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St.-Anna-Straße 20


Foto Ruth Wilmersdörder  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München

Ruth Selma Wilmersdörfer

geboren 04.06.1924
In München,
deportiert 20.11.1941
nach Kaunas,
ermordet 25.11.1941
in Kaunas



Ruth Wilmersdörfer wurde am 4. Juni 1924 in München geboren. Ihr Vater Siegbert Wilmersdörfer, geboren am 26. Dezember 1885 in Hof, war Teilnehmer des Ersten Weltkriegs und betrieb einen Handel für Berufskleidung. Ihre Mutter Frieda Luzie Wilmersdörfer, geborene Berliner, kam am 10. Januar 1902 in München zur Welt und besuchte dort sechs Jahre die Höhere Mädchenschule.

Ruth Wilmersdörfer lebte bis 1939 mit ihren Eltern in der Ismaninger Straße 152. Sie besuchte dreieinhalb Jahre das Städtische Lyzeum am St.-Anna-Platz, damals eine Mädchenschule. Über ihre Kindheit, ihre Träume und Interessen wissen wir nichts, ebenso wenig, ob die Familie ein religiöses jüdisches Leben führte.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 setzte sofort die antisemitische Verfolgung der Jüdinnen und Juden ein, von denen auch die Familie Wilmersdörfer betroffen war. Sicher durfte Tochter Ruth spätestens 1938 nicht mehr in ihre Schule am St.-Anna-Platz besuchen. Ihr Vater Siegbert Wilmersdörfer schildert in einem Schreiben vom 14. Mai 1938 an die Polizei seine Schwierigkeiten, da er von "arischen" Firmen nicht mehr beliefert werde. Ein von ihm beantragte Gewerbegenehmigung wurde ihm nicht erteilt, so dass die Familie keine gesicherte Existenzgrundlage mehr besaß. Er wurde während der Pogromnacht am 9./10. November 1938 im KZ Dachau inhaftiert und erst vier Wochen später entlassen. Im Februar 1939 versuchte Ruth Wilmersdörfer erfolglos, mit einem Kindertransport Deutschland nach Großbritannien zu verlassen. Die Familie bemühte sich um die Emigration in die USA, nach Shanghai und Panama, wie entsprechende Einträge in ihren Pässen zeigen, konnte aber nirgends mehr einreisen. Im Frühjahr 1939 zwangen die Nationalsozialisten die Familie, ihre Wohnung in der Ismaninger Straße 52 zu verlassen und quartierten sie in „Judenwohnungen“ in der Hermann-Linggs-Straße 16, dann in die Nummer 15 dieser Straße ein. Am 11. November 1941 mussten sie in das Barackenlager für Juden in der Knorrstraße 148 ziehen.

Ruth Wilmersörfer, ihr Vater Siegbert Wilmersdörfer und ihre Mutter Frieda Luzie gehörten zu den fast 1000 Münchner jüdischen Frauen, Männern und Kindern, die die Gestapo am 20. November 1941 nach Kaunas deportierte, wo sie am 25. November 1941 SS-Männer des Einsatzkommandos 3 der Einsatzgruppe A erschossen.

Text: Schüler*innen des P-Seminars „Erinnerungszeichen“ am Städt. St.-Anna-Gymnasium 2019/2021

Quellen:

  • Stadtarchiv München, Einwohnermeldekarte Siegbert Wilmersdörfer.
  • Stadtarchiv München, RPJ-A 194.
  • Stadtarchiv München, KKD-4583.
  • Stadtarchiv München, GEW-ARI 197.

Internetquellen:

Literatur:

  • Stadtarchiv München (Hrsg.), „… verzogen unbekannt wohin“. Die erste Deportation von Münchner Juden im November 1941, Zürich München 2000.