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Tengstraße 25


Foto Sophie Gutmann  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Stadtarchiv München

Sophie Gutmann

geb. Marx
geboren 16.05.1878
in Heilbronn,
deportiert 24.06.1942
in das Ghetto Theresienstadt,
ermordet 11.10.1944
im Ghetto Theresienstadt


Sophie Marx wurde am 16. Mai 1878 in Heilbronn geboren. Ihr Vater Elias Emil Marx arbeitete als Metzger und Darmgroßhändler in Heilbronn und ihre Mutter Fanny Marx, geborene Ottenheimer, kümmerte sich um eine große Kinderschar. Ihre Eltern sind auf dem jüdischen Friedhof Heilbronn in einem Doppelgrab bestattet. Sophie Marx hatte sieben Geschwister, die wie sie selbst alle in Heilbronn zur Welt kamen - Moses, Carola, Louis, Therese, Pauline, Rosa und Benedikt.

Wir wissen nur wenig aus der Jugend von Sophie Marx. Sie erlernte wohl einen Beruf, war Kauffrau.

Sie heiratete am 19. November 1901 in Heilbronn den aus Gemmingen stammenden, fünf Jahre älteren Emanuel Gutmann und zog mit ihm nach München. Dem Ehepaar wurde am 21. Juni 1902 ein Kind geboren, dass bereits am nächsten Tag verstarb. Als neuer Eigentümer des Hauses in der Lindwurmstraße 205 eröffnete Emanuel Gutmann 1912 das „Lederwarenkaufhaus Gutmann“, das er mit seiner Ehefrau bis 1934 betrieb. Später eröffneten Sophie und Emauel Gutmann in der Schwabinger Feilitzschestraße 15 eine Filiale. Bis 1927 lebte das Ehepaar in der Lindwurmstraße 205. Ende 1927 zog das Ehepaar in die Südliche Auffahrtsallee nahe des Schlosses Nymphenburg, August 1931 dann in den zweiten Stock der Tengstraße 25. Seit dem Frühjahr 1936 lebten Sophie und Emanuel Gutmann um die Ecke, in der Elisabethstraße 30.

Nach der „Machtübernahme“ der Nationalsozialisten 1933 änderte sich das Leben des Ehepaares - wie das der gesamten jüdischen Bevölkerung in Deutschland – grundlegend. Im Zuge der „Kristallnacht“ am 9./10. November 1938 musste Sophie Gutmann miterleben, wie die Gestapo ihren 65-jährigen Ehemann in das Konzentrationslager Dachau verschleppte. Emanuel Gutmann hatte zwangsweise eine Verzichtserklärung auf sein Haus in der Lindwurmstraße 205 und das Kaufhaus unterschreiben müssen. Das Eckhaus übernahm die Carl Sattler Hausbesitz-Verwertung-Verwaltung, die es weiterverkaufte. Im Erdgeschoss befand sich nun das Unternehmen „Textilwaren Albert Helfferich“. Schwerkrank entließ ihn die SS erst am 1. Dezember 1938 aus der Haft. Das Ehepaar hatte wie alle Jüdinnen und Juden seine Wertsachen aus Edelmetallen, Edelsteine oder Perlen beim Städtischen Leihamt abzugeben. Davon kaufte die Stadt München eine Silberschale an, für die sie 1953 an einen Erben 14 DM Entschädigung zahlte. Außerdem wurden sie gezwungen, am 13. November 1941 eine "freiwillige" Spende in Höhe von 500 RM zur Finanzierung des euphemistisch „Judensiedlung Milbertshofen“ Barackenlagers zu leisten.

Sophie Gutmann und ihr Ehemann mussten schließlich im September 1941 in das Altersheim der Israelitischen Kultusgemeinde in der Kaulbachstraße 65 ziehen. Ein halbes Jahr später, am 16. März 1942, transportierte die Gestapo sie in die „Judensiedlung Milbertshofen“ in der Knorrstraße 148, wo sie in überfüllten Baracken ohne jede Privatsphäre eingepfercht leben mussten.

Am 24. Juni 1942 deportierte die Gestapo Sophie und Emanuel Gutmann in das Ghetto Theresienstadt. Die Lebensbedingungen insbesondere für ältere Menschen waren katastrophal, viele mussten auf Dachböden unter grauenvollen hygienischen Verhältnissen vegetieren. Emanuel Gutmann starb dort am 24. Oktober 1943. Seine Ehefrau Sophie überlebte noch fast ein Jahr, ehe auch sie am 11. Oktober 1944 in Theresienstadt starb.

Ihr Bruder Louis Marx emigrierte nach Roermond in die Niederlande, von wo die deutschen Besatzer ihn in das Vernichtungslager Sobibor deportierten und dort 1943 ermordeten. Ihren Geschwistern Rosa Neumann und Benedikt Marx gelang es, nach Palästina zu entkommen. Nach dem Krieg kehrte Benedikt Marx nach Heilbronn zurück. Ihre Schwester Therese Klugmann emigrierte im Juni 1939 von München nach Richmond, Virginia.

Im April 2013 wurden vor dem Haus Lindwurmstraße 205 auf Privatgrund Stolpersteine für das Ehepaar Gutmann verlegt.

Text von Elisabeth Rosa M. Noske

Quellen:

  • Stadtarchiv München, Leihamt/Rückerstattungsakte Ia 2073.
  • Stadtarchiv München, EWK 38.
  • Stadtarchiv München, Polizeimeldebogen (PMB).
  • Stadtarchiv München, Hausbögen Tengstraße 25, Elisabethstraße 30.
  • Stadtarchiv München, Bürgermeister und Rat 3568, lfd. Nr. 39.
  • Stadtarchiv München, Datenbank zum Biografischen Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945.
  • Staatsarchiv München, NSDAP 37.
  • Staatsarchiv München, OFD 4258.

Internetquellen:

Literatur:

  • Wolfram Angerbauer, Hans Georg Frank, Jüdische Gemeinden in Kreis und Stadt Heilbronn. Geschichte, Schicksale, Dokumente. Landkreis Heilbronn, Heilbronn 1986 (Schriftenreihe des Landkreises Heilbronn. Band 1), S. 73–80.

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