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Naturgemäßer Waldbau


Mischwald  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Foto: Helmut Gutjahr

Artenvielfalt in der natürlichen Waldgesellschaft

Die Entwicklung, die Erhaltung, die Pflege und den Schutz von stabilen und elastischen Waldökosystemen hat der naturgemäße Waldbau zum Ziel. Damit erfüllt er alle an den Wald gerichteten Erfordernisse und ökologischen Verpflichtungen nachhaltig und leistungsfähig. Die im Ökosystem Wald ablaufenden Prozesse ganzheitlich betrachten und die darin wirksamen Kräfte weitgehend nutzen - so können die ökologischen wie ökonomischen Bedingungen und Ergebnisse optimiert werden.

Baumarten und Baumartenmischung

Der Stadtwald soll sich aus standortgemäßen Baum- und Straucharten zusammensetzen, die sich über lange Zeiträume den Erfordernissen von Klima und Bodenverhältnissen optimal angepasst haben. Die Artenvielfalt der natürlichen Waldgesellschaft stellt das Ziel dar, das auf weiten Teilen des städtischen Waldbesitzes bereits erreicht ist. Insbesondere zeigen die Baumartenanteile der bis 60jährigen Wälder eine deutliche Zunahme der Laubholzanteile. Dieser Waldaufbau verringert das Risiko von großflächigen Schadenseinbrüchen und Kalamitätsausdehnung (Massenkrankheiten). Herkunftsgesicherte alte Waldbestände werden deshalb seit Jahren von der Forstverwaltung geerntet und das bodenständige Saatgut zur Anzucht von Jungpflanzen verwendet.

So wurde in den letzten 20 Jahren ein Großteil des Bedarfs an Pflanzen für den eigenen Wald gesichert. Diese frischen Jungpflanzen haben viele Umbau- und Windwurfflächen gefüllt.

Um im Stadtwald strukturreiche, stabile Waldökosysteme in der Nachfolge von Fichtenreinbeständen zu schaffen, wurden in den vergangenen Jahren mehrere Millionen Pflanzen gesetzt, davon etwa 90 Prozent Laubbäume und 10 Prozent Nadelbäume.
Die Erneuerung durch natürliche Verjüngung in vorhandenen Mischbeständen wird durch das Kurzhalten der Schalenwilddichte erreicht, wobei das eigene Forstpersonal für die Durchsetzung garantiert.

Artenschutz

Der städtische Wald ist ein Rückzugsgebiet vieler seltener Tier- und Pflanzenarten. Die Waldbetreuung belässt absterbendes und totes Holz in ausreichender Menge, so dass viele Rote-Liste-Arten geschützt sind. Mehrere Waldgrundstücke der Stadt sind als schützenswerter Landschaftsbestandteil gesichert. Detaillierte Artenfeststellungen dokumentieren hier die ökologische Vielfalt. Extremstandorte wie Moore, Auen, Uferflächen und Schluchten reagieren sehr empfindlich auf menschliche Eingriffe und erfordern besonderen Schutz.

Pflege und Nutzung von Starkholzbestand

Holznutzende Eingriffe erfolgen mit mäßiger Stärke und in regelmäßigen Zeitabständen. Im Regelfall werden reife Stämme bei passender Marktlage geerntet, gleichzeitig qualitativ wertvolle, produktive und stabile Einzelbäume begünstigt. Ohne Kahlschlag und extreme Freiflächensituation schafft diese Art der Walderneuerung günstige Anwuchsbedingungen für die Jungpflanzen.

Rohstoff Holz

Im städtischen Wald wachsen jährlich circa 40.000 Kubikmeter umweltfreundlich produzierter Rohstoff Holz nach. Die ökologische Waldbetreuung führt zu einer Steigerung des Holzvorrates nach Masse und Wert. Höhere Starkholzanteile haben günstigere Bereitstellungskosten und höheren Erlös zur Folge. Natürliche Verjüngung wird genutzt und spart damit Pflanzkosten, Altholzschirm steuert den Lichteinfall und ermöglicht dem Jungwuchs sich selbständig zu regulieren. Natürliche Kreisläufe und Steuerungsmechanismen werden genutzt und ersetzen den Einsatz systemfremder Energie.

Unter ökologischen Aspekten bietet der Naturstoff Holz große Vorteile: Für die Herstellung, den Transport und die Verarbeitung benötigt er den geringsten Energieverbrauch unter allen Baustoffen. Er speichert das Treibhausgas Kohlendioxid und hilft durch seine wärmedämmenden Eigenschaften, Heizenergie zu sparen.

Schonender Umgang mit dem Ökosystem Wald

Um die Produktionskraft des Waldbodens zu erhalten, muss er geschützt werden. Tiefwurzelnde Baumarten erschließen größere Nährstoffreserven, das Unterlassen von Kahlschlägen schützt vor Auswaschung wertvoller Nährelemente. Frostperioden und die winterliche Vegetationsruhe werden konsequent für die Waldpflege und Holzernte genutzt. Breitreifenschlepper mit Kran sorgen für Pfleglichkeit bei der Holzausbringung. Seit 1950 findet im Stadtwald kein Gifteinsatz statt.

FSC-Zertifikat

Der Münchener Stadtwald ist unabhängig zertifiziert nach den Naturland Richtlinien zur Ökologischen Waldnutzung und im Rahmen einer Gruppenzertifizierung nach den Deutschen FSC-Standards.
FSC Trademark © Forest StewardshipCouncil A.C.
Gruppenzertifikat: IMO - FM / COC-009887

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