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Bürkleinstraße 20 (früher 16)


Porträt Rosa Kocherthaler  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Stadtarchiv München, Kennkartendoppel 2069

Rosa Kocherthaler

geb. Falk,
geboren 02.10.1879
in München,
deportiert 04.06.1942
in das KZ Theresienstadt,
ermordet 06.04.1943
im KZ Theresienstadt


Rosa Falk, die Tochter des Versicherungsagenten Salomon Falk und dessen Frau Sophie, war in München eine "gute Partie", wie man es in früheren Generationen formuliert hätte. Sie war gemeinsam mit ihren Geschwistern Besitzerin eines dreistöckigen Wohnhauses in der Bürkleinstraße 16 im Lehel. Rosa Falk wuchs mit sechs Geschwistern auf - mit ihrer älteren Schwester Ida und den fünf Brüdern David, Benno, Alfred, Max und Leo.

Die aus dem Württembergischen stammende Familie Falk war sehr religiös. Mutter Sophie Falk, geb. Wechsler, war die Tochter des Schwabacher Rabbiners Abraham Wechsler. Vater Salomon Löw Falk (1839-1890) arbeitete als Lehrer an jüdischen Schulen in Olnhausen und Hohebach.

Rosa Falk, in München geboren, heiratete am 18. Januar 1904 den aus Ernsbach in Baden-Württemberg stammenden Kaufmann Emanuel Kocherthaler. Der um zehn Jahre ältere Mann war 1902 nach München gekommen und erblindete im Lauf seines Berufslebens. Rosa und Emanuel zogen gemeinsam in den dritten Stock des Hauses Bürkleinstraße 16. Am 8. Juli 1905 kam Tochter Alice zur Welt. Rosas Schwester Ida Silber und ihr Mann Salomon zogen 1916 mit ihren Kindern ins Erdgeschoss der Bürkleinstraße 16.

Nach der „Kristallnacht“ am 9. November 1938 war auch die Familie Kocherthaler immer stärkeren Repressionen ausgesetzt. Wie alle deutschen Juden, mussten auch sie entsprechend der Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens vom 3. Dezember 1938 ihre Wertgegenstände bis zum 31. März 1939 im städtischen Leihamt abgeben. Aus dem Wiedergutmachungsantrag von Tochter Alice aus dem Jahr 1948 geht hervor, dass Rosa, Alice und Emanuel Kocherthaler Schmuckstücke und das Tafelsilber am 30. März 1939 ablieferten. Erst im Sommer 1940 wurde ihnen der Verwertungserlös von 147 RM auf ihr Sicherungskonto, auf das sie keinen Zugriff hatten, überwiesen. Auch ihre sonstigen Einkünfte, wie die Mieterlöse, liefen auf dem Sicherungskonto ein.

Alice Kocherthaler gelang es im Juni 1939 nach England und dann in die USA zu emigrieren.

Das Haus in der Bürkleinstraße 16 war ab 1939 ein „Judenhaus“, in das 72 jüdische Frauen, Männer und Kinder einquartiert wurden: Die Grundlage dafür lieferte das Gesetz über die Mietverhältnisse mit Juden vom 30. April 1939. Die Ghettoisierung der Juden erfolgte in München in sogenannten Judenhäusern - Häuser oder Wohnungen, die sich meist im Besitz von Juden befanden und in denen sie jetzt auf engem Raum zusammengepfercht wurden.

Emanuel und Rosa Kocherthaler wurden am 20. Januar 1942 aus ihrer Wohnung in der Bürkleinstraße vertrieben, wo sie fast vier Jahrzehnte gelebt und ihre Tochter großgezogen hatten, und mussten in das Übernachtungsheim der Israelitischen Kultusgemeinde in der Wagnerstraße 3 ziehen. Am 4. Juni 1942 wurden sie beide mit dem Transport II/2 in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Niemand aus diesem Transport überlebte. Das Ehepaar Kocherthaler musste in einem Raum des „Altenheims“ in der "Kavalierkaserne" leben. Die Unterkünfte in dem Gebäude waren kasemattenartig, feucht, dunkel und immer überfüllt. Es diente zur Unterbringung zumeist alter oder geisteskranker Menschen und gehörte zu den schlimmsten Orten des Lagers. Emanuel Kocherthaler starb am 4. Februar 1943 in Theresienstadt. Rosa Kocherthaler folgte ihrem Mann am 6. April 1943 in den Tod.

Dr. Felicia Englmann

Quellen:

Zwei Stelen erinnern an die ehemaligen Bewohner der Bürkleinstraße 20 Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Zwei Stelen erinnern an die ehemaligen Bewohner der Bürkleinstraße 20

Foto: Stadtarchiv München

Ellen Presser von der Israelitischen Kultusgemeinde München erinnert an die jüdischen Opfer in der NS-Zeit  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Ellen Presser von der IKG München erinnert an die jüdischen Opfer in der NS-Zeit

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Dr. Felicia Englmann übergibt die Erinnerungsstelen an die Öffentlichkeit Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Dr. Felicia Englmann übergibt die Erinnerungsstelen an die Öffentlichkeit

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Grußwort von Lilian Harlander auf der Gedenkveranstaltung am 20. November 2018 im Jüdischen Museum Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Grußwort von Lilian Harlander auf der Gedenkveranstaltung im Jüdischen Museum

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Stadtdirektor Dr. Michael Stephan gedenkt der 999 Jüdinnen und Juden, die am 20. November 1941 nach Kaunas deportiert wurden  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Stadtdirektor Dr. Michael Stephan gedenkt der Opfer der Deportation nach Kaunas

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Dr. Felicia Englmann berichtet über die früheren Bewohner der Bürkleinstraße 20  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Dr. Felicia Englmann berichtet über die früheren Bewohner der Bürkleinstraße 20

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

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