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Tengstraße 25


Foto Nathan Bergmann  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München

Nathan Bergmann

geboren 10.03.1857
in Gochsheim,
gestorben 20.05.1940
in München





Nathan Bergmann kam am 10. März 1857 in Gochsheim im Landkreis Schweinfurt in einer jüdischen Kaufmannsfamilie zur Welt. Seine Eltern waren Kallmann Bergmann und Jette Bergmann, geboren Wormser.

Nathan Bergmann hatte vier Schwestern und zwei Brüder. In Nürnberg hat Nathan Bergmann wohl auch seine Jugend verbracht und 1886 seine erste Ehe mit Paula Fleischmann geschlossen, die jedoch früh verstarb.

Die zweite Ehe war Nathan Bergmann mit der zwölf Jahre jüngeren Mina Spear eingegangen. Sie gaben sich 1889 in Nürnberg das Jawort. Die Tochter einer Industriellenfamilie war am 21. August 1869 in Sonneberg geboren worden. Seine Frau Mina schenkte ihm zwei Töchter und einen Sohn. Wilhelm kam 1894 in Nürnberg zur Welt und starb 1908 aus unbekannten Gründen. Seine Schwestern Else und Helene wurde 1895 bzw. 1897 in Nürnberg geboren. Sehr viel mehr ist aus Nathan Bergmanns Privatleben nicht überliefert.

Nathan Bergmann war bis zum Umzug nach München mit seinen Brüdern Inhaber der 1860 gegründeten Hopfengroßhandlung Bergmann & Co in der Fürther Straße 64b in Nürnberg. Damals war Nürnberg der Welthandelsplatz für Hopfen bis zum schleichenden Niedergang ab etwa 1900 bis zur Weltwirtschaftskrise 1929.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten endet die Erfolgsgeschichte des Nürnberger Hopfenhandels abrupt. 1930 waren etwa 40 Prozent aller Handelshäuser, darunter viele der ältesten und wichtigsten, im Besitz von Juden, die die Nationalsozialisten nun nach und nach zwangsenteigneten.

Nürnberg wurde ab 1933 als ehemalige Kaiserstadt und nun „Stadt der Reichsparteitage“ propagandistisch überhöht. Unter Gauleiter Julius Streicher begann in Nürnberg eine besonders beispiellose antisemitische Hetze. Nathan Bergmann verließ 1934 Nürnberg und ging mit seiner Frau,  der Tochter Helene und Enkelin Anneliese nach München. Sie lebten  in der Tengstraße 25.

Auch in München führte Nathan Bergmann mit seinen Brüdern Michael und Philipp die Hopfengroßhandlung „N. Bergmann & Co“ in der Wilhelmstraße 15. Zum 29. Juni 1938 musste die Firma zwangsweise geschlossen werden. Philipp Bergmann war kurz zuvor am 20. Juni 1938 verstorben.

Nathan Bergmann verstarb am 20. Mai 1940 im Alter von 83 Jahren in der Israelitischen Privatklinik in der Hermann-Schmid-Straße 5 an Krebs.

Seine Ehefrau Mina Bergmann deportierte die Gestapo am 5. Juni 1942 in das Ghetto Theresienstadt; ihre Tochter Helene Bergmann wurde am 23. Juli 1942 ebenfalls in das Ghetto Theresienstadt verschleppt. Mina Bergmann war zu diesem Zeitpunkt schon tot. Sie ist im Alter von 73 Jahren in Folge der katastrophalen Lebensbedingungen und gezielter Mangelversorgung am 30. Juni 1942 in Theresienstadt gestorben. Möglicherweise hatte sie noch ihren Schwager Michael Bergmann wiedergesehen, den die Gestapo am 17. Juni 1942 nach Theresienstadt brachte. Er starb dort wahrscheinlich am 1. September 1942. Auch Helene Bergmann überlebte das Ghetto Theresienstadt nicht, sie starb dort am 8. April 1944.

Ihre Schwester Else Schuhmacher und deren Ehemann Siegfried Schuhmacher gelang die Emigration nach Großbritannien. Helene Bergmanns Tochter Anneliese Roselieb überlebte ebenfalls und wanderte nach Kriegsende in die USA aus.

Text von Elisabeth Rosa M. Noske

Quellen:

  • Stadtarchiv München, Verzeichnis der gewerbepolizeilich gemeldeten jüdischen Gewerbetreibenden in München, Febr. 1938.
  • Stadtarchiv München, EWK 65.
  • Stadtarchiv München, Hausbogen.
  • Stadtarchiv München, Stadtadressbücher 1935-1940.
  • Stadtarchiv München, Datenbank zum Biographische Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945.

 

Internetquellen:

Flyer zur Übergabe des Erinnerungszeichens am 23.09.2021