Aktuelle Corona-Infos der Stadt unter www.muenchen.de/corona
zum Seitenanfang
Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Sintpertstraße 15 (früher Perlacher Straße 100)


kein Bild vorhanden  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.

Margarete Reinhardt

Margarete Reinhardt,
geboren 04.11.1929
in München,
inhaftiert 08.03.1943
im Polizeigefängnis München,
ermordet Frühjahr 1944
im Konzentrationslager
Auschwitz-Birkenau

Margarete Reinhardt war die Tochter von Anna und Rudolf Reinhardt, einem Musikerehepaar, und wurde am 4. November 1929 in München geboren. Rudolf Reinhardt war als Kapellmeister tätig und trat in ganz Süddeutschland auf. Margarete hatte fünf Brüder – Siegfried, Herbrecht Josef, Martin, Rigo und Adolf. Eine überlebende Freundin der Familie berichtete von dem großen musikalischen Talent aller Familienmitglieder und einem harmonischen Miteinander.

Das Leben von Sinti und Roma war bereits in den 1920er und 1930er Jahren nicht unbeschwert, da die behördliche Diskriminierung immer stärker ausgebaut wurde. Die Kriminalisierung von Sinti und Roma durch die Kriminalpolizei wurde nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten dramatisch radikalisiert: Staatliche und gesellschaftliche Ausgrenzung kulminierten nun zu einer rassistischen Verfolgung. Sinti und Roma wurden wie Juden mit den Nürnberger Gesetzen zu „Fremdrassige“ erklärt. Besonders einschneidend für Familie Reinhardt wird jedoch der „Festsetzungserlass“ von 1939 gewesen sein. Die Familie durfte sich, wie alle Sinti und Roma, nicht mehr frei bewegen, musste am angetroffenen Aufenthaltsort bleiben. Das Leben wurde nun vollends eingeschränkt. Vater Rudolf Reinhardt und damit die gesamte Familie wurden ihrer Lebensgrundlage beraubt, da sie nicht mehr als Musiker auf Konzertreise gehen konnten.

Nur mit großem Aufwand und der Zustimmung der Kriminalpolizei war es Sinti und Roma gestattet umzuziehen. Im Sommer 1940 gelang es Familie Reinhardt nach München zu kommen, wo Verwandte lebten. Den letzten Wohnsitz hatte die Familie in der Perlacher Straße 100 in einer Gartenkolonie, heute die Sintpertstraße 9 bis 15.

1942, als die Schülerin Margarete Reinhardt noch nicht einmal 13 Jahre alt war, wurde die Familie endgültig zerrissen: Die Kriminalpolizei verschleppte den Vater Rudolf Reinhardt im Sommer in das Konzentrationslager Flossenbürg und ermordete ihn im Oktober 1942 im Konzentrationslager Mauthausen-Gusen. Den ältesten Bruder Siegfried inhaftierte die Polizei im Gefängnis München-Stadelheim. Margaretes Brüder Martin und Herbrecht Josef mussten nun in einem Erziehungsheim, dem katholischen Piusheim in Glonn, leben.

Margarete Reinhardt wurde am 22. September 1942 in das Clemens-Maria-Kinderheim in der Spixstraße 14 gebracht. Weiteres konnte dazu nicht ermittelt werden.

Über das Leben bis zur Deportation im Frühjahr 1943 ist nichts überliefert. Bekannt ist lediglich wieder, dass die Kriminalpolizei Margarete zusammen mit ihrer Mutter, den Geschwistern und weiteren Verwandten am 8. März 1943 im Polizeigefängnis München festhielt, von dort am 13. März 1943 in Viehwaggons trieb und ins „Zigeunerlager“ des Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportierte. Nach offiziellen Angaben starb Margarete Reinhardt mit 14 Jahren am 23. April 1944 aufgrund der unbeschreiblichen Bedingungen in Auschwitz-Birkenau. Die angegebenen Todesdaten und -ursachen sind aber in den meisten Fällen von der SS willkürlich festgelegt worden.

Niemand von der achtköpfigen Familie Reinhardt überlebte die Verfolgung durch die Nationalsozialisten.

Text von Sarah Grandke

  • Quellen:
  • Arolsen Archives, ID 33631208, Verzeichnis des Reichskriminalpolizeiamtes Berlin über Todesfälle/“Berliner Listen“.
  • NS-Dokumentationszentrum München, Datenbank der Münchner NS-Verfolgten, Margarete Reinhardt.
  • Stadtarchiv München, EWK 65, Einwohnermeldekarte Margarete Reinhardt.

Literatur:

  • Winfried Nerdinger (Hrsg.), Die Verfolgung der Sinti und Roma in München und Bayern, Publikation zur Ausstellung im NS-Dokumentationszentrum München, Berlin 2016, S. 302.