vom Haus entfernt. Die Buben konnten im Viertel keine unbeschwerte Kindheit erleben. Antisemitismus hatte es bis in die Kinderherzen geschafft - das berichtete eine von zwei jüdischen Schülerinnen des privaten Küspert-Lyzeums, einer Mädchenschule in der Bürkleinstraße.

Wer in die Jüdische Volksschule ging wie die Kissinger-Brüder, wurde von den christlichen Kindern gehänselt. Der Jurist Fritz Silber berichtete, dass sein Sohn, der nur weniger älter ist als Manfred war, in der Bürkleinstraße von einem anderen Kind mit dem Roller angefahren, geschlagen und beschimpft worden war. Auch Manfred Kissinger dürfte, wie seine Mitschüler, Opfer dieses kindlichen Antisemitismus geworden sein.

In den 1930er Jahren zog der Großvater Simon aus Würzburg mit in die Wohnung der Kissinger. Er starb dort am 15.2.1939 an Grippe. Da es kein koscheres Fleisch mehr zu kaufen gab, verzichtete die orthodoxe Familie Kissinger ganz darauf.

Ab 1940 bemühten sich die Kissingers intensiv darum, in die USA ausreisen zu können.

Manfred Kissinger war 9 Jahre alt, als seine Familie am 20. November 1941 nach Kaunas (Litauen) deportiert wurde. Zuvor waren sie alle aus der Wohnung geholt und in das Sammellager Milbertshofen an der Knorrstraße gebracht worden. Manfred, sein Bruder, seine Eltern und alle seine Münchner Angehörigen wurden 25. November 1941 von SS-Einsatzgruppen in Kaunas erschossen und in einem anonymen Massengrab verscharrt.

Dr. Felicia Englmann

Quellen

Literatur

  • Douglas Bokovoy, Jüdisches Bildungswesen, In: Douglas Bokovoy, Stefan Meining (Hrsg.), Versagte Heimat. Jüdisches Leben in Münchens Maxvorstadt 1914-1945, München 1994, S. 181-196.
  • Stefan Grasser, Andreas Wimmer, Heinemann Edelstein (1870-1944), BLLV-Projekt Lehrerbiografien, https://www.bllv.de/projekte/geschichte-bewahren/erinnerungsarbeit/lehrerbiografien/heinemann-edelstein/
  • Ruth Meros, Protestiert habe ich erst später, in meinen Träumen, in: Andreas Heusler, Andrea Sinn (Hrsg.), Die Erfahrung des Exils. Vertreibung, Emigration und Neuanfang. Ein Münchner Lesebuch, Berlin/Boston, 2015. S. 60-71.
  • Barbara Picht, Dr. jur. Fritz Silber, in: Douglas Bokovoy, Stefan Meining (Hrsg.), Versagte Heimat. Jüdisches Leben in Münchens Maxvorstadt 1914-1945, München 1994, S. 261-276.
Zwei Stelen erinnern an die ehemaligen Bewohner der Bürkleinstraße 20 Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Zwei Stelen erinnern an die ehemaligen Bewohner der Bürkleinstraße 20

Foto: Stadtarchiv München

Ellen Presser von der Israelitischen Kultusgemeinde München erinnert an die jüdischen Opfer in der NS-Zeit  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Ellen Presser von der IKG München erinnert an die jüdischen Opfer in der NS-Zeit

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Dr. Felicia Englmann übergibt die Erinnerungsstelen an die Öffentlichkeit Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Dr. Felicia Englmann übergibt die Erinnerungsstelen an die Öffentlichkeit

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Grußwort von Lilian Harlander auf der Gedenkveranstaltung am 20. November 2018 im Jüdischen Museum Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Grußwort von Lilian Harlander auf der Gedenkveranstaltung im Jüdischen Museum

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Stadtdirektor Dr. Michael Stephan gedenkt der 999 Jüdinnen und Juden, die am 20. November 1941 nach Kaunas deportiert wurden  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Stadtdirektor Dr. Michael Stephan gedenkt der Opfer der Deportation nach Kaunas

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Dr. Felicia Englmann berichtet über die früheren Bewohner der Bürkleinstraße 20  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Dr. Felicia Englmann berichtet über die früheren Bewohner der Bürkleinstraße 20

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

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