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Porträt Dr. Max Klar  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© KulturLaden Westend

Dr. Max Klar

geboren 20.12.1875
in Weimar,
inhaftiert 10.11.1938
im KZ Dachau,
ermordet 30.11.1938
im KZ Dachau



Max Klar, geboren am 20. Dezember 1875 in Weimar, wuchs in wohlgeordneten Verhältnissen auf. Um 1880 eröffnete sein Vater, der Stoffhändler Carl Klar, in Weimar ein Geschäft für „Manufaktur- und Modewaren“. Ob Emilie Klar, geborene Ortweiler, weitere Kinder zur Welt brachte, ist unbekannt. Einige Jahre nach der 1871 gesetzlich verankerten Gleichberechtigung der Juden registrierten die Eltern mit Sorge den erneut aufkeimenden Antisemitismus. Um 1900 trat Carl Klar dem 1893 gegründeten „Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ bei, der sich gegen den Antisemitismus zur Wehr setzte.

Nach dem Abitur am Wilhelm-Ernst-Gymnasium in Weimar studierte Max Klar Medizin an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg, wo er 1900 promovierte. 1906 erhielt er seine Approbation und bald darauf eröffnete er in München in der Luisenstraße 49 eine „orthopädisch-chirurgische Heilanstalt“. 1930 verlegte er sie in die Karlstraße 16 und leitete die in „Anstalt für orthopädische Chirurgie und Heilgymnastik“ umbenannte Klinik bis 1935. Danach betrieb er eine orthopädische Praxis in der Linggstraße 18.

Max Klar gehörte zu den fördernden Mitgliedern des FC Bayern.

Am 23. Juli 1910 heiratete er Sylvia Adlerstein, die die gleiche politische und pazifistische Einstellung vertrat wie er. Max Klar engagierte sich in zwei Vereinigungen: Im „Verein zur Abwehr des Antisemitismus“ saß er im Münchner Ausschuss. In der „Deutschen Friedensgesellschaft“ hatte er einige Jahre, bis 1933, den Vorsitz der Ortsgruppe München inne. Der „Abwehrverein“ musste sich 1933 auflösen. Auch die „Friedensgesellschaft“ wurde zerschlagen, ihre führenden Mitglieder verhaftet. Am 14. März 1933 nahm die Polizei Max Klar fest und inhaftierte ihn im Gefängnis Stadelheim. Die Haftdauer ist unbekannt.

Max und Sylvia Klar standen der SPD nahe, mit dem Politiker Wilhelm Hoegner, dem späteren bayerischen Ministerpräsident, waren sie befreundet. Nach dem Verbot der SPD im Juni 1933 musste Hoegner sich vor der Bayerischen Politischen Polizei in Sicherheit bringen. Zunächst verbarg er sich im Jagdhaus der Klars bei Ingolstadt, einige Tage hielt er sich in ihrer Wohnung auf. Am 11. Juli 1933 fuhr Sylvia Klar Hoegner und zwei seiner Freunde mit dem Auto ihres Mannes in die Nähe von Mittenwald, von wo ihm die Flucht nach Tirol gelang.

Das Ehepaar Klar stand auch der neuen Widerstandsgruppe „Neu Beginnen“ nahe, die eine parlamentarische Republik anstrebte. Als Gottlieb Branz, einer der führenden Mitglieder der Münchner Gruppe, im KZ Dachau inhaftiert wurde, unterstützten sie seine Frau finanziell.

Am 10. November 1938 wurde der an Diabetes leidende Max Klar verhaftet und ins KZ Dachau verschleppt. Am 30. November 1938 kam er dort ums Leben. Ein Zeitzeuge berichtete später: „Ein bekannter Arzt, schwer zuckerleidend, ohne Insulin, ohne Behandlung, geht langsam, sehend und erkennend, auf seinem Strohlager zugrunde.“

Ingrid Reuther

Quellen:

  • Stadtarchiv München, Datenbank zum Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945.
  • Stadtarchiv München, Einbürgerungsakte.
  • Stadtarchiv München, Einwohnermeldeamt.
  • KZ-Gedenkstätte Dachau, Häftlingsdatenbank KZ-Gedenkstätte Dachau.
  • Thüringisches Hauptstaatsarchiv Weimar, Nachlass Otto Schlegel Nr. 57.

Literatur:

  • Andreas Heusler, Tobias Weger, „Kristallnacht“ – Gewalt gegen die Münchner Juden im November 1938, München 1998, S. 128 und 132.
  • Wilhelm Hoegner, Wolfgang Jean Stock, Der schwierige Außenseiter. Erinnerung eines Abgeordneten, Emigranten und Ministerpräsidenten, O.O., 1959, S. 120.
  • Wilhelm Hoegner, Flucht vor Hitler. Erinnerungen an die Kapitulation der ersten Republik, o. O., 1977, S. 254.
  • Renate Jäckle, Schicksale jüdischer und „staatsfeindlicher“ Ärztinnen und Ärzte nach 1933 in München, München 1988, S. 85.
  • Erika Müller, Harry Stein, Jüdische Familien in Weimar vom 19. Jahrhundert bis 1945 - Ihre Verfolgung und Vernichtung, Weimar 1998, S. 18-19.
  • Helga Pförtner, Mit der Geschichte leben. Mahnmale, Gedenkstätten, Erinnerungsorte für die Opfer des Nationalsozialismus in München, Band 2, München 2003, S. 20.
  • Ingelore Pilwousek, Verfolgung und Widerstand. Das Schicksal Münchner Sozialdemokraten in der NS-Zeit, München 2012, S. 221-222.