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Auenstraße 15


Porträt Therese Kühner  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Therese Kühner (Foto: Jehovas Zeugen Deutschland Archiv)

Therese Kühner

geb. Danhofer,
geboren 25.04.1884
in Unterweikershofen,
inhaftiert 02.08.1943
im Polizeigefängnis Ettstraße,
ermordet 06.10.1944
in Berlin-Plötzensee


Die seit 1914 mit einem Musiker verheiratete Köchin Therese Kühner trat 1929 aus der katholischen Kirche aus und schloss sich den Bibelforschern an.

Die Religionsgemeinschaft, die 1931 den Namen „Jehovas Zeugen“ angenommen hatte, wurde bereits wenige Monate nach Beginn des NS-Regimes in den Ländern des Deutschen Reiches verboten und unerbittlich verfolgt. In den Konzentrationslagern erhielten die Zeugen Jehovas mit dem „lila Winkel“ eine eigene Kennzeichnung. Die weitaus meisten hingerichteten Kriegsdienstverweigerer waren Zeugen Jehovas. Ihr Blutzoll war der Auslöser für das nach dem Krieg im Grundgesetz verankerte Recht auf Wehrdienstverweigerung. 10.700 der 25.000 Gläubigen im Deutschen Reich sind als NS-Verfolgte dokumentiert. Von diesen wurden circa 9.000 inhaftiert, 2.800 in einem Konzentrationslager. Etwa 1.000 verloren ihr Leben, darunter Therese Kühner.

Am 2. August 1943 und damit erst im elften Jahr der NS-Herrschaft wurde sie zusammen mit ihrer Schwägerin Else Danhofer, die sich bei ihr zu Besuch befand, verhaftet. Ob sie schon vor 1943 wegen ihrer religiösen Überzeugung mit dem NS-Regime in Konflikt geriet, ist nicht bekannt. Therese Kühner konnte nachgewiesen werden, dass sie seit Frühjahr 1942 wiederholt verbotene Schriften der Zeugen Jehovas erhalten und weitergegeben hatte. In ihrer Wohnung in der Auenstraße 15 in München hatten Bibelkreise und organisatorische Besprechungen der Zeugen Jehovas stattgefunden. Außerdem stellte die Gestapo in ihrer Wohnung einen Abziehapparat zur Vervielfältigung von Schriften und mehrere Pakete Abziehpapier sicher.

Nach über einem Jahr Haft in verschiedenen Gefängnissen in München und in Landshut wurde die zu diesem Zeitpunkt verwitwete Therese Kühner am 23. August 1944 in das Berliner Frauengefängnis Moabit überführt. Der Volksgerichtshof verurteilte sie und drei weitere Zeugen Jehovas, darunter Else Danhofer, am 30. August 1944 wegen `Wehrkraftzersetzung´ „zum Tode und zu dauerndem Ehrverlust“. Ihnen wurde zur Last gelegt, sich „bis in das Jahr 1943 hinein namentlich durch Verbreitung reichsfeindlicher Schriften in erheblichem Umfange für die verbotene Internationale Bibelforscher-Vereinigung betätigt“ zu haben.

Therese Kühner wurde am 6. Oktober 1944 in Berlin-Plötzensee enthauptet. Ein von ihr zuvor gestelltes Gnadengesuch, in dem sie erklärt hatte, ihr sei nicht bewusst, sich einer solch schweren Strafe schuldig gemacht zu haben, war abgelehnt worden. Mit Schreiben vom 14. Oktober 1944 informierte der Oberreichsanwalt die Enkelin Sophie Fischer, ebenfalls eine verfolgte Zeugin Jehovas aus München, von der Hinrichtung.

Text: Christoph Wilker

Quellen:

  • Bundesarchiv Berlin, ZC 7949.
  • Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, LEA 28865.
  • Jehovas Zeugen in Deutschland, K. d. ö. R., Archiv, Therese Kühner.

Literatur:

  • Detlef Garbe, Zwischen Widerstand und Martyrium. Die Zeugen Jehovas im „Dritten Reich“, München 1999.
  • Marion Detjen, Die Zeugen Jehovas, in: Zum Staatsfeind ernannt, Widerstand, Resistenz und Verweigerung gegen das NS-Regime in München, hg. von der Landeshauptstadt München, München 1998, Seite 237-252.
  • Christoph Wilker, Ich hatte eine gerade Linie, der ich folgte. Die Geschichte von Rita Glasner, einem Bibelforscherkind im „Dritten Reich“, München 2015.
  • NS-Dokumentationszentrum München, Die Verfolgung der Zeugen Jehovas in München 1933-1945. Publikation zur Ausstellung, München 2018 (in Druck).

 

Christoph Wilker verliest die Biografie von Therese Kühner Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Christoph Wilker verliest die Biografie von Therese Kühner

Stadtarchiv München, E. Weichelt

Dr. Isabella Fehle (Stadtmuseum) bringen das Erinnerungszeichen an Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Dr. Isabella Fehle (Stadtmuseum) bringen das Erinnerungszeichen an

Stadtarchiv München, E. Weichelt

Stele vor der Auenstraße 15 Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Stele vor der Auenstraße 15

Stadtarchiv München, E. Weichelt

Erinnerungsstele für Therese Kühner  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Erinnerungsstele

Gestaltung und Photographie: stauss processform, München

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Straßensituation Auenstraße 15

Gestaltung und Photographie: stauss processform, München

Erinnerungsstele vor dem Eingang Auenstraße 15 Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Vor dem Eingang Auenstraße 15

Gestaltung und Photographie: stauss processform, München