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Bürkleinstraße 20 (früher 16)


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Simon Kissinger

geboren 18.02.1859
in Rödelsee,
gestorben 15.02.1939
in München




Jüdische Identität zu fördern, zu bewahren und zu schützen, war Simons Kissingers Mission.

Simon kam als Sohn des Kaufmannsehepaars Abraham und Fanni Kissinger am 18. Februar 1859 im unterfränkischen Rödelsee zur Welt. Er hatte acht Geschwister. Der Vater war nicht nur Kaufmann, sondern auch Weber und zudem Verwalter des jüdischen Friedhofs in Rödelsee.

Simon erhielt in Würzburg eine Ausbildung an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt (ILBA). Schon im Alter von 20 Jahren arbeitete Simon Kissinger als Lehrer an der israelitischen Elementarschule in Urspringen.

Urspringen wurde bis ins Alter Simon Kissingers Wirkungsstätte und Heimat. Hier lernte er Babette Fränkel kennen und heiratete sie am 1. Januar 1884. Die Kissingers bekamen sieben Kinder: Salomon, geboren 1888, Irma, geboren 1889, Ferdinand, geboren 1891, Franziska, geboren 1893, Julius, geboren 1894, Jenny geboren 1896 und Bella, geboren 1897.

Simon Kissinger war in der Gemeinde stark engagiert und im ganzen Ort bekannt und geachtet. Im Lauf der Jahre wurde er zu "einer der wichtigsten Persönlichkeiten des Ortes und der jüdischen Gemeinde" und war nicht nur Lehrer, sondern auch Kantor und Vorbeter (Chasan) der Gemeinde. Anlässlich seines 25-jährigen Dienstjubiläums im Lehramt erhielt Simon Kissinger 1903 die Ehrenbürgerschaft Urspringens.

Simon Kissinger engagierte sich jedoch nicht nur für seine Schule und Gemeinde, sondern war auch Gründungsmitglied des Israelitischen Lehrervereins in Bayern.

Ein Foto aus dem Jahr 1912 zeigt Simon Kissinger und seine Frau Babette im Kreis von 17 Schülern. Im Jahr 1918 wurde die jüdische Elementarschule aufgelöst. Simon Kissinger unterrichtete an der Volksschule und blieb als Religionslehrer am Ort. Seine Frau Babette starb am 1. Januar 1919.

Die Söhne Ferdinand und Julius erhielten ihre Ausbildung ebenfalls an der ILBA in Würzburg und wurden Lehrer, nach Stationen an anderen Schulen, an der Israelitischen Volksschule in München.

Weil sich für Simon Kissinger in Urspringen kein Nachfolger fand, arbeitete er auch nach seine Pensionierung weiter als Religionslehrer. Im Jahr 1928 feierte er sein 50-jähriges Dienstjubiläum. Mit dem Ende des Schuljahres 1928/29 setzte sich Simon Kissinger zu Ruhe.

Im Herbst 1938 kam es auch in Urspringen zu Übergriffen auf die jüdischen Bürger. Häuser, Wohnungen und die Synagoge wurden verwüstet, die Männer festgenommen. Ob Simon Kissinger zu diesem Zeitpunkt noch dort lebte, ist nicht bekannt. Er hat seine Heimat in den 1930er Jahren verlassen und ist zu seinen Söhnen Julius und Ferdinand , der Schwiegertochter Jenny und den Enkeln Albert und Manfred nach München in die Bürkleinstraße 16 gezogen.

Seine Töchter Irma und und Bella emigrierten nach New York, die Tochter Jenny ging nach Palästina. Er musste noch erleben, dass sein Sohn Ferdinand infolge der so genannten „Kristallnacht“ in das Konzentrationslager Dachau verschleppt und erst im Dezember freigelassen wurde.

Simon Kissinger erkrankte an Grippe und starb am 15. Februar 1939. Er ist auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in München begraben.

Seine Söhne Ferdinand und Julius, dessen Frau Jenny und die beiden Kinder Albert und Manfred wurden am 20. November 1941 von München nach Kaunas deportiert und dort fünf Tage später erschossen. Auch Simon Kissingers Tochter Franziska wurde in Kaunas ermordet, sein Sohn Salomon in Auschwitz.

Dr. Felicia Englmann

Quellen

Literatur

  • Simon Kissinger, Selbstachtung. Kritische Betrachtung von Hauptlehrer a.D. S. Kissinger in Urspringen, in: Der Israelit, 16.08.1923
  • Simon Kissinger, Die Hebung des jüdischen Lebens in Stadt und Land, in: Der Israelit, 1924.
Zwei Stelen erinnern an die ehemaligen Bewohner der Bürkleinstraße 20 Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Zwei Stelen erinnern an die ehemaligen Bewohner der Bürkleinstraße 20

Foto: Stadtarchiv München

Ellen Presser von der Israelitischen Kultusgemeinde München erinnert an die jüdischen Opfer in der NS-Zeit  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Ellen Presser von der IKG München erinnert an die jüdischen Opfer in der NS-Zeit

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Dr. Felicia Englmann übergibt die Erinnerungsstelen an die Öffentlichkeit Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Dr. Felicia Englmann übergibt die Erinnerungsstelen an die Öffentlichkeit

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Grußwort von Lilian Harlander auf der Gedenkveranstaltung am 20. November 2018 im Jüdischen Museum Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Grußwort von Lilian Harlander auf der Gedenkveranstaltung im Jüdischen Museum

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Stadtdirektor Dr. Michael Stephan gedenkt der 999 Jüdinnen und Juden, die am 20. November 1941 nach Kaunas deportiert wurden  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Stadtdirektor Dr. Michael Stephan gedenkt der Opfer der Deportation nach Kaunas

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

Dr. Felicia Englmann berichtet über die früheren Bewohner der Bürkleinstraße 20  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Dr. Felicia Englmann berichtet über die früheren Bewohner der Bürkleinstraße 20

Foto: Stadtarchiv München, E. Weichelt

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