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St.-Anna-Straße 20


Foto Rita Stark  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.

Rita Irmgard Stark

geboren 08.03.1922
in München,
deportiert 20.11.1941
nach Kaunas,
ermordet 25.11.1941
in Kaunas


Rita Irmgard Stark kam am 8. März 1922 als Tochter von Joseph Stark und seiner Ehefrau Lina geborene Weißmann in München zur Welt. Ihr Vater, geboren am 8. Mai 1882 in Ermetzhofen, lebte seit 1895 in München. Von 1916 bis 1918 kämpfte ihr Vater im Ersten Weltkrieg. Ihre am 7. November 1895 geborene Mutter Lina Stark stammte aus Viernheim bei Heppenheim, wo das Ehepaar 1920 auch heiratete.

Rita Stark wuchs mit ihrem am 15. Dezember 1925 geborenen Bruder Günther Michael in der Seitzstraße 5 auf. Sie besuchte das Städtische Lyzeum am St.-Anna-Platz, damals eine Mädchenschule. Über ihre Kindheit und Jugend ist kaum etwas bekannt, so auch nicht, ob die Familie ein religiöses jüdisches Leben führte und die Kinder eine jüdische Erziehung erhielten.

Der Tuchhändler Joseph Stark war Teilhaber der Firma „N. Stark & Cie“, einem bekannten Groß- und Kleinhandel mit Tuchen am Karlsplatz 5, die 28 Angestellte beschäftigte.

Das Leben der Familie veränderte sich nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 dramatisch. Am 16. September 1938 wurde das Geschäft abgemeldet und firmierte nach der „Arisierung“ unter dem Namen "Hugo Pautsch"; nur die christlichen Angestellten konnten im Unternehmen bleiben. Nach der Pogromnacht am 9. November 1938 lebten mehrere Münchner Jüdinnen und Juden, die aus ihrem Zuhause vertrieben worden waren, bei Familie Stark in der Seitzstraße 5. Im April 1939 konnte Günther Michael noch seine Bar Mitzwa feiern.

Rita Stark verließ Anfang August 1940 München und lebte bis April 1941 in Berlin-Charlottenburg. Möglicherweise hing ihre Rückkehr nach München mit dem sich verschlechternden Gesundheitszustand ihrer herzkranken Mutter zusammen, die am 4. Juni 1941 im Israelitischen Krankenheim in der Hermann-Schmidt-Straße 5 verstarb. Wie das Leben von Joseph Stark und seinen Kindern nach diesem schweren Schicksalsschlag verlief, können wir nur erahnen.

Rita Stark, ihr Vater Josef und ihr Bruder Michael Günther gehörten zu den fast 1000 Münchner jüdischen Frauen, Männern und Kindern, die die Gestapo am 20. November 1941 nach Kaunas deportierte, wo sie am 25. November 1941 SS-Männer des Einsatzkommandos 3 der Einsatzgruppe A erschossen.

Text: Schüler*innen des P-Seminars „Erinnerungszeichen“ am Städt. St.-Anna-Gymnasium 2019/2021

Quellen:

  • Stadtarchiv München, EWK 38, Einwohnermeldekarte Ruth Stark.
  • Stadtarchiv München, EWK 38, Einwohnermeldekarte Josef Stark.
  • Stadtarchiv München, RPJ-A-171.
  • Stadtarchiv München, KKD-4031.

Internetquellen:

Literatur:

  • Stadtarchiv München (Hrsg.), „… verzogen unbekannt wohin“. Die erste Deportation von Münchner Juden im November 1941, Zürich München 2000.