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Mauerkircherstraße 13


Porträt Paula Jordan  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Paula Jordan (Foto: Stadtarchiv München, Judaica Kennkartendoppel 1864)

Paula Jordan

geb. Frank,
geboren 17.05.1889
in Steinach a. d. Saale,
deportiert 20.11.1941
nach Kaunas,
ermordet 25.11.1941
in Kaunas



Paula Jordan wurde am 17. Mai 1889 als Tochter des Viehgroßhändlers Lazarus Frank und seiner Frau Klara, geb. Ansbach(er) in Steinach an der Saale bei Bad Kissingen geboren. Ihr Vater engagierte sich in der Israelitischen Kultusgemeinde Steinach und fungierte als deren Vorsitzender. Außerdem war er seit 1896 Mitglied des Steinacher Gemeinderats. Paula wuchs mit fünf Geschwistern auf, eine ihrer Schwestern verstarb schon als Kind. Sie besuchte das Institut der Englischen Fräulein in Bad Kissingen, wohin die ganze Familie 1905 zog und in der Erhardstraße 21 wohnte. Auch hier war der Vater in der Kultusgemeinde aktiv.

Während des Ersten Weltkriegs absolvierte Paula Frank eine Ausbildung zur Krankenpflegerin.

Nach ihrer Heirat mit dem Kunsthändler Siegfried Jordan am 16. Dezember 1921 in Bad Kissingen lebte sie mit ihm in München. Am 5. Oktober 1923 wurde dem Paar ihr Sohn Peter geboren. Seit 1925 wohnte die junge Familie in der Mauerkircherstraße 13. Paula Jordan und ihr Ehemann betrieben die Kunstgalerie Jordan & Co, die sich bis etwa 1929/1930 in der Blumenstraße 21 befand. Danach führten sie die Galerie zunächst in der Herzog-Rudolf-Straße 29 und seit 1935 in der Prinzregentenstraße 2 weiter.

Mit Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft verschlechterte sich die Lebenssituation der Familie Jordan. Zwei Brüdern von Paula gelang die Flucht in die USA. Ihre Mutter Klara verübte am 11. Juli 1936 in Bayreuth Suizid. Paulas Vater Lazarus Frank wurde im Mai 1942 mit den letzten 17 Juden aus Kissingen in das jüdische Altersheim nach Würzburg verbracht und von dort aus am 13. September 1942 in das KZ Theresienstadt deportiert, wo er vier Wochen später am 19. Oktober 1942 seinem Krebsleiden erlag.

Paula und Siegfried Jordan mussten schon 1938 mit Wirkung vom 15. September 1937 ihr Gewerbe abmelden. Sie wurden gezwungen, ihre Galerie aufzugeben, da sie – wie alle Juden – nicht Mitglied der der Reichskammer für bildende Künste werden durften und daher keine Genehmigung bekamen, mit so genanntem deutschem Kulturgut zu handeln. Die Galerie ging im Dezember 1939 an den langjährige Mitarbeiter sowie den nichtjüdischen Schwager der Jordans über und firmierte jetzt unter dem Name Siegfried Niemeitz KG. Bei dem Schwager der Jordans handelte es sich um den späteren Bundesjustizminister Dr. Thomas Dehler, der mit Paulas Schwester Irma verheiratet war und sich auch unter dem Druck der Nationalsozialisten nicht von ihr trennte. Möglicherweise versuchte er, für Paula und Siegfried Jordan Vermögen für eine geplante Emigration zu retten, was aber von den nationalsozialistischen Behörden verhindert wurde.

Lange hatte sich die Familie Jordan aber nicht dazu entschließen können, Deutschland zu verlassen, zu eng fühlten sie sich besonders Bayern und München verbunden. Paula und Franz Jordan schafften es im Mai 1939, ihrem einzigen Sohn, dem damals 15-jährigen Peter, die rettende Emigration nach Großbritannien zu ermöglichen. Voller Hoffnung, ihm bald zu folgen, ahnten sie nicht, dass sie ihr Kind niemals wiedersehen würden. Im Frühjahr 1940 wurden die Jordans gezwungen, ihre Wohnung zu verlassen. Sie lebten einige Wochen in einer Pension in der Leopoldstraße 16, ehe sie im Juni 1940 in die Reitmorstraße 52 ziehen und sich mit einer anderen jüdischen Familie die Wohnung teilen mussten. Noch einmal wechselten sie ihre Bleibe und wohnten wieder in der Pension in der Leopoldstraße 16. Paula Jordan und ihr Ehemann Siegfried gehörten zu den 1000 jüdischen Frauen, Männern und Kindern, die vom ersten Deportationsbefehl in München betroffen waren. Am 20. November 1941 hatten sie sich im „Barackenlager Milbertshofen“ in der Knorrstraße 148 einzufinden. Von hier aus mussten sie die Fahrt ins litauische Kaunas antreten, wo SS-Einsatzgruppen sie am 25. November 1941 erschossen und in Massengräbern verscharren ließen.

Text: Barbara Hutzelmann

 

Quellen:

Literatur:

  • W. G. Sebald, Die Ausgewanderten, Frankfurt am Main 1993.
  • Wolfram Selig, „Arisierung in München. Die Vernichtung jüdischer Existenzen 1937–1939, Berlin 2004, S. 636–638.

 

Stadtrat Dr. Roth spricht bei der Übergabe der Stele Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Stadtrat Dr. Roth spricht bei der Übergabe der Stele

Stadtarchiv München, E. Weichelt

Angehörige der Familie Jordan Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Angehörige der Familie Jordan

Stadtarchiv München, E. Weichelt

Peter Jordan vor der Stele Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Peter Jordan vor der Stele

Stadtarchiv München, E. Weichelt

Erinnerungsstele Paula und Siegfried Jordan Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Erinnerungsstele

Gestaltung und Photographie: stauss processform, München

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Vor der Mauerkircherstraße 13

Gestaltung und Photographie: stauss processform, München

Erinnerungszeichen Paula und Siegfried Jordan: Hauseingang Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Vor dem Eingang Mauerkircherstraße 13

Gestaltung und Photographie: stauss processform, München