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Anglerstraße 9


Foto von Martin Hallerz  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© KulturLaden Westend

Martin Mojzesz Moritz Hallerz

geboren 09.12.1877
in Tarnów,
inhaftiert 09.09.1939
im Gestapogefängnis München,
ermordet 11.03.1942
in der Tötungsanstalt Bernburg



Martin Mojzesz Moritz Hallerz wurde am 9. Dezember 1877 in Tarnów geboren. Seine Eltern waren der Maler Hermann Hallerz und Jette Hallerz, geborene Bärenkraut. Da seine Eltern nur rituell geheiratet hatten, musste Martin Hallerz offiziell den Geburtsnamen seiner Mutter tragen. Erst 1937 erhielt er die Genehmigung, dass der bisherige Familienname Bärenkraut in Hallerz geändert werden dürfe.

Martin Hallerz heiratete am 24. März 1905 in Berlin-Charlottenburg die ebenfalls in Tarnów geborene Zigarrenarbeiterin Regina Riwka Malka Anker. Sie zogen nach München und betrieben hier ab 1906 eine Dekorationsmalerei in der Landwehrstraße 21. Das Ehepaar wohnte zunächst in der Landsbergerstraße 14 und bekam vier Kinder. Der älteste Sohn Hermann wurde am 9. Februar 1906 geboren. Tochter Frida erblickte am 10. Juli 1907 das Licht der Welt. Albert wurde am 30. Januar 1909 geboren und die zweite Tochter Berta am 24. September 1910.

Am ersten Mobilmachungstag des Ersten Weltkriegs, dem 1. August 1914, wurde Martin Hallerz eingezogen. Bereits am 6. September 1914 geriet er in russische Gefangenschaft und wurde erst am 19. Juni 1920 entlassen. Anfang Juli 1920 zog die Familie in die Anglerstraße 9. Martin Hallerz war bis zum Oktober 1938 Mitglied der Maler- und Lackiererinnung München.

Es ist davon auszugehen, dass sich das Leben für sie alle nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verschlechterte. Im Zuge der sogenannten Polenaktion wurde Martin Hallerz mit seiner Ehefrau und den beiden Söhnen am 28. Oktober 1938 im Gefängnis Stadelheim inhaftiert. Am nächsten Tag sollten sie nach Polen abgeschoben werden. Die polnischen Grenzbeamten verweigerten jedoch die Einreise, der Zug wurde zurück nach München geschickt, wo die Familie wieder ihre Freiheit erhielt. Am 30. Dezember 1938 musste Martin Hallerz seinen Betrieb rückwirkend zum 28. Oktober 1938 abmelden und verlor damit seine Existenzgrundlage. Die Familie lebte seitdem von Ersparnissen.

Mit dem Überfall auf Polen befand sich Deutschland im Kriegszustand. Die Gestapo nahm Martin Hallerz als polnischen Juden am 9. September 1939 in Schutzhaft und überstellte ihn am 16. Oktober 1939 ins Konzentrationslager Buchenwald. Er musste schwerste Zwangsarbeit als Steineträger im gefürchteten Steinbruch leisten. Seine Ehefrau bemühte sich ab Januar 1940 vergeblich um die Auswanderung mit ihrem Mann. Am 21. Oktober 1940 beantragte sie für ihn ein polizeiliches Führungszeugnis, um seine Entlassung aus dem Konzentrationslager zu erreichen. Auch dieser Rettungsversuch schlug fehl.

Im Alter von 64 Jahren war Martin Hallerz am Ende seiner Kräfte und galt für das NS-Regime als arbeitsunfähig. Am 11. März 1942 verschleppte ihn die SS im Rahmen der Aktion 14f13 mit 89 anderen Häftlingen in die NS-Tötungsanstalt Bernburg, wo er am gleichen Tag mit Kohlenmonoxid vergast wurde.

Auch Regina Hallerz gelang keine Ausreise mehr. Die Gestapo deportierte sie mit dem ersten Transport Münchner Jüdinnen und Juden am 20. November 1941 nach Kaunas in Litauen. SS-Männer des Einsatzkommandos 3 der Einsatzgruppe A der Sicherheitspolizei und des SD erschossen sie dort am 25. November 1941.

Auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in der Garchinger Straße in München erinnert ein Gedenkstein an Martin und Regina Hallerz.

Die vier Kinder von Regina und Martin Hallerz überlebten die Shoah: Hermann Hallerz emigrierte 1939 nach London, wo er im Jahre 1970 starb. Die Tochter Frida heiratete 1932 Michael Binner; die Ehe mit einem Christen schützte sie vor der Deportation. Sie starb am 11. Januar 1997 in München. Albert Hallerz konnte mit seiner Frau Irma im Mai 1939 in die USA emigrieren, wo er 1983, seine Frau 1995 starb. Berta Hallerz heiratete 1932 den Kaufmann Fritz Schöpf aus Südtirol und erlangte dadurch die italienische Staatsbürgerschaft, was ihr das Leben rettete. Sie starb 2003 im Alter von 92 Jahren.

Text von Ruth Münch und Klaus-Peter Münch

Quellen:

  • Stadtarchiv München, Einwohnermeldekartei.
  • Stadtarchiv München, Polizeimeldebogen.
  • Stadtarchiv München Gewerbeamt /Arisierung Bestellnr. 59 (Agb. 7/12 a).
  • Stadtarchiv München, Datenbank zum Biografischen Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945.
  • Bayerisches Hauptstaatsarchiv, LEA 15326.
  • Bayerisches Hauptstaatsarchiv, LEA 48982.
  • Staatsarchiv München, Pol. Dir. 13457 und 7016.
  • Arolsen Archives, 5280794, 5284880, 5290701, 5373239, 6056753-6056760, 70118498.
  • Archiv der Gedenkstätte für Opfer der „NS-Euthanasie” Bernburg.
  • Archiv der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora.

Literatur:

  • Widerstand und Verfolgung im Münchner Westend 1933-1945: Ein Stadtteilführer, Hrsg.: KulturLaden Westend, München 1997.
  • Gedenkbuch für die Münchner Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde, hrgs. vom NS-Dokumentationszentrum München und dem Bezirk Oberbayern durch Michael von Cranach, Annette Eberle, Gerrit Hohendorf, Sibylle von Tiedemann, Göttingen 2018.

Videoclip zum Erinnerungszeichen

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Videodokumentation zum Erinnerungszeichen von Regina und Martin Hallertz