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Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Bürkleinstraße 20 (früher 16)


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Salomon Silber

geboren 12.05.1868
in Mainstockheim,
gestorben 21.04.1938
in München




Salomon Silber wurde am 12. Mai 1868 im unterfränkischen Mainstockheim im Kreis Kitzingen geboren. Seine Eltern Isaak Baruch und Karoline Silber waren orthodoxe Juden und erzogen ihren Sohn in diesem Glauben. Auch die Liebe zum Wein wurde Salomon Silber in die Wiege gelegt, denn Vater Baruch war Weinhändler.

Wie viele jüdische Gemeinden in Franken und Schwaben schrumpfte die Gemeinde Mainstockheim seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Die jüngere Menschen zogen in die Städte - auch Salomon Silber. Er wurde Versicherungsagent für Lebensversicherungen und ging zunächst nach Würzburg. Dort heiratete er am 24. September 1894 Ida Falk.

Die Familie Silber entschied sich im Jahr 1899 ebenfalls für München als neue Heimat. 1899 kam Sohn Fritz zur Welt. Es folgten 1901 Tochter Centa Gitl, 1902 Tochter Karola und 1904 Sohn Siegfried. Im Jahr 1905 wurde Tochter Erna geboren, sie starb nach nur einer Woche. Schließlich kam 1910 als sechstes Kind Sohn Bruno zur Welt. Die kinderreiche Familie Silber zog am 24. Juni 1916 in das Erdgeschoss des Wohnhauses Bürkleinstraße 16, das die Kinder zu jeweils gleichen Teilen vom Vater geerbt hatten.

Salomon Silber engagierte sich intensiv in der Chewra Kadischa ("Heilige Gesellschaft"), der traditionsreichen jüdischen Begräbnisbruderschaft. Besonders intensiv kümmerte sich Salomon Silber um Sterbende im Israelitischen Krankenhaus in der Ludwigsvorstadt. Fast 30 Jahre lang war er Schriftführer in der Chewra Kadischa und mit seiner Aufgabe nicht nur ein engagiertes, sondern ein geachtetes und weithin bekanntes Mitglied der Israelitischen Kultusgemeinde.

Tochter Karola Silber-Lorch ging schon in den 1920-er-Jahren nach Palästina, gründete dort eine Familie und arbeitete in der Nationalbibliothek in Jerusalem. Ihre Brüder Siegfried und Bruno Silber folgten ihr im Jahr 1933, wo Bruno 1948 in der Schlacht um Jerusalem fiel. Centa Gitl arbeitete als Sekretärin in der Israelitischen Kulturgemeinde und verstarb am 25. November 1937. Der Sohn Dr. Friedrich "Fritz" Silber konnte mit seiner Familie 1941 in die USA entkommen.Tochter Centa Gitl Silber blieb bei ihren Eltern in der Bürkleinstraße wohnen.

Salomon Silber erkrankte schwer und starb am 21. April 1938 in München. Die Trauerrede auf Salomon Silber hielt Dr. Joseph Marschütz, Arzt und Gründer des Vereins „Krankenheim Israelitische Privatklinik e. V.“, jenes Krankenhaus, für das sich Salomon Silber Zeit seines Lebens besonders engagiert hatte. Sein Grab befindet sich auf dem neuen Israelitischen Friedhof in München. Seine Ehefrau Ida Silber wurde am 15. Juli 1942 in das KZ Theresienstadt deportiert, wo sie am 27. Februar 1943 infolge der katastrophalen Bedingungen im Lager starb.

Dr. Felicia Englmann

Quellen

Literatur:

  • Douglas Bokovoy, Jüdisches Bildungswesen, in: Douglas Bokovoy, Stefan Meining (Hrsg.), Versagte Heimat. Jüdisches Leben in Münchens Maxvorstadt 1914-1945, München 1994. S. 181-196.
  • Barbara Picht, Dr. jur. Fritz Silber, in: Douglas Bokovoy, Stefan Meining (Hrsg.), Versagte Heimat, Jüdisches Leben in Münchens Maxvorstadt 1914-1945. München 1994, S. 261-276.
  • Michael Brenner (Hrsg.), Jüdisches München. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart, München 2006.
  • Betty Scholem, Gerschom Scholem, Mutter und Sohn im Briefwechsel 1917-1946, München 1989, S. 103.
Zwei Stelen erinnern an die ehemaligen Bewohner der Bürkleinstraße 20 Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Zwei Stelen erinnern an die ehemaligen Bewohner der Bürkleinstraße 20

Foto: Stadtarchiv München

Ellen Presser von der Israelitischen Kultusgemeinde München erinnert an die jüdischen Opfer in der NS-Zeit  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Ellen Presser von der IKG München erinnert an die jüdischen Opfer in der NS-Zeit

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Dr. Felicia Englmann übergibt die Erinnerungsstelen an die Öffentlichkeit Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Dr. Felicia Englmann übergibt die Erinnerungsstelen an die Öffentlichkeit

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Grußwort von Lilian Harlander auf der Gedenkveranstaltung am 20. November 2018 im Jüdischen Museum Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Grußwort von Lilian Harlander auf der Gedenkveranstaltung im Jüdischen Museum

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Stadtdirektor Dr. Michael Stephan gedenkt der 999 Jüdinnen und Juden, die am 20. November 1941 nach Kaunas deportiert wurden  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Stadtdirektor Dr. Michael Stephan gedenkt der Opfer der Deportation nach Kaunas

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Dr. Felicia Englmann berichtet über die früheren Bewohner der Bürkleinstraße 20  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Dr. Felicia Englmann berichtet über die früheren Bewohner der Bürkleinstraße 20

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

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