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Wildkatzen in München und Umgebung


Auf der Spur der scheuen Waldjäger

Wie weist man ein Tier nach, das nicht gefunden werden will? Bei Europäischen Wildkatzen hilft ein Griff in die Trickkiste. Die Katzen finden Baldrian hinreißend, denn der Geruch ist ihren Sexuallockstoffen sehr ähnlich. Deshalb besprühen Forscher hölzerne Lockstöcke im Wald mit Baldriantinktur. Wenn sich die Wildkatzen daran reiben verlieren sie Haare, die dann genetisch analysiert werden. Mit diesem Kniff kommt der BUND Naturschutz (BN) den Wildkatzen zuverlässig auf die Spur.

Ein attraktiver Standort für die Wildkatze

„In der Moosschwaige zeigt sich, dass auch eine Großstadt viel für den Erhalt der Artenvielfalt leisten kann. Als scheue Waldbewohner nutzen Wildkatzen gerne naturnahe, abgelegene Wälder oder Waldlichtungen. Deshalb sind die städtischen Wälder in der Moosschwaige ein attraktiver Standort im Rettungsnetz für die Wildkatze. Ein Nachweis der scheuen Tiere an dieser Stelle wäre ein Riesenerfolg für den Artenschutz!“ erklärt Christian Hierneis, Vorsitzender des BN in München.

„Die Testfläche in der Moosschwaige entspricht genau den Vorlieben der Wildkatze. Die Lockstöcke stehen auf einer einsamen Waldlichtung, fernab von Spazierwegen und menschlichen Siedlungen, mit besten Futterbedingungen“, erläutert Kristina Frank, Kommunalreferentin und Leiterin der Städtischen Forstverwaltung. „Die umliegenden Wälder werden seit Jahren von der Städtischen Forstverwaltung München nach den Richtlinien des Naturland-Verbandes bewirtschaftet und bieten der Wildkatze deshalb gute Lebensbedingungen. Ich würde mich freuen, wenn sich die scheuen Tiere dauerhaft im Großraum München ansiedeln würden.“

Erste Spuren in Augsburg gefunden

Den Ausschlag, auch im Raum München den Wildkatzen nachzuspüren, gaben Wildkatzennachweise aus dem Jahr 2014 westlich von Augsburg. In den Monaten März und April haben Mitarbeiterinnen des Münchner BN die zwei Lockstöcke in der Moosschwaige wöchentlich auf anhaftende Haare untersucht und neu mit Baldriantinktur eingesprüht. Im Gegensatz zur ersten Untersuchung von 2015 hatten sie dieses Jahr Erfolg:

 „Erstmals haben wir in diesem Frühjahr Tierhaare an den Lockstöcken in der Moosschwaige gefunden. Ob es sich um Wildkatzenhaare handelt, muss nun die Gen-Analyse zeigen. Einzelne Hinweise, wonach Menschen Wildkatzen in der Nähe von München gesehen haben wollen,  haben uns bereits erreicht. Doch da sich Wildkatze und wildfarbene Hauskatze äußerlich sehr ähnlich sind, zählt nur der genetische Nachweis“ ergänzt Martin Hänsel, stellvertretender Geschäftsführer des BN in München.

Vor über 100 Jahren verschwunden

1914 wurde die letzte Wildkatze in bayerischen Wäldern gesichtet, obwohl sie bis vor etwa 250 Jahren noch in allen größeren Wäldern vorkam. Falsch verstandene Jagd durch den Menschen hatte zu ihrem Aussterben geführt. Dabei schadet die extrem scheue Mäusefängerin nachweislich keiner anderen jagdlich interessanten Art. 1984 - 70 Jahre später - startete der BN mit Unterstützung des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums und verschiedener Forstämter die Wiederansiedlung der Tiere in Bayern. In den Zucht- und Auswilderungsstationen in Schloss Wiesenfelden (Vorderer Bayerischer Wald) und Rothenbuch (Spessart) wurden bis 2011 über 600 Tiere auf das Überleben in der Wildnis vorbereitet und in verschiedenen Auswilderungsgebieten, vor allem im Spessart, in die Freiheit entlassen werden.

Spurensuche im Wald

Das jahrzehntelange Engagement des BUND Naturschutz wirkt: Eine groß angelegte Suchaktion in den Jahren 2013 bis 2015 bewies, dass die scheuen Jäger nicht nur in die Wälder Nordbayerns, sondern auch südlich der Donau zurückgekehrt sind! Es wird erwartet, dass sie in einem Korridor westlich und östlich von München weiter in Richtung Alpen wandern.

Das diesjährige Sammeln von Haarproben ist inzwischen beendet. Alle Haarfunde aus Bayern werden nun im Senckenberg Institut in Frankfurt analysiert. Für den Spätherbst werden mit Spannung die Laborergebnisse erwartet. Sie fließen in eine bundesweite Gendatenbank zu Wildkatzen. Ein Nachweis der Wildkatze am Rande der Großstadt München wäre eine Sensation und würde die Bedeutung der naturnahen Bewirtschaftung der städtischen Wälder für den Artenschutz noch einmal deutlich unterstreichen. Auch in Hinblick auf den Flächenerhalt wäre ein Nachweis der Wildkatze ein starkes Argument. Denn bei aller Idylle liegt die Moosschwaige recht isoliert zwischen den sich ausbreitenden Siedlungen im Münchner Westen, der Autobahn und der Umfahrung Germering. Eine bessere Anbindung an die größeren Waldgebiete im Westen und vor allem im Süden wäre ein wichtiger Schritt. Bereits Heckenstrukturen, Feldgehölze oder kleine Wäldchen können Korridore für die Wildkatze sein.

Schutzmaßnahmen für Wiederansiedlung notwendig

Bei der Europäischen Wildkatze handelt es sich um eine eigene Katzenart, auch wenn sie einer wildfarbenen Hauskatze sehr ähnlich sieht. Wildkatzen sind territorial: Kater beanspruchen Reviere bis über 20 Quadratkilometer, Weibchen bis 6 Quadratkilometer Größe. In Baum- oder Felshöhlen werden zwischen zwei und vier Jungtiere allein von der Mutter aufgezogen. Junge Katzen müssen sich neue Reviere suchen, strukturreiche Korridore erleichtern es den Tieren, durch unser Land zu wandern.

Bei allen Erfolgen in der Wiederansiedlung kann die Wildkatze langfristig nur durch länderübergreifende Schutzmaßnahmen gerettet werden. Im Rettungsnetz Wildkatze will der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) ein Netzwerk verbundener Waldgebiete von 20.000 Kilometern Länge in ganz Deutschland schaffen. Dieser Biotopverbund „Wildkatzensprung“ soll Wildkatzen und anderen Tierarten Wanderungen in neue Lebensräume ermöglichen.

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