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Von Allach bis Zamilapark


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Namen und historische Grunddaten zur Geschichte Münchens und seiner eingemeindeten Vororte

Helmuth Stahleder

Einleitung

Die vorliegende Zusammenstellung - sie basiert auf einer gleichnamigen Publikation aus dem Jahr 2001 - ist kein Nachschlagewerk zur Baugeschichte (über Wohn- und Siedlungsbau) oder Architekturführer, sondern nur ein Führer zu Namen und wichtigen Daten zur Geschichte der Stadtteile. Es ist aber auch kein "Ortsnamenbuch" im wissenschaftlichen Sinne, das für München leider immer noch fehlt. Es sollen hier lediglich einige wichtige und immer wieder gestellte Fragen beantwortet werden: Seit wann kennt man den Ort, was bedeutet der Name, auf wen geht die Namensbildung oder - in jüngerer Zeit - die Orts- oder Siedlungsgründung zurück, seit wann gehört der Ort zu München, in welchem Stadtbezirk liegt er heute und wo kann man weiteres oder genaueres über ihn nachlesen?

Über die älteren Ortsnamen-Typen (Ortsnamen auf -ing, -hausen, -ham/-heim/-kam, -hofen, -loh/-lach, -ach/-bach, -brunn, -kirchen, -dorf, -berg, -reut/-ried, -tal) und das Problem einer zeitlichen Einordnung gibt es ausreichend Literatur1.

Daneben gibt es inzwischen eine Fülle von modernen Orts- und Siedlungsnamen, die häufig vom Architekturbüro oder einer Baugesellschaft gebildet werden, wobei der Gedanke unverkennbar ist, dem Wohngebiet einen gehobenen Anstrich zu geben, es "attraktiv" zu machen und damit auch im wörtlichen Sinne aufzuwerten. Daher kommen Namen mit der Endsilbe -park (Arabellapark, Dantepark, Hansapark, Kustermannpark) oder -hof (Emilienhof, Asamhof, Kurfürstenhof, Elisenhof), auch Namen in Verbindung mit "Garten-" oder "Gartenstadt" (Gartenstadt Bogenhausen, Gartenstadt Trudering) oder "Wald" (Waldtrudering, Kolonie Waldfrieden). Seit Ende des 19. Jahrhunderts war lange Zeit die Bezeichnung als "Villen-Kolonie" sehr in Mode (Villenkolonie Gern). Zur Aufwertung beitragen kann auch der großzügig ausgelegte Begriff "Stadt" (Gartenstadt, Studentenstadt, Olympia-Pressestadt, Messestadt) oder gar "Parkstadt", der erstmals bei der "Parkstadt Bogenhausen" angewendet wurde und dort ein Wohngebiet bezeichnete, das in eine parkartige Landschaft eingebettet ist.

Großzügig geht auch der Volksmund mit manchen Begriffen um, etwa der Bezeichnung "Viertel". Ursprünglich ist das der vierte Teil eines Ganzen. Weil die Münchner Altstadt früher in vier Teile geteilt war, nannte man diese Teile zurecht "Viertel". In Städten, die nicht in vier Teile geteilt waren, ist deshalb der Begriff auch weitgehend ungebräuchlich. Heute wird manchmal ein einzelner Baublock oder eine kleine Straße als "Viertel" bezeichnet, zum Beispiel das "Mettingh-Viertel": Es gibt aber nur eine "Mettighstraße". Die Straße besteht aus nur sechs Mietshäusern. Nur wenige der dort lebenden Bürger gebrauchen den Namen. Deshalb ist es auch unmöglich, alle diese Namen zu kennen und zu erfassen.

Bezeichnungen wie "Kolonie" oder "Siedlung" deuten auf Klein- oder Einzelhaus-Siedlungen, häufig ungeplant, manchmal sogar aus wilder Wurzel (Wilde Siedlung, Schwarzbau-Siedlung) entstanden, auf die Initiative Einzelner zurückgehend.

Aufgenommen wurden auch Bezeichnungen oder Charakterisierungen, die keine eigentlichen Namen sind, wie "Frontkämpfersiedlung", "Alte-Kämpfer-Siedlung", "Postversuchssiedlung" oder "Judensiedlung Milbertshofen", weil diese Begriffe vor allem in der bau- und siedlungsgeschichtlichen Literatur immer wieder genannt werden.
Nicht behandelt wurden hier Siedlungs-Namen, die nach Straßen benannt werden, zum Beispiel Siedlung (an der) Krünerstraße, Siedlung (an der) Ständlerstraße, Siedlung (an der) Hechtseestraße und so weiter. Solche Namen kann auch jeder selbst erfinden und dies geschieht auch ständig, sodaß auch sie sich einer systematischen Erfassung entziehen. Die Erklärungen von Straßennamen findet man in den Stadtadreßbüchern. Die neueste Ausgabe liegt in jedem U-Bahnhof aus, ebenso bei der Rathaus-Information, im Informations-Zentrum im Stachus-Untergeschoß, beim Adreßbuch-Verlag und in den Münchner Bibliotheken. In regelmäßigen Abständen ist auch das Buch "Münchens Straßennamen" in neuer, ergänzter Auflage über die Buchhandlungen zu beziehen. Über die Ortsbezeichnungen und Straßennamen der Münchner Altstadt gibt es eigene Literatur.

Nicht behandelt werden auch Namen wie Amalien-Passage, Schüssel-Passage und so weiter. Dabei handelt es sich um einzelne Wohn- und Geschäftsbereiche, nicht eigentlich um Siedlungen im weitesten Sinne. Baugebiete oder Wohnanlagen werden amtlich (von der Stadt) ohnehin nicht benannt.

Bei den alten Namen darf man manchen Erklärungsversuch anzweifeln, wie die Entstehungsgeschichte von Namen wie "Milbertshofen" oder "Lehel" zeigen. Gerade Namen entwickeln sich nicht immer nach den Sprachgesetzen. Manchmal gehen sie aus bewußter Verbalhornung hervor, manchmal können sie scherzhaft umgedeutet sein, manchmal durch Mißverständnis oder Mißdeutung, manchmal durch Hörfehler. Eine wissenschaftlich-kritische und mehr an der Historie als an der Sprachwissenschaft orientierte Überarbeitung der Deutung alter Ortsnamen in und um München wäre dringend erforderlich, wenngleich sich schon jetzt die Gefahr abzeichnet, daß nur die eine Theorie durch eine andere ersetzt wird.

Zwei Gruppen von Namen lassen sich aber unterscheiden: a) solche, die förmlich vom Stadtrat beschlossen wurden und b) alle anderen. Die Namen Alt- und Neuperlach wurden zum Beispiel am 2. Februar 1972 vom Stadtrat beschlossen, der Name "Freimanner Heide" am 20./28. September 1988, der Name "Messestadt Riem" am 26. Januar 1994. Weitere Beispiele findet man beim jeweiligen Namen. Die förmlich durch Stadtratsbeschluß festgelegten Namen sind allerdings die weitaus wenigsten.

Untauglich für die Bildung von Namens-Gruppen sind Kategorien wie "offizielle" und "nicht offizielle" Ortsnamen oder "gültige" und "ungültige" oder "amtliche" und "nicht-amtliche" Namen: Jeder Name ist in dem Augenblick, in dem er in die Welt gesetzt ist ein legitimer Ortsname. Die mittelalterlichen Namen sind auch nicht anders entstanden als heute: Ob es nun ein Ortsadeliger des 8. Jahrhunderts war oder ein Architekt des 20. Jahrhunderts, die einem Wohngebiet einen Namen gaben, spielt keine Rolle; ob ein Name als Scherz, auf Grund eines Mißverständnisses, durch einsame Entscheidung eines Einzelnen, durch ein Preisausschreiben oder durch einen Mehrheitsbeschluß im Stadtrat zustande kommt, ist unerheblich. Name ist Name. Heute braucht jedes neue Modell für eine Wohnanlage gleich welcher Größe - also auch einzelne Gebäude wie "Ramses" oder "Fuchsbau" - vom Beginn der Planungen an einen Namen, mit dem sich schon die Mitarbeiter eines Architekturbüros und die Baubehörden verständigen können. Auf diese Weise kommt es zu einem "Arbeitstitel", der dem Wohngebiet dann häufig auch bleibt, zum Beispiel "Am Westkreuz" oder in der Innenstadt als prominentestes Beispiel "Marienhof".

Manche Namen geraten auch in die amtlichen Stadtkarten ("Dantepark"), andere wieder nicht ("Kieferngarten", "Holzapfelkreut"). Bei manchen wird mit großem Aufwand, etwa einem Ideenwettbewerb, ein Name gesucht ("Borstei", "Messestadt Riem", "Freimanner Heide"), über andere entscheidet eine Einzelperson.
In manchen Fällen wird später eine Umbenennung versucht, mit unterschiedlichem Ausgang. In allen Bauakten, auch in der Presse, wird von Anfang an ein zunächst provisorischer Name ("Arbeitstitel") verwendet. Die baugeschichtliche Literatur schöpft ihre Kenntnisse für gewöhnlich aus den Behördenakten und aus zeitgenössischen Presseberichten. Die Wissenschaftler glauben, es besonders richtig zu machen, wenn sie die Begriffe aus den Akten übernehmen. Also wird eine neue Siedlung weiterhin unter dem Namen "Siedlung Heidemannstraße" oder "Gartenstadt Heidemannstraße" abgehandelt werden3 oder als "Fröttmaninger Heide"4, unbeschadet der Tatsache, daß für diese Siedlung der Stadtrat schon am 28. September 1988 den Namen "Freimanner Heide" beschlossen hat. Ähnlich scheint der Name "Messestadt Riem" den ursprünglichen "Arbeitstitel" "Neu-Riem" nicht ganz verdrängen zu können.

Praktisch kann also jedermann einen solchen Siedlungs- oder Ortsnamen erfinden, in Umlauf bringen (propagieren) und ihn mit der Zeit durchsetzen. Ob ein Name in den amtlichen Stadtplan aufgenommen wird, hängt zum Teil davon ab, wieviel Platz auf der Karte an der betreffenden Stelle für einen Namen ist, zum Teil liegt es auch im Ermessen des Sachbearbeiters und hängt von seinem zufälligen Wissen ab. Manchmal können auch Interessengruppen ihre Wünsche auf einen Namen in der Stadtkarte durchsetzen. Daß "Dantepark" in der Karte steht, aber "Kieferngarten" oder "Holzapfelkreut" nicht, hat keinerlei amtliche Gründe. Es gibt keine verbindlichen Richtlinien dafür.

Es wird kaum möglich sein, auf Anhieb - oder überhaupt - alle gebräuchlichen Orts-, Siedlungs- und Wohngebietsnamen zu erfassen. Der Namenskatalog wird deshalb immer nur eine Auswahl der wichtigsten und der geläufigsten Namen darstellen.
Auch auf die Schreibweise der Namen ist zu achten: Nach dem Wortlaut der Stadtratsbeschlüsse heißt es beispielsweise zwar Neu-Forstenried, aber Neuaubing, und es heißt nicht "Am Hasenbergl", sondern nur "Hasenbergl".

Den im Jahr 2001 gültigen Stadtbezirken werden in der vorliegenden Veröffentlichung die Orte nach ihrer historischen Lage zugeordnet. Da das historische Nederling nördlich der Baldurstraße liegt, gehört es zum Stadtbezirk "10 - Moosach", nicht zum Stadtbezirk "9 - Neuhausen-Nymphenburg". Das Anwesen Holzapfelkreuth lag an der Holzapfelstraße. Diese gehört zum Stadtbezirk "20 - Hadern", nicht zum Stadtbezirk "7 - Sendling-Westpark". Das historische Michaeliburg lag im heutigen Stadtbezirk "15 - Trudering-Riem", nicht "14 - Berg am Laim" und so weiter.

Als 1947 die Bezirksausschüsse ins Leben gerufen wurden, wurden sie Stadtbezirken mit Nummern zugeordnet. Da diese zu anonym erschienen, führte man für die Stadtbezirke Namen ein. Nach langer Diskussion im Vorfeld beschloß die Vollversammlung des Stadtrats am 2. Februar 1954 diese Namen:

Stadtbezirke 1/4 Altstadt-Nord,
Stadtbezirke 2/3 Altstadt-Süd,
Stadtbezirk 5 Maxvorstadt-Universität,
6 Maxvorstadt-Königsplatz,
7 Maxvorstadt-Josefsplatz,
8 Marsfeld,
9 Wiesenviertel (!),
10 Isarvorstadt-Schlachthausviertel (!),
11 Isarvorstadt-Glockenbachviertel,
12 Isarvorstadt-Deutsches Museum,
13 Lehel,
14 Haidhausen-Nord,
15 Haidhausen-Süd,
16 Au,
17 Obergiesing,
18 Untergiesing-Harlaching,
19 Sendling,
20 Schwanthaler Höhe,
21 Neuhausen-Oberwiesenfeld,
22 Schwabing-Freimann,
23 Neuhausen-Nymphenburg,
24 Thalkirchen/Obersendling/Forstenried,
25 Laim,
26 Schwabing-West,
27 Milbertshofen-Hart,
28 Neuhausen-Moosach,
29 Bogenhausen,
30 Ramersdorf-Perlach,
31 Berg am Laim,
32 Trudering,
33 Feldmoching,
34 Neusendling, gegebenenfalls mit dem Zusatz Waldfriedhofviertel,
35 Pasing,
36 Solln,
37 Obermenzing,
38 Allach-Untermenzing,
39/40 Aubing-Langwied,
41 Hadern.

Die im Jahr 2001 amtlichen 25 Namen der Stadtbezirke wurden am 6. November 1991 vom Stadtrat beschlossen. 1996 wurde mit Wirkung vom 1. Mai der Stadtbezirk 8 (Schwanthalerhöhe-Laim) geteilt in einen Stadtbezirk 8 (Schwanthalerhöhe) und 25 (Laim).